Bis Mitternacht hat es fürchterlich geregnet - das hätte ich im Zelt sicher nicht überlebt, ich wäre garantiert weggeschwommen.
Ich habe immer gedacht, saunieren wäre gesund. Aber die Temperatur- und Feuchtigkeitswechsel, die ich hier erlebe bringen mir nur eine ausgewachsene Erkältung ein. Die versuche ich jetzt mit Kamillentee und Honig zu bekämpfen. Mich hat's richtig erwischt mit Fieber, Kopfweh und Schwäche. Und trotz Luxuszimmer habe ich kaum geschlafen. Keiner ist da um mich zu bedauern. In Selbstmittleid versunken sattle ich die Lisl, um einfach nur zu fahren. Ich bin nicht wirklich aufnahmefähig - so rollen wir also dahin, von Stadt zu Städtchen. Überall scheint Markt zu sein. Nichts interessiert oder fesselt mich so richtig. Aber vielleicht gibt es auch gar nichts zu sehen? Oder ich bin einfach schon voll mit Eindrücken.
Es ist nicht übermäßig warm, so kann ich den Regenkombi und die warmen Socken anlassen - vielleicht hilft das auch gegen Erkältung? Immerhin bewegen wir uns den ganzen Tag über 2000 m Höhe, manchmal steigen wir sogar auf 2500 m. Wirklich bemerken tun wir das aber nicht. Ab und zu gibt es riesige Kakteenfelder - das sieht schon lustig aus. Zwischendrin weiden immer mal wieder Viebeiner, heute hauptsächlich Esel und ein paar Pferde. Esel werden wohl noch erstaunlich viel für die Fortbewegung benutzt. Die andere Transportart kenne ich schon aus Afrika, ist aber in Europa auch selten gesehen: Pickups, vollgeladen mit Menschen, die auf der Ladefläche sitzen oder stehen.
Durango ist eine häßliche Gegend, dreckig und stinkend - nach allen möglichen Abgasen und Unrat. Da ist es gut, daß eine Autobahn außen herum führt. Irgendwann ist wieder eine Gebühr fällig. Aber da stehen hunderte von Menschen und Fahrzeugen herum, sie protestieren wohl gegen Autobahngebühren. Auf jeden Fall winken sie alle Fahrzeuge durch und die armen Kassierer sitzen machtlos in ihren Häuschen. Hab nix dagegen.
Plötzlich erwacht mein Navi wieder aus dem Koma!!! Der Bildschirm spricht mit mir und auf manche Knöpfe reagiert es schon. Es versteht mich noch nicht ganz, aber ich bin guter Hoffnung! Die Touratech-Leute haben es schon abgeschrieben und mir geraten, ein neues zu kaufen. Hier unterwegs? Ne, nicht mit mir! Dafür zeigt der IMO (Bordcomputer) jetzt Spätfolgen der Wasserschlacht - die Zeit ist stehengeblieben und folglich stimmen auch die "Tageskilometer" nicht mehr.
Ich bin sehr müde und suche schon bald ein Plätzchen. Von der Hauptstraße weg, nach wenigen hundert Metern geht ein Feldweg an einer Mauer entlang - auf der anderen Seite ein Feldrand mit einem ebenen sandigen oder begrasten Fleckchen - ideal für mich. Nah an der Straße aber etwas abseits und versteckt. Im Osten wird der Himmel grau und der Donner grollt schon wieder. Also schnell schnell. Hoffentlich wird's nicht so schlimm!
Heut kommt doch tatsächlich ein Auto zu mir. 2 Jungs wollen wissen (einer ist Texaner und spricht englisch), was ich hier treibe - Leute hätten Angst, ich würde ihre Bohnen klauen. Ich versichere ihnen, daß ich alles hätte und nur hier übernachten wolle, das ist dann in Ordnung. Ach ja, ob ich trinken würde? Nein, nur Wasser. Ok, dann ist ja alles gut.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=jfqzcodyveeybhnw
Samstag, 19. Oktober 2013
Freitag, 18. Oktober 2013
Glück muß man haben!
Morgens ist es noch ganz schön frisch, daher lasse ich mir Zeit. Irgendwann kommt die Sonne durch die Wolken und trocknet das Zelt in Windeseile - jetzt kann's losgehen - ohne Heizweste;-)
Weiterhin begleitet uns entlang der guten Straße eine grüne Weidelandschaft. Einige große Pfützen zeugen allerdings von der doch etwas ungewöhnlichen Nässe. Die Straße läßt 100 km/h leicht zu - das gefällt der Lisl. Gleichmäßig schnurrt sie bei ca. 4000 Umdrehungen vor sich hin. So sind wir bald in Durango.
Hier möchte ich unbedingt eine Post finden, denn ich muß meiner Tochter eine Geburtstagskarte schicken. Das wird sicher ein paar Tage dauern. Da ja das Navi nicht mehr funktioniert muß ich mich durchfragen - bis zur Stadtmitte finde ich. Und die 20ste-November-Straße, an der die Post sein soll, finde ich auch. Das ist sozusagen die Hauptstraße hier. Dann werde ich hierhin und dorthin verwiesen. Sechs Blocks nach Osten soll sie sein. Dort angekommen, weiß keiner was, außer, daß sie in der anderen Richtung sein muss. Ja, ganz am anderen Ende der Straße, praktisch dort, von wo ich gekommen bin. Dort schickt man mich zurück ans andere Ende...und so geht das, bis ich die Straße bestimmt 6 mal hin- und hergefahren bin. Per Zufall finde ich auf der Karte in meinem Handy ein Briefumschlag-Symbol. Ja, das ist die Post!!! Jetzt weiß ich auch, nach welchem Symbol ich Ausschau halten muss. Die Karte wird 12-15 Tage brauchen, egal auf welche Weise sie geschickt wird. Schade, da ist der Geburtstag schon lange um.
Und was zeigt mir die schlaue App als nächstes? Einen Burger King - natürlich mit Internet! Nix wie hin. Diese App leiste ich mir für 4 € - damit kann ich wenigstens sehen, wo ich bin. Wenn sie mich auch nicht lotsen kann. Vielleicht hilft sie auch beim Suchen von Adressen oder wichtigen Einrichtungen?
Ich verbringe eine ganze Zeit in dem Schnellimbiß, Blog schreiben, Bilder hochladen, Hotel-Adressen von den nächsten Ländern suchen. Die braucht man bei der Einreise, weil man an der Grenze immer eine Adresse angeben muss. Ich muss ja nicht tatsächlich dorthin. Als ich fast fertig bin, spricht mich ein junger Vater an, ob das Motorrad dort draußen meins wäre? Die üblichen Bewunderungen und smalltalk wie in Nordamerika, nur eben auf spanisch und daher um Welten schwieriger und kürzer. Na ja, ich erfahre trotzdem, daß er eine 1200er GS BJ 2006 fährt und einen Freund in Peru hat, der demnächst mit dem Moped nach Ushuaia fährt. Er lädt mich ein, heute bei ihm zu wohnen. Aber 14 Uhr ist mir zu früh, ich möchte noch ein wenig fahren. Ein Stückchen Richtung Fresnillo. Ich soll auf keinen Fall zwischen hier und Fresnillo zelten, rät er mir. Dort wäre die Mafia sehr aktiv und es wäre sehr gefährlich. Fresnillo ist sicherer, Zacateca ist auf jeden Fall wieder sicher, sagt er. Ich bedanke mich für den Hinweis; da muß ich mich jetzt beeilen, denn das sind noch mindestens 220 km. Gegen 18 Uhr sollte ich dann dort sein - würde grade noch passen.
Kaum aus Durango draußen bedaure ich meine Entscheidung schon fast, denn vor mir wird es dunkel. Dicke Wolken hängen über den Bergen. Bei den ersten Tropfen krame ich den Regenkombi von ganz unten raus, bringe das nicht mehr dichte Navi in Sicherheit und schließe alle Schotten. Ich bleibe einigermaßen verschont, ab und zu regnet es, hauptsächlich ist aber die Straße ordentlich naß, was hinter einem LKW gar nicht angenehm ist. Erst ca. 40 km vor Fresnillo wird es rabenschwarz und fängt an zu schütten. Hilft nix - ab in die Dunkelkammer. Ich erinnere mich an unsere diesjährige Hochwasserkatastrophe - nur war ich ja da nicht mit dem Moped unterwegs.
Eigentlich habe ich mich schon seit einiger Zeit entschlossen, heute ein Zimmer zu nehmen, denn erstens ist die Gegend hier ziemlich besiedelt, also kaum Zeltmöglichkeiten und zweitens...das Wetter. Ja, ich bin ein Weichei.
Mann Leute, das ist der Wahnsinn!! Am Ortseingang von Fresnillo steht auf der gegenüberliegenden Seite ein großes Schild "Motel Oasis". Sieht gepflegt und teuer aus - schau mer mol. Ein Schild zeigt die Gebühren: 300 Pesos (18 €; im Vergleich: ein kanadischer Zeltplatz ohne alles außer Plumpsklo kostet mindestens 10 €!), das hatte ich mir als Limit gesetzt - paßt ja genau. Am Eingang gibt es nur eine Fernsprecheinrichtung die mich begrüßt. Ich verstehe nicht alles aber zum Glück taucht ein paar Meter weiter ein Zimmermädchen auf, das mir Zimmer 10 zuweist. Du fährst zwischen benummerten Garagentoren durch bis zur Nr.10. Das Tor steht offen. Die Lisl rollt in die gefließte Garage (mit elekrtisch schließendem Tor), am Ende ist eine offene Tür, die direkt in's Zimmer - was sag ich, in die Suite führt!!! Die Lisl darf also mit auf's Zimmer, sozusagen. Und ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, daß ich sie heute wieder mal im Regen stehen lasse getreu dem Motto "Mopeds müssen draußen bleiben". Nach kurzer Zeit kommt die Empfangsdame, ich kann mit Karte zahlen, sie haben WiFi. Ein Restaurant gibt es hier leider nicht, aber das macht mir nix. Als sie mich verläßt gießt es aus Kübeln und das Wasser strömt in die Garage - kriegt die Lisl halt etwas nasse Füße. Aber ansonsten bleiben wir trocken!
Waschbecken, funktionierendes WC und Dusche sind je in einem eigenen gefließten Raum mit Beleuchtung, die per Bewegungssensor heller wird! Die Dusche liefert richtig viel Wasser, nach kurzer Zeit wird es sogar warm, ne heiß. Sie haben außer Seife sogar Shampoo im Angebot. Und alles ohne Kakerlaken! Luxus pur! Ich mag gar nicht mehr aus der heißen Dusche raus, aber als ich mich endlich losgerissen habe, erschüttern kräftige Donnerschläge das ganze Gebäude, so daß ich Angst bekomme, es könnte einstürzen. Blitz, Donner und Sturzregen toben sich jetzt so richtig aus, Internet fällt aus, es schüttet, prasselt und poltert - was haben wir doch für ein Glück!!!
Weiterhin begleitet uns entlang der guten Straße eine grüne Weidelandschaft. Einige große Pfützen zeugen allerdings von der doch etwas ungewöhnlichen Nässe. Die Straße läßt 100 km/h leicht zu - das gefällt der Lisl. Gleichmäßig schnurrt sie bei ca. 4000 Umdrehungen vor sich hin. So sind wir bald in Durango.
Hier möchte ich unbedingt eine Post finden, denn ich muß meiner Tochter eine Geburtstagskarte schicken. Das wird sicher ein paar Tage dauern. Da ja das Navi nicht mehr funktioniert muß ich mich durchfragen - bis zur Stadtmitte finde ich. Und die 20ste-November-Straße, an der die Post sein soll, finde ich auch. Das ist sozusagen die Hauptstraße hier. Dann werde ich hierhin und dorthin verwiesen. Sechs Blocks nach Osten soll sie sein. Dort angekommen, weiß keiner was, außer, daß sie in der anderen Richtung sein muss. Ja, ganz am anderen Ende der Straße, praktisch dort, von wo ich gekommen bin. Dort schickt man mich zurück ans andere Ende...und so geht das, bis ich die Straße bestimmt 6 mal hin- und hergefahren bin. Per Zufall finde ich auf der Karte in meinem Handy ein Briefumschlag-Symbol. Ja, das ist die Post!!! Jetzt weiß ich auch, nach welchem Symbol ich Ausschau halten muss. Die Karte wird 12-15 Tage brauchen, egal auf welche Weise sie geschickt wird. Schade, da ist der Geburtstag schon lange um.
Und was zeigt mir die schlaue App als nächstes? Einen Burger King - natürlich mit Internet! Nix wie hin. Diese App leiste ich mir für 4 € - damit kann ich wenigstens sehen, wo ich bin. Wenn sie mich auch nicht lotsen kann. Vielleicht hilft sie auch beim Suchen von Adressen oder wichtigen Einrichtungen?
Ich verbringe eine ganze Zeit in dem Schnellimbiß, Blog schreiben, Bilder hochladen, Hotel-Adressen von den nächsten Ländern suchen. Die braucht man bei der Einreise, weil man an der Grenze immer eine Adresse angeben muss. Ich muss ja nicht tatsächlich dorthin. Als ich fast fertig bin, spricht mich ein junger Vater an, ob das Motorrad dort draußen meins wäre? Die üblichen Bewunderungen und smalltalk wie in Nordamerika, nur eben auf spanisch und daher um Welten schwieriger und kürzer. Na ja, ich erfahre trotzdem, daß er eine 1200er GS BJ 2006 fährt und einen Freund in Peru hat, der demnächst mit dem Moped nach Ushuaia fährt. Er lädt mich ein, heute bei ihm zu wohnen. Aber 14 Uhr ist mir zu früh, ich möchte noch ein wenig fahren. Ein Stückchen Richtung Fresnillo. Ich soll auf keinen Fall zwischen hier und Fresnillo zelten, rät er mir. Dort wäre die Mafia sehr aktiv und es wäre sehr gefährlich. Fresnillo ist sicherer, Zacateca ist auf jeden Fall wieder sicher, sagt er. Ich bedanke mich für den Hinweis; da muß ich mich jetzt beeilen, denn das sind noch mindestens 220 km. Gegen 18 Uhr sollte ich dann dort sein - würde grade noch passen.
Kaum aus Durango draußen bedaure ich meine Entscheidung schon fast, denn vor mir wird es dunkel. Dicke Wolken hängen über den Bergen. Bei den ersten Tropfen krame ich den Regenkombi von ganz unten raus, bringe das nicht mehr dichte Navi in Sicherheit und schließe alle Schotten. Ich bleibe einigermaßen verschont, ab und zu regnet es, hauptsächlich ist aber die Straße ordentlich naß, was hinter einem LKW gar nicht angenehm ist. Erst ca. 40 km vor Fresnillo wird es rabenschwarz und fängt an zu schütten. Hilft nix - ab in die Dunkelkammer. Ich erinnere mich an unsere diesjährige Hochwasserkatastrophe - nur war ich ja da nicht mit dem Moped unterwegs.
Eigentlich habe ich mich schon seit einiger Zeit entschlossen, heute ein Zimmer zu nehmen, denn erstens ist die Gegend hier ziemlich besiedelt, also kaum Zeltmöglichkeiten und zweitens...das Wetter. Ja, ich bin ein Weichei.
Mann Leute, das ist der Wahnsinn!! Am Ortseingang von Fresnillo steht auf der gegenüberliegenden Seite ein großes Schild "Motel Oasis". Sieht gepflegt und teuer aus - schau mer mol. Ein Schild zeigt die Gebühren: 300 Pesos (18 €; im Vergleich: ein kanadischer Zeltplatz ohne alles außer Plumpsklo kostet mindestens 10 €!), das hatte ich mir als Limit gesetzt - paßt ja genau. Am Eingang gibt es nur eine Fernsprecheinrichtung die mich begrüßt. Ich verstehe nicht alles aber zum Glück taucht ein paar Meter weiter ein Zimmermädchen auf, das mir Zimmer 10 zuweist. Du fährst zwischen benummerten Garagentoren durch bis zur Nr.10. Das Tor steht offen. Die Lisl rollt in die gefließte Garage (mit elekrtisch schließendem Tor), am Ende ist eine offene Tür, die direkt in's Zimmer - was sag ich, in die Suite führt!!! Die Lisl darf also mit auf's Zimmer, sozusagen. Und ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, daß ich sie heute wieder mal im Regen stehen lasse getreu dem Motto "Mopeds müssen draußen bleiben". Nach kurzer Zeit kommt die Empfangsdame, ich kann mit Karte zahlen, sie haben WiFi. Ein Restaurant gibt es hier leider nicht, aber das macht mir nix. Als sie mich verläßt gießt es aus Kübeln und das Wasser strömt in die Garage - kriegt die Lisl halt etwas nasse Füße. Aber ansonsten bleiben wir trocken!
Waschbecken, funktionierendes WC und Dusche sind je in einem eigenen gefließten Raum mit Beleuchtung, die per Bewegungssensor heller wird! Die Dusche liefert richtig viel Wasser, nach kurzer Zeit wird es sogar warm, ne heiß. Sie haben außer Seife sogar Shampoo im Angebot. Und alles ohne Kakerlaken! Luxus pur! Ich mag gar nicht mehr aus der heißen Dusche raus, aber als ich mich endlich losgerissen habe, erschüttern kräftige Donnerschläge das ganze Gebäude, so daß ich Angst bekomme, es könnte einstürzen. Blitz, Donner und Sturzregen toben sich jetzt so richtig aus, Internet fällt aus, es schüttet, prasselt und poltert - was haben wir doch für ein Glück!!!
Donnerstag, 17. Oktober 2013
Ein ganz normaler Tag
Kein Regen heute Nacht! Nur Kondenswasser im Zelt, das bis zum abbauen leider nicht verdunstet. Die Sonne scheint zwischen leichten Wölkchen hindurch, es ist früher Morgen, hat 18 Grad und eine superklare Luft! Ideale Voraussetzungen für einen Ausritt mit der Lisl!
Auf felsigem Untergrund erstrecken sich große gelbgründe mit Bäumen durchsetzte Weiden, ab und zu gibt es ein Maisfeld. Kerzengerade Straßen lassen uns träumen, die Umgebung wird zunehmend grüner und gelbe Blumen strahlen über große Flächen.
Ist das eine herrliche Aussicht - über die Bergketten! Die ersten Berge leuchten in hellem kräftigem Grün, die nächste Reihe liegt dunkelgrün dahinter. Dann ändern sich die Farben mit der Entfernung von einem dunklen Türkis über Dunkelblau bis schließlich die letzte Bergkette hellblau mit dem Himmel verschmilzt. Momente des Glücks! Die aber hinter der nächsten Kurve schon vorbei sind, weil die Aussicht in der Schlucht verschwindet. Dafür können wir wunderbare Kurven auf ordentlichem Asphalt genießen!
Meine Gedanken streifen die Frage, ob ich immer so reisen könnte und wollte, wenn ich frei wäre von irgendwelchen Zwängen. Eine Antwort darauf gibt es vorerst nicht.
Ein ständiger Kontrollposten an der Grenze zum Bezirk Durango gehört der Forstbehörde - wieder etwas Neues.
Die Straße ist anscheinend noch im größeren Bau begriffen, auf jeden Fall gibt es ewig lange Umleitungen, d.h. man weicht auf die parallel verlaufende staubige Piste aus. Um den Staub erträglich zu halten fahren Tankwagen mit Wasserwerfen darüber und sprengen. Alles und jeder wird naß! Als ich in die Nähe so eines Wasserwerfers komme, sehe ich, daß die Bedienung manuell ist, das heißt, oben auf dem Tank sitz ein Mann und schwenkt großzügig einen dicken Wasserschlauch. Er hat ein Einsehen mit mir und spart mich beim Wässern aus - danke!
Apropos Wasser:
Zum Einen versuche ich heute, mein Handy dazu zu überreden, wenigstens Teile der Aufgaben des Navi zu übernehmen - es soll mindestens für Euch aufzeichnen, wo ich mich so rumtreibe.
Zum Anderen möchte ich den Garmin wieder trocken bekommen. Keine Ahnung, wie und wo das Wasser reingekommen ist, aber ich muß ihm wohl einen Weg heraus zeigen - von alleine findet es den nicht. Also bohre ich schweren Herzens mit dem Taschenmesser ein Loch in's Display. Jetzt heißt es abwarten und (Kamillen)tee trinken.
Liebe Kollegen: vergeßt die Funktionsentwicklung - alles Käse! Seht zu, daß die Räder rumgehen und der Scheibenwischer funktioniert.
Rechtzeitig vor Durango finde ich einen Feldweg, der von der Fast-Autobahn abzweigt. Er führt 20 m parallel zur Straße hinter einemn Wall aus Blumen entlang und bietet mir ein schön begrastes Plätzchen. Ich muß wohl aufpassen, daß die Riesengrashüpfer hier keine "Zelthüpfer" werden...und natürlich gibt es hier Moskitos! In der Ferne leuchtet ein kleiner See vor der Bergkulisse.
Und was soll ich sagen, ich bin schon wieder unter die Zeitreisenden gegangen - eine weitere Stunde ist verloren gegangen. Ich weiß ja gar nicht mehr, welche Zeit wir tatsächlich haben.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=fxnnxidggvvtpqos
Mittwoch, 16. Oktober 2013
Wasserschäden
Meine Klamotten sind am Morgen noch lange nicht trocken, sie sind kalt und klamm. Draußen hängen die Wolken genauso bedrohlich über mir wie gestern, aber immerhin ist es von oben trocken. Die Lisl muß sich trotzdem durch Schlaglochseen kämpfen.
Gestern war ich noch stark und stolz darauf, daß mich nichts klein kriegen kann, heute habe ich die Quittung: Heiserkeit und starkes Kratzen im Hals, leichte Kopfschmerzen und der Zahn zwickt auch wieder.
Das Navi hat über Nacht seinen Dienst vollständig eingestellt, ich kann es heute nicht mehr zum Leben erwecken. Die Lisl hat das Abenteuer wohl noch am Besten überstanden, sie schnurrt heute wieder zuverlässig vor sich hin. Mit der Zündspule werde ich mich aber sicher später nochmal befassen müssen.
Bei knapp 13 Grad habe ich die volle Montur angezogen, warme Socken und sogar die Lenkerstulpen montiert. Die Straße ist gut und mausert sich sogar zu Autobahn. Gegen Mittag sichte ich zum ersten mal ein blaues Löchlein in der Wolkendecke. Die Benebelung hat sich anscheinend auch in meinem Kopf breit gemacht - ich vergesse zu tanken. Irgendwann auf freier Strecke erinnert mich die Lisl daran, indem sie zu stottern anfängt. Mit meinen knapp 50 km Reserve wird es hier aber sehr knapp. Und mein Navi kann mir auch nicht mehr sagen, wo die nächste Tanke ist! Hinter der nächsten Bergkuppe sichte ich Gott sei Dank eine größere Ortschaft. Es ist zwar noch nicht Hidalgo, wie ich der Meinung war, aber tanken kann ich trotzdem. Dummerweise nehmen sie keine Kreditkarten. Und jetzt bin ich völlig daneben - ich lese 4400 Pesos! So viel habe ich nicht bar - über die Straße gibt es einen Geldautomaten, der allerdings nur noch 2000 ausspuckt. Mexikaner sind ehrlich - als ich dem Tankwart mehrere tausend Pesos in die Hand drücke, korrigiert er mich und nimmt nur die 440. Kurz darauf will ich in einem Restaurant meine Rechnung begleichen, da passiert mir das selbe Malheur - 30 statt 13 Pesos. Was ist nur mit mir los?
Ich finde heute schon vor 5 Uhr ein Plätzchen und bin darüber gar nicht traurig. Erstens bin ich doch noch ziemlich müde und zweitens muß ich ja noch einige Wasserschäden beheben. Anscheinend hat sich der Regen durch alle Labyrinthe geschlichen und ist in alle ach so dichten Ortliebsäcke eingedrungen. Die Klamotten haben die Feuchtigkeit dankbar aufgesogen, also ist großes Trocknen und Lüften angesagt. Das Zelt hatte ich ja ohnehin naß eingepackt, beim Auspacken läuft die Soße nur so weg. Die Sonne ist noch kräftig (mittlerweile hat es wieder 28 Grad) und etwas später kommt ein warmes Windchen auf - ich kann gar nicht so schnell gucken, wie das Zelt abtrocknet. Beim weiteren Auspacken (heute gibt es mal wieder Campingessen) fällt mir der Kocher in Einzelteilen entgegen - also wieder etwas Schraubarbeit.
Wir sind hier auf einer weiten Ebene hinter Hidalgo del Parral. Ich habe eine Erdstraße abzweigen sehen, und davon ging nochmal ein Feldweg ab. Zwischen den Bäumen kann ich mich ein wenig verstecken und bin dabei ganz nah an der Hauptstraße. Ist doch leichter als in den Bergen, hier etwas zu finden. Es ist eine klare Vollmondnacht, im Norden hängen dicke Wolken die mit kräftigen Blitzen um sich werfen. Hoffentlich besuchen die mich heute Nacht nicht.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=tngolksccvphtlsx
Dienstag, 15. Oktober 2013
Trist
Über Nacht hat es sich eingeregnet. Ich mache mir am Morgen noch nicht einmal die Mühe, das Zelt abzutrocknen. Es nieselt weiterhin und rings um uns sind Wolken, also krame ich den Regenkombi von ganz unten heraus. Ich fürchte, darin gekocht zu werden, aber die Temperaturen fallen rasch auf 15 und dann auf 12 Grad. Da bin ich froh, daß ich was Warmes anhabe.
Die schöne Straße! Das tolle Fahrerlebnis - zerstört vom Regen! Hinter jeder Kurve müssen wir mit frischen Steinschlägen oder Erdrutschen rechnen, die Straßenarbeiter sind schon fleißig am Schaufeln. Fotos? Ne, heute kann ich keine machen. Vor lauter Wolken ist ja nichts zu sehen! Schade, denn die Landschaft auf den Hochebenen scheint schön zu sein. Weiden und Bäume. Schroffe Berge. Das Wetter legt sich auf's Gemüt und so zockeln wir dahin - trist. Triste Gedanken.
Es wird schlimmer, der Regen nimmt zu, heftiger Dauerregen hat sich eingestellt. Bisher habe ich mich in meinem Superanzug immer gewappnet gefühlt, aber auf einmal fühlt sich alles naß und klamm an. Scheint ja doch nicht dicht zu sein, das Teil. Die Brille ist außen klatschnaß, innen beschlagen, die Armaturen kann ich kaum erkennen. In mir zieht sich alles zurück, konzentriert sich auf die Mitte, um sie warm zu halten. Die Zehen sind eingerollt, die Hände krampfen sich um die Griffheizung. Ich sehne mich nur nach einem trockenen warmen Raum!
Der taucht kurz darauf in Form eines kleinen Restaurants auf. Immerhin kann ich einen Hamburger bekommen und meine Jacke kurz mal ausziehen. Von warm kann keine Rede sein, aber immerhin trocken. Der Regen sei normal, behauptet die junge Köchin, aber das glaube ich nicht. Mehrere Zentimeter tiefe Schlammbäche haben sich jetzt gebildet.
Bis Chihuahua werden noch 350 km angezeigt! Und davor kommt nichts! Die paar Häuser sind lediglich Bauerndörfer oder Camps. Keine Infrastruktur, kein Laden, kein Hotel, kein Campingplatz - nichts. Eigentlich wollte ich eine Kategorie-2-Straße nach Hidalgo nehmen und dabei nochmal an der Kupferschlucht vorbeifahren. Aber angesichts der Wassermassen und der jetzt auch auf dieser Straße zunehmnden Schlaglöcher, werde ich meinen Plan wohl umschmeißen und die längere "bessere" Strecke nehmen. Auf der Karte ist die Strecke stark idealisiert, d.h. man sieht den groben Verlauf. In Wirklichkeit muß man sich jeden Meter 3 mal so lang vorstellen, denn gerade Streckenstücke gibt es praktisch nicht.
Seit einiger Zeit ist eine Ortschaft angeschrieben - La Junta. Muß ja dann wohl was Größeres sein und ein Hotel haben, vermute ich. Dort angekommen finde ich Schlammstraßen und Wohnhäuser, von "Stadtzentrum" keine Spur. Durch mehrmaliges Fragen werde ich tatsächlich zum einzigen Hotel am Ort gelotst - 300 Pesos. Das ist mein oberes Limit, allerdings habe ich dafür etwas mehr erwartet. Immerhin hat es ein Bett und eine Toilette. Warm ist es nicht, also mal sehen, wie klamm die Klamotten morgen noch sind.
Die Lisl muß leider draußen im Regen stehen - immerhin darf sie in den abgeschlossenen Hinterhof. Sie ist wirklich tapfer, auch sie leidet schwer unter den Wassermassen. Sie spuckt und hustet ziemlich viel, im Stand geht sie sogar ganz aus. Aber in den entscheidenden Momenten ist sie da und zieht mich um die Ecke oder den Berg hinauf. Brave Lisl!!! Mein erster Verdacht, sie hätte vielleicht Wasser geschluckt erhärtet sich beim Blick in die Vergaser leider nicht. Das wäre das einfachere Problem gewesen. Der nächste Verdacht gilt der Zündspule, aber ich habe keine Lust, jetzt dort mit schrauben anzufangen. Wenn es morgen wieder trocken ist, geht's vielleicht wieder? Wenn nicht, muß ich mir auf jeden Fall ein trockenes Plätzchen zum Schrauben suchen.
Beim abendlichen Tagesrevies und Blogschreiben taucht der nächste Wasserschaden auf - abgesehen von Lexika und Foto im doppelt abgedichteten Tankrucksack. Mein gutes Navi, das ich für absolut wassericht gehalten habe, reagiert nicht mehr. Im Display stehen Wassertropfen und zu den Bedienknöpfen trielt das Wasser heraus. Wenn sich das nicht mehr erholt bin ich echt aufgeschmissen! Drückt mir die Daumen oder schickt einen Fön...
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=vlechzyqtlixpxfh
Die schöne Straße! Das tolle Fahrerlebnis - zerstört vom Regen! Hinter jeder Kurve müssen wir mit frischen Steinschlägen oder Erdrutschen rechnen, die Straßenarbeiter sind schon fleißig am Schaufeln. Fotos? Ne, heute kann ich keine machen. Vor lauter Wolken ist ja nichts zu sehen! Schade, denn die Landschaft auf den Hochebenen scheint schön zu sein. Weiden und Bäume. Schroffe Berge. Das Wetter legt sich auf's Gemüt und so zockeln wir dahin - trist. Triste Gedanken.
Es wird schlimmer, der Regen nimmt zu, heftiger Dauerregen hat sich eingestellt. Bisher habe ich mich in meinem Superanzug immer gewappnet gefühlt, aber auf einmal fühlt sich alles naß und klamm an. Scheint ja doch nicht dicht zu sein, das Teil. Die Brille ist außen klatschnaß, innen beschlagen, die Armaturen kann ich kaum erkennen. In mir zieht sich alles zurück, konzentriert sich auf die Mitte, um sie warm zu halten. Die Zehen sind eingerollt, die Hände krampfen sich um die Griffheizung. Ich sehne mich nur nach einem trockenen warmen Raum!
Der taucht kurz darauf in Form eines kleinen Restaurants auf. Immerhin kann ich einen Hamburger bekommen und meine Jacke kurz mal ausziehen. Von warm kann keine Rede sein, aber immerhin trocken. Der Regen sei normal, behauptet die junge Köchin, aber das glaube ich nicht. Mehrere Zentimeter tiefe Schlammbäche haben sich jetzt gebildet.
Bis Chihuahua werden noch 350 km angezeigt! Und davor kommt nichts! Die paar Häuser sind lediglich Bauerndörfer oder Camps. Keine Infrastruktur, kein Laden, kein Hotel, kein Campingplatz - nichts. Eigentlich wollte ich eine Kategorie-2-Straße nach Hidalgo nehmen und dabei nochmal an der Kupferschlucht vorbeifahren. Aber angesichts der Wassermassen und der jetzt auch auf dieser Straße zunehmnden Schlaglöcher, werde ich meinen Plan wohl umschmeißen und die längere "bessere" Strecke nehmen. Auf der Karte ist die Strecke stark idealisiert, d.h. man sieht den groben Verlauf. In Wirklichkeit muß man sich jeden Meter 3 mal so lang vorstellen, denn gerade Streckenstücke gibt es praktisch nicht.
Seit einiger Zeit ist eine Ortschaft angeschrieben - La Junta. Muß ja dann wohl was Größeres sein und ein Hotel haben, vermute ich. Dort angekommen finde ich Schlammstraßen und Wohnhäuser, von "Stadtzentrum" keine Spur. Durch mehrmaliges Fragen werde ich tatsächlich zum einzigen Hotel am Ort gelotst - 300 Pesos. Das ist mein oberes Limit, allerdings habe ich dafür etwas mehr erwartet. Immerhin hat es ein Bett und eine Toilette. Warm ist es nicht, also mal sehen, wie klamm die Klamotten morgen noch sind.
Die Lisl muß leider draußen im Regen stehen - immerhin darf sie in den abgeschlossenen Hinterhof. Sie ist wirklich tapfer, auch sie leidet schwer unter den Wassermassen. Sie spuckt und hustet ziemlich viel, im Stand geht sie sogar ganz aus. Aber in den entscheidenden Momenten ist sie da und zieht mich um die Ecke oder den Berg hinauf. Brave Lisl!!! Mein erster Verdacht, sie hätte vielleicht Wasser geschluckt erhärtet sich beim Blick in die Vergaser leider nicht. Das wäre das einfachere Problem gewesen. Der nächste Verdacht gilt der Zündspule, aber ich habe keine Lust, jetzt dort mit schrauben anzufangen. Wenn es morgen wieder trocken ist, geht's vielleicht wieder? Wenn nicht, muß ich mir auf jeden Fall ein trockenes Plätzchen zum Schrauben suchen.
Beim abendlichen Tagesrevies und Blogschreiben taucht der nächste Wasserschaden auf - abgesehen von Lexika und Foto im doppelt abgedichteten Tankrucksack. Mein gutes Navi, das ich für absolut wassericht gehalten habe, reagiert nicht mehr. Im Display stehen Wassertropfen und zu den Bedienknöpfen trielt das Wasser heraus. Wenn sich das nicht mehr erholt bin ich echt aufgeschmissen! Drückt mir die Daumen oder schickt einen Fön...
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=vlechzyqtlixpxfh
Montag, 14. Oktober 2013
Ab in die Berge
Am Morgen dauert es lange, bis ich mich zum Hotel hinaustraue und alle Sachen wieder ihren Stammplatz gefunden haben. Es ist schon nach 10, als wir wegkommen. Zum Eingewöhnen schwingen wir uns erstmal auf die Autobahn Richtung Norden. Die kostet hier Maut - ca. 1 Peso pro km; sie ist noch im Bau und an vielen Stellen nur einspurig. Hordenweise kommen mir hier Motorradfahrer entgegen, einzeln oder in Gruppen. Wo die wohl alle hinwollen???
Kontrollen gibt es hier wie Sand am Meer. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wer alles kontrollieren darf! Von Militär und Polizei mal abgesehen, habe ich Agrar- und Steuerfahnder gesehen. Allerdings wurde ich immer durchgewunken; schließlich bin ich ja jetzt auch "legal" hier! Ob man mir das ansieht???
Obwohl die Sitze im Chepe sehr gemütlich waren, tut es gut, wieder in der Lisl zu sitzen; wir passen einfach zusammen. Es hat ca. 30 Grad, ist bedeckt und einfach nur schwül. Eine Menge Insekten schwirren in der Luft herum, ein ziemlich großes töte ich wohl mit meinem Gesicht. Im Todeskampf sticht es noch wild um sich, woran ich noch sehr lange zehre. Ab und zu spüre ich auch einen Wassertropfen. Am frühen Nachmittag haben diese sich unmerklich zu einem feinen Schnürlregen gemausert. Eigentlich stört mich das nicht sehr, ist ja warm; wenn die Tropfen nur im Gesicht nicht so hart aufschlagen würden!
Hinter Obregon möchte ich eine Nebenstraße Richtung Chihuahua nehmen. Auf der Karte hat sie eine mittlere Kategorie aber mein Navi kennt sie anscheinend überhaupt nicht. Dennoch, es gibt sie! Und sie ist asphaltiert. Vorsicht ist geboten, denn völlig ohne Vorwarnung tauchen unausweichliche Schlaglöcher auf - teilweise sind sie so groß, daß sie uns komplett verschlingen könnten! Aber sonst ist es ein hübsches Sträßchen, das sich kurvenreich durch die Berge schlängelt. Die Kurven vervielfältigen sich durch die Schlaglochumfahrungen noch um Einiges. Die Berge bilden ein bizarres Panaorama, das die seltsam halbrund gebogenen Bäume wunderbar ergänzen. Auch die Geier auf den Kakteen passen super in dieses Bild - aber auf mich warten sie vergeblich!
Zum Glück ist wenig Verkehr, Motorradfahrer treffe ich nur einmal, als eine Gruppe halbwild aussehender Harleyfahrer Mittagspause macht. Wir wechseln uns mit Pausen und Vorbeifahrten ab. Als wir auf die Mx-16, also die Hauptsraße kommen, stecken sie mitten in einer Militärkontrolle. Ich halte an und warte, bis ich dran bin. Ob ich die Gruppe kennen würde? Lieber nicht...ich muß nur eine Tanktasche öffnen und darf dann weiterfahren.
Ist das eine herrliche Straße! Super gut asphaltiert (fast) ohne Überraschungen und eine Kurve nach der anderen! Wenn das so weitergeht, dann wird das morgen ein toller Tag! Wir dürfen nur nicht hinter einem LKW hängen, da sind wir verloren.
Es ist später Nachmittag und ich halte schon eine ganze Zeit lang vergeblich Ausschau nach einem Zeltplatz. In den steilen Bergen hier ist nichts zu finden. Es gibt auch keine Park- oder Ausweichplätze. Ich muß mich vermutlich an den Gedanken gewöhnen, in Hotels/Motels zu übernachten, wie es mir auch schon von erfahrenen Reisenden gesagt wurde. Aber da, hinter dieser Kurve steht ein großes Haus am Hang, davor ein riesiger teilweise grasbewachsener Platz! Vor dem Haus sitzen Menschen, die frag ich einfach mal, ob ich hier zelten darf. Natürlich! Klasse, ich freu mich. My tent is my home!
Ich bin auf 1500 m, es ist bewölkt und nieselt gelegentlich, es hat super angenehme 23 Grad und ich habe einen schönen Blick über die Berge. Einziger Nachteil: an der Steigung direkt neben mir bremsen die LKW mit Motorbremse und das knattert wahnsinnig! So einen Krach dürften die bei uns nicht machen - jetzt verstehe ich auch, warum es an Ortschaften so häufig das Verbot für Motorbremsen gibt!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=cafomwumxqqadzug
Kontrollen gibt es hier wie Sand am Meer. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wer alles kontrollieren darf! Von Militär und Polizei mal abgesehen, habe ich Agrar- und Steuerfahnder gesehen. Allerdings wurde ich immer durchgewunken; schließlich bin ich ja jetzt auch "legal" hier! Ob man mir das ansieht???
Obwohl die Sitze im Chepe sehr gemütlich waren, tut es gut, wieder in der Lisl zu sitzen; wir passen einfach zusammen. Es hat ca. 30 Grad, ist bedeckt und einfach nur schwül. Eine Menge Insekten schwirren in der Luft herum, ein ziemlich großes töte ich wohl mit meinem Gesicht. Im Todeskampf sticht es noch wild um sich, woran ich noch sehr lange zehre. Ab und zu spüre ich auch einen Wassertropfen. Am frühen Nachmittag haben diese sich unmerklich zu einem feinen Schnürlregen gemausert. Eigentlich stört mich das nicht sehr, ist ja warm; wenn die Tropfen nur im Gesicht nicht so hart aufschlagen würden!
Hinter Obregon möchte ich eine Nebenstraße Richtung Chihuahua nehmen. Auf der Karte hat sie eine mittlere Kategorie aber mein Navi kennt sie anscheinend überhaupt nicht. Dennoch, es gibt sie! Und sie ist asphaltiert. Vorsicht ist geboten, denn völlig ohne Vorwarnung tauchen unausweichliche Schlaglöcher auf - teilweise sind sie so groß, daß sie uns komplett verschlingen könnten! Aber sonst ist es ein hübsches Sträßchen, das sich kurvenreich durch die Berge schlängelt. Die Kurven vervielfältigen sich durch die Schlaglochumfahrungen noch um Einiges. Die Berge bilden ein bizarres Panaorama, das die seltsam halbrund gebogenen Bäume wunderbar ergänzen. Auch die Geier auf den Kakteen passen super in dieses Bild - aber auf mich warten sie vergeblich!
Zum Glück ist wenig Verkehr, Motorradfahrer treffe ich nur einmal, als eine Gruppe halbwild aussehender Harleyfahrer Mittagspause macht. Wir wechseln uns mit Pausen und Vorbeifahrten ab. Als wir auf die Mx-16, also die Hauptsraße kommen, stecken sie mitten in einer Militärkontrolle. Ich halte an und warte, bis ich dran bin. Ob ich die Gruppe kennen würde? Lieber nicht...ich muß nur eine Tanktasche öffnen und darf dann weiterfahren.
Ist das eine herrliche Straße! Super gut asphaltiert (fast) ohne Überraschungen und eine Kurve nach der anderen! Wenn das so weitergeht, dann wird das morgen ein toller Tag! Wir dürfen nur nicht hinter einem LKW hängen, da sind wir verloren.
Es ist später Nachmittag und ich halte schon eine ganze Zeit lang vergeblich Ausschau nach einem Zeltplatz. In den steilen Bergen hier ist nichts zu finden. Es gibt auch keine Park- oder Ausweichplätze. Ich muß mich vermutlich an den Gedanken gewöhnen, in Hotels/Motels zu übernachten, wie es mir auch schon von erfahrenen Reisenden gesagt wurde. Aber da, hinter dieser Kurve steht ein großes Haus am Hang, davor ein riesiger teilweise grasbewachsener Platz! Vor dem Haus sitzen Menschen, die frag ich einfach mal, ob ich hier zelten darf. Natürlich! Klasse, ich freu mich. My tent is my home!
Ich bin auf 1500 m, es ist bewölkt und nieselt gelegentlich, es hat super angenehme 23 Grad und ich habe einen schönen Blick über die Berge. Einziger Nachteil: an der Steigung direkt neben mir bremsen die LKW mit Motorbremse und das knattert wahnsinnig! So einen Krach dürften die bei uns nicht machen - jetzt verstehe ich auch, warum es an Ortschaften so häufig das Verbot für Motorbremsen gibt!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=cafomwumxqqadzug
Sonntag, 13. Oktober 2013
Kupferschlucht II
Ich reise nur mit sehr kleinem Gepäck, d.h. ein Rucksäckchen, in dem Wertsachen und Elektronik sowie eine Zahnbürste drin sind. Das muss reichen. Am Vormittag nutze ich im Hotel noch das Internet, um den nächsten Reiseabschnitt zu planen. Ich habe am 15.November die Karibik-Kreuzfahrt gebucht, außerdem habe ich ja in Mexiko ein Zeitlimit von 30 Tagen. Trotzdem möchte ich auf der Straße nochmal nach Norden, um von dort aus Richtung Kupferschlucht zu fahren )ein Umweg von 700 km) - auf dem Schiff haben mir 3 einheimische Mopedfahrer gesagt, das wäre eine sehr schöne Straße. Sehenswürdigkeiten habe ich ansonsten hier keine eingeplant.
Ich streune nochmal kurz durch Creel, decke mich mit Verpflegung für den Tag ein und nutze einen Copyshop, um von Pass und Fahrzeugschein Kopien auf Vorrat zu drucken. Die werde ich an den kommenden Grenzen brauchen.
Die Rückfahrt mit dem Zug ist nicht mehr ganz so spannend, weil ich die Landschaft ja schon bestaunt habe. Interessant sind die Menschen, insbesondere die Kinder, die versuchen, den Zuggästen ihre Waren zu verkaufen. Die kleinen Jungs haben ja so herrlich rabenschwarze Stoppelhaare über dem verschmierten Gesicht - und die Mädels stellen ihre prächtig bunten Kleidchen zur Schau. Ein etwa 5-jähriger Knirps rennt mit einer riesigen Schubkarre den Bahndamm entlang - hunderte von Metern. Dann ist er ordentlich erschöpft - aber jetzt muß er einen steilen Berg hinauf. Ich sehe nur noch, wie ihn die Karre rückwärts rollend umwirft - armer tapferer Kerl.
Es sind auch Rucksacktouristen an Bord; ich vermute sogar Europäer. Aber seltsam - hier springt kein Funke über; wir kommen nicht in Kontakt - der zweirädrige Untersatz fehlt wohl.
An der Kupferschlucht gibt es wieder - wie gestern - einen Halt zum Aussteigen, Umschauen, Einkaufen... Ein Früchtecocktail hat es mir schon gestern angetan - heute gönne ich ihn mir. Ananas und Melone mit einer gut aussehenden roten Soße - aber igitt - das ist Chili! Der gute Cocktail - pfui. Mir schmeckt das nicht. Schade.
Das "kleine Gepäck" hat Konsequenzen, die Akus von Foto und Navi halten anscheinend keine 48 Stunden durch, so daß ich gegen Ende nicht mehr fotografieren kann. Hoffentlich ist die Nacht im Hotel heute lang genug, um alle Geräte wieder aufzuladen. Mein strahlend weißes Beverly Hills T-Shirt ist dieselrußgetränkt. Und der Rucksack ist überfordert - er geht an allen Nähten aus dem Leim.
Ich hab zwar den Eindruck, als ob der Zug bergab etwas schneller wäre, aber die Reisedauer ist dennoch die selbe. Ganz ungefährlich scheint die Strecke ja nicht zu sein - unser Zugführer bremst auch immer brav ab. In einigen Schluchten liegen allerdings Relikte aus vergangenen Unglücken - verrostete Zugwaggons, die oft schon vom Urwald eingewachsen sind. Auch ein Kreuz mit Namen zeugt von einem schweren Unglück.
Jetzt habe ich 4 Tage "anderes" Reisen erlebt: Behördengänge, Schiffsfahrt und 2 Tage Eisenbahn - dazwischen Hotelpübernachtungen. Ich habe festgestellt, für mich ist das keine Art zu Reisen. Ich verstehe jetzt, warum die Rucksacktouristen so viele Bücher verschlingen - die haben ja nichts zu tun! Ich freu mich schon wieder auf meine Lisl und die gemeinsame Fahrt!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=zfanmdboivwigxmi
Samstag, 12. Oktober 2013
Kupferschlucht
<--- Bei dem Blick von der Brücke kriegst Du Angst!
Die Nacht war sehr kurz - höchstens 4 Stunden - und der Tag dafür sehr lang. Um 5 Uhr morgens hat mich das Taxi zum Bahnhof gebracht - die Lisl durfte unter wachsamen Augen weiterschlafen.
Ich bin rechtzeitig da und bekomme ein Ticket, daß die Abfahrt um 7 Uhr ankündigt. Wir fahren um 6 Uhr. Pünktlich. Ich habe eine Fahrt bis Creel kurz hinter der Kupferschlucht gebucht, Ankunft dort ist kurz vor 4 Uhr nachmittags. Es gibt mehrere Schaffner und Snackverkäufer und eine Menge schwerbewaffneter Sicherheitsbeamter mit schußsichere Weste an Bord. So lange es noch
dunkel ist und wir in der Ebene fahren, versuche ich, ein wenig Schlaf nachzuholen. Das langsame Wanken der Waggons hilft dabei ungemein.
Bislang hab ich vom mexikanischen Festland noch nichts gesehen, es war immer dunkel. Sobald es hell wird, werde ich überrascht von dem Grün um mich herum. Hier unten gibt es eine Menge Felder, die bestellt werden. Die Menschen winken, sobald der Zug vorbeifährt. Ich vermute mich schon fast im Regenwald, so wild sieht das Grün hier aus. Jede Menge blau blühende Schlingpflanzen, die alles bedecken und sogar die Telegrafenmasten inklusive Leitungen erobert haben. Die verschiedensten Kaktusarten, Aloen, Palmen, Bananenstauden - alles wild durcheinander. Und dazwischen mal wieder ein Maisfeld.
"El Chepe" - der Zug - rattert und knattert und rumpelt über die Schienen. Es kracht, knarzt und quietscht, besonders in den Kurven. Zwischen den Wagen kann man die Kupplungen sehen, die Übergänge sind im Freien. Des öfteren gibt es einen wahnsinnigen Schlag, grade so als ob eine ganze Schiene durchgebrochen wäre - oder es klingelt ganz hell und metallisch. Egal, der Zug fährt weiter. Um diesen Zug schon von Weitem hören zu können, mußt Du kein Indianer sein! Innen drin vibriert und schüttelt es, beim Laufen muß man sich durch die Sitzreihen tasten und festhalten, man schwankt wie bei starkem Seegang.
Zum Fotografieren gehe ich an eine Tür, die obere Hälfte ist offen und so kann man herrlich im Freien stehen. Breitbeinig, angelehnt, eine Hand zum Festhalten und die andere Hand am Auslöser - freihändig. Massenware. Mit einem Auge suchst Du das Motiv, mit dem anderen beobachtest Du den Zug, um die Lücke zwischen den Bäumen oder Böschungen rechtzeitig zu erkennen. Trotzdem: tausend Bilder und eine Million Bäume drauf.
Mit horrenden 40 km/h zockeln wir dahin. Oft bleibt der Zug stehen, um jemanden ein- oder aussteigen zu lassen. Diese Haltestellen sind eigentlich nur ein Betonbordstein im Urwald. An engen Kurven oder vor Brücken und in Tunnels geht's noch viel langsamer voran. Und dann wird es steil. In engen Kurven und Serpentinen kriechen wir mit 20 km/h bis auf 2300 m hoch! Immerhin schneller, als ich mit meiner Lisl auf den schwierigen Strecken war!
Weiter oben weicht der tropische Wald den Pinien, es hat jetzt angenehme Temperaturen. An den Ortschaften auf dem Hochplateau verkaufen die Einheimischen - oft Kinder - Obst und selbstgebackenes Brot an die Zuggäste. Von den Schienen direkt in's Abteil.
Die musikalische Berieselung im Zug hält sich erstaunlich in Grenzen. Und wenn etwas zu hören ist, dann dezent leise - ich hatte mich schon vor den Trommelfellkillern wie auf der Fähre gefürchtet. Interessant ist, daß nicht etwa Gitarren- und Trompeten-Musik, sondern Schifferklavier der Renner ist. Wenn der Gesang nicht eindeutig spanisch wäre, könnte man meinen, auf einer alpinen Skihüttn zu sein.
Pünktlich sind wir in Creel. Mein Ticket für die Rückfahrt soll ich morgen im Zug lösen. Creel hat so etwas wie einen Stadtkern und eine Hauptstraße mit Restaurants, diversen Geschäften und Andenkenläden. Es hat sich auf den Tourismus eingestellt - eine ganze Reihe Tourverantsalter (z.B. mit Quads) haben sich entwickelt. So etwas wie eine Touristeninformation suche ich allerdings vergeblich. Im Internet habe ich ein Hotel gebucht für 20 $; Taxis gibt es hier nicht. Aber eine Menge Hotelshuttels. Mein Hotel ist ca. 2 km weg, das mach ich zu Fuß. Bereits nach 200 m werde ich von so einem Taxi jedoch "abgeschleppt", der Fahrer meint, er hätte ein hübsches Hotel mitten im Stadtkern. Ich soll es mir ansehen und wenn es mir nicht gefällt, würde er mich zum anderen Hotel fahren. Es gefällt mir und ich kann ihn auf den gleichen Preis runterhandeln. Das Internet sagt mir, die Buchung sei gar nicht angekommen - auch gut!
Freitag, 11. Oktober 2013
Aller guten Dinge sind drei (Tage)
Um 6:30 Uhr klingelt der Wecker, es ist fast noch dunkel. Heute war ich schlauer und habe die Isomatte genutzt, dafür den dünnen Schlafsack. Prompt hat die ganze Nacht ein kühler Wind durch's Zelt geweht. Pünktlich um 8 Uhr kann ich losfahren, bin 8:30 am Büro und kann mich als zweite eintragen. Dann wird die Eingangstür geschlossen - bis 9. Eine sehr freundliche junge Dame - Yanira Verdobo - bittet mich in englisch in ihr Büro. Dort erklärt sie mir, daß sie eine lange Begründung in den Computer eintragen muss, bevor ich meine Einwanderungskarte bekommen kann. Das dauert gut eine Stunde, ich könne so lange frühstücken gehen. Na gut, die Lisl bekommt ihr Frühstück, ich finde sogar einen Geldautomaten, der Geld ausspuckt und kaufe noch etwas zu trinken und eine Ananas ein. Als ich zurück bin, gibt es noch ein paar Papiere auszufüllen - unter anderem die begehrte Karte und Empfangsbestätigungen zu unterschreiben. Von dem 8-seitigen Bericht Bericht erhalte ich das Original - wichtig! Wer weiß, wofür...Hauptsache, ich habe die Immigrationskarte!
Jetzt bin ich legal hier! Gestern hat man mir erklärt, daß es ein Abkommen mit den Staten über kontrollfreie beidseitige Einreise gibt. Die gilt aber nur für 50 km - danach ist man illegal.
Die Straße des 5ten Februar kenne ich mittlerweile in- und auswendig; rauf und runter, von Anfang bis Ende. Nur eines kapiere ich nie: wann habe ich Vorfahrt, wann muss ich stopen und wo sind Ampeln. Es ist ein ständiger Wechsel; die verblassten Stopschilder sind am rechten Straßenrand oft versteckt, Ampeln hängen links über der Straße, sind ziemlich klein und gegen das Licht nur schwer erkennbar. Und immer sind gelbe Haltelinien auf der Straße - Fußgänger haben da immer Vorfahrt - pardon Vorlauf. Man muß die Augen überall haben!
Es ist 11 Uhr, rasch zum Hafen. In der Vorbeifahrt bei Daniele kurz gehupt; im Hafen kenne ich mich schon aus. Die Dame für die Einführbescheinigung kennt mich noch - und ja, ich habe alle nötigen Papiere!!! Zahlen - mit Kreidtkarte kein Problem! Sie gibt mir sogar einen Plan, wo an der gualtemaltekischen Grenze Büros sind, die mir die Kaution zurückerstatten. Sehr freundlich und hilfsbereit - das bekommt sie sogar schriftlich in einem Fragebogen bestätigt. Das Ticket wird auch nochmal umgeschrieben - sogar kostenlos! Jetzt geht alles den geregelten Gang...Zoll, Waage, Schiff. Die Waage zeigt exakt 400 kg an! Ich glaub, die kann gar nicht weniger und nur runde Zahlen. Obwohl ich gehört habe, das Schiff würde meist mit großer Verspätung ablegen, sind wir total pünktlich!
Die Überfahrt ist ruhig, nur dröhnt aus allen Lautsprechern gleichzeitig und überall Musik und Fernsehen - sie versuchen sich gegenseitig zu übertönen. Ich kann das nicht - 7 Stunden nur rumsitzen....
Übrignes 7 h - das ist etwa 1/3 der Überfahrt im Mittelmeer (Genua - Tunis). Ist das Mittelmeer etwa auch nur eine Bucht? Think big!
Ankunft in Topolobambo kurz vor 10 Uhr nachts - es ist stockdunkel. Der Plan ist, ein Hotel zu finden und morgen früh mit dem Zug in die Kupferschlucht zu fahren. Diesmal weiß auch mein Navi keinen Rat, es kennt weder ein Hotel noch den Bahnhof. Dank dreier mexikanischer Motorradfahrer habe ich wengistens einen einzigen Hotelnamen aus dem Internet und weiß in etwa, wo ich suchen muß, Ich klemme mich für die knapp 30 km bis Loch Mochis hinter einen Pickup, der etwa gleichschnell fährt wie ich. Da falle ich in kein Schlagloch.
Glück muß der Mensch haben: um 1/2 12 Uhr Hotel gefunden (muß allerdings auf der Autobahn eine Ausfahrt weiter und dann zurück), Zimmer ist frei und erschwinglich, Taxi bringt mich morgen früh um 5 Uhr zum Bahnhof, Zug fährt um 6 Uhr, Ticket bekomme ich hoffentlich vor Ort. Und mein Moped darf ich 2 Tage mit allem Gepäck stehen lassen. Im Bad gibt es jede Menge Wasser!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=gjxbirwacardyxwm
Jetzt bin ich legal hier! Gestern hat man mir erklärt, daß es ein Abkommen mit den Staten über kontrollfreie beidseitige Einreise gibt. Die gilt aber nur für 50 km - danach ist man illegal.
Die Straße des 5ten Februar kenne ich mittlerweile in- und auswendig; rauf und runter, von Anfang bis Ende. Nur eines kapiere ich nie: wann habe ich Vorfahrt, wann muss ich stopen und wo sind Ampeln. Es ist ein ständiger Wechsel; die verblassten Stopschilder sind am rechten Straßenrand oft versteckt, Ampeln hängen links über der Straße, sind ziemlich klein und gegen das Licht nur schwer erkennbar. Und immer sind gelbe Haltelinien auf der Straße - Fußgänger haben da immer Vorfahrt - pardon Vorlauf. Man muß die Augen überall haben!
Es ist 11 Uhr, rasch zum Hafen. In der Vorbeifahrt bei Daniele kurz gehupt; im Hafen kenne ich mich schon aus. Die Dame für die Einführbescheinigung kennt mich noch - und ja, ich habe alle nötigen Papiere!!! Zahlen - mit Kreidtkarte kein Problem! Sie gibt mir sogar einen Plan, wo an der gualtemaltekischen Grenze Büros sind, die mir die Kaution zurückerstatten. Sehr freundlich und hilfsbereit - das bekommt sie sogar schriftlich in einem Fragebogen bestätigt. Das Ticket wird auch nochmal umgeschrieben - sogar kostenlos! Jetzt geht alles den geregelten Gang...Zoll, Waage, Schiff. Die Waage zeigt exakt 400 kg an! Ich glaub, die kann gar nicht weniger und nur runde Zahlen. Obwohl ich gehört habe, das Schiff würde meist mit großer Verspätung ablegen, sind wir total pünktlich!
Die Überfahrt ist ruhig, nur dröhnt aus allen Lautsprechern gleichzeitig und überall Musik und Fernsehen - sie versuchen sich gegenseitig zu übertönen. Ich kann das nicht - 7 Stunden nur rumsitzen....
Übrignes 7 h - das ist etwa 1/3 der Überfahrt im Mittelmeer (Genua - Tunis). Ist das Mittelmeer etwa auch nur eine Bucht? Think big!
Ankunft in Topolobambo kurz vor 10 Uhr nachts - es ist stockdunkel. Der Plan ist, ein Hotel zu finden und morgen früh mit dem Zug in die Kupferschlucht zu fahren. Diesmal weiß auch mein Navi keinen Rat, es kennt weder ein Hotel noch den Bahnhof. Dank dreier mexikanischer Motorradfahrer habe ich wengistens einen einzigen Hotelnamen aus dem Internet und weiß in etwa, wo ich suchen muß, Ich klemme mich für die knapp 30 km bis Loch Mochis hinter einen Pickup, der etwa gleichschnell fährt wie ich. Da falle ich in kein Schlagloch.
Glück muß der Mensch haben: um 1/2 12 Uhr Hotel gefunden (muß allerdings auf der Autobahn eine Ausfahrt weiter und dann zurück), Zimmer ist frei und erschwinglich, Taxi bringt mich morgen früh um 5 Uhr zum Bahnhof, Zug fährt um 6 Uhr, Ticket bekomme ich hoffentlich vor Ort. Und mein Moped darf ich 2 Tage mit allem Gepäck stehen lassen. Im Bad gibt es jede Menge Wasser!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=gjxbirwacardyxwm
Donnerstag, 10. Oktober 2013
Entschleunigung
Die Lehre der Nacht: auch auf ganz feinem weichem Sand ist eine Isomatte gut - auf Sand liegt es sich wie auf Beton.
Um 9 Uhr macht das Einwanderungsbüro auf. Daniele bedauert, daß er heute morgen keinen Kaffee servieren kann, aber ich bin eh in Eile. Um kurz nach 9 Uhr bin ich dort. Nach 20 min Wartezeit bin ich dran. Mir wird erklärt, was ich alles benötige - und ob ich so eine Einwanderungskarte hätte? Nein, genau die will ich ja haben! Aslo: eine Kopie vom Paß, ein Paßbild OHNE Brille, eine Bescheinigung der Bank, daß ich 1000 Pesos Bearbeitungsgebühr bezahlt habe und ein Schreiben, das meine Situation erklärt. Wie ich das anstellen soll? Keine Ahnung. Ich bekomme noch die Info, daß 200 m weiter in Copyshop mit Internet ist und 500 m in die andere Richtung eine Bank und vielleicht eine Fotografiermöglichkeit.
Verzweifelt suche ich den Copyshop auf, es ist 11 Uhr. Sie haben 2 Computer die besetzt sind und kein WiFi. Also zum McDonalds, der zum Glück in der gleichen Straße ist. Während sich das Internet noch verbindet, schreibe ich den Bittbrief auf englisch. Damit er ausgedruckt werden kann, sollte er vielleicht in Word oder pdf sein? Mist - das Office-Programm hängt sich auf und läßt sich nicht beenden. Also, Rechner runterfahren. Und wieder neu starten? Geht nicht! Jetzt - unter Zeitdruck - klappt natürlcih mal wieder nix; es ist wie im Büro. Ich versuche über das Handy an das Internetformular heranzukommen. Obwohl versprochen, daß ich es in deutsch ausfüllen kann, ist die Seite komplett auf spanisch. Der "english"-Knopf führt nur zur Startseite in englisch, danach ist alles wie gehabt in spanisch. Oh, mein Computer erholt sich? Nach 10maligem Neustart nebenher, scheint er es jetzt gerafft zu haben.
Einen Tisch weiter nimmt ein nicht-mexikanisch-aussehender Herr Platz und fragt mich auf englisch, ob ich mit diesem Motorrad da bin. Ist doch gut, aufzufallen. Natürlich bitte ich ihn gleich um Hilfe - gerne. Aber seine Frau kommt gleich und die ist Mexikanerin. Zusammen füllen wir das Internetformular aus - ich hätte das nie hinbekommen! Speichern als pdf auf einer SD-Karte. Den Brief speichere ich eben als Bild - auch auf SD-Karte.
Ah - ich mache einfach ein Foto von mir vor einer weißen Wand und speichere es auch - man kann ja nie wissen.
Auf zur Bank. Alles klar. Kreditkarte? Nein, nehmen sie nicht. Nur Cash. Bankräuber! Ich bekomme einen Computerausdruck als Quittung. Ein Fotogeschäft oder Fotoautomat ist nirgends zu sehen.
Zurück zum Copyshop. Alle nötigen Kopien sind schnell gemacht. Ausdrucken ist schwieriger - von meinen Laptop aus geht das nicht, nur von seinem PC. Und der hat keinen SD-Kartenleser. Zum Glück hat der junge Mann auch ein Laptop und kann die Karteninhalte auf einen USB-Stick ziehen und den an seinen PC anschließen. Kostet alles zusammen 16 Pesos. Zurück zum Büro.
Es ist ca.12 Uhr. Warten! ich erfahre einige ähnliche Geschichten. Horrorstories. Ich bin dran. Papierkontrolle - penibelst. Die Bescheinigung für 1000 Pesos und gilt nur 30 Tage. An der Grenze hätten sie es angeblich um 200 Pesos für 6 Monate ausgestelltm aber das dürfen sie hier nicht. Wo meine Einwanderungskarte wäre? Ich habe das falsche Internetformular gewählt! Woher soll ich das wissen? Jetzt schreibe ich genau auf, wie das heißt und wo ich das finde. Und der Brief muß auf spanisch sein. Ein junger Mann nebenan, auch Kundschaft, erbarmt sich meiner; könnte Amerikaner sein. Aber heute, sagt er, wird das wohl nichts mehr. Um 13 Uhr wird geschlossen und jetzt ist 12:30.
Er übersetzt den Brief, aber ich muß ihn halt nochmal abschreiben. Zurück zum McDonalds. Brief schreiben, richtiges Formular ausfüllen. Zum Copyshop - bitte ganz schnell 2 Dateien ausdrucken! Danke! Zum Migrationsbüro - juhu, es ist 10 vor 1! Um 2 bin ich dran (ihr erinnert Euch, 2 Stunden vor Schiffablegen soll ich dort sein, es legt um 14:30 ab). Der Beamte geht erneut die Liste durch und findet noch ...was ich alles bräuchte. 'Ob ich so eine Einwanderungskarte hätte...
Ich erkläre, daß man mir angekreuzt habe, was ich benötige und das liegt alles vor! Na gut. Aber sie brauchen ein echtes Foto, ein Ausdruck glit nicht. Mein Argument, daß heute alles Fotos digital sind und ausgedruckt werden, veranlaßt ihn zur Nachfrage bei seiner Kollegin im verborgenen Hintergrund. Gefühlte Stunden später die Aussage: das Foto kann ich wieder mitnehmen, die Paßkopie genügt. Aber ich muß noch ein Interview mit seiner Kollegin über mich ergehen lassen - am Freitag!!! Warum? Das ist der Prozess. Und er dauert normalerweise 3-4 Tage... Verzweiflung! Ich bin gefangen in Mexiko! Die lassen mich hier nimmer raus. Und sie werden so viele Genehmigungen verlangen, bis all mein Geld aufgebraucht ist!
Ich zeige das Ticket und dränge, daß ich doch heute das Schiff erwischen müßte. Er fragt nochmal nach. Weitere gefühlte Sunden später bekomme ich das Sonderangebot: ich kann morgen früh um 9 Uhr (oder 1/2 h früher) kommen zum Interview. Aber heute ist Feierabend. Es ist 14 Uhr.
Immerhin habe ich jetzt schon mal eine Vorgangsnummer. Ich könnte damit im Internet nachschauen, wie weit der Prozess gediehen ist.
Zum Glück gibt es auch in der Stadt noch ein Ticketbüro für die Fähre - dort fahre ich jetzt hin. Spart mir 30 km. Ja, ich kann das Ticket nochmal umschreiben lassen, aber bitte erst, wenn alle Papiere vollständig sind. Am besten morgen (?) im Hafen. Es kostet dann 180 Pesos - was ist das schon, verbglichen mit den Regierungsgebühren!
Das war's für heute - der Tag kann jetzt beginnen. Nur - womit?
Immerhin habe ich in Erwartung einer Seefahrt heute keine Motorradstiefel und -hosen angezogen. Das ist eine enorme Erleichterung bei der Hitze. Da bis jetzt nur Lauferei - pardon Fahrerei - angesagt war, suche ich mir etwas Hübsches. Ich finde ein Restaurant am Hafen und gönne mir dort Spagetthi. Ich glaub, heute abend werde ich wieder bei Daniele nächtigen, das kenne ich schließlich schon.
Daniele begrüßt mich freundlich und wir radebrechen gegenseitig. Vermutlich versteht keiner den anderen wirklich, aber wir tun so, als ob wir uns gut unterhalten. Heute möchte ich mehr vom Wasser genießen, aber zum schwimmen ist es zu seicht und zum abkühlen zu warm; also setze ich mich ene Weile in den Pool und genieße das Plätschern. Im Mondlicht trocknet mich der Abendwind schnell - das ist noch der kühlste Part.
Eine Sternschnuppe weist mir den Weg nach Süden - morgen ist wieder ein neuer Tag...
Um 9 Uhr macht das Einwanderungsbüro auf. Daniele bedauert, daß er heute morgen keinen Kaffee servieren kann, aber ich bin eh in Eile. Um kurz nach 9 Uhr bin ich dort. Nach 20 min Wartezeit bin ich dran. Mir wird erklärt, was ich alles benötige - und ob ich so eine Einwanderungskarte hätte? Nein, genau die will ich ja haben! Aslo: eine Kopie vom Paß, ein Paßbild OHNE Brille, eine Bescheinigung der Bank, daß ich 1000 Pesos Bearbeitungsgebühr bezahlt habe und ein Schreiben, das meine Situation erklärt. Wie ich das anstellen soll? Keine Ahnung. Ich bekomme noch die Info, daß 200 m weiter in Copyshop mit Internet ist und 500 m in die andere Richtung eine Bank und vielleicht eine Fotografiermöglichkeit.
Verzweifelt suche ich den Copyshop auf, es ist 11 Uhr. Sie haben 2 Computer die besetzt sind und kein WiFi. Also zum McDonalds, der zum Glück in der gleichen Straße ist. Während sich das Internet noch verbindet, schreibe ich den Bittbrief auf englisch. Damit er ausgedruckt werden kann, sollte er vielleicht in Word oder pdf sein? Mist - das Office-Programm hängt sich auf und läßt sich nicht beenden. Also, Rechner runterfahren. Und wieder neu starten? Geht nicht! Jetzt - unter Zeitdruck - klappt natürlcih mal wieder nix; es ist wie im Büro. Ich versuche über das Handy an das Internetformular heranzukommen. Obwohl versprochen, daß ich es in deutsch ausfüllen kann, ist die Seite komplett auf spanisch. Der "english"-Knopf führt nur zur Startseite in englisch, danach ist alles wie gehabt in spanisch. Oh, mein Computer erholt sich? Nach 10maligem Neustart nebenher, scheint er es jetzt gerafft zu haben.
Einen Tisch weiter nimmt ein nicht-mexikanisch-aussehender Herr Platz und fragt mich auf englisch, ob ich mit diesem Motorrad da bin. Ist doch gut, aufzufallen. Natürlich bitte ich ihn gleich um Hilfe - gerne. Aber seine Frau kommt gleich und die ist Mexikanerin. Zusammen füllen wir das Internetformular aus - ich hätte das nie hinbekommen! Speichern als pdf auf einer SD-Karte. Den Brief speichere ich eben als Bild - auch auf SD-Karte.
Ah - ich mache einfach ein Foto von mir vor einer weißen Wand und speichere es auch - man kann ja nie wissen.
Auf zur Bank. Alles klar. Kreditkarte? Nein, nehmen sie nicht. Nur Cash. Bankräuber! Ich bekomme einen Computerausdruck als Quittung. Ein Fotogeschäft oder Fotoautomat ist nirgends zu sehen.
Zurück zum Copyshop. Alle nötigen Kopien sind schnell gemacht. Ausdrucken ist schwieriger - von meinen Laptop aus geht das nicht, nur von seinem PC. Und der hat keinen SD-Kartenleser. Zum Glück hat der junge Mann auch ein Laptop und kann die Karteninhalte auf einen USB-Stick ziehen und den an seinen PC anschließen. Kostet alles zusammen 16 Pesos. Zurück zum Büro.
Es ist ca.12 Uhr. Warten! ich erfahre einige ähnliche Geschichten. Horrorstories. Ich bin dran. Papierkontrolle - penibelst. Die Bescheinigung für 1000 Pesos und gilt nur 30 Tage. An der Grenze hätten sie es angeblich um 200 Pesos für 6 Monate ausgestelltm aber das dürfen sie hier nicht. Wo meine Einwanderungskarte wäre? Ich habe das falsche Internetformular gewählt! Woher soll ich das wissen? Jetzt schreibe ich genau auf, wie das heißt und wo ich das finde. Und der Brief muß auf spanisch sein. Ein junger Mann nebenan, auch Kundschaft, erbarmt sich meiner; könnte Amerikaner sein. Aber heute, sagt er, wird das wohl nichts mehr. Um 13 Uhr wird geschlossen und jetzt ist 12:30.
Er übersetzt den Brief, aber ich muß ihn halt nochmal abschreiben. Zurück zum McDonalds. Brief schreiben, richtiges Formular ausfüllen. Zum Copyshop - bitte ganz schnell 2 Dateien ausdrucken! Danke! Zum Migrationsbüro - juhu, es ist 10 vor 1! Um 2 bin ich dran (ihr erinnert Euch, 2 Stunden vor Schiffablegen soll ich dort sein, es legt um 14:30 ab). Der Beamte geht erneut die Liste durch und findet noch ...was ich alles bräuchte. 'Ob ich so eine Einwanderungskarte hätte...
Ich erkläre, daß man mir angekreuzt habe, was ich benötige und das liegt alles vor! Na gut. Aber sie brauchen ein echtes Foto, ein Ausdruck glit nicht. Mein Argument, daß heute alles Fotos digital sind und ausgedruckt werden, veranlaßt ihn zur Nachfrage bei seiner Kollegin im verborgenen Hintergrund. Gefühlte Stunden später die Aussage: das Foto kann ich wieder mitnehmen, die Paßkopie genügt. Aber ich muß noch ein Interview mit seiner Kollegin über mich ergehen lassen - am Freitag!!! Warum? Das ist der Prozess. Und er dauert normalerweise 3-4 Tage... Verzweiflung! Ich bin gefangen in Mexiko! Die lassen mich hier nimmer raus. Und sie werden so viele Genehmigungen verlangen, bis all mein Geld aufgebraucht ist!
Ich zeige das Ticket und dränge, daß ich doch heute das Schiff erwischen müßte. Er fragt nochmal nach. Weitere gefühlte Sunden später bekomme ich das Sonderangebot: ich kann morgen früh um 9 Uhr (oder 1/2 h früher) kommen zum Interview. Aber heute ist Feierabend. Es ist 14 Uhr.
Immerhin habe ich jetzt schon mal eine Vorgangsnummer. Ich könnte damit im Internet nachschauen, wie weit der Prozess gediehen ist.
Zum Glück gibt es auch in der Stadt noch ein Ticketbüro für die Fähre - dort fahre ich jetzt hin. Spart mir 30 km. Ja, ich kann das Ticket nochmal umschreiben lassen, aber bitte erst, wenn alle Papiere vollständig sind. Am besten morgen (?) im Hafen. Es kostet dann 180 Pesos - was ist das schon, verbglichen mit den Regierungsgebühren!
Das war's für heute - der Tag kann jetzt beginnen. Nur - womit?
Immerhin habe ich in Erwartung einer Seefahrt heute keine Motorradstiefel und -hosen angezogen. Das ist eine enorme Erleichterung bei der Hitze. Da bis jetzt nur Lauferei - pardon Fahrerei - angesagt war, suche ich mir etwas Hübsches. Ich finde ein Restaurant am Hafen und gönne mir dort Spagetthi. Ich glaub, heute abend werde ich wieder bei Daniele nächtigen, das kenne ich schließlich schon.
Daniele begrüßt mich freundlich und wir radebrechen gegenseitig. Vermutlich versteht keiner den anderen wirklich, aber wir tun so, als ob wir uns gut unterhalten. Heute möchte ich mehr vom Wasser genießen, aber zum schwimmen ist es zu seicht und zum abkühlen zu warm; also setze ich mich ene Weile in den Pool und genieße das Plätschern. Im Mondlicht trocknet mich der Abendwind schnell - das ist noch der kühlste Part.
Eine Sternschnuppe weist mir den Weg nach Süden - morgen ist wieder ein neuer Tag...
Mittwoch, 9. Oktober 2013
Rache...
Ich möchte heute früh los, denn ich habe noch eine Strecke vor mir und möchte die Fähre zum Festland erwischen. In der Nacht ist es sehr neblig geworden, ich kann die Wassertropfen richtig sehen. Mein Zelt ist klatschnass und auch alle Utensilien im Zelt, also insbesondere der Schlafsack. So kann ich nichts einpacken! Also, warten. Bis die Sonne hoch genug steht und den Nebel verjagen kann. Ein kleines Windchen wäre jetzt hilfreich - aber nix zu sehen.
Die Straße ist zwar schmal, es kommen 2 große LKWs kaum aneinander vorbei, aber sie ist übersichtlich und hat keine gefährlichen Kreuzungen oder Kurven. Trotzdem ist sie - auch an kerzengeraden Stücken - gesäumt von Kreuzen, die von tödlichen Unfällen zeugen.
Die Fahrt nach La Paz bietet nichts Besonderes. So fahren wir gedankenverloren dahin. Der Blick ist auf die Uhr gerichtet, die Fähre legt um 14:30 Uhr ab. Wieviel früher muß ich da sein? Ich brauche noch ein Ticket. 3 Stunden Fahrt sagt mein Navi - müßte ja leicht zu machen sein.
Kurz vor La Paz bestätigt sich, daß ich ja in einer anderen Zeitzone bin, also 1 Stunde verloren habe. Jetzt darf nichts mehr dazwischen kommen.
La Paz selbst ist kein Problem, nur - der Hafen ist nicht ausgeschildert. Aber mein Navi kann helfen. Ups - nochmal 20 km hinter La Paz? Jetzt wird's eng. Im Hafen ist es ziemlich unübersichtlich und nach 3-maligem verfahren lande ich an einem Ticket-Büro. Aber die brauchen erst irgendeinen Schein für's Moped - den bekomme ich nebenan. Marke und Länge sind wichtig. Ok - Ticket kann ich kaufen - für heute. Noch 2 mal fragen und ich finde den richtigen Eingang zur Warteschlange. An der Schranke werde ich nach einem weiteren Papier gefragt - eine temporäre Einfuhrbescheinigung. So was hab ich natürlich nicht, der Zoll in Tecate war ja praktisch einfach nicht da! Das kennen die hier schon - im Büro gegenüber gibt es die Bescheinigung. Die nette Dame spricht sehr gut englisch und hilft mir gerne, aber nicht ohne Einwanderungsbescheinigung. Die bekomme ich im Immigrationsbüro in La Paz - na, das wird ja heute wohl nichts mehr mit übersetzen. Die Dame für die Einfuhrbescheinigung ist bis 18 da, sagt sie. Und wenn ich wieder komme, muß ich von allen Papieren Kopien haben oder hier machen lassen. Knapp 50 $ Bearbeitungsgebühr möchte sie dann auch noch haben und ein Pfand von 200 $ für die Lisl.
Also - zuerst das Ticket umschreiben lassen auf morgen.
Dann zurück in die Stadt fahren - ich finde das Büro nach einigem Suchen. Es hat geschlossen. Sie schließen immer um 13 Uhr!! Es ist 14:30 Uhr. Morgen ab 9 Uhr haben sie wieder geöffnet. Das ist ärgerlich und bis ich morgen alles beieinander habe, wird's schon wieder eng - 2 h vor Abfahrt soll ich anwesend sein. Oh je...
Es gibt hier herrliche Uferpromenaden und Strände, erstklassige Hotels aber keinen Campingplatz. Und billige Hotels? Auf den ersten Blick auch nichts zu sehen.
Zwischen La Paz und dem Fährhafen ist eine verlockende Bucht mit glasklarem Wasser, Sandstrand und einem kleinen Restaurant. Ob man da wohl auch über Nacht bleiben darf? Ja, man darf. Für 50 Pesos. Dazu gönne ich mir dann noch ein feines Abendessen, das allerdings sehr lange dauert, denn es muß im Dunklen zubereitet werden. Stromausfall. Und keiner ist darauf vorbereitet, d.h. keine Kerzen oder Taschenlampen. Das ist lustig!
Bei Sonnenuntergang gibt es eine zeitlang nervige Moskitos, dann werden sie von Fledermäusen verjagt.
Morgen ist ein neuer Tag...
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=svnrqbbonxvvdyjz
Die Straße ist zwar schmal, es kommen 2 große LKWs kaum aneinander vorbei, aber sie ist übersichtlich und hat keine gefährlichen Kreuzungen oder Kurven. Trotzdem ist sie - auch an kerzengeraden Stücken - gesäumt von Kreuzen, die von tödlichen Unfällen zeugen.
Die Fahrt nach La Paz bietet nichts Besonderes. So fahren wir gedankenverloren dahin. Der Blick ist auf die Uhr gerichtet, die Fähre legt um 14:30 Uhr ab. Wieviel früher muß ich da sein? Ich brauche noch ein Ticket. 3 Stunden Fahrt sagt mein Navi - müßte ja leicht zu machen sein.
Kurz vor La Paz bestätigt sich, daß ich ja in einer anderen Zeitzone bin, also 1 Stunde verloren habe. Jetzt darf nichts mehr dazwischen kommen.
La Paz selbst ist kein Problem, nur - der Hafen ist nicht ausgeschildert. Aber mein Navi kann helfen. Ups - nochmal 20 km hinter La Paz? Jetzt wird's eng. Im Hafen ist es ziemlich unübersichtlich und nach 3-maligem verfahren lande ich an einem Ticket-Büro. Aber die brauchen erst irgendeinen Schein für's Moped - den bekomme ich nebenan. Marke und Länge sind wichtig. Ok - Ticket kann ich kaufen - für heute. Noch 2 mal fragen und ich finde den richtigen Eingang zur Warteschlange. An der Schranke werde ich nach einem weiteren Papier gefragt - eine temporäre Einfuhrbescheinigung. So was hab ich natürlich nicht, der Zoll in Tecate war ja praktisch einfach nicht da! Das kennen die hier schon - im Büro gegenüber gibt es die Bescheinigung. Die nette Dame spricht sehr gut englisch und hilft mir gerne, aber nicht ohne Einwanderungsbescheinigung. Die bekomme ich im Immigrationsbüro in La Paz - na, das wird ja heute wohl nichts mehr mit übersetzen. Die Dame für die Einfuhrbescheinigung ist bis 18 da, sagt sie. Und wenn ich wieder komme, muß ich von allen Papieren Kopien haben oder hier machen lassen. Knapp 50 $ Bearbeitungsgebühr möchte sie dann auch noch haben und ein Pfand von 200 $ für die Lisl.
Also - zuerst das Ticket umschreiben lassen auf morgen.
Dann zurück in die Stadt fahren - ich finde das Büro nach einigem Suchen. Es hat geschlossen. Sie schließen immer um 13 Uhr!! Es ist 14:30 Uhr. Morgen ab 9 Uhr haben sie wieder geöffnet. Das ist ärgerlich und bis ich morgen alles beieinander habe, wird's schon wieder eng - 2 h vor Abfahrt soll ich anwesend sein. Oh je...
Es gibt hier herrliche Uferpromenaden und Strände, erstklassige Hotels aber keinen Campingplatz. Und billige Hotels? Auf den ersten Blick auch nichts zu sehen.
Zwischen La Paz und dem Fährhafen ist eine verlockende Bucht mit glasklarem Wasser, Sandstrand und einem kleinen Restaurant. Ob man da wohl auch über Nacht bleiben darf? Ja, man darf. Für 50 Pesos. Dazu gönne ich mir dann noch ein feines Abendessen, das allerdings sehr lange dauert, denn es muß im Dunklen zubereitet werden. Stromausfall. Und keiner ist darauf vorbereitet, d.h. keine Kerzen oder Taschenlampen. Das ist lustig!
Bei Sonnenuntergang gibt es eine zeitlang nervige Moskitos, dann werden sie von Fledermäusen verjagt.
Morgen ist ein neuer Tag...
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Dienstag, 8. Oktober 2013
Entspannung
In meinem Palmenheim hab ich gestern Nacht noch den klaren Sternenhimmel genossen. Eine helle langsame Sternschnuppe hat mir sehr genau meinen Weg nach Süden gezeigt! Das ist ein gutes Omen. Weit draußen rauscht das Meer, direkt am Strand hört man nur ein leichtes Plätschern - es ist Ebbe. Ab und zu springt ein Fisch.
Bis zum Morgen hat sich das Meer auch näher herangetraut, ein kleiner Strandspaziergang zeigt, wie warm das Wasser hier ist.
Um 1/2 10 Uhr ist Start bei schon wieder 33 Grad! Aber so heiß wie gestern wird es heute zum Glück nicht. Ich schaue zwar nicht so oft nach der Temperatur, weil beim Sturz die Fernbedienung für meinen IMO (Bordcomputer) abgebrochen ist, aber mehr als 37 Grad habe ich nicht festgestellt. Trotzdem - auf einer nagelneuen rabenscharzen Asphaltstraße brennt die Hitze ganz ordentlich. Was ist mit meinen Schuhen los? Sind die zu heiß geworden? Löst sich etwa die Sohle auf? Sie kleben an den Fußrasten - das gefällt mir ja gar nicht. Die Auflösung erleichtert mich, es sind Reste von den Datteln, die sich in das Profil gegraben haben. Sandalen und Zeltunterlage habe ich aus diesem Grund am Morgen noch in's Meer geworfen und gewaschen. Die Folge war, daß ich umpacken mußte, weil ich die Sachen ja nicht naß in den Packsäcken verstauen möchte.
Was kann es eigentlich Schöneres geben, als ein einem wuderbaren Plätzchen zu sitzen und es zu genießen? An vielen wuderbaren Plätzchen sitzen und sie genießen! Genau das tue ich; ich sitze auf meiner Lisl und koste im Zockeltempo jedes Plätzchen aus, bevor das nächste daherkommt. Die auflaufenden Fahrzeuge lassen wir gerne passieren. Wir trödeln die Kilometer voran... Die Strände und Buchten an der Bahia Concepción sind wirklich traumhaft!!! Bin ich denn schon in der Karibik???
In den Bergen wird es kurvig und die Landschaft bietet keine Überraschungen, da kann ich wieder etwas Fahrvergnügen genießen.
Hat eigentlich Deutschland schon gewählt? Und wer ist Kanzlerin? Wird USA wieder regiert? Ich hab keine Ahnung - und ich freue mich, daß mich solche Informationen auf der Straße nicht erreichen.
Ich bin ja erst 54 von 190 Tagen unterwegs?! Die Zeit vergeht ganz schön langsam. Aber eigentlich habe ich doch schon ziemlich viel erlebt und hinter mir?! Die Zeit vergeht ganz schön schnell. Ein irgendwie seltsamer Gedanke, daß ich noch soooo viel Zeit habe. Planen läßt sich kaum etwas, vielleicht muß ich einfach alles auf mich zukommen lassen, so wie jeden Abend den Schlafplatz. Mal sehen, ob und wo es mir in Südamerika gut genug gefällt, daß ich länger bleiben möchte.
Ich freue mich auf ein Mittagessen in einem Strandrestaurant in Loreto. Abends habe ich selten Lust zu kochen und in der "Küche" ist auch meist nichts Gescheites. Aber häufig kommt es ja anders als man denkt. Gestern hatte ich mich schon damit angefreundet, ein Hotelzimmer nehmen zu müssen und habe den schönsten Strandplatz gefunden, heute sieht es erstmal überhaupt nicht nach Restaurant oder gar Strand aus. Aber so leicht geb ich nicht auf: mitten durch Loreto durch, solange bis ich an der Strandpromenade bin. Dort sind nur Hotels. Einmal die Promenade rauf, einmal runter - zwischendrin versteckt sich tatsächlich ein kleines Restaurant. Na geht doch! Und keine Andenkenhändler! Ich lasse mir das Essen schmecken!
Am Abend stehen wieder mal 2 Reparaturen an: der ich-weiß-nicht-wievielte-12-V-Stecker ist kaputt. Den hatte ich in Anchorage gekauft. Jetzt hab ich keinen Ersatzh mehr. Mein Kocher ärgert mich schon seit Tagen, er mag nicht mehr richtig fauchen. Also muß ich wohl eine Dichtung tauschen. Das hab ich noch nie gemacht und bei einbrechender Dunkelheit ist es ein wenig diffizil, aber es gelingt.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=hwlysjmwvapcolff
Montag, 7. Oktober 2013
Versöhnung
Am Vormittag bekomme ich im Supermarkt Honig,
Kamillentee (gegen Zahnschmerz) und 2 Äpfel. Mehr fehlt mir momentan nicht. Auch
Tanken (mit Kreditkarte) ist gar kein Problem. Nur der Bankautomat will einfach
nichts ausspucken - auf keine Karte! Und dann geht mir beim Helmaufsetzen doch
tatsächlich die Brille kaputt - dirket zwischen Nasenbügel und Glas. So
ärgerlich!
Ich glaube, das hier ist gar kein Abenteuer, sondern eine Lektion. Ich soll lernen, wie gut es mir zu Hause geht. Viele Dinge registrieren wir zu Hause gar nicht:
Ich glaube, das hier ist gar kein Abenteuer, sondern eine Lektion. Ich soll lernen, wie gut es mir zu Hause geht. Viele Dinge registrieren wir zu Hause gar nicht:
- Brille? Kommt ein paar Tage zum Optiker - ist wieder heil; in der Zwischenzeit trägt man die jederzeit verfügbare Ersatzbrille.
- Zahnschmerz? Sofort zum verfügbaren Zahnarzt des Vertrauens, der hilft!
- Lisl kaputt? Werkstatt ist zu Hause; wenn man nicht mehr weiter weiß, steht der Händler oder viele schlaue Freunde zur Verfügung.
- Isomatte undicht? Kein Problem - in 2 Tagen schickt das Internet eine neue!
- Kamera lädt nicht? Zurück zum Verkäufer - wird kostenlos repariert.
- Neue Reifen? Händler ist 2 km weg und hat in einem Tag Ersatz.
- und so weiter...
Aber ich hier - allein in der Fremde, heimatlos, keine Ahnung
von Sitten und Gebräuchen, kann nicht mal ordentlich fragen. Für ein paar Wochen
kann das gutgehen - aber auf Dauer kann man so wohl nicht vernünftig leben.
Welches Problem taucht als nächstes auf?
Heute gibt es kein Straßen-Experiment, sondern ein Schuh-Experiment. Da mir die Stiefel zu warm sind, versuche ich es mit den Wanderstiefeln. Ich glaube, das Experiment werde ich nicht wiederholen. Die Beine und Füße fühlen sich ziemlich ungeschützt, die Sonne brennt jetzt direkt auf der Haut und die Abwärme von Lisls Zylinder bekomme ich auch direkt zu spüren.
Militärkontrollen? Gestern waren's 4, heute nur eine! Ist eben Sonntag. Und auspacken mußte ich kein einziges Mal etwas.
Aber heute hat mich ein LKW bös erwischt - sein Fahrtwind hat mir fast den Helm vom Kopf gerissen! Man sollte es nicht glauben...
Das "Nicht-Straßen-Experiment" läßt mich gemütlich vor mich hin rollen. Bereits am späten Vormittag steht das Thermometer schon auf 37 Grad, das heißt, auch wenn alle Schotten offen sind, bringt der Fahrtwind keinerlei Abkühlung. Ich nutze alle Cafe-Möglichkeiten und ernähre mich praktisch von Coca Cola - sehr gesund. Kurz nach Mittag ist der Hitzerekord vom 10.September (42 Grad) geknackt! Das scheint selbst hier etwas ungewöhnlich zu sein; am heiligen Sonntag müssen Arbeiter die Straße vor dem Wegschmelzen bewahren, indem sie eine Sandschicht verstreuen.
Letztendlich steigt die Temperatur noch bis auf 43 Grad! Somit hält die Bahia California den Hitze- und Kälte-Rekord dieser Tour - und das innerhalb von 3 Tagen. Das muß man sich mal vorstellen, das ist ein Temperaturunterschied von über 46 Grad!!! Das ist etwa so, wie wenn man zwischen Sauna und Eiswasser wechselt, aber nicht für Sekunden oder Minuten, sondern für Stunden. So lange, bis der Körper vollständig durch-gefroren oder -gekocht ist!
Apropos gekocht: hier liegen jede Menge tote Hunde rum - aufgedunsen bis zum Platzen strecken sie ihre Beine in alle Richtungen. Und die Sonne knallt herunter und verrichtet weiter ihr Werk....
Na gut, Ihr wollt noch was Schönes hören? Ich kreuze heute von der Pazifikküste zur Golfseite und muss dabei natürlich über die Berge. Die Landschaft ändert sich daher ständig. Obwohl mir alles einfach nur heiß und wüstig vorkommt, muß ich zugeben, daß die Umgebung eigentlich sehr abwechlungsreich ist. Mitten auf dem sengenden Wüstenboden wächst auf einmal frisches grünes flaumiges Gras - so weit das Auge reicht! Und dann fahren wir über eine Kuppe. Schlagartig hat sich das Grün in einen golden wogendes Meer aus Grashalmen verwandelt.
Die unterschiedlichsten Bergformen tauchen auf und verschwinden wieder, wir passieren den Vulkan "die 3 Jungfrauen" und fahren kurvenreich durch Schluchten aus weißem Fels. Bis vor uns das Meer auftaucht - frisches Blau mit weißen Schaumkrönchen. Und es kühlt etwas!
Man hat mir gesagt, in Santa Rosalia wäre es nicht besonders schön, viel schöner wäre es in Loreto oder wenigstens Mulegé. Das sind nochmal 100 km - allerdings ist es noch nicht mal 4 Uhr nachmittags und es droht keine Schlechtwegestück. Man könnte also ... noch ein Weilchen suchen. Ups, da stand doch ein Schild "Camping Los dos amigos"? Richtige Campingplätze sind hier echt rar gesät! Also, schaun wir mal. Ein passabler Sandweg führt ca. 1 km bis zu einer Kette - geschlossen? Schade! Abe da kommt die Dame des Hauses und macht mir das Angebot: für eine Nacht? Ja ok. 100 Pesos (sie sagt, das wären 10 $, wenn man offiziell rechnet sind das knapp 6 €).
Und der Platz - das ist ja ein Traum! Ich bin versöhnt!!! Mein Zelt steht unter Palmen, deren reife Datteln mir sozusagen in's Bett fallen! Vor mir der Strand.
Die Senora bedauert, daß es in dem Häuschen hinter mir nur kalte Dusche gibt - aber etwas weiter weg steht noch eines mit heißer Dusche (Solar-erhitzt). Wow!
Ich sitze unterm Palmen-Baldachin, vor mir ein Tischchen und genieße bei einem lauen Lüftchen das Meer! So stellt man sich doch gemeinhin die Strandfreiheit vor, oder?!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=qyocdlcenkrauegg
Heute gibt es kein Straßen-Experiment, sondern ein Schuh-Experiment. Da mir die Stiefel zu warm sind, versuche ich es mit den Wanderstiefeln. Ich glaube, das Experiment werde ich nicht wiederholen. Die Beine und Füße fühlen sich ziemlich ungeschützt, die Sonne brennt jetzt direkt auf der Haut und die Abwärme von Lisls Zylinder bekomme ich auch direkt zu spüren.
Militärkontrollen? Gestern waren's 4, heute nur eine! Ist eben Sonntag. Und auspacken mußte ich kein einziges Mal etwas.
Aber heute hat mich ein LKW bös erwischt - sein Fahrtwind hat mir fast den Helm vom Kopf gerissen! Man sollte es nicht glauben...
Das "Nicht-Straßen-Experiment" läßt mich gemütlich vor mich hin rollen. Bereits am späten Vormittag steht das Thermometer schon auf 37 Grad, das heißt, auch wenn alle Schotten offen sind, bringt der Fahrtwind keinerlei Abkühlung. Ich nutze alle Cafe-Möglichkeiten und ernähre mich praktisch von Coca Cola - sehr gesund. Kurz nach Mittag ist der Hitzerekord vom 10.September (42 Grad) geknackt! Das scheint selbst hier etwas ungewöhnlich zu sein; am heiligen Sonntag müssen Arbeiter die Straße vor dem Wegschmelzen bewahren, indem sie eine Sandschicht verstreuen.
Letztendlich steigt die Temperatur noch bis auf 43 Grad! Somit hält die Bahia California den Hitze- und Kälte-Rekord dieser Tour - und das innerhalb von 3 Tagen. Das muß man sich mal vorstellen, das ist ein Temperaturunterschied von über 46 Grad!!! Das ist etwa so, wie wenn man zwischen Sauna und Eiswasser wechselt, aber nicht für Sekunden oder Minuten, sondern für Stunden. So lange, bis der Körper vollständig durch-gefroren oder -gekocht ist!
Apropos gekocht: hier liegen jede Menge tote Hunde rum - aufgedunsen bis zum Platzen strecken sie ihre Beine in alle Richtungen. Und die Sonne knallt herunter und verrichtet weiter ihr Werk....
Na gut, Ihr wollt noch was Schönes hören? Ich kreuze heute von der Pazifikküste zur Golfseite und muss dabei natürlich über die Berge. Die Landschaft ändert sich daher ständig. Obwohl mir alles einfach nur heiß und wüstig vorkommt, muß ich zugeben, daß die Umgebung eigentlich sehr abwechlungsreich ist. Mitten auf dem sengenden Wüstenboden wächst auf einmal frisches grünes flaumiges Gras - so weit das Auge reicht! Und dann fahren wir über eine Kuppe. Schlagartig hat sich das Grün in einen golden wogendes Meer aus Grashalmen verwandelt.
Die unterschiedlichsten Bergformen tauchen auf und verschwinden wieder, wir passieren den Vulkan "die 3 Jungfrauen" und fahren kurvenreich durch Schluchten aus weißem Fels. Bis vor uns das Meer auftaucht - frisches Blau mit weißen Schaumkrönchen. Und es kühlt etwas!
Man hat mir gesagt, in Santa Rosalia wäre es nicht besonders schön, viel schöner wäre es in Loreto oder wenigstens Mulegé. Das sind nochmal 100 km - allerdings ist es noch nicht mal 4 Uhr nachmittags und es droht keine Schlechtwegestück. Man könnte also ... noch ein Weilchen suchen. Ups, da stand doch ein Schild "Camping Los dos amigos"? Richtige Campingplätze sind hier echt rar gesät! Also, schaun wir mal. Ein passabler Sandweg führt ca. 1 km bis zu einer Kette - geschlossen? Schade! Abe da kommt die Dame des Hauses und macht mir das Angebot: für eine Nacht? Ja ok. 100 Pesos (sie sagt, das wären 10 $, wenn man offiziell rechnet sind das knapp 6 €).
Und der Platz - das ist ja ein Traum! Ich bin versöhnt!!! Mein Zelt steht unter Palmen, deren reife Datteln mir sozusagen in's Bett fallen! Vor mir der Strand.
Die Senora bedauert, daß es in dem Häuschen hinter mir nur kalte Dusche gibt - aber etwas weiter weg steht noch eines mit heißer Dusche (Solar-erhitzt). Wow!
Ich sitze unterm Palmen-Baldachin, vor mir ein Tischchen und genieße bei einem lauen Lüftchen das Meer! So stellt man sich doch gemeinhin die Strandfreiheit vor, oder?!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=qyocdlcenkrauegg
Sonntag, 6. Oktober 2013
Noch ein harter Tag!
Guten Morgen (ist es hier) liebe Freunde. Den gestrigen Tag mußte ich erst mal verdauen...
Vorab: Internet ist schwierig hier - kann also sein, daß es jetzt nicht mehr so reibungslos täglich klappt.
Am Morgen geht es entspannt auf einer herrlichen Asphaltstraße - wie versprochen - dahin. Linkerhand in respektvoller Entfernung Sandstrand, rechterhand hinter der Ebene erheben sich die Berge. Es ist verhältnismäßig grün, was heißen soll, es wachsen verschiedene Kakteen, Büsche, Sträucher und sogar Gras. Es sihet herrlich aus, wenn der Wind über den sanften Grasflaum streicht und es sich wiegt, wie die Wellen des Meers auf der anderen Seite!
Ab Bahia San Luis Gonzaga soll es ca. 20 km (gute) Schotterstraße geben, wurde mir gesagt. Viele Autos und Motorräder fahren sort täglich und mit meiner Lisl "gar kein Problem"!
Die Asphaltstraße endet in einer "Umleitung" wenige Kilometer vor Luis Gonzaga, kurz darauf die erste Militärkontrolle. Ich frage als erstes mal, ob ich auf dem richtigen Weg bin - da sind sie wohl überfordert und schicken mich ohne Kontrolle weiter.
Bis zur Ortschaft wirkt die Straße wie eine unfertige Trasse. Die Ortschaft besteht aus 1 Haus und einer "Tankstelle" - kein Hinweisschild an der Kreuzung. ABer es kann nur geradeaus gehen! Breit und kerzengerade sieht der Weg aus, ein wenig sandig. Unmerklich wird es aber schlechter, aber nach 10 km sollte ich ja die Hälfte geschafft haben?
Mittlerweile sieht die "Straße" so aus: Waschbrett, gemischt mit großen abgeundeten und kleinen scharfkantigen Löchern, schön verfüllt mit weichem Sand. Irgendwann lohnt es sich nicht mehr, umzukehren, ich müßte ja schon über die Hälfte zurückgelegt haben. Da zoomst Du das Navi so herein oder heraus, daß es einfach am Besten aussieht. Ja, die Hälfte hast Du schon, also nicht mehr umkehren. Oh, das war falsch? Aber jetzt lohnt sich umkehren auch nicht mehr.
Immerhin wird der Untergrund jetzt fester - wir kommen in die Berge. Der Preis dafür sind tiefe Auswaschungen, weggebrochene Piste, Steine, Felsen, Geröll und immer noch zwischendrin Sand. Kaum eine kurze Strecke zum Erholen dazwischen. Aber: wenn ich jetzt in den Bergen bin, ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Asphaltstraße. Hinter dem nächsten Aufstieg wird sie sein. Doch nicht? Aber ganz sicher hinter der nächsten Ecke. Oh, ein Haus und Autos - ich hab's geschafft! Nein, doch nicht! Ist nur eine Ranch. Ich bin am Ende meiner Kräfte; ich muß mich motivieren! Wo ist die Susi geblieben, die sich über Schotter freut und bei 60, 70 Sachen entspannt dahinrollt??? Ich bin halt keine Rallyefahrerin.
Von den "vielen Fahrzeugen" sind mir bisher nur 2 begegnet - eines hat mich überholt und das andere kam mir auf "meiner" Seite mitten in einem steilen Aufstieg entgegen. Keine Chance zum Anhalten - wir müssen ohne stoppen aneinander vorbei - ist grade mal gut gegangen!
Nach 3 1/2 Stunden und etwa 60 km (besserer Schnitt als gestern!) bin ich tatsächlich wieder auf Asphalt! Entspannung!
Denkste! In den Bergen herrscht ein starker Wind, böig. Du bist ständig gespannt wie ein Luchs auf der Lauer, hinter welcher Kurve er dich von wo und wie stark erwischt - Du mußt sofort reagieren und die Fuhre auf der Straße halten. Knapp 400 kg sind schwer zu halten, für den Wind allerdings ein herrliches Spielzeug. Und dann begegnen mir freundlicherweise jede Menge große LKWs, die noch eine besondere Strudelwürze einbringen.
Landschaft und Planzen ändern sich ständig, Wüste, Fels, Sandebenen, verschiedene Kakteen, Gras...aber so richtig wahrnehmen tu ich das alles nicht mehr. Auf jeden Fall ist nichts dabei, wo man zelten könnte! Also muss ich noch bis Guerrero Negro weiterfahren, gut 1 h. Absolut keine attraktive Stadt und auch das Meer ist nicht zu sehen. Da bleibt mir nur der "Campingplatz"" im Hof hinter einem kleinen Hotel. Zugegeben, sieht alles sauber aus, die Toilette hat Wasser und sogar die Dusche funktioniert. Kostenpunkt in US $: 12.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ebbowvvbseerqxsa
Vorab: Internet ist schwierig hier - kann also sein, daß es jetzt nicht mehr so reibungslos täglich klappt.
Am Morgen geht es entspannt auf einer herrlichen Asphaltstraße - wie versprochen - dahin. Linkerhand in respektvoller Entfernung Sandstrand, rechterhand hinter der Ebene erheben sich die Berge. Es ist verhältnismäßig grün, was heißen soll, es wachsen verschiedene Kakteen, Büsche, Sträucher und sogar Gras. Es sihet herrlich aus, wenn der Wind über den sanften Grasflaum streicht und es sich wiegt, wie die Wellen des Meers auf der anderen Seite!
Ab Bahia San Luis Gonzaga soll es ca. 20 km (gute) Schotterstraße geben, wurde mir gesagt. Viele Autos und Motorräder fahren sort täglich und mit meiner Lisl "gar kein Problem"!
Die Asphaltstraße endet in einer "Umleitung" wenige Kilometer vor Luis Gonzaga, kurz darauf die erste Militärkontrolle. Ich frage als erstes mal, ob ich auf dem richtigen Weg bin - da sind sie wohl überfordert und schicken mich ohne Kontrolle weiter.
Bis zur Ortschaft wirkt die Straße wie eine unfertige Trasse. Die Ortschaft besteht aus 1 Haus und einer "Tankstelle" - kein Hinweisschild an der Kreuzung. ABer es kann nur geradeaus gehen! Breit und kerzengerade sieht der Weg aus, ein wenig sandig. Unmerklich wird es aber schlechter, aber nach 10 km sollte ich ja die Hälfte geschafft haben?
Mittlerweile sieht die "Straße" so aus: Waschbrett, gemischt mit großen abgeundeten und kleinen scharfkantigen Löchern, schön verfüllt mit weichem Sand. Irgendwann lohnt es sich nicht mehr, umzukehren, ich müßte ja schon über die Hälfte zurückgelegt haben. Da zoomst Du das Navi so herein oder heraus, daß es einfach am Besten aussieht. Ja, die Hälfte hast Du schon, also nicht mehr umkehren. Oh, das war falsch? Aber jetzt lohnt sich umkehren auch nicht mehr.
Immerhin wird der Untergrund jetzt fester - wir kommen in die Berge. Der Preis dafür sind tiefe Auswaschungen, weggebrochene Piste, Steine, Felsen, Geröll und immer noch zwischendrin Sand. Kaum eine kurze Strecke zum Erholen dazwischen. Aber: wenn ich jetzt in den Bergen bin, ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Asphaltstraße. Hinter dem nächsten Aufstieg wird sie sein. Doch nicht? Aber ganz sicher hinter der nächsten Ecke. Oh, ein Haus und Autos - ich hab's geschafft! Nein, doch nicht! Ist nur eine Ranch. Ich bin am Ende meiner Kräfte; ich muß mich motivieren! Wo ist die Susi geblieben, die sich über Schotter freut und bei 60, 70 Sachen entspannt dahinrollt??? Ich bin halt keine Rallyefahrerin.
Von den "vielen Fahrzeugen" sind mir bisher nur 2 begegnet - eines hat mich überholt und das andere kam mir auf "meiner" Seite mitten in einem steilen Aufstieg entgegen. Keine Chance zum Anhalten - wir müssen ohne stoppen aneinander vorbei - ist grade mal gut gegangen!
Nach 3 1/2 Stunden und etwa 60 km (besserer Schnitt als gestern!) bin ich tatsächlich wieder auf Asphalt! Entspannung!
Denkste! In den Bergen herrscht ein starker Wind, böig. Du bist ständig gespannt wie ein Luchs auf der Lauer, hinter welcher Kurve er dich von wo und wie stark erwischt - Du mußt sofort reagieren und die Fuhre auf der Straße halten. Knapp 400 kg sind schwer zu halten, für den Wind allerdings ein herrliches Spielzeug. Und dann begegnen mir freundlicherweise jede Menge große LKWs, die noch eine besondere Strudelwürze einbringen.
| Der Wald hat sich verändert |
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ebbowvvbseerqxsa
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