Noch vor wenigen Tagen habe ich behauptet, ich wäre froh, wenn ich Kolumbien hinter mir hätte. Von diesem Land habe ich außer Regen nur Gefahren und falsche Polizisten erwartet. Jetzt entdecke ich, daß es hier schrecklich viel zu sehen gibt. Das Land ist wunderschön und die Leute sind sehr freundlich, nett und hilfsbereit. Auch nicht aufdringlich. Kolumbien ist kein Abenteuerland mit schrecklich schlechten Pisten, Hinterhalten und Notstand. Die touristischen Attraktionen sind erschlossen und gut erreichbar. Ich glaube, hier könnte ich noch Einiges entdecken.
Endlich gibt es mal wieder ein Frühstück. Das ist selten in den Hotels. Und irgendwo etwas essen mag ich nicht am Morgen, so habe ich mir angewöhnt, morgens einfach ohne etwas auf die Reise zu gehen. Frisch gestärkt freue ich mich also heute auf den "Kaffee-Nationalpark". Bin gespannt, was ich dort lerne. Durch Bananenplantagen geht es zum Kaffeepark! Mir wurde gestern gesagt, der Park öffnet um 8 Uhr, also will ich die Morgenfrische ausnutzen. Ich bin um 9 Uhr dort. Dutzende Kinder in Schuluniform stehen vor dem Eingang Schlange - aha, Schulausflug!? Schön, daß die Kinder etwas über Ihr Land lernen wollen. Ich muß von der Straße runter, links ist ein großes Tor zum Parkplatz. Davor steht Sicherheitspersonal. Sie wollen mich nicht reinlassen, der Park öffnet erst um 10 Uhr! Wieso das denn jetzt? Jetzt bin ich schon angenervt. Eine Eintrittskarte habe ich schon im Hotel kaufen können, der Parkplatz soll extra kosten. Ich suche eine Kasse, um die Gebühr zu bezahlen, aber das Personal will mich nicht vom Motorrad weglassen. Es ist schwül geworden, ich stelle die Lisl erstmal auf den Ständer, ziehe mich aus und verstaue den Regenkombi - sprich, ich mache es mir vor dem verschlossenen Tor für die nächste Stunde gemütlich. Aber das ist auch nicht recht, Angestellte wollen hereinfahen. Plötzlich erlaubt man mir, neben der Kasse hinter einer Hecke zu parken. Nun kann ich auch alles herrichten und die Straßenstände besichtigen. Straßenhändler wollen mir Hüte verkaufen, ein älterer Herr mit Familie spricht mich in perfektem Englisch an und gibt mir ein paar Tips. Endlich ist Einlaß - die nächste Enttäuschung: das ist ja ein Vergnügnungspark a la Disneyland! Darum die vielen freudigen Kinder! Eigentlich will ich gleich wieder umdrehen, aber wo ich halt jetzt schon mal drin bin... Es gibt tatsächlich einen Abschnitt des Parks, der die Kaffeeplanzen, deren Aufzucht und Ernte zeigt. Ich habe mir vorher nicht angesehen, wie Kaffeplanzen aussehen, aber ich hatte eine ganz andere Vorstellung davon! Auch die Verarbeitung der Kaffeebohnen kann man an verschiedenen Stationen kennenlernen. Dann kommt die Station "Kaffeeshow" - neugierig gehe ich hinein und sehe Baletttänzer üben. Schon ist ein freundlicher Sicherheitsbeamter da, der mir erklärt, daß die Show erst um 13:30 Uhr stattfindet und ich hier nicht bleiben darf. Es ist heiß geworden und der Lehrpfad geht durch ein Tal, das man am Ende mit vielen Stufen wieder verlassen muss. Die Sesselbahn ist noch nicht in Betrieb. Kurz vor dem Ausgang gibt es noch ein kleines Museum, in dem weitere Dinge zu lernen sind, das nehme ich noch mit. Dann will ich weiter. Es ist schon fast Mittag und ich bin heute noch nicht weit gekommen. Die Holländer wollen heute bis Buga fahren, vielleicht können wir uns da ja treffen?
Die wunderschöne Nebenstraße von gestern setzt sich heute hier fort; die nächtlichen Gewitter haben die Luft gereinigt. Es erinnert mich an zu Hause, wenn ich manchmal ein kleines Sträßchen durch den Wald finde und denke "das ist ja wie im Urwald!". Hier ist es im Urwald! Hmmmmmmmmmmm!
Auch eine Nebenstraße mündet mal in einer Hauptstraße. Diese soll mich nach Bugla und später Richtung Buenavista führen. Sie ist breit, später sogar oft 3- bis 4-spurig ausgebaut und der Schwerlastverkehr hält sich vorerst noch in Grenzen. Und dann passiert ein schlimmes Unglück! Ich sehe weit vor mir einen Mann über die Straße rennen, er fällt der Länge nach hin und anscheinend verteilt sich was er getragen hat über der Straße. Ich bremse und rolle langsam hin, der Mann rührt sich nicht. Was ich für seine Habseligkeiten gehalten habe, war ein Motorrad mit Beifahrerin, die mich vor höchstens zwei Minuten überholt haben. Sie waren kaum schneller als ich, 70-80 km/h. Die Motorradfahrer sitzen am Straßenrand aber der Mann liegt regungslos auf der Straße. Eine Menge Menschen sind schon zu Stelle und so fahre ich in großem Bogen um die Unglücksstelle herum. Ich verstehe sowieso nichts und möchte, ehrlich gesagt, nicht in Kolumbien in irgendeine Sache verwickelt werden.
Die schrecklichen Bilder gehen mir nicht aus dem Kopf - viele Fragen "warum?" qälen mich. Mein eigener Unfall taucht wieder auf. Geschockt und wie in Trance fahre ich weiter, allerdings ein ganzes Stück langsamer. Ich merke kaum, wenn mich jemand überholt, alles funktioniert nur irgendwie automatisch. Nichts um mich herum kann ich aufnehmen.
Als ich in Buga ankomme, ist es noch zu früh um aufzuhören. Kaum eine Abwägung, einfach nur ein Moment des Zögerns, dann folge ich dem Navi Richtung Buenaventura. So langsam komme ich wieder zu mir und plane den restlichen Tag. San Cipriano habe ich mir vorgenommen - dort soll es Motorraddraisinen geben, die einen zu schönen Wassertümpeln im Dschungel fahren. Der Ort dürfte auf halbem Weg nach Buenaventura (am Pazifik) liegen. Mein altbekannter Fehler schleicht sich wieder ein - ich nehme mir zuviel vor. Ich denke, ich könnte kurz dorthin fahren und dann vor 17 Uhr wieder zurück in Buga sein. Weit gefehlt!!! Ab jetzt wird der Tag einfach nur immer schlimmer...
Schlechte schmale Straße, LKW-Schlangen mit 14 km/h in beide Richtungen, Baustellen über Baustellen, sandige und staubige Abschnitte, Nieselregen, schlammige Gischt. Schlaglöcher ignorieren wir schon lange, die Lisl schluckt sie einfach. Aber jetzt taucht unter dem LKW direkt vor uns ein mehr als 2-faust-großer Stein auf. Zu spät zum ausweichen; Lisl's Vorderrad hüpft ordentlich zur Seite, aber sie fängt sich zum Glück wieder. Die Brille ist blind - kurze Pause, Toilettengang und Brille etwas säubern. Der Restaurantbesitzer dort kennt San Cipriano - ja, ist noch 30 km; sehr schön dort. Nur noch 5 km auf der Hauptstraße, dann biegt eine Nebenstraße ab.
Aus den 5 km werden weiß-nicht-wieviel inklusive weiterer 3 Baustellen. Irgendwann entdecke ich zwischen den LKWs ein Hinweisschild - die Abzweigung sieht aus, als ob sie nur zu ein paar Häusern führen würde. Es sind schäbige schmutzige Hütten. Die meisten Menschen hier sind dunkelhäutig - bisher haben fast alle Kolumbinaner weiße oder helle Haut gehabt. Neben mir taucht ein Moped mit 2 schwarzen Jungs auf - sie belabern mich ohne Ende und lotsen mich die Nebenstraße hinunter. Hier stehen tatsächlich die Draisinen. Mittlerweile stehen 5 Kerle um mich rum, einer schreit lauter als der andere, sie rufen noch weitere Menschen hinzu. Ich halte mir die Ohren zu! Es dauert lange, bis ich verstehe, was Sache ist. San Cipriano ist ein Naturreservat, zu dem man nur mit diesen Draisinen kommt. Es sind ca. 20 min Fahrt und sie lassen es sich ordentlich bezahlen. Meine Lisl kann nicht mitkommen, sie muß hierbleiben. Alle möglichen teuren "Garagen" werden mir angeboten, vom Ziegenstall bis zum Wohnzimmer. Ich müßte mein Gepäck mitnehmen. Ob es dort oben dann wirklich Hotels gibt und ob die mich haben wollen und ob sie mir gefallen, steht alles in den Sternen. Mir ist sehr unwohl! Die Menschen hier finde ich sehr aufdringlich. Liegt die Mentalität an der Hautfarbe? Oder bin ich heute einfach nur schlecht drauf? Nein, sagt mein Bauch, das mach ich nicht. Ich bedanke mich und fahre zurück auf die Hauptstraße. Es ist jetzt schon nach 16 Uhr; keine Zeit zum Zurückfahren nach Buga. Bleibt nur noch Buenaventura. Das ist eine große Hafenstadt am Pazifik - da muß es ja haufenweise nette Hotels geben.
Und schon begrüßt mich ein verblaßtes Schild in Buenaventura. Bis zum Meer sind es aber noch 20 km! Ach Du liebe Zeit - schon wieder hektische Stadt! Nach dem ersten Nadelöhr läuft es zum Glück ganz passabel. Bis ich im Zentrum auf einer Halbinsel ankomme. Es ist der Horror! Schreckliche Häuserfassaden, schwarz auf dem ehemals weißen Putz, überall Leitungen kreuz und quer, eingefallene Gebäude, an jeder Straßenecke riesige Löcher oder Baustellen. Ich gerate anscheinend auf eine reine Omnibusstraße, ich werde angeschimpft. Bis zu Uferpromenade möchte ich mich durchkämpfen - aber die gibt es nicht. Der Blick auf das Meer ist verbaut durch Kasernen, Frachtplätze oder andere heruntergekommene Gebäude. Heiß. Dreckig. Wahnsinnig laut. Eng. Ich bin total genervt. Da prangt ein großes Hotelschild an einem ordentlichen Gebäude. Die Tür ist verschlossen. Ein Autofahrer will helfen, er kennt ein günstiges Hotel in der Nähe. Sie haben nicht mal einen Lüfter im Zimmer, kein Internet und vor allem keinen Platz für die Lisl. Dierkt nebenan dröhnt etwas so schrecklich laut, daß man kaum sein eigenes Wort versteht. Jetzt platzt mir der Kragen! Das wird nichts. In der Nähe sehe ich noch 2 oder 3 Hotelschilder - der Mann verabschiedet sich und ich gehe auf Fragetour. Ich habe etwas Angst, weil ich oft in den ersten oder zweiten Stock zur Rezeption muß und meine Wertsachen alle auf der Lisl bleiben. Machen wir es kurz: alles ist gleich schlecht. In der ganzen Stadt herrscht Stromausfall - Zimmer werden mit der Taschenlampe besucht. Ich entscheide mich für das Hotel über dem schrecklich lauten Stromaggregat (das dazu gedient hat, per elektrischer Beschallung die Menschen in der Kirche im Erdgeschoß in Esktase zu versetzen). Das Aggregat wird gerade abgeschaltet - eine himmlische Ruhe kehrt ein! Angeblich haben sie hier von 18 bis 23 Uhr Strom! Die Lisl? Es wird lange gezeigt und geschrien. Schließlich geht eine Helferin voraus in die nächste Querstraße und schließt ein klappriges Rolltor auf. Die Lisl darf in einen gefließten Raum. Ich werde morgen erfahren, was mich das kostet. Es ist mir momentan egal.
Der Schweiß rinnt an mir herunter und hinterläßt auf meinem verrußten Gesicht helle Spuren. Die Senora an der Rezeption lacht sogar - ich muß schrecklich aussehen. Aber seht selbst....
Mein Zimmer ist eine fensterlose Zelle. Die Waschbeckenkontrolle hat "Wasser ja" ergeben, aber der Nachhaltigkeitstest in der Dusche ist enttäuschend. Jeder Tropfen, der die Duschleitung ohne Brausekopf verläßt, wird von mir gierig aufgefangen! Selbst nach 3-maligem einseifen hinterläßt mein Gesicht auf dem Handtuch noch graue Spuren. Die Duschabkühlung hilft nur kurz, im Zimmer ist es schwül. Ich entdecke eine Klimaanlage, aber ich kann sie nicht zum Leben erwecken. Das Notstromaggregat liefert nicht genug Power. Ich will weg hier!
PS: Ich habe am 14.11. noch einen Eintrag vergessen, wer möchte kann dort nochmal nachschauen...
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=jcyxuvasumwmrztz
Donnerstag, 28. November 2013
Mittwoch, 27. November 2013
Regen im Regenwald
Gleich am Morgen muß ich tanken, bin schon auf Reserve. Direkt angrenzend sichte ich eine Werkstatt. Es dauert eine Zeitlang, bis passendes Werkzeug für Lisls Lenkkopflager gefunden ist. Ich weiß, daß man das Lager mit viel Gefühl einstellen muß! Mein Schraubenschlüssel für die Kontermutter ist etwa 1/2 Meter lang, die Nutmutter für das Spiel muß ich mit Hammer und einem zu dicken Meißel einstellen. Wie soll da Gefühl aufkommen??? Eine Kontrolle gibt es im Stand bei eingebautem Lenker und unebenem Untergrund auch nicht wirklich. Das ist einfach nur raten... Schon wenig später am nächsten 3200 m Paß zeigt sich, daß das "Gefühl" etwas zu stramm geworden ist - die Lisl ruckelt jetzt um die Ecken. Die Reifen sind auch nicht mehr die Besten, besonders der vordere.
Der Paß ist herrlich! Er wäre noch viel herrlicher, wenn ich die Fahrt genießen könnte und mich nicht mit "carga larga"-Schwertransportern rumschlagen müßte. Die schönsten Bilder kann ich nur für Sekundenbruchteile in mir aufnehmen - fotografieren ist unmöglich, wenn Du grade mitten in einem Überholvorgang von 30 LKWs bist, die mit 25 km/h die Luft verpesten. Und dann stehen sie ganz still! Wann immer möglich, kämpfe ich mich am Stau vorbei bis ich vorn an der Baustelle ankomme .Das kann dauern. Die Tafel-Wärterin funkt gerade. Und dann ergießt sich ein Wortschwall über mich. Ich verstehe nur aus einer kleinen Handbewegung, daß ich fahren soll und ein Wort: "rapido". Also Lisl - gib Gummi!!! Yeah! Wir sind durch. Die LKW-Schlange muß warten. Vor mir herrscht freie Fahrt! Ich glaube, die Dame hat mein Gebet erhört. Ist das herrlich, ohne Verfolger im Nacken und ohne Hindernisse vor uns den Paß hinaufzujuckeln! Kurz vor dem höchsten Punkt ist Polizeikontrolle. Eine freundliche Frage woher/wohin...ich lege gleich los in radebrecherischem spanisch, daß ich nach Solento wolle. Ansonsten verstehe ich nichts. Der Herr Polizist grinst freundlich, klopft mir auf die Schulter und wünscht mir eine gute Fahrt!
Im Cocoratal hinter Solento soll es die seltenen Wachspalmen geben, die höchsten Palmen überhaupt. Eine sehr schmale asphaltierte Straße führt in engen Kurven dorthin. Als ich am Eingang zum Nationalpark ankomme, werde ich auf einen Parkplatz gewiesen. Eintritt scheint der Park nicht zu kosten. Der Parkplatz gehört zu einem Restaurant; der freundliche Einweiser gibt mir allerlei Informationen auf "spenglisch". Auf diese Weise komme ich ganz schnell an ein Pferd, was ich eigentlich wollte. Der Einweiser und der Pferdemensch freuen sich - für eine Stunde kostet es 28.000 Pesos (ca.13 €) inklusive Führer. Man bietet mir noch einen Regenponcho an, den nehme ich aber nur zur Sicherheit mit. Der Führer ist zu Fuß, ich zu Pferd. Er geht unsichtbar hinterher und lenkt heimlich das Pferd. Es tut genau, was er sagt. Mich braucht es gar nicht. Nach einem kurzen Anlauf auf einem befahrbaren Erdweg, wird es steinig und holprig. Wir kreuzen an einem Wehr den Fluß um kurz danach steil über Felsbrocken nach oben abzubiegen und etwas weiter oben erneut durch den Fluß zu reiten. Hier ist er tief und reißend, aber das Pferd tut, als ob nichts wäre. Überhaupt ist es sehr trittsicher und kraxelt über Felsen und Bäume, wo ich zu Fuß Schwierigkeiten gehabt hätte. Unsere eigenen Pferde hätten hier bestimmt keinen einzigen Fuß hingesetzt! Als wir losgeritten sind hat es gedonnert. Kaum sind wir im Wald, fängt es an zu regnen. Am Umkehrpunkt vor einem extrem steilen glatten Felsen baden wir in einem Wolkenbruch. Den Kunststoffponcho habe ich schon lange an - er hat keine Ärmel, eine ganz enge Kapuze und reicht weit über die Beine. Es regnet herein! Das Wasser läuft mir den Hals hinunter und an den Waden entlang. Armer Kameltreiber! Muß die ganze Strecke in Gummistiefeln rennen. Meine Fotos sind leider alle verwackelt - das Pferd war einfach zu schnell (oder der Regen zu heftig)! Anhalten konnte ich nicht, das Pferd hat ja nur auf den unsichtbaren Kameltreiber gehört. Und ich dummes Huhn hatte zwar meine Helmkamera dabei, aber vergessen sie zu benutzen! So werden die Bilder und Eindrücke wohl mein Geheimnis bleiben...
Als wir zurück sind, verziehe ich mich in's Restaurant um mich und die trotz Poncho nassen Klamotten zu trocknen. Aber es ist saukalt, da trocknet nichts. Der Besitzer, ein junger englisch sprechender Mann, gibt mir eine Decke zum Wärmen und bietet mir an, so lange ich will hier zu bleiben. Natürlich auch über Nacht. Ich dürfte auch hier zelten - aber bei dem Wetter??? Er könnte ja ein Zelt aufstellen, in das ich dann mein Zelt stelle - haha! Der Mann hat lustige Ideen! Seine Freundin gesellt sich zu uns und wir sprechen über Motorräder, die Panamericana und meine Reise. Er würde auch gerne diese Reise machen; mit seiner Freundin. Vielleicht kommt er ja mal nach Deutschland und besucht mich? Eigentlich möchte ich warten, bis es aufhört zu regnen, aber es fängt schon wieder an zu donnern. Momentan hat der Regen nachgelassen und so eile ich zur Lisl, um meine Regenklamotten anzuziehen. Restaurantbesitzer und seine gesammelte Mannschaft an Einweiser, Kameltreiber, Bedienung begleiten mich und staunen, was Senor Chef alles über mich und die Lisl erzählt! Adios! Nur 2 mal hupen, nicht winken, denn das Gelände ist schwierig.
Die Rückfahrt auf der mittlerweile überschwemmten und mit Laub und Ästen gespickten Straße ist wieder mal ein Blindflug mit beschlagener Brille, also etwa Schritttempo. Nach 9 km in Solento trockne ich den Beschlag mal kurz, jetzt wird auch das Wetter etwas trockener. Bald sind wir wieder auf der Autobahn - ringsum Wolken und Gewitter, aber hier ist es trocken. Nächstes Ziel ist der Kaffeepark - bin mal gespannt, was ich dort lerne. Aber der hat erst morgen früh wieder offen. Ich werde heute zumindest bis in die Nähe fahren, das paßt auch zeitlich ganz gut.
Montenegro. Erreiche ich über eine kleine betonierte Nebenstraße, die auf einem Kamm entlang führt. Zwischen Bananenplantagen liegen in paar kleine Ortschaften am Weg, eigentlich sind es nur ein paar Häuser. Aber die sind sehr adrett und haben meist einen hübschen Garten. In Montenegro holt mich wieder die städtische Realität ein - Staub, Ruß, Krawall, Chaos. Ich kann mich daran einfach nicht gewöhnen. Hotelsuche. Ich frage mal an der Tankstelle und folge der Empfehlung. Eigentlich gibt es hier nur Betten in dunklen Zellen. Ein anderes Hotel liegt nicht weit weg - ein 3-stöckiger Bunker. Gefällt mir auch nicht. Außerdem hat die Lisl keinen Platz. Ja, es gibt noch ein "besseres" Hotel und da werde ich per Fahrradführer hingelotst. Ist hübsch, sauber, inklusive Frühstück - super. Ok, hat seinen Preis. die Lisl findet gegenüber in einem abgesperrten Hof einen überdachten Platz. Das Hotel arbeiet nicht mit dem Schlepper zusammen, darauf legen sie Wert; so geht er leider leer aus. Während der Aufnahmeformalitäten wird mir eine Tasse ganz leckerer Kräutertee serviert, weil ich ja keinen Kaffee trinke (hier im Herzen des kolumbianischen Kaffeeanbaus!). Es ist nicht weit bis zum Marktplatz. Ein kurzer Spaziergang zum Geldautomaten und Supermarkt? Als ich fast dort bin fällt mir ein, daß ich ja den Foto hätte mitnehmen können! Dann lasse ich halt einfach alles mal so auf mich wirken. Die Straßenhändler im Park, die sich mit Einheimischen unterhalten, die Musik aus den Bars und Restaurants, die bunten Lichter (es wird grad dunkel) und die Auslagen. Die Jungs von der Stahlratte hätten an den Atombusen der Schaufensterpuppen hier ihre helle Freude gehabt! Im Supermarkt kaufe ich nur Getränke; ich habe nicht einmal Lust, etwas zum Naschen zu kaufen, obwohl es sogar Weihnachtsgebäck gibt! Bin ich krank?
Die große Kirche am Platz ist geöffnet und Musik dringt heraus. Ich geh einfach mal reinschauen. Es ist gerade Gottesdienst und einige Leute besuchen ihn. Ich verstehe nichts, aber ich genieße ein paar Momente der Einkehr und des Schwach-sein-dürfens.
Zurück im Hotel gibt es wirklich eine warme Dusche (nur warm nicht heiß). Man hat mir noch eine kuschelige flauschig-weiche Decke hingelegt. Erfrischt setze ich mich auf's Bett um den Blog zu schreiben. Draußen blitzt und donnert es - endlich mal wieder ein Gewitter! Es ist wohl direkt über uns, kracht fürchterlich, ab und zu fällt der Strom aus und natürlich gießt es! Ich bin ja gespannt, wann ich wieder mal guten Gewissens zelten kann...
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=wpeeqvbkujqjwccw
Der Paß ist herrlich! Er wäre noch viel herrlicher, wenn ich die Fahrt genießen könnte und mich nicht mit "carga larga"-Schwertransportern rumschlagen müßte. Die schönsten Bilder kann ich nur für Sekundenbruchteile in mir aufnehmen - fotografieren ist unmöglich, wenn Du grade mitten in einem Überholvorgang von 30 LKWs bist, die mit 25 km/h die Luft verpesten. Und dann stehen sie ganz still! Wann immer möglich, kämpfe ich mich am Stau vorbei bis ich vorn an der Baustelle ankomme .Das kann dauern. Die Tafel-Wärterin funkt gerade. Und dann ergießt sich ein Wortschwall über mich. Ich verstehe nur aus einer kleinen Handbewegung, daß ich fahren soll und ein Wort: "rapido". Also Lisl - gib Gummi!!! Yeah! Wir sind durch. Die LKW-Schlange muß warten. Vor mir herrscht freie Fahrt! Ich glaube, die Dame hat mein Gebet erhört. Ist das herrlich, ohne Verfolger im Nacken und ohne Hindernisse vor uns den Paß hinaufzujuckeln! Kurz vor dem höchsten Punkt ist Polizeikontrolle. Eine freundliche Frage woher/wohin...ich lege gleich los in radebrecherischem spanisch, daß ich nach Solento wolle. Ansonsten verstehe ich nichts. Der Herr Polizist grinst freundlich, klopft mir auf die Schulter und wünscht mir eine gute Fahrt!
Im Cocoratal hinter Solento soll es die seltenen Wachspalmen geben, die höchsten Palmen überhaupt. Eine sehr schmale asphaltierte Straße führt in engen Kurven dorthin. Als ich am Eingang zum Nationalpark ankomme, werde ich auf einen Parkplatz gewiesen. Eintritt scheint der Park nicht zu kosten. Der Parkplatz gehört zu einem Restaurant; der freundliche Einweiser gibt mir allerlei Informationen auf "spenglisch". Auf diese Weise komme ich ganz schnell an ein Pferd, was ich eigentlich wollte. Der Einweiser und der Pferdemensch freuen sich - für eine Stunde kostet es 28.000 Pesos (ca.13 €) inklusive Führer. Man bietet mir noch einen Regenponcho an, den nehme ich aber nur zur Sicherheit mit. Der Führer ist zu Fuß, ich zu Pferd. Er geht unsichtbar hinterher und lenkt heimlich das Pferd. Es tut genau, was er sagt. Mich braucht es gar nicht. Nach einem kurzen Anlauf auf einem befahrbaren Erdweg, wird es steinig und holprig. Wir kreuzen an einem Wehr den Fluß um kurz danach steil über Felsbrocken nach oben abzubiegen und etwas weiter oben erneut durch den Fluß zu reiten. Hier ist er tief und reißend, aber das Pferd tut, als ob nichts wäre. Überhaupt ist es sehr trittsicher und kraxelt über Felsen und Bäume, wo ich zu Fuß Schwierigkeiten gehabt hätte. Unsere eigenen Pferde hätten hier bestimmt keinen einzigen Fuß hingesetzt! Als wir losgeritten sind hat es gedonnert. Kaum sind wir im Wald, fängt es an zu regnen. Am Umkehrpunkt vor einem extrem steilen glatten Felsen baden wir in einem Wolkenbruch. Den Kunststoffponcho habe ich schon lange an - er hat keine Ärmel, eine ganz enge Kapuze und reicht weit über die Beine. Es regnet herein! Das Wasser läuft mir den Hals hinunter und an den Waden entlang. Armer Kameltreiber! Muß die ganze Strecke in Gummistiefeln rennen. Meine Fotos sind leider alle verwackelt - das Pferd war einfach zu schnell (oder der Regen zu heftig)! Anhalten konnte ich nicht, das Pferd hat ja nur auf den unsichtbaren Kameltreiber gehört. Und ich dummes Huhn hatte zwar meine Helmkamera dabei, aber vergessen sie zu benutzen! So werden die Bilder und Eindrücke wohl mein Geheimnis bleiben...
Als wir zurück sind, verziehe ich mich in's Restaurant um mich und die trotz Poncho nassen Klamotten zu trocknen. Aber es ist saukalt, da trocknet nichts. Der Besitzer, ein junger englisch sprechender Mann, gibt mir eine Decke zum Wärmen und bietet mir an, so lange ich will hier zu bleiben. Natürlich auch über Nacht. Ich dürfte auch hier zelten - aber bei dem Wetter??? Er könnte ja ein Zelt aufstellen, in das ich dann mein Zelt stelle - haha! Der Mann hat lustige Ideen! Seine Freundin gesellt sich zu uns und wir sprechen über Motorräder, die Panamericana und meine Reise. Er würde auch gerne diese Reise machen; mit seiner Freundin. Vielleicht kommt er ja mal nach Deutschland und besucht mich? Eigentlich möchte ich warten, bis es aufhört zu regnen, aber es fängt schon wieder an zu donnern. Momentan hat der Regen nachgelassen und so eile ich zur Lisl, um meine Regenklamotten anzuziehen. Restaurantbesitzer und seine gesammelte Mannschaft an Einweiser, Kameltreiber, Bedienung begleiten mich und staunen, was Senor Chef alles über mich und die Lisl erzählt! Adios! Nur 2 mal hupen, nicht winken, denn das Gelände ist schwierig.
Die Rückfahrt auf der mittlerweile überschwemmten und mit Laub und Ästen gespickten Straße ist wieder mal ein Blindflug mit beschlagener Brille, also etwa Schritttempo. Nach 9 km in Solento trockne ich den Beschlag mal kurz, jetzt wird auch das Wetter etwas trockener. Bald sind wir wieder auf der Autobahn - ringsum Wolken und Gewitter, aber hier ist es trocken. Nächstes Ziel ist der Kaffeepark - bin mal gespannt, was ich dort lerne. Aber der hat erst morgen früh wieder offen. Ich werde heute zumindest bis in die Nähe fahren, das paßt auch zeitlich ganz gut.
Montenegro. Erreiche ich über eine kleine betonierte Nebenstraße, die auf einem Kamm entlang führt. Zwischen Bananenplantagen liegen in paar kleine Ortschaften am Weg, eigentlich sind es nur ein paar Häuser. Aber die sind sehr adrett und haben meist einen hübschen Garten. In Montenegro holt mich wieder die städtische Realität ein - Staub, Ruß, Krawall, Chaos. Ich kann mich daran einfach nicht gewöhnen. Hotelsuche. Ich frage mal an der Tankstelle und folge der Empfehlung. Eigentlich gibt es hier nur Betten in dunklen Zellen. Ein anderes Hotel liegt nicht weit weg - ein 3-stöckiger Bunker. Gefällt mir auch nicht. Außerdem hat die Lisl keinen Platz. Ja, es gibt noch ein "besseres" Hotel und da werde ich per Fahrradführer hingelotst. Ist hübsch, sauber, inklusive Frühstück - super. Ok, hat seinen Preis. die Lisl findet gegenüber in einem abgesperrten Hof einen überdachten Platz. Das Hotel arbeiet nicht mit dem Schlepper zusammen, darauf legen sie Wert; so geht er leider leer aus. Während der Aufnahmeformalitäten wird mir eine Tasse ganz leckerer Kräutertee serviert, weil ich ja keinen Kaffee trinke (hier im Herzen des kolumbianischen Kaffeeanbaus!). Es ist nicht weit bis zum Marktplatz. Ein kurzer Spaziergang zum Geldautomaten und Supermarkt? Als ich fast dort bin fällt mir ein, daß ich ja den Foto hätte mitnehmen können! Dann lasse ich halt einfach alles mal so auf mich wirken. Die Straßenhändler im Park, die sich mit Einheimischen unterhalten, die Musik aus den Bars und Restaurants, die bunten Lichter (es wird grad dunkel) und die Auslagen. Die Jungs von der Stahlratte hätten an den Atombusen der Schaufensterpuppen hier ihre helle Freude gehabt! Im Supermarkt kaufe ich nur Getränke; ich habe nicht einmal Lust, etwas zum Naschen zu kaufen, obwohl es sogar Weihnachtsgebäck gibt! Bin ich krank?
Die große Kirche am Platz ist geöffnet und Musik dringt heraus. Ich geh einfach mal reinschauen. Es ist gerade Gottesdienst und einige Leute besuchen ihn. Ich verstehe nichts, aber ich genieße ein paar Momente der Einkehr und des Schwach-sein-dürfens.
Zurück im Hotel gibt es wirklich eine warme Dusche (nur warm nicht heiß). Man hat mir noch eine kuschelige flauschig-weiche Decke hingelegt. Erfrischt setze ich mich auf's Bett um den Blog zu schreiben. Draußen blitzt und donnert es - endlich mal wieder ein Gewitter! Es ist wohl direkt über uns, kracht fürchterlich, ab und zu fällt der Strom aus und natürlich gießt es! Ich bin ja gespannt, wann ich wieder mal guten Gewissens zelten kann...
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=wpeeqvbkujqjwccw
Dienstag, 26. November 2013
Ein Kirchentag
Es hat 18 Grad, ist also "Pulloverwetter" (nicht Heizweste!). Das Päckchen, das ich gestern abgeholt habe, enthiehlt eine Halterung für mein neues Navi. Ich habe es teilweise gestern noch montiert, der Rest wird heute angeschlossen. Sieht richtig gut aus! Und das Navi hat jetzt endlich Strom.
Zipaquira ist doch nur kanpp 40 km nördlich von Bogota - kurzerhand entschließe ich mich, doch noch zur Salzkathedrale zu fahren. Auf dem Rückweg kann ich Bogota auch umfahren.
Während ich vor der Kathedrale auf Einlaß warte beobachte ich eine ebenfalls wartende Familie. Ich bewundere immer wieder, welch inniges und freundliches Verhältnis alle Familienmitglieder zueinander haben. Diese Familie hat 3 Kinder, der große Junge ist vermutlich 16 oder 17. Seine kleinen Geschwister (Schwester 12, Bruder 9) hängen wie Kletten an ihm. Und dann hängt sich der Große zum Schmusen an seine Mum.
Hier in Zipaquira wurde schon seit ewigen Zeiten Salz gewonnen - erst aus salzigen Quellen, dann im Tagebau, dann unter Tage. Mittlerweile wird die Mine in 4 Ebenen ausgebeutet! Besichtigen kann man nur die oberste Ebene. Dort wurde vor ca. 200 Jahren Salz abgebaut. In den entstandenen Gängen und Höhlen haben die Bergleute eine Kirche für ihren Schutzpatron eingerichtet. Inzwischen ist fast die ganze obere Ebene in eine Kirche umgewandelt. Entlang einiger Stationen, jeweils mit einem Kreuz versehen, kommt man schließlich zu größeren Höhlen, die mit christilichen Figuren geschmückt und in verschiedenen Farben beleuchtet sind. In manchen Räumen stehen Bänke, hier wird Gottesdienst abgehalten. In einer Seitenhöhle war Christi Geburt dargestellt - ein Anlaß, an Weihnachten zu denken. Besinnliche Momente in der Kathedrale. Auch an einen jüngst verstorbenen guten Freund muß ich denken. Jäh werde ich wieder zurückgerufen durch eine laut plappernde japanische Touristengruppe. Diese Salzkathedrale war ganz anders als ich sie mir vorgestellt habe, aber der Besuch war auf jeden Fall einen Umweg wert! Höhlen und Unterirdisches faszinieren mich!
Es ist später Vormittag, als ich mich auf den Weg nach Südwesten mache. Warm ist es geworden - also Pullover verstauen. Bereits nach wenigen Minuten erwischt mich schon wieder der Regen - ich rüste um. Die Regenhose bleibtg allerdings aus - keine Lust. Ich habe beschlossen, daß ich hinter den Wolken schon wieder Sonnenschein sehe und wenn Füße und Oberkörper trocken sind, muß das reichen! Meist haben wir derzeit eine gute Autobahn unter den Rädern. Manchmal müssen wir uns durch eine Ortschaft kämpfen, aber danach rollt es wieder 4-spurig. Als das Einzugsgebiet von Bogota hiner uns liegt und wir gerade mal wieder stolz eine Mautstelle passieren, werde ich herausgewunken. Die erste Polizeikontrolle in Kolumbien! Da bin ich Schlimmeres gewohnt. Alles ist korrekt, meine Papiere sind in Ordnung. Der nächste Mopedfahrer wird angehalten.
Um 15 Uhr bin ich gerade so mitten im schönsten Fahren. Wetter, Kurven, Kondition - alles paßt! Was schon 15 Uhr? Ach, ich hab ja noch Zeit. Ich kann nicht glauben, daß ich um diese Zeit schon an einen Schlafplatz denken muß - hab mal wieder vergessen, wie schnell das hier dunkel wird. Daher verschmähe ich auch die Hotels, die vor Ibague an der Straße liegen. In der Stadt selbst ist natürlich nicht so ohne Weiteres was zu finden, zumindest nicht an der Hauptstraße. Zum intensiv suchen habe ich keine Lust. Wird schon noch was am Ortsausgang kommen, denke ich mir. Ja, Stundenhotels! Also weiter. Kurvenreich und steil geht es in die Berge. Graue Wolken hängen in den Gipfeln. Schwertransporter, Stoßstange an Stoßstange - weit und breit kein Hotel! So langsam werde ich unruhig - da fragen wir doch mal das Navi! In 11 km soll ein Hotel zu finden sein. Tatsächlich kommt dort eine Ortschaft, die weder auf Karte noch Navi zu finden ist. Und auch das angegebene "Hotel" finde ich nach längerer Suche. An der Straße ist nur eine Tür zu sehen; dahinter führt ein schmaler Gang zur Rezeption.
Dort sitzt ein Pärchen, um die 40. Sie scheinen frisch verliebt zu sein, turteln und kichern unentwegt. Der Mann will wissen, welche Währung wir in Deutschland haben. Euro? Versteht er nicht. Nein, keine Dollar - die haben sie in Nordamerika. Euro! Ich krame einen 10 €-Schein heraus. Ein Leuchten geht über sein Gesicht. Aha! Und ob ich auch einen 1-€-Schein habe? Was ist das wert? Ich finde eine 1 €-Münze und schreibe auf, daß dies 2500 Pesos entspricht. Er möchte die Münze gerne behalten und will sie mir abkaufen - natürlich schenke ich sie ihm. Ganz stolz zeigt er sie seiner Freundin.
Mein Pass muß kopiert und zusammen mit einem Foto von mir an die Migrationsbehörde geschickt werden...ob das ein Problem wäre? Aber natürlich nicht - da ist er sichtlich erleichtert.
"Unter" mir ist eine Kirche - so eine von der Sorte, in der die Menschen in Ekstase geraten. Von außen ist das Gebäude als Kirche nicht erkennbar, innen werden die Menschen aus Lautsprechern von unsichtbaren Prdigern beschallt. Und das geht endlos so. Ich mache noch einen kleinen Ausflug in den Ort - es gibt einen hübschen Marktplatz mit einer schönen beleucheten Kirche (es ist schon dunkel!). Die Kirche wird gerade geschlossen, aber einen kurzen Blick kann ich noch hineinwerfen.
Mein Zimmer ist kaum größer als das Bett - das kenne ich schon. Aber es gibt eine Blechtüre zum Flur und nebendran ein vergittertes Milchglasfenster. Keine Vorhänge. Keine Schallisolierung. An der Rezeption unter mir läuft der Fernseher sehr laut. Straßengeräusche (SChwerlastwagen) dringen ungehindert bis zu mir. Das kann ja eine lustige Nacht werden.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ndojtrjafxdmyzzv
Zipaquira ist doch nur kanpp 40 km nördlich von Bogota - kurzerhand entschließe ich mich, doch noch zur Salzkathedrale zu fahren. Auf dem Rückweg kann ich Bogota auch umfahren.
Während ich vor der Kathedrale auf Einlaß warte beobachte ich eine ebenfalls wartende Familie. Ich bewundere immer wieder, welch inniges und freundliches Verhältnis alle Familienmitglieder zueinander haben. Diese Familie hat 3 Kinder, der große Junge ist vermutlich 16 oder 17. Seine kleinen Geschwister (Schwester 12, Bruder 9) hängen wie Kletten an ihm. Und dann hängt sich der Große zum Schmusen an seine Mum.
Hier in Zipaquira wurde schon seit ewigen Zeiten Salz gewonnen - erst aus salzigen Quellen, dann im Tagebau, dann unter Tage. Mittlerweile wird die Mine in 4 Ebenen ausgebeutet! Besichtigen kann man nur die oberste Ebene. Dort wurde vor ca. 200 Jahren Salz abgebaut. In den entstandenen Gängen und Höhlen haben die Bergleute eine Kirche für ihren Schutzpatron eingerichtet. Inzwischen ist fast die ganze obere Ebene in eine Kirche umgewandelt. Entlang einiger Stationen, jeweils mit einem Kreuz versehen, kommt man schließlich zu größeren Höhlen, die mit christilichen Figuren geschmückt und in verschiedenen Farben beleuchtet sind. In manchen Räumen stehen Bänke, hier wird Gottesdienst abgehalten. In einer Seitenhöhle war Christi Geburt dargestellt - ein Anlaß, an Weihnachten zu denken. Besinnliche Momente in der Kathedrale. Auch an einen jüngst verstorbenen guten Freund muß ich denken. Jäh werde ich wieder zurückgerufen durch eine laut plappernde japanische Touristengruppe. Diese Salzkathedrale war ganz anders als ich sie mir vorgestellt habe, aber der Besuch war auf jeden Fall einen Umweg wert! Höhlen und Unterirdisches faszinieren mich!
Es ist später Vormittag, als ich mich auf den Weg nach Südwesten mache. Warm ist es geworden - also Pullover verstauen. Bereits nach wenigen Minuten erwischt mich schon wieder der Regen - ich rüste um. Die Regenhose bleibtg allerdings aus - keine Lust. Ich habe beschlossen, daß ich hinter den Wolken schon wieder Sonnenschein sehe und wenn Füße und Oberkörper trocken sind, muß das reichen! Meist haben wir derzeit eine gute Autobahn unter den Rädern. Manchmal müssen wir uns durch eine Ortschaft kämpfen, aber danach rollt es wieder 4-spurig. Als das Einzugsgebiet von Bogota hiner uns liegt und wir gerade mal wieder stolz eine Mautstelle passieren, werde ich herausgewunken. Die erste Polizeikontrolle in Kolumbien! Da bin ich Schlimmeres gewohnt. Alles ist korrekt, meine Papiere sind in Ordnung. Der nächste Mopedfahrer wird angehalten.
Um 15 Uhr bin ich gerade so mitten im schönsten Fahren. Wetter, Kurven, Kondition - alles paßt! Was schon 15 Uhr? Ach, ich hab ja noch Zeit. Ich kann nicht glauben, daß ich um diese Zeit schon an einen Schlafplatz denken muß - hab mal wieder vergessen, wie schnell das hier dunkel wird. Daher verschmähe ich auch die Hotels, die vor Ibague an der Straße liegen. In der Stadt selbst ist natürlich nicht so ohne Weiteres was zu finden, zumindest nicht an der Hauptstraße. Zum intensiv suchen habe ich keine Lust. Wird schon noch was am Ortsausgang kommen, denke ich mir. Ja, Stundenhotels! Also weiter. Kurvenreich und steil geht es in die Berge. Graue Wolken hängen in den Gipfeln. Schwertransporter, Stoßstange an Stoßstange - weit und breit kein Hotel! So langsam werde ich unruhig - da fragen wir doch mal das Navi! In 11 km soll ein Hotel zu finden sein. Tatsächlich kommt dort eine Ortschaft, die weder auf Karte noch Navi zu finden ist. Und auch das angegebene "Hotel" finde ich nach längerer Suche. An der Straße ist nur eine Tür zu sehen; dahinter führt ein schmaler Gang zur Rezeption.
Dort sitzt ein Pärchen, um die 40. Sie scheinen frisch verliebt zu sein, turteln und kichern unentwegt. Der Mann will wissen, welche Währung wir in Deutschland haben. Euro? Versteht er nicht. Nein, keine Dollar - die haben sie in Nordamerika. Euro! Ich krame einen 10 €-Schein heraus. Ein Leuchten geht über sein Gesicht. Aha! Und ob ich auch einen 1-€-Schein habe? Was ist das wert? Ich finde eine 1 €-Münze und schreibe auf, daß dies 2500 Pesos entspricht. Er möchte die Münze gerne behalten und will sie mir abkaufen - natürlich schenke ich sie ihm. Ganz stolz zeigt er sie seiner Freundin.
Mein Pass muß kopiert und zusammen mit einem Foto von mir an die Migrationsbehörde geschickt werden...ob das ein Problem wäre? Aber natürlich nicht - da ist er sichtlich erleichtert.
"Unter" mir ist eine Kirche - so eine von der Sorte, in der die Menschen in Ekstase geraten. Von außen ist das Gebäude als Kirche nicht erkennbar, innen werden die Menschen aus Lautsprechern von unsichtbaren Prdigern beschallt. Und das geht endlos so. Ich mache noch einen kleinen Ausflug in den Ort - es gibt einen hübschen Marktplatz mit einer schönen beleucheten Kirche (es ist schon dunkel!). Die Kirche wird gerade geschlossen, aber einen kurzen Blick kann ich noch hineinwerfen.
Mein Zimmer ist kaum größer als das Bett - das kenne ich schon. Aber es gibt eine Blechtüre zum Flur und nebendran ein vergittertes Milchglasfenster. Keine Vorhänge. Keine Schallisolierung. An der Rezeption unter mir läuft der Fernseher sehr laut. Straßengeräusche (SChwerlastwagen) dringen ungehindert bis zu mir. Das kann ja eine lustige Nacht werden.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ndojtrjafxdmyzzv
Montag, 25. November 2013
Auf Abwegen in die Hauptstadt
Es war eine lange Nacht, die ich mehr auf der Toilette als im Bett verbracht habe. Um 6 Uhr erwacht der Urwald - das ist ein Getöse!!! Ich hechte hinaus, um die Tiere zu sehen, die den Krawall verursachen, aber es ist nichts zu sehen. Es scheinen alles verschiedene Vögel zu sein, die sich wunderbar im Laub verstecken.
Um die gleiche Zeit kommt auch schon die Putzfrau und macht Radau im Nebenzimmer. Ich bleibe hartnäckig in meinem Zimmer. Das Aufstehen fällt mir heute sehr schwer. Als ich mich endlich aufgerafft und den Regenkombi verstaut habe, schaue ich nach draußen - es gießt in Strömen, ringsum ist es grau, keine Besserung ist weit und breit in Sicht! Irgendwann beschließe ich, daß ich da halt durch muß. Als der schlimmste Guß nachgelassen hat, wage ich mich zur Lisl - ich hab ihr gestern noch eine Vergaser-Grundeinstellung gegönnt. Sie stand die Nacht im Freien, also mitten im Regen. Die Spannung steigt! Ja!!! Sie springt bereits auf den zweiten Drücker an! Und sie bleibt an.
Also packe ich mich und meine sieben Sachen wasserdicht ein und wir machen uns auf die Reifen. Sicht ist gleich Null. Meine Brille ist naß, die Motorradbrille ist außen naß, innen beschlagen und dazwischen total verkratzt. So zockeln wir halt immer bremsbereit durch die Gischt und lassen uns von noch mehr gischtenden LKWs überholen. Ich unternehme den Versuch, ein Foto zu machen, ich glaube das wird ein Rätselbild. Ich kann das Display des Fotos nicht erkennen. Genausowenig meinen Tacho oder mein Navi. Etwa eine Stunde lang halten wir das aus, die Lisl ist tapfer und hat keinen Aussetzer! Ist schon seltsam und sehr unwahrscheinlich, was uns da passiert ist - zwei Fehler gleichzeitig, deren Symptome sich ähnlich äußern. Mein Fazit ist: die neuen Zündkabel sorgen für Wasserfestigkeit und das korrigierte Ventilspiel verursacht das gute Anspringen. Wind- und Regengeräusche sind so laut, daß ich nicht feststellen kann, ob der Motorlauf rund ist, aber es fühlt sich ganz ordentlich an. Beim Tankstop reinige und trockne ich alle Brillen, in der Hoffnung nun etwas mehr zu sehen. Und oh Wunder - auf einmal kommt von oben gar kein Wasser mehr! Die Straße ist allerdings noch eine ganze Zeitlang naß.
Wir passieren ein paar meiner Lieblingsmautstellen auf der schmalen Mopedspur. Dann rauschen wir über eine herrliche Autobahn voran - wir wolle ja schließlich Strecke machen. Ich habe mich in Bogota angekündigt, will meine Halterung für das Navi abholen. Weil ich heut morgen getrödelt habe, bin ich jetzt ziemlich spät dran. Bis zur Salzkathetrale nördlich von Bogota sind es über 200 km und von da aus schätzungsweise nochmal 60-80 bis zur Adresse in Bogota. Ich gebe Gas und die Lisl rennt. Der Spaß währt allerdings nicht lange, bevor "Strecke" erreicht ist, kommt das Ende der Ausbaustrecke. Immerhin geht es trotzdem einigermaßen flott dahin. Bis das Navi mich in die Irre führt. Zuerst schickt es mich über eine schmale Brücke eines sehr breiten Flusses. Die LKW stehen davon kilometerlang Schlange. Dann jagt es mich durch den noch längeren Stau in der Gegenrichtung wieder zurück. Es ist so eng und dicht, daß auch auf 2 Rädern kein Weg vorbei führt. So nutze ich eine Standpause, um wenigstens kurz mal die Regenjacke auszuziehen. Ich koche schon, mein T-shirt duftet wohl nach Menschensuppe - Menschenfressern würde jetzt sicher das Wasser im Mund zusammenlaufen. Zurückgekämpft über die Brücke muß ich die irreführende Navigation verstehen - ich lande auf einer ziemlich schlechten Ausfallstrecke. Als sie zum Erdweg mutiert halte ich an, um auch die Regenhose auszuziehen - es ist sehr warm. Hinter mir ruft jemand - ein Polizist will helfen. Ich verstehe, daß auf ca. 30 km die Straße in diesem "guten" Zustand ist, nicht schlechter. Sie führt in die Berge und dort lauern die Wolken. Nur 30 km Erdweg? Und dann haben wir eine Abkürzung Richtung Bogota genommen? Jetzt zurückzufahren ist vermutlich auch nicht schneller. Also Erdweg. Holprig, löchrig, manchmal sandig oder schlammig. Aber kaum Verkehr. Mein Navi bleibt eine Zeitlang bei dieser Straße, dann kennt es plötzlich keinen Weg mehr hier. Dummes Ding! Ich verlasse mich auf den Polizist und halte tapfer durch. Die Lisl auch, nur ihr Lenkkopflager tut mir leid. Anscheinend soll hier mal eine Straße gebaut werden, die mein Navi schon kennt. In Realität sehe ich ab und zu eine Trasse, eine Schneise, die Andeutung eines Tunnels oder einer Brücke. Wir schlängeln uns darum herum. Manchmal sind wir heftigem Baustellenverkehr ausgesetzt aber im Allgemeinen gehört die Straße uns. Gegen Ende der Strecke dürfen wir uns sogar manchmal schon auf der neuen Autobahn ausruhen, das ist sehr erholsam. Zumal außer uns praktisch niemand unterwegs ist. Noch ein letztes abenteuerliches Schlechtwegestück und wir treffen wieder auf die andere Hauptstraße.
Die ist in ziemlich gutem Zustand und läßt sich gemütlich fahren. Heute ist Sonntag, die LKW-Menge hält sich in Grenzen. Und dann geht es aufwärts. In die Berge. Auf insgesamt etwa 2800 m. In herrlichen Kurven. Eine Menge Mopeds begleiten uns, bergab sind sie meist schneller als wir, ich habe kein Kurventalent. Aber steil bergauf oder beim Überholen, da können sie mit Lisls Kraft nicht mithalten! Ja, sie hat fast ihre alte Form wieder. Im Staubetrieb ist sie noch unrund, aber unter Last läuft sie wunderbar.
Jetzt muß die Entscheidung fallen, ob ich noch zur Salzkathedrale fahre. Rechnen. Die Entfernung ist bei dieser kurvenreiche Strecke kaum weniger geworden. Das wird eng. Leider muß die Kathedrale dem Zeitmanagement und Regen zum Opfer fallen. Bis Bogota brauche ich auch noch über eine Stunde und es ist schon Nachmittag. In der Dunkelheit in Bogota ein Hotel suchen? Das wird nichts! Es wird kalt und kälter, auf 18 Grad fällt das Thermometer. Ich habe fingerlose Handschuhe an - keine Zeit zum warm anziehen. Ich werd das schon aushalten. Noch 45 min. Ich bin in der Stadt - Stauverkehr. Graue Wolken über uns, ein wenig Niesel spüre ich. Lieber Gott, laß es bitte nicht regnen. Er hört auf mich - der Regen scheint vorbei zu sein, hat allerdings in den Straßen riesige Pfützen hinterlassen. Auch von den Busdächern platscht das Wasser, wenn sie über einen Huppel fahren - trocken bleibe ich also trotzdem nicht.
Die Adresse ist relativ schnell gefunden - 2 mal um den Block fahren und einmal fragen. Den Umschlag mit der Halterung und Stromversorgung für das Navi bekomme ich sofort und ohne großes Trara. Ob sie ein Hotel hier in der Nähe kennen? Nein! Vielleicht im Zentrum? Beim Pförtner die gleiche Antwort. Aber wozu hat man ein Navi? Das soll doch mal ein Hotel suchen - in 1,8 km soll sogar eines sein. Das nächste kennt die Senora, das ist aber sehr teuer. Also auf zum unbekannten Hotel. Zwischen Hinterhöfen, straßenbreiten wassergefüllten Löchern, zwielichtigen Werkstätten und Läden übersehe ich den Hoteleingang sogar 2 mal. Aber Hartnäckigkeit siegt. Trotzdem ist es erstaunlich teuer. Nebenan entdecke ich ein Hostel - hat auch nur Einzelzimmer (keinen Schlafsaal) und ist fast genauso teuer. Na ja, Großstadtpreise. Ich checke im Hotel ein, die Lisl bekommt einen Parkplatz neben der Rezeption in einer abgeschlossenen Garage. Bevor ich mein Zimmer richtig in Beschlag nehmen kann, höre ich schreckliche Schreie. Entweder wird hier grade jemand ermordet, oder ein Verrückter oder total Betrunkener tobt sich aus. Wo bin ich da hingeraten? Zimmer abschließen und in-s Schneckenhaus zurückziehen. Die Dusche dürfte ruhig auch warmes Wasser von sich geben, das was da herauskommt ist deutlich kälter als der gestrige Swimingpool. Also eine kalte gute Nacht!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=lsylvmrodgefpvgp
Um die gleiche Zeit kommt auch schon die Putzfrau und macht Radau im Nebenzimmer. Ich bleibe hartnäckig in meinem Zimmer. Das Aufstehen fällt mir heute sehr schwer. Als ich mich endlich aufgerafft und den Regenkombi verstaut habe, schaue ich nach draußen - es gießt in Strömen, ringsum ist es grau, keine Besserung ist weit und breit in Sicht! Irgendwann beschließe ich, daß ich da halt durch muß. Als der schlimmste Guß nachgelassen hat, wage ich mich zur Lisl - ich hab ihr gestern noch eine Vergaser-Grundeinstellung gegönnt. Sie stand die Nacht im Freien, also mitten im Regen. Die Spannung steigt! Ja!!! Sie springt bereits auf den zweiten Drücker an! Und sie bleibt an.
Also packe ich mich und meine sieben Sachen wasserdicht ein und wir machen uns auf die Reifen. Sicht ist gleich Null. Meine Brille ist naß, die Motorradbrille ist außen naß, innen beschlagen und dazwischen total verkratzt. So zockeln wir halt immer bremsbereit durch die Gischt und lassen uns von noch mehr gischtenden LKWs überholen. Ich unternehme den Versuch, ein Foto zu machen, ich glaube das wird ein Rätselbild. Ich kann das Display des Fotos nicht erkennen. Genausowenig meinen Tacho oder mein Navi. Etwa eine Stunde lang halten wir das aus, die Lisl ist tapfer und hat keinen Aussetzer! Ist schon seltsam und sehr unwahrscheinlich, was uns da passiert ist - zwei Fehler gleichzeitig, deren Symptome sich ähnlich äußern. Mein Fazit ist: die neuen Zündkabel sorgen für Wasserfestigkeit und das korrigierte Ventilspiel verursacht das gute Anspringen. Wind- und Regengeräusche sind so laut, daß ich nicht feststellen kann, ob der Motorlauf rund ist, aber es fühlt sich ganz ordentlich an. Beim Tankstop reinige und trockne ich alle Brillen, in der Hoffnung nun etwas mehr zu sehen. Und oh Wunder - auf einmal kommt von oben gar kein Wasser mehr! Die Straße ist allerdings noch eine ganze Zeitlang naß.
Wir passieren ein paar meiner Lieblingsmautstellen auf der schmalen Mopedspur. Dann rauschen wir über eine herrliche Autobahn voran - wir wolle ja schließlich Strecke machen. Ich habe mich in Bogota angekündigt, will meine Halterung für das Navi abholen. Weil ich heut morgen getrödelt habe, bin ich jetzt ziemlich spät dran. Bis zur Salzkathetrale nördlich von Bogota sind es über 200 km und von da aus schätzungsweise nochmal 60-80 bis zur Adresse in Bogota. Ich gebe Gas und die Lisl rennt. Der Spaß währt allerdings nicht lange, bevor "Strecke" erreicht ist, kommt das Ende der Ausbaustrecke. Immerhin geht es trotzdem einigermaßen flott dahin. Bis das Navi mich in die Irre führt. Zuerst schickt es mich über eine schmale Brücke eines sehr breiten Flusses. Die LKW stehen davon kilometerlang Schlange. Dann jagt es mich durch den noch längeren Stau in der Gegenrichtung wieder zurück. Es ist so eng und dicht, daß auch auf 2 Rädern kein Weg vorbei führt. So nutze ich eine Standpause, um wenigstens kurz mal die Regenjacke auszuziehen. Ich koche schon, mein T-shirt duftet wohl nach Menschensuppe - Menschenfressern würde jetzt sicher das Wasser im Mund zusammenlaufen. Zurückgekämpft über die Brücke muß ich die irreführende Navigation verstehen - ich lande auf einer ziemlich schlechten Ausfallstrecke. Als sie zum Erdweg mutiert halte ich an, um auch die Regenhose auszuziehen - es ist sehr warm. Hinter mir ruft jemand - ein Polizist will helfen. Ich verstehe, daß auf ca. 30 km die Straße in diesem "guten" Zustand ist, nicht schlechter. Sie führt in die Berge und dort lauern die Wolken. Nur 30 km Erdweg? Und dann haben wir eine Abkürzung Richtung Bogota genommen? Jetzt zurückzufahren ist vermutlich auch nicht schneller. Also Erdweg. Holprig, löchrig, manchmal sandig oder schlammig. Aber kaum Verkehr. Mein Navi bleibt eine Zeitlang bei dieser Straße, dann kennt es plötzlich keinen Weg mehr hier. Dummes Ding! Ich verlasse mich auf den Polizist und halte tapfer durch. Die Lisl auch, nur ihr Lenkkopflager tut mir leid. Anscheinend soll hier mal eine Straße gebaut werden, die mein Navi schon kennt. In Realität sehe ich ab und zu eine Trasse, eine Schneise, die Andeutung eines Tunnels oder einer Brücke. Wir schlängeln uns darum herum. Manchmal sind wir heftigem Baustellenverkehr ausgesetzt aber im Allgemeinen gehört die Straße uns. Gegen Ende der Strecke dürfen wir uns sogar manchmal schon auf der neuen Autobahn ausruhen, das ist sehr erholsam. Zumal außer uns praktisch niemand unterwegs ist. Noch ein letztes abenteuerliches Schlechtwegestück und wir treffen wieder auf die andere Hauptstraße.
Die ist in ziemlich gutem Zustand und läßt sich gemütlich fahren. Heute ist Sonntag, die LKW-Menge hält sich in Grenzen. Und dann geht es aufwärts. In die Berge. Auf insgesamt etwa 2800 m. In herrlichen Kurven. Eine Menge Mopeds begleiten uns, bergab sind sie meist schneller als wir, ich habe kein Kurventalent. Aber steil bergauf oder beim Überholen, da können sie mit Lisls Kraft nicht mithalten! Ja, sie hat fast ihre alte Form wieder. Im Staubetrieb ist sie noch unrund, aber unter Last läuft sie wunderbar.
Jetzt muß die Entscheidung fallen, ob ich noch zur Salzkathedrale fahre. Rechnen. Die Entfernung ist bei dieser kurvenreiche Strecke kaum weniger geworden. Das wird eng. Leider muß die Kathedrale dem Zeitmanagement und Regen zum Opfer fallen. Bis Bogota brauche ich auch noch über eine Stunde und es ist schon Nachmittag. In der Dunkelheit in Bogota ein Hotel suchen? Das wird nichts! Es wird kalt und kälter, auf 18 Grad fällt das Thermometer. Ich habe fingerlose Handschuhe an - keine Zeit zum warm anziehen. Ich werd das schon aushalten. Noch 45 min. Ich bin in der Stadt - Stauverkehr. Graue Wolken über uns, ein wenig Niesel spüre ich. Lieber Gott, laß es bitte nicht regnen. Er hört auf mich - der Regen scheint vorbei zu sein, hat allerdings in den Straßen riesige Pfützen hinterlassen. Auch von den Busdächern platscht das Wasser, wenn sie über einen Huppel fahren - trocken bleibe ich also trotzdem nicht.
Die Adresse ist relativ schnell gefunden - 2 mal um den Block fahren und einmal fragen. Den Umschlag mit der Halterung und Stromversorgung für das Navi bekomme ich sofort und ohne großes Trara. Ob sie ein Hotel hier in der Nähe kennen? Nein! Vielleicht im Zentrum? Beim Pförtner die gleiche Antwort. Aber wozu hat man ein Navi? Das soll doch mal ein Hotel suchen - in 1,8 km soll sogar eines sein. Das nächste kennt die Senora, das ist aber sehr teuer. Also auf zum unbekannten Hotel. Zwischen Hinterhöfen, straßenbreiten wassergefüllten Löchern, zwielichtigen Werkstätten und Läden übersehe ich den Hoteleingang sogar 2 mal. Aber Hartnäckigkeit siegt. Trotzdem ist es erstaunlich teuer. Nebenan entdecke ich ein Hostel - hat auch nur Einzelzimmer (keinen Schlafsaal) und ist fast genauso teuer. Na ja, Großstadtpreise. Ich checke im Hotel ein, die Lisl bekommt einen Parkplatz neben der Rezeption in einer abgeschlossenen Garage. Bevor ich mein Zimmer richtig in Beschlag nehmen kann, höre ich schreckliche Schreie. Entweder wird hier grade jemand ermordet, oder ein Verrückter oder total Betrunkener tobt sich aus. Wo bin ich da hingeraten? Zimmer abschließen und in-s Schneckenhaus zurückziehen. Die Dusche dürfte ruhig auch warmes Wasser von sich geben, das was da herauskommt ist deutlich kälter als der gestrige Swimingpool. Also eine kalte gute Nacht!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=lsylvmrodgefpvgp
Sonntag, 24. November 2013
Ein guter Tag
Eine gute Homebase ist durch nichts zu ersetzen, besonders, wenn sie das große Latinum hat! Dank des segensreichen Internets jederzeit nutzbar. Meine homebase - mein Göttergatte Fritz - hat sich mit meinen Problembeschreibungen auf den Weg zur Werkstatt meines Vertrauens gemacht. Dort haben die Professoren Rat gehalten. Ihr Ratschluss war: Zündschloss trockenlegen und Ventile einstellen. Mein Latein hätte eigentlich bis zu den Ventilen reichen müssen (auch wenn ich die Verbindung zu Startverhalten und Aussetzern nicht gezogen hätte). Direkt neben Lisls Einzelzimmer wird intensiv an Mopeds geschraubt - eine Werkstatt. Dort leihe ich mir die Pressluft aus, um dem Zündschloß ordentlich Wind zu machen. Und wo ich schon mal dabei bin, also gut, werden gleich die Ventile angegriffen. Ich hatte keine Lust dazu und wollte es auf die lange Bank schieben, aber jetzt packt's mich. Unter den neugierigen Blicken der Mechaniker und Lehrlinge, sowie weiterer Zaungäste baue ich Zündkerzen und Ventildeckel aus. Ich glaube, es sieht sehr professionell aus und zum Glück gelingt mir auch alles auf Anhieb - die umstehende Mannschaft schaut achtungsvoll zu. Tatsächlich - das Ventilspiel war deutlich zu gering! Ob das die Wurzel des Übels war, wird sich allerdings erst in ein paar Tagen beweisen. Zusammenbauen, Daumen drücken, Anlasser drücken. Orgel...uups, den Benzinhahn sollte man aufmachen. Und? Die Lisl erwacht! Das war schon mal sehr gut!
Es ist immer noch kalt - wir sind auf knapp 2800 m und haben 18 Grad. Pulloverzeit. Aber herrlich zum fahren. Straße und Verkehr liefern ein Übriges zum Fahrspaß! 3/4-Takt-Kurven, die LKWs werden kurzerhand rechts liegen gelassen (auch bei doppelt durchgezogener Linie) - und weiter geht's. Wir genießen! Die Lisl die Kurven und den ziemlich guten Straßenbelag, ich die Berge, die Aussicht und die Natur. Aber auch das schönste Vergnügen ist irgendwann mal vorbei; in diesem Fall staut sich eine lange Schlange vor mir. Ich taste mich daran vorbei - ich schätze mal, es ist ein Kilometer - bis ich an einer Sperre ankomme und mich in einem Pulk Mopedfahrer einreihe. Wir warten bestimmt eine halbe Stunde, dann kommt aus der Gegenrichtung ein Feuerwehrauto. Wieder lange nichts, dann eine Reihe schnaufender und stinkender LKWs. Warten. Nochmal ein Pulk aus der Gegenrichtung. Endlich dürfen wir. Ein Stück weiter wird die Straße asphaltiert, die Straße ist nur einspurig befahrbar. Aber schon wenige Kilometer weiter das gleiche Spiel. Nur wird hier noch nicht asphaltiert, sondern erst geschottert - der Untergrund ist tief und weich, die Oberfläche sandig und staubig. Ein paar Mopedfahrer vor mir wirbeln Staub auf - unanagenehm aber erträglich. Nur glauben dann 2 Geländewagenfahrer, sie könnten schneller sein und überholen. Ich bin total blind! Man sieht echt nichts mehr. Wenn ich Abstand halten will, muß ich lange warten, bis sich die Staubwolken verzogen haben, und dann überholt mich ein LKW - ein Teufelskreis. Irgendwann beschließe ich, draufgängerisch im Blindflug die zweispurigen Fahrzeuge zu überholen und mich vorndran zu setzen - jetzt laß ich keinen mehr vorbei. Es ist gelungen.
Die Berge werden niedriger, sind aber immer noch steil; sie sehen seltsam dahingesetzt aus. Irgendwie wie eckige Ameisenhügel. Wir folgen einem schäumenden braunen Fluß, es macht Spaß, das wilde Wasser zu beobachten. Während der Fahrt ist das natürlich schwierig und Anhaltestellen gibt es hier so gut wie nie. Ich muß einfach hoffen, daß grad keiner kommt. Mittlerweile ist die Besiedelung deutlich weniger geworden, die Fahrt führt oft einfach durch den Dschungel oder an Weiden vorbei. Ab und zu gibt es eine kleine Ortschaft entlang der Straße, in manchen entdecke ich lustige Weihnachtsdekoration. Auch der Verkehr ist zurückgegangen. Pulkweise treten die Dieselstinker auf, wenn ich vorbei bin, habe ich auf lange Strecke freie Fahrt. Unser Fluß führt hinunter in das Tal des Rio Grande - ein sehr breiter Fluß in einer weiten Tiefebene. Große Haziendas mit feudalen Herrenhäusern machen sich hier breit. Auf den Weiden sieht man diese lustigen Kühe mit den großen Ohren, ohne Hörner und mit Buckel. Ich glaube, die heißen Zebus. Auf jeden Fall finde ich sie sehr interessant.
Fast auf Meereshöhe angekommen sind die Temperaturen entsprechend gestiegen und bewegen sich jetzt wieder um die 30 Grad. Der Pullover verschwindet. Eine Gischt erreicht mich - wieder LKW-Waschstraßen? Es hört nicht auf - plötzlich ist der Regen da. Ringsherum scheint die Sonne, also beschließe ich, den Regen einfach zu ignorieren. Es ist so warm, der wird gleich wieder verdunsten. Als ich nach einer viertel Stunde durchnäßt bin und es hinter dem nächsten Berg schon wieder (oder immer noch) grau ist, stelle ich mich doch unter einer Palme unter. Nach 10 Minuten ändert sich immer noch nichts. also krame ich doch den Regenkombi raus. Über die nassen Klamotten - tolle Sauna. Was kann denn die Goretex-Membran??? Schon nach 5 Minuten Fahrt ist es trocken, ja sogar die Straße war hier wohl noch nie naß! Typisch! Jetzt zieh ich die Klamotten aber nicht schon wieder aus...gut gepokert, kurz darauf kommt der nächste Guß. Das Spielchen geht eine ganze Weile, bis wir endgültig im Rio Grande Tal angekommen sind.
Chrrrrrrrrrrr---jetzt bin ich doch glatt mitten im Blog schreiben eingeschalfen!!!
An einer Kurve mit Weideneinfahrt mache ich eine kurze Pause. Ich entdecke einen Wasserfall, den ich allerdings nur von oben vermuten kann - unter mir fällt es senkrecht in den Dschungel ab. Kurz nach mir kommt ein dreirädriger Motorradlieferwagen voller Fleisch an. Der Fahrer geht um den Wagen herum, schnappt sich eine große schwere Plastiktüte voller Abfälle und wirft sie einfach in die Schlucht. Ja, so sieht es hier vielerorts aus - schade!
Kurz nach Überquerung des Rio Grande muß ich mich entscheiden, ob ich Bucaramanga noch besuchen will oder nicht. Reinhold hat gesagt, es wäre eine schöne Stadt und vor allem wäre die Straße nach Bogota sehr schön. Und am Weg liegen noch weitere Sehenswürdigkeiten. Aber ich müßte nochmal nach Nordosten abbiegen und würde einen Umweg von schätzungsweise 2 Tagen machen. Schöne Straßen hatte ich eigentlich schon - und Städte reizen mich nicht so sehr, also entscheide ich mich, direkt nach Bogota zu fahren. Entlang des Rio Grande führt eine breite gerade langweilige Straße. Die Hotelsuche wird etwas schwierig, weil überhaupt keine Ortschaften mehr kommen. An Tankstellen gibt es manchmal ein Hotel, dient eigentlich als Übernachtungsmöglichkeit für Fernfahrer und macht mich überhaupt nicht an. Erst gegen 17 Uhr, also auf den letzten Drücker sehe ich ein großes Hinweisschild. Das Gebäude dahinter sieht nett aber verlassen aus. Machen wir's kurz: ich nehme mir in diesem Hotel ein Zimmer für 80 T Pesos. Die Hotelpreise und -Qualität gehen rauf und runter, wie die Höhenmeter der Straße. Dieses Hotel ist wirklich hübsch - die Zimmer sind sehr nett eingerichtet, alles mit naturbelassenen Hölzern. Auch das Restaurant ist in diesem Stil eingerichtet - einige sehr schöne Ideen haben die Besitzer umgesetzt. In mehreren kleinen Häusern auf einer Anhöhe direkt über dem Fluss sind die Zimmer untergebracht, rund um die Häuser sind Balkone und palmgedeckte Sitzplätze. Der Wasserfall und die Massagedüsen des Swimmingpools werden extra für mich eingeschaltet. Ich scheine jedoch der einzige Gast zu sein - warum nur? Einziges Manko sind die wirklich vielen Moskitos, bisher bin ich vor denen verschont geblieben. Im Restaurant entdecke ich noch andere Tiere - eine Fledermaus segelt durch die Halle und Gekkos flitzen über den Boden. Auch ein Frosch hat sich hierher verirrt.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=fmugtnuttmqghxtr
Es ist immer noch kalt - wir sind auf knapp 2800 m und haben 18 Grad. Pulloverzeit. Aber herrlich zum fahren. Straße und Verkehr liefern ein Übriges zum Fahrspaß! 3/4-Takt-Kurven, die LKWs werden kurzerhand rechts liegen gelassen (auch bei doppelt durchgezogener Linie) - und weiter geht's. Wir genießen! Die Lisl die Kurven und den ziemlich guten Straßenbelag, ich die Berge, die Aussicht und die Natur. Aber auch das schönste Vergnügen ist irgendwann mal vorbei; in diesem Fall staut sich eine lange Schlange vor mir. Ich taste mich daran vorbei - ich schätze mal, es ist ein Kilometer - bis ich an einer Sperre ankomme und mich in einem Pulk Mopedfahrer einreihe. Wir warten bestimmt eine halbe Stunde, dann kommt aus der Gegenrichtung ein Feuerwehrauto. Wieder lange nichts, dann eine Reihe schnaufender und stinkender LKWs. Warten. Nochmal ein Pulk aus der Gegenrichtung. Endlich dürfen wir. Ein Stück weiter wird die Straße asphaltiert, die Straße ist nur einspurig befahrbar. Aber schon wenige Kilometer weiter das gleiche Spiel. Nur wird hier noch nicht asphaltiert, sondern erst geschottert - der Untergrund ist tief und weich, die Oberfläche sandig und staubig. Ein paar Mopedfahrer vor mir wirbeln Staub auf - unanagenehm aber erträglich. Nur glauben dann 2 Geländewagenfahrer, sie könnten schneller sein und überholen. Ich bin total blind! Man sieht echt nichts mehr. Wenn ich Abstand halten will, muß ich lange warten, bis sich die Staubwolken verzogen haben, und dann überholt mich ein LKW - ein Teufelskreis. Irgendwann beschließe ich, draufgängerisch im Blindflug die zweispurigen Fahrzeuge zu überholen und mich vorndran zu setzen - jetzt laß ich keinen mehr vorbei. Es ist gelungen.
Die Berge werden niedriger, sind aber immer noch steil; sie sehen seltsam dahingesetzt aus. Irgendwie wie eckige Ameisenhügel. Wir folgen einem schäumenden braunen Fluß, es macht Spaß, das wilde Wasser zu beobachten. Während der Fahrt ist das natürlich schwierig und Anhaltestellen gibt es hier so gut wie nie. Ich muß einfach hoffen, daß grad keiner kommt. Mittlerweile ist die Besiedelung deutlich weniger geworden, die Fahrt führt oft einfach durch den Dschungel oder an Weiden vorbei. Ab und zu gibt es eine kleine Ortschaft entlang der Straße, in manchen entdecke ich lustige Weihnachtsdekoration. Auch der Verkehr ist zurückgegangen. Pulkweise treten die Dieselstinker auf, wenn ich vorbei bin, habe ich auf lange Strecke freie Fahrt. Unser Fluß führt hinunter in das Tal des Rio Grande - ein sehr breiter Fluß in einer weiten Tiefebene. Große Haziendas mit feudalen Herrenhäusern machen sich hier breit. Auf den Weiden sieht man diese lustigen Kühe mit den großen Ohren, ohne Hörner und mit Buckel. Ich glaube, die heißen Zebus. Auf jeden Fall finde ich sie sehr interessant.
Fast auf Meereshöhe angekommen sind die Temperaturen entsprechend gestiegen und bewegen sich jetzt wieder um die 30 Grad. Der Pullover verschwindet. Eine Gischt erreicht mich - wieder LKW-Waschstraßen? Es hört nicht auf - plötzlich ist der Regen da. Ringsherum scheint die Sonne, also beschließe ich, den Regen einfach zu ignorieren. Es ist so warm, der wird gleich wieder verdunsten. Als ich nach einer viertel Stunde durchnäßt bin und es hinter dem nächsten Berg schon wieder (oder immer noch) grau ist, stelle ich mich doch unter einer Palme unter. Nach 10 Minuten ändert sich immer noch nichts. also krame ich doch den Regenkombi raus. Über die nassen Klamotten - tolle Sauna. Was kann denn die Goretex-Membran??? Schon nach 5 Minuten Fahrt ist es trocken, ja sogar die Straße war hier wohl noch nie naß! Typisch! Jetzt zieh ich die Klamotten aber nicht schon wieder aus...gut gepokert, kurz darauf kommt der nächste Guß. Das Spielchen geht eine ganze Weile, bis wir endgültig im Rio Grande Tal angekommen sind.
Chrrrrrrrrrrr---jetzt bin ich doch glatt mitten im Blog schreiben eingeschalfen!!!
An einer Kurve mit Weideneinfahrt mache ich eine kurze Pause. Ich entdecke einen Wasserfall, den ich allerdings nur von oben vermuten kann - unter mir fällt es senkrecht in den Dschungel ab. Kurz nach mir kommt ein dreirädriger Motorradlieferwagen voller Fleisch an. Der Fahrer geht um den Wagen herum, schnappt sich eine große schwere Plastiktüte voller Abfälle und wirft sie einfach in die Schlucht. Ja, so sieht es hier vielerorts aus - schade!
Kurz nach Überquerung des Rio Grande muß ich mich entscheiden, ob ich Bucaramanga noch besuchen will oder nicht. Reinhold hat gesagt, es wäre eine schöne Stadt und vor allem wäre die Straße nach Bogota sehr schön. Und am Weg liegen noch weitere Sehenswürdigkeiten. Aber ich müßte nochmal nach Nordosten abbiegen und würde einen Umweg von schätzungsweise 2 Tagen machen. Schöne Straßen hatte ich eigentlich schon - und Städte reizen mich nicht so sehr, also entscheide ich mich, direkt nach Bogota zu fahren. Entlang des Rio Grande führt eine breite gerade langweilige Straße. Die Hotelsuche wird etwas schwierig, weil überhaupt keine Ortschaften mehr kommen. An Tankstellen gibt es manchmal ein Hotel, dient eigentlich als Übernachtungsmöglichkeit für Fernfahrer und macht mich überhaupt nicht an. Erst gegen 17 Uhr, also auf den letzten Drücker sehe ich ein großes Hinweisschild. Das Gebäude dahinter sieht nett aber verlassen aus. Machen wir's kurz: ich nehme mir in diesem Hotel ein Zimmer für 80 T Pesos. Die Hotelpreise und -Qualität gehen rauf und runter, wie die Höhenmeter der Straße. Dieses Hotel ist wirklich hübsch - die Zimmer sind sehr nett eingerichtet, alles mit naturbelassenen Hölzern. Auch das Restaurant ist in diesem Stil eingerichtet - einige sehr schöne Ideen haben die Besitzer umgesetzt. In mehreren kleinen Häusern auf einer Anhöhe direkt über dem Fluss sind die Zimmer untergebracht, rund um die Häuser sind Balkone und palmgedeckte Sitzplätze. Der Wasserfall und die Massagedüsen des Swimmingpools werden extra für mich eingeschaltet. Ich scheine jedoch der einzige Gast zu sein - warum nur? Einziges Manko sind die wirklich vielen Moskitos, bisher bin ich vor denen verschont geblieben. Im Restaurant entdecke ich noch andere Tiere - eine Fledermaus segelt durch die Halle und Gekkos flitzen über den Boden. Auch ein Frosch hat sich hierher verirrt.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=fmugtnuttmqghxtr
Samstag, 23. November 2013
Die Waschstraße
In der Nacht gab es ein Gewitter - ein schreckliches Gewitter. Direkt hier. Wieder mal sind Wassermassen über die arme Lisl hereingebrochen, ich bin echt gespannt, wie sie das überlebt hat. Ich selbst bin sehr froh, daß ich nicht gecampt habe, ich wäre davongeschwommen. Selbst am Morgen - viele Stunden später - ist der Boden noch klatschnaß.
Die Lisl ist mal wieder ertrunken - sie springt nicht an. Jetzt bin ich echt mit meinem Latein am Ende; mir kommt alles nur noch spanisch vor. Ich habe keine Ahnung, welche Ursache die Startschwierigkeiten noch haben könnten! Den ganzen Vormittag überlege ich, was ich tun kann. Wenn ich das Problem nicht lösen kann, muß ich wohl einen Weg finden, damit umzugehen. Regenvermeidungsstrategie? Wohin kann / darf ich mit der Lisl noch fahren und was muß ich vermeiden, damit sie mich nicht im Stich läßt? Was, wenn sie auf einsamer Strecke (von denen ich noch genügend haben werde) einfach liegen bleibt? Ich kann ihr nicht mehr vertrauen. Und meinen Reparaturkünsten leider auch nicht.
Auch mein neues Navi macht mir noch Sorgen - obwohl es die ganze Nacht am Ladegerät hing, ist der Aku total leer. Irgendwie wird er anscheinend nicht geladen. Aber man kann es ja auch mit AA-Akus betreiben, also steige ich um. Für diese Akus habe ich ein eigenes Ladegerät. Während der Fahrt kann ich die verbrauchten Akus gut damit aufladen - leider nur ein einziges Mal, dann ist auch dieses Ladegerät unbrauchbar. Selbst am Abend im Hotel kann ich es nicht mehr zum Leben erwecken, anscheinend ist im Inneren etwas kaputtgegangen.
In Caucasia (nein, das ist nicht in Rußland!) wird getankt. Der Tankwart zeigt mir, wo der Geldautomat steht, direkt beim Spermarkt. Sehr geschickt, denn ich wollte ja auch noch was zu Trinken kaufen. Gleich beim Eingang stolpere ich über Fotoapparate - ich hatte mir vorgenommen, in Bogota einen zu kaufen. Meinen guten Foto habe ich ja in der Karibik versenkt und der Ersatzfoto macht keine tollen Bilder mehr (er hat ja auch schon mal in der Bahrentsee gebadet). Ich kenne mich mit den Fotos nicht aus, die spanische Beschreibung hilft mir auch kaum weiter. Und der freundliche Verkäufer spricht auch nur das kolumbinanische spanisch. Das ist nochmal etwas anders als das, was ich bisher schon gelernt habe - ich bin aufgeschmissen. Also entscheide ich mich einfach für eine Olympus mit großem Objetkiv und großem mechanischem Zoom. 279.000 Pesos (klingt gut, nicht? Sind ca. 110 €). In rot. Sie haben keine mehr am Lager, nur noch das Ausstellungsstück. Eine andere Farbe? ISt auch nicht mehr da - nur ein anderes Ausstellungsstück in silber. Daß ich einen Preisnachlaß haben will, versteht der Verkäufer wohl nicht ganz, ist auch nicht weiter schlimm. Während ich bezahle, wird die Schachtel gesucht und der Foto eingepackt. Keine Ahnung warum, aber ich möchte ihn schon mal ausprobieren - testen. Das erste Bild wird nichts, das zweite nimmt zwar auf, aber ich kann es nicht anschauen. Dann ist der Aku leer. Jetzt will ich es genau wissen. Der Jockel wird losgeschickt, einen anderen Aku zu holen. Zu dritt schaffen wir es nicht, ein Bild zu speichern, die Kamera zeigt einen Kartenfehler an. Es wird nach einer neuen SD-Karte geschickt. Mittlerweile lege ich eine von meinen Karten ein - der gleiche Fehler. Der Foto ist kaputt! Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein neues Gerät im Laden schon defekt ist???? Ich nehme jetzt das silberne Exemplar. Der Jockel muß eine andere Schachtel bringen - und Überraschung, da sind zusätzlich eine Handschlaufe, eine Bedienungsanleitung und eine CD drin! Und der Foto geht auf Anhieb - es gibt ein Beweisfoto vom Verkäufer. Gut, daß ich getestet hab! Der Foto wird mit der Lisl verkabelt, um den Aku initial zu laden.
Die ganze Sucherei hat lange gedauert, dafür hat mittlerweile der Regen aufgehört und die Straße ist wieder trocken. Es war vorhin doch ziemlich glitschig. Es ist 11 Uhr durch und der Tag kann jetzt beginnen. Liebliche Weidelandschaften begleiten mich noch eine ganze Weile. Heimatgefühle. Und dann erhasche ich einen Blick auf einen großen erdbraunen Fluß mit vielen Einbäumen darauf. Zum Fotografieren ergeben sich keine vernünftigen Gelgenheiten, das Ufer ist meist zugewachsen. Aber die Fahrt führt sehr lange am Fluß entlang. Ich genieße die kurzen Ausblicke auf den Fluß; er heißt wohl Rio Cauca.
Hab ich mal gefragt, wo der Dschungel ist? Definitiv hier! Phantastisch! Rings um mich! Und an den Hängen des Tals. Ohne daß ich einzelne Planzen identifiziere, genieße ich dieses Urwaldgefühl. Dicht. Grün. Feucht.
Und auf einmal sehe ich eine Wasserfontäne. Ein Schlauch, aus dem Wasser spritzt - nein 2 Schläuche. Was das wohl ist? Bald schon wieder ein ähnliches Bild. Immer mehr. Aus allen möglichen Schläuchen und Rohren läuft oder spritzt das Wasser am Straßenrand und glitztert in der Sonne. Bis ich verstehe: hier werden LKWs, aber auch Autos oder Motorräder gewaschen! Ewige Kilometer lang. Das ist mit Sicherheit die längste Waschstraße der Welt! Links neben mir fließt der Fluß und aus den Bergen rechterhand sprudelt frisches Wasser. Viele kleine Bäche oder Wasserfälle genieße ich. In einem größeren klaren Fluß badet die Dorfjugend, später vereint sich das blaue mit dem ockerbraunen Wasser des Rio Cauca.
Plötzlich geht es aufwärts. Und wie! Über den Nachmittag windet sich die Straße von Meereshöhe auf über 2700 m hoch! Herrlich kurvenreich und mit abenteuerlichen Sprurrillen, Bodenwellen und Stufen schlängelt sich das Asphaltband höher und höher. Auf gut 1000 m überlege ich, ob ich bei diesen jetzt kühlen 25 Grad "was Warmes" anziehen soll! Bin ich nicht verwöhnt bzw. verdorben??? Die Gipfel verstecken sich in dichten Wolken, hoffentlich bedeutet das keinen Regen! Ich habe Glück, es ist nur dichter Nebel; aber es wird kälter und kälter. Außer mir und zig weiteren Mopedfahrern müssen auch die ganzen LKW über die Berge. Und das ist ein ganz eigenes Abenteuer. Denn schnelle Lastwagen stehen mit immerhin 20 km/h auf einmal vor uns, über die langsamen wollen wir gar nicht reden. Und dann gibt es Schwertransporte mit Überbreite - die kommen kaum um die Kurven, Gegenverkehr ist ein großes Problem. Einer dieser Transporter wird sogar den Berg hinaufgezogen! Ein Glück, daß wir "schmal" sind - und in der letzten Zeit das Durchschlängeln gelernt haben. Mutig überholen wir auch, wenn wir eingentlich nichts sehen - wir vertrauen darauf, daß wir schnell genug am Hindernis vorbei sind. Überholen - das ist so eine Sache. Die Kolumbinaer scheinen generell nur mit minimal höherer Geschwindigkeit zu überholen und scheren erst kurz vor dem Gegenverkehr ein. Wenn Du hintendran hängst und mitüberholst, hast Du schlechte Karten!
Es geht auf 16 Uhr zu und ich muß mich um einen Schlafplatz kümmern - mittlerweile weiß ich ja, wie rasend schnell es dunkel wird. Im nächsten Ort - ohne Namen - an der Straße nach Medellin finde ich ein "Hotel". Es ist saukalt und ich friere. Draußen ballen sich schwarze Wolken. Nebenan ist ein Bäcker und ein Straßenverkaufsstand, wo ich ein Würstchen und eine warme Fleischtasche zu essen bekomme. Das Hotel ist direkt an der Bushaltestelle, von außen kaum erkennbar, innen eigentlich ganz hübsch eingerichtet. Ein Zimnmer, kaum größer als das Bett, Bad und Fernseher. Und das Ganze für 15000 Pesos (6 €). Klimaanlage brauche ich heute wirklich nicht. Die Lisl hat über die Straße ein abgeschlossenes Einzelzimmer bekommen - da muß sie sich aber freuen!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=mesjmaeurqiuepmt
Die Lisl ist mal wieder ertrunken - sie springt nicht an. Jetzt bin ich echt mit meinem Latein am Ende; mir kommt alles nur noch spanisch vor. Ich habe keine Ahnung, welche Ursache die Startschwierigkeiten noch haben könnten! Den ganzen Vormittag überlege ich, was ich tun kann. Wenn ich das Problem nicht lösen kann, muß ich wohl einen Weg finden, damit umzugehen. Regenvermeidungsstrategie? Wohin kann / darf ich mit der Lisl noch fahren und was muß ich vermeiden, damit sie mich nicht im Stich läßt? Was, wenn sie auf einsamer Strecke (von denen ich noch genügend haben werde) einfach liegen bleibt? Ich kann ihr nicht mehr vertrauen. Und meinen Reparaturkünsten leider auch nicht.
Auch mein neues Navi macht mir noch Sorgen - obwohl es die ganze Nacht am Ladegerät hing, ist der Aku total leer. Irgendwie wird er anscheinend nicht geladen. Aber man kann es ja auch mit AA-Akus betreiben, also steige ich um. Für diese Akus habe ich ein eigenes Ladegerät. Während der Fahrt kann ich die verbrauchten Akus gut damit aufladen - leider nur ein einziges Mal, dann ist auch dieses Ladegerät unbrauchbar. Selbst am Abend im Hotel kann ich es nicht mehr zum Leben erwecken, anscheinend ist im Inneren etwas kaputtgegangen.
In Caucasia (nein, das ist nicht in Rußland!) wird getankt. Der Tankwart zeigt mir, wo der Geldautomat steht, direkt beim Spermarkt. Sehr geschickt, denn ich wollte ja auch noch was zu Trinken kaufen. Gleich beim Eingang stolpere ich über Fotoapparate - ich hatte mir vorgenommen, in Bogota einen zu kaufen. Meinen guten Foto habe ich ja in der Karibik versenkt und der Ersatzfoto macht keine tollen Bilder mehr (er hat ja auch schon mal in der Bahrentsee gebadet). Ich kenne mich mit den Fotos nicht aus, die spanische Beschreibung hilft mir auch kaum weiter. Und der freundliche Verkäufer spricht auch nur das kolumbinanische spanisch. Das ist nochmal etwas anders als das, was ich bisher schon gelernt habe - ich bin aufgeschmissen. Also entscheide ich mich einfach für eine Olympus mit großem Objetkiv und großem mechanischem Zoom. 279.000 Pesos (klingt gut, nicht? Sind ca. 110 €). In rot. Sie haben keine mehr am Lager, nur noch das Ausstellungsstück. Eine andere Farbe? ISt auch nicht mehr da - nur ein anderes Ausstellungsstück in silber. Daß ich einen Preisnachlaß haben will, versteht der Verkäufer wohl nicht ganz, ist auch nicht weiter schlimm. Während ich bezahle, wird die Schachtel gesucht und der Foto eingepackt. Keine Ahnung warum, aber ich möchte ihn schon mal ausprobieren - testen. Das erste Bild wird nichts, das zweite nimmt zwar auf, aber ich kann es nicht anschauen. Dann ist der Aku leer. Jetzt will ich es genau wissen. Der Jockel wird losgeschickt, einen anderen Aku zu holen. Zu dritt schaffen wir es nicht, ein Bild zu speichern, die Kamera zeigt einen Kartenfehler an. Es wird nach einer neuen SD-Karte geschickt. Mittlerweile lege ich eine von meinen Karten ein - der gleiche Fehler. Der Foto ist kaputt! Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein neues Gerät im Laden schon defekt ist???? Ich nehme jetzt das silberne Exemplar. Der Jockel muß eine andere Schachtel bringen - und Überraschung, da sind zusätzlich eine Handschlaufe, eine Bedienungsanleitung und eine CD drin! Und der Foto geht auf Anhieb - es gibt ein Beweisfoto vom Verkäufer. Gut, daß ich getestet hab! Der Foto wird mit der Lisl verkabelt, um den Aku initial zu laden.
Die ganze Sucherei hat lange gedauert, dafür hat mittlerweile der Regen aufgehört und die Straße ist wieder trocken. Es war vorhin doch ziemlich glitschig. Es ist 11 Uhr durch und der Tag kann jetzt beginnen. Liebliche Weidelandschaften begleiten mich noch eine ganze Weile. Heimatgefühle. Und dann erhasche ich einen Blick auf einen großen erdbraunen Fluß mit vielen Einbäumen darauf. Zum Fotografieren ergeben sich keine vernünftigen Gelgenheiten, das Ufer ist meist zugewachsen. Aber die Fahrt führt sehr lange am Fluß entlang. Ich genieße die kurzen Ausblicke auf den Fluß; er heißt wohl Rio Cauca.
Hab ich mal gefragt, wo der Dschungel ist? Definitiv hier! Phantastisch! Rings um mich! Und an den Hängen des Tals. Ohne daß ich einzelne Planzen identifiziere, genieße ich dieses Urwaldgefühl. Dicht. Grün. Feucht.
Und auf einmal sehe ich eine Wasserfontäne. Ein Schlauch, aus dem Wasser spritzt - nein 2 Schläuche. Was das wohl ist? Bald schon wieder ein ähnliches Bild. Immer mehr. Aus allen möglichen Schläuchen und Rohren läuft oder spritzt das Wasser am Straßenrand und glitztert in der Sonne. Bis ich verstehe: hier werden LKWs, aber auch Autos oder Motorräder gewaschen! Ewige Kilometer lang. Das ist mit Sicherheit die längste Waschstraße der Welt! Links neben mir fließt der Fluß und aus den Bergen rechterhand sprudelt frisches Wasser. Viele kleine Bäche oder Wasserfälle genieße ich. In einem größeren klaren Fluß badet die Dorfjugend, später vereint sich das blaue mit dem ockerbraunen Wasser des Rio Cauca.
Plötzlich geht es aufwärts. Und wie! Über den Nachmittag windet sich die Straße von Meereshöhe auf über 2700 m hoch! Herrlich kurvenreich und mit abenteuerlichen Sprurrillen, Bodenwellen und Stufen schlängelt sich das Asphaltband höher und höher. Auf gut 1000 m überlege ich, ob ich bei diesen jetzt kühlen 25 Grad "was Warmes" anziehen soll! Bin ich nicht verwöhnt bzw. verdorben??? Die Gipfel verstecken sich in dichten Wolken, hoffentlich bedeutet das keinen Regen! Ich habe Glück, es ist nur dichter Nebel; aber es wird kälter und kälter. Außer mir und zig weiteren Mopedfahrern müssen auch die ganzen LKW über die Berge. Und das ist ein ganz eigenes Abenteuer. Denn schnelle Lastwagen stehen mit immerhin 20 km/h auf einmal vor uns, über die langsamen wollen wir gar nicht reden. Und dann gibt es Schwertransporte mit Überbreite - die kommen kaum um die Kurven, Gegenverkehr ist ein großes Problem. Einer dieser Transporter wird sogar den Berg hinaufgezogen! Ein Glück, daß wir "schmal" sind - und in der letzten Zeit das Durchschlängeln gelernt haben. Mutig überholen wir auch, wenn wir eingentlich nichts sehen - wir vertrauen darauf, daß wir schnell genug am Hindernis vorbei sind. Überholen - das ist so eine Sache. Die Kolumbinaer scheinen generell nur mit minimal höherer Geschwindigkeit zu überholen und scheren erst kurz vor dem Gegenverkehr ein. Wenn Du hintendran hängst und mitüberholst, hast Du schlechte Karten!
Es geht auf 16 Uhr zu und ich muß mich um einen Schlafplatz kümmern - mittlerweile weiß ich ja, wie rasend schnell es dunkel wird. Im nächsten Ort - ohne Namen - an der Straße nach Medellin finde ich ein "Hotel". Es ist saukalt und ich friere. Draußen ballen sich schwarze Wolken. Nebenan ist ein Bäcker und ein Straßenverkaufsstand, wo ich ein Würstchen und eine warme Fleischtasche zu essen bekomme. Das Hotel ist direkt an der Bushaltestelle, von außen kaum erkennbar, innen eigentlich ganz hübsch eingerichtet. Ein Zimnmer, kaum größer als das Bett, Bad und Fernseher. Und das Ganze für 15000 Pesos (6 €). Klimaanlage brauche ich heute wirklich nicht. Die Lisl hat über die Straße ein abgeschlossenes Einzelzimmer bekommen - da muß sie sich aber freuen!
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=mesjmaeurqiuepmt
Freitag, 22. November 2013
Kolumbien - das Land der Zweiräder
Nach einem schlechten Traum werde ich endlich wach. Mangels Frühstück breche ich gleich auf. Die Lisl springt gut an - das ist ja schon mal was wert! Aufrecht und optimistisch verlassen wir das Hotel. Diesmal verfahre ich mich nicht an der selben Baustelle - davon abgesehen verläuft die direkte Straße nach Medellin ein klein wenig anders. Es ist staubig und rußwolkig; und heiß - wie gewohnt. Am Motorradanzug sind alle möglichen Reißverschlüsse offen, z.B. auch an den Ärmeln. Kühle Luft bekomme ich dadurch allerdings nicht - nur irgendein riesiges Viech, das mich tierisch in den Unterarm beißt. Spucke ist das beste Heilmittel!
Nach zwei Wochen "rumhängen" in Panama, der Karibik und Cartagena bin ich etwas aus dem Tritt gekommen. Auch an die ständige Gesellschaft von anderen Menschen habe ich mich ein wenig gewöhnt; seltsamerweise habe ich gar keine allzugroße Sehnsucht nach Einsamkeit. Ist die Lektion, mit weniger Raum auszukommen? Nähe zuzulassen? Egal ob im dichten Straßenverkehr, auf Märkten, im Schlafsaal oder bei Zwiegesprächen. Wenn ich mich einfüge in die Gegebenheiten, wenn ich vertraue, dann wird es gut gehen!
Langsam und kaum bemerkt nehmen Verkehr und Häuser ab - ich bin wieder in der Natur! Hügelige Landschaft, gute Straße mit gelegentlichen Kurven, Kuhweiden, Tümpel, Seen und Flüße voller brauner Brühe, Bäume. Eigentlich ein wenig wie zu Hause - aber halt doch anders. Die Hügel sind schroffer, die Erde ist rot. Die Seen ockerbraun und statt Fichten stehen hier halt Palmen. Die Kühe haben große Ohren und einen Höcker. Wunderschöne Blüten an Sträuchern und Bäumen. Oft geht der Wald bis an die Straße, dahinter verstecken sich abgezäunte Plantagen. Gelegentlich zweigt ein holpriger Erdweg ab und manchmal protzt ein riesiges Tor an der Straße und verkündet den Namen der Ranch. Zwei Kaserne n passiere ich, die kolumbianische Flagge weht farbenprächtig herüber. Auf ein Foto verzichte ich lieber.
Ich habe in Cartagena nichts mehr zu trinken eingekauft und jetzt qüält mich der Durst. Ich passiere viele Ortschaften, aber ich finde keinen Supermarkt zum Einkaufen. Mein Auge ist anscheinend noch nicht auf "kolumbianisch" eingestellt. Ich muß erst lernen, nach was ich Ausschau halten muß. Schilfgedeckte Hütten reihen sich entlang der Straße. Meist sind es Restaurants, manchmal Wohnhütten und ich dem einen oder anderen Ort werden auch farbenprächtige Handarbeiten verkauft: von Hängematten, Taschen und Kleidern über Möbel bis hin zu Töpferwaren.
Als der Durst zu groß wird, finde ich ein Restaurant, in dem ich frischgepressten Saft bekomme - Papaya mit Eiswasser. Schmeckt suuuper!
Um die Mittagszeit meldet sich der große Hunger - ich kann mich einfach nicht rechtzeitig für eines der vielen kleinen Restaurants entscheiden. So lande ich schließlich in einer einsamen Wirtschaft - sieht ein wenig nach Fernfahrer-Beliebtheit aus. Die Senora, die mich begrüßt, versteht mich kaum, ich sie ebenfalls nicht. Also deute ich einfach auf ein Essen am Nachbartisch und warte ab. Ich bekomme bald einen Fruchtsaft, dann eine Suppe (die ich eigentlich nicht haben wollte) und Huhn mit Reis, gebackenen Bananen und Salat. Es sind noch weitere unidentifizierbare Dinge auf den Tellern; wenn es da liegt, dann ist es sicher eßbar. Alles wird probiert. In der Suppe schwimmt ein Gestrüpp, das man kauen kann, das aber nach nichts schmeckt und auch nicht wirklich klein oder weich wird. Neben dem Huhn liegt etwas spargelähnliches, fasriges, das etwas mehlig und süßlich schmeckt. Als ich bei der Chefin, die mich besser versteht, bezahlt habe, setzt sich der Herr des Hauses zu mir und überschüttet mich mit einem Wortschwall. Die Essenz der Unterhaltung dreht sich um meine (eine Deutsche) Reise entlang der Panamericana (die die amerikanischen Kontinente verbindet) auf einem Motorrad der Marke BMW. Zum Abschied will er das deutsche Wort für Apfelsine wissen und schenkt mir zwei davon.
An einem bunten Obststand komme ich einfach nicht vorbei. Die Früchte lachen mich zu sehr an. Ich lasse mir deren spanische Namen sagen, kann aber nichts damit anfangen und vergesse sie daher auch gleich wieder. Bin gespannt auf den Geschmack.
Weiter geht's. Cartagena war eine gute Verkehrsschule - aufpassen und mutig sein müssen wir immer. Es gibt Unmengen von Zweirädern; einige Fahrräder aber hauptsächlich Motorräder. Ich schätze mal 125 - 250 er. Die Neuen sind leise 4-Takter, die Alten stinkende 2-Takter. Sie werden für alles benutzt und sind wohl das Haupttransportmittel. Zweiradtaxi für 1-2 Personen, Zuckerrohrpakete, Riesenkanister, Säcke mit geheimen Dingen auf dem Tank, hinten und an den Seiten und mehrfach habe ich sogar einen Beifahrer gesichtet, der sein Fahrrad quer über das Moped hielt. Etwas gefällt mir an dieser Zweiradkultur ganz besonders gut - an den Straßenmautstellen gibt es immer eine ganz schmale versteckte Motorradspur, die um die Schranken herumführt. Wir müssen nichts bezahlen. Da lacht das Schwabenherz! Zwischen die Kamikaze-LKWs, die an jeder kleinsten Steigung schon stehen bleiben und die unumgänglichen Busse mischen sich hier einige irre große Handkarren, Pferdefuhrwerke und Esel als Reit- oder Lasttiere. Eine interessante Mischung!
Ich bin mir unschlüssig, ob ich heute campen oder "hotellen" soll. Ich hab mich ja schon ein wenig an die Hotels gewöhnt. Aber ich möchte gerne auch mal wieder in Zelt und Schlafsack meine Ruhe finden. Es ist so heiß...Klimaanlage wäre ja nicht schlecht. Ich glaube, ich habe mich schon entschieden, für Ho(s)tel in Caucasia, einem Städtchen auf halber Strecke zwischen Cartagena und Medellin. Kurz vor diesem Ziel liegen linkerhand 2 Hotels, die sehr einladend aussehen: Swimingpool, überdachtes Restaurant... Ich wende und möchte eigentlich nur mal den Preis recherchieren. 80.000 Pesos soll es kosten. Hab ich mir schon gedacht, daß das über meinem Budget liegt. Was das Nachbarhotel kostet, wissen sie nicht. Ich frag trotzdem mal - hier kostet ein Zimmer mit Ventilator nur 20.000 und mit Klimaanlage 30.000! Das klingt nach furchtbar viel, sind aber nur 12 €! Im Vergleich: die billigsten kanadischen Campingplätze ohne irgendwas haben auch so viel gekostet. Da bleib ich. Als erstes gibt es ein Bad im Swimmingpool; unter Palmen; im letzten Tageslicht; bei kolumbianischen Klängen. Und danach einen Aloe-Drink. Ich liebe die Aloe-Drinks. Bisher habe ich sie nur als reines Aloe-Wasser oder mit Kokosmilch probiert, hier gibt es Litschi-Aloe-Wasser. Die Limo enthält Aloe-Stückchen und schmeckt ein wenig parfümiert. Ich kaue gerne die Einlage. Ist das nicht herrlich? Geht das mir so gut!
Ein klein bischen ein schlechtes Gewissen habe ich noch, weil ich der Lisl für heute abend noch eine Vergasereinstellung versprochen habe, aber jetzt mag ich nicht mehr. Vielleicht morgen?
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=atxtjtbjwflywtsh
Nach zwei Wochen "rumhängen" in Panama, der Karibik und Cartagena bin ich etwas aus dem Tritt gekommen. Auch an die ständige Gesellschaft von anderen Menschen habe ich mich ein wenig gewöhnt; seltsamerweise habe ich gar keine allzugroße Sehnsucht nach Einsamkeit. Ist die Lektion, mit weniger Raum auszukommen? Nähe zuzulassen? Egal ob im dichten Straßenverkehr, auf Märkten, im Schlafsaal oder bei Zwiegesprächen. Wenn ich mich einfüge in die Gegebenheiten, wenn ich vertraue, dann wird es gut gehen!
Langsam und kaum bemerkt nehmen Verkehr und Häuser ab - ich bin wieder in der Natur! Hügelige Landschaft, gute Straße mit gelegentlichen Kurven, Kuhweiden, Tümpel, Seen und Flüße voller brauner Brühe, Bäume. Eigentlich ein wenig wie zu Hause - aber halt doch anders. Die Hügel sind schroffer, die Erde ist rot. Die Seen ockerbraun und statt Fichten stehen hier halt Palmen. Die Kühe haben große Ohren und einen Höcker. Wunderschöne Blüten an Sträuchern und Bäumen. Oft geht der Wald bis an die Straße, dahinter verstecken sich abgezäunte Plantagen. Gelegentlich zweigt ein holpriger Erdweg ab und manchmal protzt ein riesiges Tor an der Straße und verkündet den Namen der Ranch. Zwei Kaserne n passiere ich, die kolumbianische Flagge weht farbenprächtig herüber. Auf ein Foto verzichte ich lieber.
Ich habe in Cartagena nichts mehr zu trinken eingekauft und jetzt qüält mich der Durst. Ich passiere viele Ortschaften, aber ich finde keinen Supermarkt zum Einkaufen. Mein Auge ist anscheinend noch nicht auf "kolumbianisch" eingestellt. Ich muß erst lernen, nach was ich Ausschau halten muß. Schilfgedeckte Hütten reihen sich entlang der Straße. Meist sind es Restaurants, manchmal Wohnhütten und ich dem einen oder anderen Ort werden auch farbenprächtige Handarbeiten verkauft: von Hängematten, Taschen und Kleidern über Möbel bis hin zu Töpferwaren.
Als der Durst zu groß wird, finde ich ein Restaurant, in dem ich frischgepressten Saft bekomme - Papaya mit Eiswasser. Schmeckt suuuper!
Um die Mittagszeit meldet sich der große Hunger - ich kann mich einfach nicht rechtzeitig für eines der vielen kleinen Restaurants entscheiden. So lande ich schließlich in einer einsamen Wirtschaft - sieht ein wenig nach Fernfahrer-Beliebtheit aus. Die Senora, die mich begrüßt, versteht mich kaum, ich sie ebenfalls nicht. Also deute ich einfach auf ein Essen am Nachbartisch und warte ab. Ich bekomme bald einen Fruchtsaft, dann eine Suppe (die ich eigentlich nicht haben wollte) und Huhn mit Reis, gebackenen Bananen und Salat. Es sind noch weitere unidentifizierbare Dinge auf den Tellern; wenn es da liegt, dann ist es sicher eßbar. Alles wird probiert. In der Suppe schwimmt ein Gestrüpp, das man kauen kann, das aber nach nichts schmeckt und auch nicht wirklich klein oder weich wird. Neben dem Huhn liegt etwas spargelähnliches, fasriges, das etwas mehlig und süßlich schmeckt. Als ich bei der Chefin, die mich besser versteht, bezahlt habe, setzt sich der Herr des Hauses zu mir und überschüttet mich mit einem Wortschwall. Die Essenz der Unterhaltung dreht sich um meine (eine Deutsche) Reise entlang der Panamericana (die die amerikanischen Kontinente verbindet) auf einem Motorrad der Marke BMW. Zum Abschied will er das deutsche Wort für Apfelsine wissen und schenkt mir zwei davon.
An einem bunten Obststand komme ich einfach nicht vorbei. Die Früchte lachen mich zu sehr an. Ich lasse mir deren spanische Namen sagen, kann aber nichts damit anfangen und vergesse sie daher auch gleich wieder. Bin gespannt auf den Geschmack.
Weiter geht's. Cartagena war eine gute Verkehrsschule - aufpassen und mutig sein müssen wir immer. Es gibt Unmengen von Zweirädern; einige Fahrräder aber hauptsächlich Motorräder. Ich schätze mal 125 - 250 er. Die Neuen sind leise 4-Takter, die Alten stinkende 2-Takter. Sie werden für alles benutzt und sind wohl das Haupttransportmittel. Zweiradtaxi für 1-2 Personen, Zuckerrohrpakete, Riesenkanister, Säcke mit geheimen Dingen auf dem Tank, hinten und an den Seiten und mehrfach habe ich sogar einen Beifahrer gesichtet, der sein Fahrrad quer über das Moped hielt. Etwas gefällt mir an dieser Zweiradkultur ganz besonders gut - an den Straßenmautstellen gibt es immer eine ganz schmale versteckte Motorradspur, die um die Schranken herumführt. Wir müssen nichts bezahlen. Da lacht das Schwabenherz! Zwischen die Kamikaze-LKWs, die an jeder kleinsten Steigung schon stehen bleiben und die unumgänglichen Busse mischen sich hier einige irre große Handkarren, Pferdefuhrwerke und Esel als Reit- oder Lasttiere. Eine interessante Mischung!
Ich bin mir unschlüssig, ob ich heute campen oder "hotellen" soll. Ich hab mich ja schon ein wenig an die Hotels gewöhnt. Aber ich möchte gerne auch mal wieder in Zelt und Schlafsack meine Ruhe finden. Es ist so heiß...Klimaanlage wäre ja nicht schlecht. Ich glaube, ich habe mich schon entschieden, für Ho(s)tel in Caucasia, einem Städtchen auf halber Strecke zwischen Cartagena und Medellin. Kurz vor diesem Ziel liegen linkerhand 2 Hotels, die sehr einladend aussehen: Swimingpool, überdachtes Restaurant... Ich wende und möchte eigentlich nur mal den Preis recherchieren. 80.000 Pesos soll es kosten. Hab ich mir schon gedacht, daß das über meinem Budget liegt. Was das Nachbarhotel kostet, wissen sie nicht. Ich frag trotzdem mal - hier kostet ein Zimmer mit Ventilator nur 20.000 und mit Klimaanlage 30.000! Das klingt nach furchtbar viel, sind aber nur 12 €! Im Vergleich: die billigsten kanadischen Campingplätze ohne irgendwas haben auch so viel gekostet. Da bleib ich. Als erstes gibt es ein Bad im Swimmingpool; unter Palmen; im letzten Tageslicht; bei kolumbianischen Klängen. Und danach einen Aloe-Drink. Ich liebe die Aloe-Drinks. Bisher habe ich sie nur als reines Aloe-Wasser oder mit Kokosmilch probiert, hier gibt es Litschi-Aloe-Wasser. Die Limo enthält Aloe-Stückchen und schmeckt ein wenig parfümiert. Ich kaue gerne die Einlage. Ist das nicht herrlich? Geht das mir so gut!
Ein klein bischen ein schlechtes Gewissen habe ich noch, weil ich der Lisl für heute abend noch eine Vergasereinstellung versprochen habe, aber jetzt mag ich nicht mehr. Vielleicht morgen?
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=atxtjtbjwflywtsh
Donnerstag, 21. November 2013
Nachtschicht
Heute ist nichts angesagt. Warten auf meine Ersatzteile. Die liegen seit 5 Tagen in Bogota. Niemand wußte, daß sie versteuert werden müssen - jetzt ist es geklärt und heute sollte das Paket dann in Cartagena ankommen. Also darf ich ausschlafen.
Frühstück gibt es hier nicht, auch in der Nähe kenne ich keine Möglichkeit. Also fällt das aus. Den ganzen Vormittag verbringe ich mit Internet-Recherchen und dem erfolglosen Versuch, meine Karten im Navi lesbar zu machen. Außerdem kann ich noch dem Verdacht "Vergaser?" an der Lisl nachgehen. An den Vergasern ist aber nichts Ungewöhnliches zu finden, außer daß die O-Ringe der Leerlaufdüsen verdrückt sind. Beim Ausbau reißt ein Ring, also brauche ich auf jeden Fall Ersatz. Taxi. Ich frage den Fahrer, ob er weiß, wo man sowas bekommt. Er fährt mich nicht nur zu einer Werkstatt, sondern hilft auch beim Einkaufen. Dann werde ich zurückgefahren. Guter Service.
Aus Langeweile und weil ich heute noch nicht draußen war, mache ich einen kleinen Strandspaziergang. Es ist kein besonders schöner Strand und es gibt auch nicht viel zu sehen. Aber barfuß durch das warme Wasser zu laufen macht schon Spaß. Mittagessen? Ich versorge mich an ein paar Straßenbuden.
Erst am späten Nachmittag zeigt die DHL-Sendungsverfolgung an, daß ein Kurier Cartagena verlassen hat. Das bedeutet, daß das Päckchen jetzt unterwegs zu Reinhold ist. Ich rufe bei ihm an und er bestätigt, daß der Kurier vor 20 min da war. Also mache ich mich jetzt auf die Socken. Die Vergaser-Behandlung hat nichts gebracht, die Lisl läuft wie gewohnt ruppig auf 1 1/2 Zylindern.
Mittlerweile bin ich schon geübter Verkehrsteilnehmer und schlängle mich ganz gut durch. Natürlich verfahre ich mich an einer Baustelle wieder und fahre eine Riesenschleife durch die Stadt, aber ankommen tu ich trotzdem. Reinholds Geschäft ist schon geschlossen, aber er wohnt direkt nebenan. Reinhold selbst ist noch im Büro. Er läßt das weitgereiste Päckchen bringen und wir unterhalten uns noch kurz über meine weitere Reise. Dann zische ich los - mittlerweile ist es dunkel und da fahre ich eigentlich nicht so gerne. Man sieht nicht viel, Staub liegt in der Luft und die Schlaglöcher verstecken sich in der Dunkelheit.
Es ist zwar schon dunkel aber noch nicht spät, etwa 7 Uhr abends. Da kann man schon noch etwas bewegen. Leider gibt es kein Licht dort, wo die Lisl steht. Also rüste ich mich mit Stirn- und Taschenlampen aus und mache mich an die Arbeit. Zündkabel und Hallgeber wechseln, nochmal die Kerzen kontrollieren. Zündung einstellen - Fritz hat zum Glück den Halltester gefunden und mit eingepackt! Alles wieder zusammenbauen und einpacken. Die Lisl springt auf Anhieb an. Im Stand kann ich allerdings nicht sagen, ob sie vernüftig läuft - das wird sich erst morgen bei der Fahrt zeigen.
Jetzt schleppe ich allerdings einiges an Altteilen mit mir herum, was ich gerne los werden würde. Gibt es einen Weg, 2 Päckchen nach Hause zu schicken? In Columbien gibt es keine Post wie wir sie kennen. Und Reinhold hat mir gesagt, daß selbst ein Brief (2 Zeitungsausschnitte) nach Deutschland schon 40 € kostet. Das muß nicht sein!
Der ganze Schmutz muß jetzt runter - das ist eine Kunst bei der Wassermenge, die meine Dusche liefert. Eigentlich tropft nur ein einziger "Strahl" aus dem lockeren Duschkopf - im Waschbecken ist es auch nicht üppiger. Mein Schnorchel-Sonnenbrand tut nicht mehr weh, dafür bin ich jetzt eine Schlange und häute mich.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ypdtswskwigyitex
Frühstück gibt es hier nicht, auch in der Nähe kenne ich keine Möglichkeit. Also fällt das aus. Den ganzen Vormittag verbringe ich mit Internet-Recherchen und dem erfolglosen Versuch, meine Karten im Navi lesbar zu machen. Außerdem kann ich noch dem Verdacht "Vergaser?" an der Lisl nachgehen. An den Vergasern ist aber nichts Ungewöhnliches zu finden, außer daß die O-Ringe der Leerlaufdüsen verdrückt sind. Beim Ausbau reißt ein Ring, also brauche ich auf jeden Fall Ersatz. Taxi. Ich frage den Fahrer, ob er weiß, wo man sowas bekommt. Er fährt mich nicht nur zu einer Werkstatt, sondern hilft auch beim Einkaufen. Dann werde ich zurückgefahren. Guter Service.
Aus Langeweile und weil ich heute noch nicht draußen war, mache ich einen kleinen Strandspaziergang. Es ist kein besonders schöner Strand und es gibt auch nicht viel zu sehen. Aber barfuß durch das warme Wasser zu laufen macht schon Spaß. Mittagessen? Ich versorge mich an ein paar Straßenbuden.
Erst am späten Nachmittag zeigt die DHL-Sendungsverfolgung an, daß ein Kurier Cartagena verlassen hat. Das bedeutet, daß das Päckchen jetzt unterwegs zu Reinhold ist. Ich rufe bei ihm an und er bestätigt, daß der Kurier vor 20 min da war. Also mache ich mich jetzt auf die Socken. Die Vergaser-Behandlung hat nichts gebracht, die Lisl läuft wie gewohnt ruppig auf 1 1/2 Zylindern.
Mittlerweile bin ich schon geübter Verkehrsteilnehmer und schlängle mich ganz gut durch. Natürlich verfahre ich mich an einer Baustelle wieder und fahre eine Riesenschleife durch die Stadt, aber ankommen tu ich trotzdem. Reinholds Geschäft ist schon geschlossen, aber er wohnt direkt nebenan. Reinhold selbst ist noch im Büro. Er läßt das weitgereiste Päckchen bringen und wir unterhalten uns noch kurz über meine weitere Reise. Dann zische ich los - mittlerweile ist es dunkel und da fahre ich eigentlich nicht so gerne. Man sieht nicht viel, Staub liegt in der Luft und die Schlaglöcher verstecken sich in der Dunkelheit.
Es ist zwar schon dunkel aber noch nicht spät, etwa 7 Uhr abends. Da kann man schon noch etwas bewegen. Leider gibt es kein Licht dort, wo die Lisl steht. Also rüste ich mich mit Stirn- und Taschenlampen aus und mache mich an die Arbeit. Zündkabel und Hallgeber wechseln, nochmal die Kerzen kontrollieren. Zündung einstellen - Fritz hat zum Glück den Halltester gefunden und mit eingepackt! Alles wieder zusammenbauen und einpacken. Die Lisl springt auf Anhieb an. Im Stand kann ich allerdings nicht sagen, ob sie vernüftig läuft - das wird sich erst morgen bei der Fahrt zeigen.
Jetzt schleppe ich allerdings einiges an Altteilen mit mir herum, was ich gerne los werden würde. Gibt es einen Weg, 2 Päckchen nach Hause zu schicken? In Columbien gibt es keine Post wie wir sie kennen. Und Reinhold hat mir gesagt, daß selbst ein Brief (2 Zeitungsausschnitte) nach Deutschland schon 40 € kostet. Das muß nicht sein!
Der ganze Schmutz muß jetzt runter - das ist eine Kunst bei der Wassermenge, die meine Dusche liefert. Eigentlich tropft nur ein einziger "Strahl" aus dem lockeren Duschkopf - im Waschbecken ist es auch nicht üppiger. Mein Schnorchel-Sonnenbrand tut nicht mehr weh, dafür bin ich jetzt eine Schlange und häute mich.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ypdtswskwigyitex
Mittwoch, 20. November 2013
Cartagena (Kolumbien)
Irgendwie sind die Tage immer so vollgestopft mit den unterschiedlichsten Erlebnissen, daß ich gar nicht mehr weiß, was der Tag so alles enthalten hat...
Also - die Nacht haben wir ja ohne Motorräder in einem Hostel verbracht; 20-25 Tausend kolumbianische Pesos pro Nase (das sind ca.8-10 €). Um sieben Uhr sollen wir zum entladen im Hafen sein. Irgendwann kommt Rusty mit dem Dingi herüber und holt uns ab. Wir sollen nur die Sachen anziehen, die wir brauchen, um zum Zoll zu fahren - also Stiefel (zu kurzer Hose und T-shirt) und Helm. Es ist siedend heiß, jetzt schon haben wir 30 Grad! Irgendwie läuft alles ziemlich chaotisch ab. Ludwig legt einen handgemalten Stadtplan von Cartagena auf den Tisch und sagt ein paar von uns, wo das Zollgebäude liegt. Dann ist schon ein Boot da, das einen Stahlponton mit sich führt - darauf werden die Mopeds jetzt gestellt - 6 Stück passen drauf, die Lisl ist als erste dran. Der Ponton ist gerade mal einen Motorradlänge breit, wir stehen dicht bei dicht und schaukeln die paar hundert Meter bis an den Steg. Dort einfach vom schwimmenden und schwankenden Ponton auf den hölzernen Steg mit krummen Brettern und hervorstehenden Nägeln gefahren, kleine Höhenunterschiede muß man ignorieren. Die Lisl ist nach 5 kilometerfreien Tagen auch nicht besser angesprungen als sonst - ich mußte sie mal wieder wachstreicheln. Natürlich hab ich keine Bilder von der spannenden Entladung gemacht - mein Ersatzfoto kann grade mal die SD-Karte nicht lesen, eine andere ist nicht zur Hand. Und die Videokamera speichert schon wieder nichts...
Zum Zoll. Jeder gibt sein Bestes, den zu finden; irgendwie schaffen es doch alle. Manfred sollte mit den Pässen dort auf uns warten. Kein Manfred da. Er hat gestern gesagt, der Zoll öffnet um 7 Uhr und wir wollten ja als erste dran kommen. Warten. Wir können nichts anderes tun. Keiner hat eine Telefonnummer von Manfred oder Ludwig, außerdem hat ja keiner eine kolumbianische Handykarte. Traver entdeckt eine Kantine, in der wir frühstücken können - wenigstens das! Warten. Gegen halb neun taucht ein Typ auf, der immerhin ein bischen englisch spricht. Er hat unsere Pässe dabei. Er kassiert von allen noch Führerschein und Fahrzeugschein und verschwindet dann wieder. Warten. Nach mindestens einer halben Stunde kommt er zurück, mit je 2 Kopien der Papiere für jeden. Was hat er nur in dieser Zeit gemacht??? Wir fragen, was jetzt zu tun ist. Antwort: warten. Und er verschwindet wieder. Als er viel später wieder auftaucht, gibt er uns unsere Originale zurück. Und jetzt? Warten. Die Senora kommt, sie vergleicht die Fahrzeuge mit den Angaben auf den Papieren. Aber nur, wenn nicht gerade irgendein Bekannter oder Freund zur Unterhaltung oder zum flirten anwesend ist. Vier Formulare müssen wir unterschreiben und dann natürlich wieder warten. Zu guter Letzt bekommen wir doch noch das Original-Einfuhrpapier. Wofür waren eigentlich die 2 Kopien???
Weiß noch jemand, wie es jetzt weitergeht? Zum Boot oder zum Hostel? Und wann zur Versicherung? Es ist schon ein Phänomen, daß jeder von uns bisher so gut alleine klar gekommen ist und alle Formalitäten und Hürden gemeistert hat; aber kaum sind wir eine Gruppe, kümmert sich keiner. Jeder verläßt sich auf die anderen. Da ich nicht mehr zum Hostel zurück will, beschließe ich einfach, jetzt am Schiff mein Gepäck zu holen und fahre schon mal los. Ups - und schon sind die anderen auch da. Also - auf's Dingi warten. Bis die Mannschaft uns gesehen hat, dauert es ein Weilchen. An Bord muß jetzt alles ganz schnell gepackt werden, d.h. eigentlich reißt jeder nur sein sorgfältig in einer Kammer verstautes Gepäck heruas und schleppt es an Bord. Beim Ausladen ist keine Hilfe zu sehen - beim Einladen konnten wir uns vor Helfern gar nicht retten. Von Ludwig wollte ich mich am Morgen noch verabschieden, da hat er aber abgewunken, weil wir ja nochmal wiederkommen. Jetzt ist er aber nicht mehr da - die Mädels grinsen nur und rollen mit den Augen. Schade.
940 $ kostet die Überfahrt - in bar. Und die Getränke. Wechselgeld ist extrem knapp und so geht es ziemlich chaotisch zu. Auf dem Küchentisch fliegen tausende von Dollar in 20-$-Scheinen herum. Mit vollständigem Gepäck passen nur 3 Leute ins Dingi. Am Steg hält Rusty mit einer Hand das Boot am Steg und jeder wirft seine schweren Taschen hinauf. Moped beladen - fertig! Und wer fährt jetzt zur Versicherung? Andre will mitfahren, überlegt es sich aber nach 5 min anders. Er will lieber erst mit dem Rest im Hostel das Gepäck unterbringen. Alles hat sich verlaufen. So kann ich mich nur kurz von dem einen oder anderen verabschieden. Na ja, wir haben auf jeden Fall einen E-Mailverteiler.
Jetzt bin ich wieder auf mich gestellt. Die Versicherung finde ich, aber ich muß ein paar mal fragen und einige Schleifen drehen. Wenn Du hier eine Abbiegung verpaßt oder falsch fährst, mußt Du ewig fahren. Nur Einbahnstraßen - und natürlich immer in die falsche Richtung. Als ich endlich das Büro gefunden habe, ist es 5 nach 12 - um 12 ist Mittagspause. Zum Glück nur bis 1. Ich habe Durst und die Lisl auch. Also werde ich die Zeit nutzen. Aber zuerst mache ich am Besten eine kleine Stadtrundfahrt - muß ich sowieso wegen der Einbahnstraßen. So komme ich halbfreiwillig in den Genuß einer Sightseeingtour. Der Verkehr ist wieder mal schlimm und ich bin ihn nicht gewohnt. Fotografieren ist kaum möglich. Man hängt entweder in einer Traube von Mopdes, die um uns herumschwirren oder im Auspuff eines Busses, der eigentlich immer steht. Bremsbereitschaft und gute Bremsen sind wichtig. Dummerweise erfahre ich das ausgerechnet, als ich über ein herumliegendes Kusntstoffteil (Kotflügel oder Stoßstange) fahre, und dieses Teil fährt nun mit mir Schlitten. Fast hätte ich gelegen! Aber ist grad nochmal gut gegangen - die Knie zittern ein wenig.
Kurz nach 1 bin ich bei der Versicherung - 30 Tage gibt's für ca. 32 Tausend Pesos (gut 12 €). Geht Ruck zuck. Und dann muß ich nach Pasacaballos - dort gibt es einen deutschen Eisenwarenhändler. Dorthin hat Fritz Ersatzteile für die Lisl geschickt. Gestern abend waren sie noch nicht dort. Ich möchte dorthinfahren und einfach warten, bis sie ankommen. Reinhold ist Chef dort. Seine Vasallen arbeiten fleißig, er sitzt im gefließten klimatisierten Büro und zählt Milliarden von Pesos. Die müssen schnell noch zur Bank. Er ist multitaskingfähig; während er einem Typen das Geld hinblättert, telefoniert er, gibt seiner Sekretärin ein paar Jobs und unterhält sich mit mir. Wenige Minuten später bin ich im Bilde: das Päckchen liegt seit 5 Tagen im DHL-Büro in Bogota. Für die Einfhr muß Mehrwertsteuer bezahlt werden - 70 €! So viel ist ja nicht mal der Inhalt wert! Aber das ist jetzt auch schon egal - das Porto hat ja schon 200 € betragen. Ich bekomme einen Zettel mit der Bankverbindung und die Sekretärin erklärt mir, wo die Bank ist. Den Einzahlbeleg muß ich an Ivonne soundso ins DHL-Büro mailen. Das ist jetzt eine Herausforderung - besonders, weil die Bank in einer Stunde schließt! Also zurück nach Cartagena. Bank finden - klappt fast perfekt. Der nette Sicherheitbeamte hilft mir beim Nummer ziehen (Paßnummer muß man dafür in den Automaten eingeben) - dann warten. Bis ich aufgerufen werde. Die Lisl ist derweil in der Obhut von Parkplatzwächtern. Am Bankschalter komme ich klar - keine Kreditkarten - nur Bares ist Wahres. In der Mall nebenan ist ein Internetcafe, die scannen mir den Beleg ein. Mein Laptop darf ich anstöpßseln. Reinhold hat mittlerweile eine spanische Mail vorbereitet und mir geschickt - ich hänge den Scan dran - und ab an Ivonne. Jetzt kann ich nur wieder warten. Angeblich soll das Päckchen dann morgen in Pasacaballos sein - das glaube ich noch nicht so ganz.
Mein neues Navi braucht auch noch etwas Hilfe von zu Hause - ich kann es momentan nicht am Lenker befestigen und außerdem nur mit Batterie betreiben. Die soll angeblich 22 h halten, ist aber schon nach 5 Stunden leer! Ein Halter mit Stromanschluss erwartet mich hoffentlich in Bogota (noch so eine ungeliebte Großstadt).
Mittlerweile ist auch eine Mail von den Mädels von der Stahlratte gekommen - heute abend ist gemeinsames Pizzaessen angesagt, wer mag. Das ist doch schön. Ich suche mir ein Hostel, das Reinhold mir empfohlen hat, kurz die schwarzen Steifen aus dem Gesicht gewaschen und dann mit dem Taxi zur Pizzeria. Ich bin fast pünktlich - die Jungs sind etwas verwundert, aber freuen sich, mich nochmal zu sehen. Ich frage Lisa und Nicole nach ihrer Wertung der rauhen Überfahrt. Ludwig hat ja gemeint, es wäre nicht schlimm gewesen. Die Wertungen der Mädels (3 und 7 Monate schon an Bord) sind "längste und rauheste" bzw. "zweit-rauheste" Überfahrt. Warum ewischt das eigentlich immer mich???!!
Es wird noch ein gemütlicher entspannter Abend, der mit Eis essen und einem herzlichen Abschied endet. Vielleicht begegnen wir uns ja nochmal....
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=rsrhzvykgrcybhqs
Also - die Nacht haben wir ja ohne Motorräder in einem Hostel verbracht; 20-25 Tausend kolumbianische Pesos pro Nase (das sind ca.8-10 €). Um sieben Uhr sollen wir zum entladen im Hafen sein. Irgendwann kommt Rusty mit dem Dingi herüber und holt uns ab. Wir sollen nur die Sachen anziehen, die wir brauchen, um zum Zoll zu fahren - also Stiefel (zu kurzer Hose und T-shirt) und Helm. Es ist siedend heiß, jetzt schon haben wir 30 Grad! Irgendwie läuft alles ziemlich chaotisch ab. Ludwig legt einen handgemalten Stadtplan von Cartagena auf den Tisch und sagt ein paar von uns, wo das Zollgebäude liegt. Dann ist schon ein Boot da, das einen Stahlponton mit sich führt - darauf werden die Mopeds jetzt gestellt - 6 Stück passen drauf, die Lisl ist als erste dran. Der Ponton ist gerade mal einen Motorradlänge breit, wir stehen dicht bei dicht und schaukeln die paar hundert Meter bis an den Steg. Dort einfach vom schwimmenden und schwankenden Ponton auf den hölzernen Steg mit krummen Brettern und hervorstehenden Nägeln gefahren, kleine Höhenunterschiede muß man ignorieren. Die Lisl ist nach 5 kilometerfreien Tagen auch nicht besser angesprungen als sonst - ich mußte sie mal wieder wachstreicheln. Natürlich hab ich keine Bilder von der spannenden Entladung gemacht - mein Ersatzfoto kann grade mal die SD-Karte nicht lesen, eine andere ist nicht zur Hand. Und die Videokamera speichert schon wieder nichts...
Zum Zoll. Jeder gibt sein Bestes, den zu finden; irgendwie schaffen es doch alle. Manfred sollte mit den Pässen dort auf uns warten. Kein Manfred da. Er hat gestern gesagt, der Zoll öffnet um 7 Uhr und wir wollten ja als erste dran kommen. Warten. Wir können nichts anderes tun. Keiner hat eine Telefonnummer von Manfred oder Ludwig, außerdem hat ja keiner eine kolumbianische Handykarte. Traver entdeckt eine Kantine, in der wir frühstücken können - wenigstens das! Warten. Gegen halb neun taucht ein Typ auf, der immerhin ein bischen englisch spricht. Er hat unsere Pässe dabei. Er kassiert von allen noch Führerschein und Fahrzeugschein und verschwindet dann wieder. Warten. Nach mindestens einer halben Stunde kommt er zurück, mit je 2 Kopien der Papiere für jeden. Was hat er nur in dieser Zeit gemacht??? Wir fragen, was jetzt zu tun ist. Antwort: warten. Und er verschwindet wieder. Als er viel später wieder auftaucht, gibt er uns unsere Originale zurück. Und jetzt? Warten. Die Senora kommt, sie vergleicht die Fahrzeuge mit den Angaben auf den Papieren. Aber nur, wenn nicht gerade irgendein Bekannter oder Freund zur Unterhaltung oder zum flirten anwesend ist. Vier Formulare müssen wir unterschreiben und dann natürlich wieder warten. Zu guter Letzt bekommen wir doch noch das Original-Einfuhrpapier. Wofür waren eigentlich die 2 Kopien???
Weiß noch jemand, wie es jetzt weitergeht? Zum Boot oder zum Hostel? Und wann zur Versicherung? Es ist schon ein Phänomen, daß jeder von uns bisher so gut alleine klar gekommen ist und alle Formalitäten und Hürden gemeistert hat; aber kaum sind wir eine Gruppe, kümmert sich keiner. Jeder verläßt sich auf die anderen. Da ich nicht mehr zum Hostel zurück will, beschließe ich einfach, jetzt am Schiff mein Gepäck zu holen und fahre schon mal los. Ups - und schon sind die anderen auch da. Also - auf's Dingi warten. Bis die Mannschaft uns gesehen hat, dauert es ein Weilchen. An Bord muß jetzt alles ganz schnell gepackt werden, d.h. eigentlich reißt jeder nur sein sorgfältig in einer Kammer verstautes Gepäck heruas und schleppt es an Bord. Beim Ausladen ist keine Hilfe zu sehen - beim Einladen konnten wir uns vor Helfern gar nicht retten. Von Ludwig wollte ich mich am Morgen noch verabschieden, da hat er aber abgewunken, weil wir ja nochmal wiederkommen. Jetzt ist er aber nicht mehr da - die Mädels grinsen nur und rollen mit den Augen. Schade.
940 $ kostet die Überfahrt - in bar. Und die Getränke. Wechselgeld ist extrem knapp und so geht es ziemlich chaotisch zu. Auf dem Küchentisch fliegen tausende von Dollar in 20-$-Scheinen herum. Mit vollständigem Gepäck passen nur 3 Leute ins Dingi. Am Steg hält Rusty mit einer Hand das Boot am Steg und jeder wirft seine schweren Taschen hinauf. Moped beladen - fertig! Und wer fährt jetzt zur Versicherung? Andre will mitfahren, überlegt es sich aber nach 5 min anders. Er will lieber erst mit dem Rest im Hostel das Gepäck unterbringen. Alles hat sich verlaufen. So kann ich mich nur kurz von dem einen oder anderen verabschieden. Na ja, wir haben auf jeden Fall einen E-Mailverteiler.
Jetzt bin ich wieder auf mich gestellt. Die Versicherung finde ich, aber ich muß ein paar mal fragen und einige Schleifen drehen. Wenn Du hier eine Abbiegung verpaßt oder falsch fährst, mußt Du ewig fahren. Nur Einbahnstraßen - und natürlich immer in die falsche Richtung. Als ich endlich das Büro gefunden habe, ist es 5 nach 12 - um 12 ist Mittagspause. Zum Glück nur bis 1. Ich habe Durst und die Lisl auch. Also werde ich die Zeit nutzen. Aber zuerst mache ich am Besten eine kleine Stadtrundfahrt - muß ich sowieso wegen der Einbahnstraßen. So komme ich halbfreiwillig in den Genuß einer Sightseeingtour. Der Verkehr ist wieder mal schlimm und ich bin ihn nicht gewohnt. Fotografieren ist kaum möglich. Man hängt entweder in einer Traube von Mopdes, die um uns herumschwirren oder im Auspuff eines Busses, der eigentlich immer steht. Bremsbereitschaft und gute Bremsen sind wichtig. Dummerweise erfahre ich das ausgerechnet, als ich über ein herumliegendes Kusntstoffteil (Kotflügel oder Stoßstange) fahre, und dieses Teil fährt nun mit mir Schlitten. Fast hätte ich gelegen! Aber ist grad nochmal gut gegangen - die Knie zittern ein wenig.
Kurz nach 1 bin ich bei der Versicherung - 30 Tage gibt's für ca. 32 Tausend Pesos (gut 12 €). Geht Ruck zuck. Und dann muß ich nach Pasacaballos - dort gibt es einen deutschen Eisenwarenhändler. Dorthin hat Fritz Ersatzteile für die Lisl geschickt. Gestern abend waren sie noch nicht dort. Ich möchte dorthinfahren und einfach warten, bis sie ankommen. Reinhold ist Chef dort. Seine Vasallen arbeiten fleißig, er sitzt im gefließten klimatisierten Büro und zählt Milliarden von Pesos. Die müssen schnell noch zur Bank. Er ist multitaskingfähig; während er einem Typen das Geld hinblättert, telefoniert er, gibt seiner Sekretärin ein paar Jobs und unterhält sich mit mir. Wenige Minuten später bin ich im Bilde: das Päckchen liegt seit 5 Tagen im DHL-Büro in Bogota. Für die Einfhr muß Mehrwertsteuer bezahlt werden - 70 €! So viel ist ja nicht mal der Inhalt wert! Aber das ist jetzt auch schon egal - das Porto hat ja schon 200 € betragen. Ich bekomme einen Zettel mit der Bankverbindung und die Sekretärin erklärt mir, wo die Bank ist. Den Einzahlbeleg muß ich an Ivonne soundso ins DHL-Büro mailen. Das ist jetzt eine Herausforderung - besonders, weil die Bank in einer Stunde schließt! Also zurück nach Cartagena. Bank finden - klappt fast perfekt. Der nette Sicherheitbeamte hilft mir beim Nummer ziehen (Paßnummer muß man dafür in den Automaten eingeben) - dann warten. Bis ich aufgerufen werde. Die Lisl ist derweil in der Obhut von Parkplatzwächtern. Am Bankschalter komme ich klar - keine Kreditkarten - nur Bares ist Wahres. In der Mall nebenan ist ein Internetcafe, die scannen mir den Beleg ein. Mein Laptop darf ich anstöpßseln. Reinhold hat mittlerweile eine spanische Mail vorbereitet und mir geschickt - ich hänge den Scan dran - und ab an Ivonne. Jetzt kann ich nur wieder warten. Angeblich soll das Päckchen dann morgen in Pasacaballos sein - das glaube ich noch nicht so ganz.
Mein neues Navi braucht auch noch etwas Hilfe von zu Hause - ich kann es momentan nicht am Lenker befestigen und außerdem nur mit Batterie betreiben. Die soll angeblich 22 h halten, ist aber schon nach 5 Stunden leer! Ein Halter mit Stromanschluss erwartet mich hoffentlich in Bogota (noch so eine ungeliebte Großstadt).
Mittlerweile ist auch eine Mail von den Mädels von der Stahlratte gekommen - heute abend ist gemeinsames Pizzaessen angesagt, wer mag. Das ist doch schön. Ich suche mir ein Hostel, das Reinhold mir empfohlen hat, kurz die schwarzen Steifen aus dem Gesicht gewaschen und dann mit dem Taxi zur Pizzeria. Ich bin fast pünktlich - die Jungs sind etwas verwundert, aber freuen sich, mich nochmal zu sehen. Ich frage Lisa und Nicole nach ihrer Wertung der rauhen Überfahrt. Ludwig hat ja gemeint, es wäre nicht schlimm gewesen. Die Wertungen der Mädels (3 und 7 Monate schon an Bord) sind "längste und rauheste" bzw. "zweit-rauheste" Überfahrt. Warum ewischt das eigentlich immer mich???!!
Es wird noch ein gemütlicher entspannter Abend, der mit Eis essen und einem herzlichen Abschied endet. Vielleicht begegnen wir uns ja nochmal....
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