Dienstag, 3. Dezember 2013

Wartungsarbeiten in Quito

Lecker Frühstück! Dabei lerne ich Thomas (Bolivianer mit Texas- und Costa Rica-Erfahrung) kennen. Er investiert in Wohnprojekte an der Küste und möchte hier ein gebrauchtes Auto kaufen.

Dann geht's zum BMW-Händer. Freundliche Begrüßung, der Motorrad-Chef Gabriel spricht englisch. Alles was ich wünsche ist machbar! Mit Geduld. Ich darf auch selbst schrauben. Die benötigten Teile und Reifen haben sie da. Angeblich. Hier die Realität...
Einen Schlüssel für das Lenkkopflager gibt es nicht. Weil ich darauf bestehe, wird einer organisiert. Ich glaube, sie mußten 30 km dafür fahren, auf jeden Fall hat es Stunden gedauert! Aber dann ist ein passender Schlüssel da und das Lager rasch eingestellt. In der Zwischenzeit mache ich die Lisl bereit zur Vergaser- und Zündungseinstellung. Dabei stelle ich fest, daß ein Chokezug den Geist aufgibt. Kein Problem - haben sie da. Irgendwann erscheint ein Multitester. Da niemand Anstalten macht, an der Lisl etwas zu tun, überprüfe ich nochmal die Ventile, Zündkerzen und Vergasermembranen. Die Membranen sind tip top. Die rechte Kerze ist ziemlich verrußt. Ein Lehrling, der ganz ordentlich englisch spricht, schaut mir interessiert zu und rennt, um Werkzeuge zu organisieren. Eigentlich ist er kein Lehrling. Er studiert Maschinenbau und möchte Hybridfahrzeuge entwickeln. Er muß 9 Monate Praktikum machen. Ich habe den Eindruck, die bringen ihm hier nicht allzuviel bei. Freudig hilft er, als ich ihm erkläre wie man Ventile einstellt. Er gibt auch gerne seine Meinung zum Lenkkopflager ab, als ich ihn frage.
Mittlerweile habe ich auch die Räder ausgebaut - beide wollten sie haben. Die Lisl steht auf dem Hauptständer und einem Wagenheber.

Irgendwann wird ein neuer Chokezug gebracht und der Chefbediener für den Multitester legt los. Sie wissen nicht, wie das Teil anzuschließen ist. Ich zeige, daß wir 2 Unterdruckschläuche brauchen - die kommen auch irgendwann. Anschluß ok, aber das Gerät zeigt keinen Unterdruck an. So langsam sammeln sich alle Mechaniker der BMW-Motorrad, -Auto und Porsche-Werstatt. Sogar der Big Boss schaut vorbei. Eine Stroboskoplampe für die Zündung? Ja, das haben sie. Während der Multitester neu gestartet bzw. vom Computer aus komplett neu gebootet wird,  prüfe ich die Zündung. Ich lasse auch den Werkstattmeister einen Blick darauf werfen - Zündung ist perfekt eingestellt, nix zu ändern. Die Multitester-Gang gibt endgültig auf, das Gerät können wir nicht nutzen um die Vergaser zu synchronisieren. Mittlerweile ist die Lisl warm und läuft rund. Ich bekomme ein Lob vom Mechaniker - ich wäre eine gute Mechanikerin!
Die Reifen haben sie leider nicht da. Aber bis morgen können sie welche besorgen - bin einverstanden. Sie haben nur Conti-Enduro. Was soll's, ich stelle keine Ansprüche. Die werden schon funktionieren.
Ach, und einen neuen Kupplungszug (als Ersatz)? Nein, haben sie leider auch nicht da - habe mich ja schon gewundert. Aber sie können den alten reparieren, er ist dann wie neu! Na ja, probieren wir's halt mal aus. Bis morgen wird das ja auch hinhauen. Also dann, bis morgen mittag!
Der BMW-Service bestellt mir ein Taxi (gratis), das mich nach Hause bringt und bis dahin bekomme ich noch was zu trinken.


Mit dem Nachmittag kann man noch was anfangen! Mit der Seilbahn auf den Vulkan oder ein von Amanda empfohlenes Museum besuchen. Ich entscheide mich für das Museum, den Vulkan will ich morgen früh machen. Ob die Entscheidung gut war? Über dem Vulkan hängen schwarze Wolken und es regnet dort oben. Das Museum ist, als ich es endlich gefunden habe, geschlossen (Monatags)... Bleibt mir nichts anderes übrig, als noch etwas durch die Altstadt zu streunen, in den versteckten kleinen Läden zu stöbern und in den Gerüchen der Straßenküchen zu schwelgen. Ich konnte es mir nicht verkneifen...in einem kleinen Laden sitzen zwei Frauen hinterm Tresen und basteln an Hüten. Es ist ein schöner Hutladen; hier werde ich sicher nicht übers Ohr gehauen...ich kaufe jetzt einen Panamahut! Hoffentlich kommt der einigermaßen heil zu Hause an. Zufällig habe ich eine Post gefunden und nach dem Paketpreis gefragt (ich schleppe mittlerweile eine Menge überflüssiges Zeug mit mir rum): knapp 40 $ pro Kilo. Ich glaub, da frag ich lieber in Peru nochmal nach... Bis zum Ladenschluss ziehe ich durch die Gassen, dann lasse ich mich heim-taxieren. Einmal Wäsche waschen bitte.

Irgendwie fühlt es sich nicht nach "schon Dezmeber" an! Ich erinnere mich an den Beginn der Reise, mindestens die ersten 2 Monate habe ich die Tage gezählt. Jeden Tag habe ich ausbalanciert, ob ich zu schnell oder zu langsam bin, ob ich mir noch einen Umweg erlauben darf oder ob ich mich beeilen muß. Mittlerweile bin ich ziemlich zeitlos geworden und lasse die Tage einfach auf mich zukommen. Ich rechne auch nur selten nach, ob ich mir noch einen Tag in Quito gönnen kann oder nicht. Ein Gefühl der Sicherheit hat sich eingestellt, die Zeitplanung wird schon hinhauen. Ich bin gespannt, wo und mit wem ich Weihnachten verbringen werde. Und dann  recherchiere ich noch, was auf dem kommenden Weg alles zu sehen ist, ich möchte ja nichts verpassen.

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Montag, 2. Dezember 2013

Äquator in Ecuador


Mein Hotel hatte sogar wirklich warmes, ja sogar heißes Wasser, zumindest in der Dusche. Das hat richtig gutgetan, weil es ordentlich kalt wurde im Zimmer. Am Morgen haben sich eine ganze Menge Indianer vor dem Hotel versammelt und die tragen alle ihre warmen Ponchos. Meine Lisl meldet mir 11 Grad! Ihr ist das wohl auch zu kalt, ohne Poncho, sie mag heute mal wieder nicht so richtig anspringen. Solange sie noch kalt ist, läuft sie auch nicht richtig rund. Aber vielleicht ist sie ja nur höhenkrank?

Wir fahren nach El Angel. Ich wollte dorthin eine Nebenstraße nehmen, aber die scheint es nicht zu geben. Weiter südlich zweigt nochmal eine Straße dahin ab, die ist jedoch ein Umweg. Die Entscheidung, ob ich dennoch dorthin fahren soll, wird mir abgenommen, die Hauptstraße ist gesperrt und die Umleitung führt sowieso über El Angel. Ein nettes kleines Städtchen. Ich fahre einmal bis zum Marktplatz; die Kirche ist gerade aus. Ich halte davor an, um ein paar Fotos zu machen. Auf der anderen Straßenseite parken ein paar Taxis, deren Fahrer alle sofort neugierig herüberkommen und mich ausquetschen. Sie haben mich alle mit Handschlag begrüßt und so verabschieden wir uns auch wieder.

Kolumbien endete in schroffen kegeligen Bergen mit engen Schluchten. Hier ist die Landschaft etwas lieblicher. Wunderschön!!! Klare Luft und Sonnenschein! So könnte ich ewig reisen! Auf einer ca. 3000 m hochen Hochebene erfahren wir sanfte Bergkuppen zwischen noch höheren Bergketten und Vulkangipfeln. Viel Ackerbau und Weideland. Aber, was ist das? Interessante Wolkenformation? Nein, ein schneebedeckter Berggipfel in der Ferne! Und das in der Nähe des Äquators? Das hätte ich wirklich nicht erwartet. Ich habe mir den Äquator ganz heiß, mit fast nackten Indianern, viel Moskitos und einem Mahnmal vorgestellt. Die Realität sieht total anders aus: mein Navi zeigt 1 Grad Süd an, also muß der Äquator wohl schon hinter mir liegen? Das gibt's nicht. Ich fahre zurück...irgendwo mitten in einer Kurve zwischen zwei Felsen werden mir die 0 Grad angezeigt. Keine Markierung auf der Straße, kein Pfosten, nichts. Dabei soll hier doch ein Informationszentrum sein? Wir haben 11:04 Uhr, nicht mal 30 Grad und starken Gegenwind. Den Wind kann ich erklären: das ist der Fahrtwind der Erde, die dreht sich hier ja am schnellsten! Ich bin ganz schön enttäuscht! Am Abend erfahre ich, daß das Äquator-Infozentrum an der Alternativstrecke liegt (die ich wohl übersehen habe), aber ohnehin nicht genau am Äquator.

Als nächste Stadt liegt Otavalo am Weg. Dort soll es einen schönen Indianermarkt geben, daher fahre ich in die Stadt rein und nicht außen herum. Aber heute ist Sonntag, da gibt es wohl keinen Markt. Nur Indianer, die gibt es trotzdem. Sie haben sich schön gemacht. Die Frauen und Mädchen haben feine Gewänder an, selbst die Kleinsten tragen weiße Kleidchen - leider gelingt mir kein Foto davon.
Mir fällt auf, daß es eine ganze Menge großer bunter Skulpturen gibt, in fast jeder Ortschaft. Diese zeigen willkürliche freudige Szenen aus dem Leben. Die gefallen mir, sie sind so natürlich und nicht so verkünstelt!

Kurz nach 1 Uhr bin ich in Quito. Weiter will ich heute nicht, ich habe gestern schon ein Hostel gebucht. Dieses ist schnell gefunden (dank Sonntag ist kaum Verkehr) und entpuppt sich als kleines Juwel. In einem alten gut gepflegten Kolonialhaus mit Parkettboden versteckt sich hinter einem eisernen Tor ein sehr familiärer Betrieb. Sehr freundliche Gastleute, ein hübsches Wohnzimmer, eine kleine Küche. Mein Zimmer liegt in einem separaten Gebäude im Garten, Bad teile ich mir mit ein paar anderen Zimmern. Und das Ganze für unter 20 $ in bester Lage in der Großstadt!

Zum Abendessen bin ich mit Amanda und Kobus verabredet, sie verbringen heute ihren letzten Abend hier in Quito. Die Zeit bis dahin nutze ich, indem ich mich per Taxi erst zum BMW-Händler (mein Navi findet die Adresse nicht) und dann in die historische Altstadt bringen lasse. Dort streune ich ein wenig umher und genieße den ausklingenden Tag. Es war ein großes Fest hier und jetzt sind die Leute müde und gehen langsam nach Hause. Genau richtig für mich: kein Gedränge, kein Krawall, trotzdem fröhliche Menschen. Ein, zwei Kirchen schaue ich kurz von innen an, aber Kirchen sind irgendwie immer und überall gleich; ist nicht mein Ding. Da freue ich mich viel mehr über ein fröhliches Wiedersehen und schönes Abendessen mit den Holländern (Elma & Fred sind anderweitig unterwegs, die beiden Paare müssen sich ab und zu etwas Freiraum verschaffen).




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Sonntag, 1. Dezember 2013

Ecuador

Alles ist gepackt und abfahrtbereit. Startknopf. Orgel orgel - nix geht! Ich bin stinksauer! Was ist des denn diesmal wieder??? Es bleibt mir nichts anderes übrig - ausziehen, abpacken, Zündkerzen anschauen. Die sind etwas rußig aber trocken. Also kein Sprit? Ja, Tank ist leer, war aber noch nicht auf Reserve. Außerdem läuft der Sprit - das kann es also nicht sein. Zündfunke? Zumindest rechts ist keiner da! Gestern war der Tank runter - vielleicht ist da irgendwas passiert? Also, wohl oder übel muß ich Tankrucksack und Tank abbauen, wobei nebenher eine junge Dame irgendeine Unterhaltung über mein Kartenmaterial mit mir führen will. Sie steht einfach immer im Weg, also ignoriere ich sie einfach. Ein bischen an den Zündspulkablen gewackelt - ein Zündkabel ist anscheinend herausgerutscht. Test? Rennt! Allso alles wieder zusmmenbauen, aufsitzen (schmutzige Hände) und Tankstelle besuchen. Hier und heute geht nur Bargeld, also verbrauche ich mein letztes Bares. Ich will ja heute noch nach Ecuador, da paßt das ganz gut. In Ecuador sind wieder mal US-$ das offizielle Zahlungsmittel.

Für die Internetarbeiten finde ich bald ein hübsches Restaurant und gönne mir dort einen warmen Kakao. Natürlich einen echten!!! Als ich das Laptop auspacke, krabbeln zig Minispinnen heraus. Ja, was ist das denn??? Wenn ich sie wegblase kommen neue aus den Tasten und den Bildschirmgelenken. Irgendwo scheint da ein Nest zu sein! In der Laptop-Hülle sind keine Viecher zu sehen.

Wo sind eigentlich die anderen? Ich hatte gestern eine Rundfrage gestartet und heute erfahren, wo die Reisegenossen von der Stahlratte sind. Sie sind alle hinter mir, genießen mehrere Tage in Medellin oder Bogota. Die Holländer haben eine Mammuttour hingelegt und sind mir um einiges voraus, bleiben aber dafür 3 Tage in Quito. Was mache ich anders? Mache ich was falsch? Oder haben wir einfach unterschiedliche Reisestile? Habe ich überhaupt einen Reisestil? Wenn ja, dann hat er sich seit Nordamerika ordentlich geändert.

Heute ist Samstag, da kriegt die Dieselschlange nix zu fressen - sie ist löchrig. Die Fahrt durch die Berge und phantastischen Schluchten ist ein Genuß! Einfach mal wieder nur fahren... Die Sonne scheint, blauer Himmel und angenehme Temperaturen unter 30 Grad. So könnte es einfach bleiben. Die kurvige Straße macht aus den 30 km Luftlinie etwa 120 Fahrt - bis wir in Ipiales, der Grenzstadt zu Ecuador, ankommen. Sie liegt auf 3000 m und erwartet mich mit einem kräftigen Gewitter. Alles dicht machen und bei strömendem Regen an die Grenze. Zum Glück sind sie hier gut organisiert und haben ordentliche Häuser, in denen die Büros untergebracht sind. Es herrscht kaum Publikumsverkehr und da ich die Prozedzur ja mittlerweile gut genug kenne, finde ich auch gleich die richtigen Anlaufstellen. Alles geht flüssig - nur die Dame, die mir für Ecuador eine Versicherung ausstellen soll, scheint keine Lust zu haben. Ihre Tochter präsentiert ihr nebenher ihre Klamotteneinkäufe und Mama muß alles bestaunen und kommentieren. Aber irgendwann habe ich auch diesen Schein. An der Zollstelle sind zwei Kolumbianer vor mir. Sie fahren neue BMW-GS und tragen das Original-BMW-Outfit. Sie schließen mich gleich in ihre Zollformalitäten ein. Eine Kopie muß ich noch  nachmachen - kein Problem. Der Zöllner wartet.

Die Kolumbianer haben beschlossen, zusammen mit mir weiter zu fahren. Einer von ihnen muß ganz bald tanken. Sie wollen heute noch bis Quito (250 km) - es ist kurz nach 3 Uhr nachmittags. Oder sie suchen vorher nach einem Hotel...sie sind genauso planlos wie ich. Eigentlich noch schlimmer, sie wollen bis Ushuaia und wieder zurück nach Kolumbien -in 8 Wochen! Na, ob das klappt??? Ich wollte die Beiden vorausfahren lassen und an der Tankstelle wieder einholen, aber sie warten auf mich. Und dann muß ich kurzfristig vorfahren weil mein Navi den Weg am Besten kennt. Schon liegt eine Tankstelle am Weg - mit langen Schlangen. Nach einiger Recherche die Erkenntnis: hier kriegst Du keinen Sprit, wenn Du kein ecuadorianisches Kennzeichen hast. Zumindest nicht, wenn Du ein kolumbianisches hast. Soweit ich weiß, sind sich die beiden Länder nicht besonders grün. Mein Navi soll die nächsten Tankstellen suchen. Es gibt zwar welche, aber anscheinend ohne Sprit (für Kolumbien). An der dritten Tanke beschließen die beiden, zum Tanken nach Kolumbien zurückzufahren! Schade. Man sieht sich (vielleicht).

Es ist 4 Uhr, aber hier in Tulcan mag ich irgendwie nicht bleiben. Ich hoffe einfach, daß mal wieder ein hübsches Hotel am Weg liegt. Hoffentlich verschätze ich mich nicht wieder. Ich habe Glück und schon bald kommen wir nach Julio Anrade, einer überschaubaren Ortschaft. Von der Hauptstraße aus sieht man die Türme einer hübschen Kirche, also biege ich einfach mal ab und kreuze ein wenig durch den Ort. Was für ein Glück! Ein Hostel-Schild winkt. Es sieht adrett und sauber aus, kostet nur 15 $, hat WiFi und die Lisl bekommt 300 m weiter einen überdachten Parkplatz. Mein Zimmer liegt im 2.Stock, ist geräumig und hat 2 große (!) Fenster ins Freie!
Im Ort gibt es eine Fiesta - d.h. es ist eine Bühne aufgebaut, auf der jugendliche Bands rocken. Hauptsache laut! Und es muß englisch klingen! Musikalität ist nicht gefragt. Arme Ohren! Wenn ich die Fenster schließe, kann ich immer noch mitfeiern, aber bei erträglicher Lautstärke. Und im Kalten; Heizungen kennen sie hier nicht (fast am Äquator) aber auf immer noch 3000 m Höhe haben wir tagsüber nur 20 Grad.


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Samstag, 30. November 2013

Susi macht wieder Quatsch

Lisl - aufwachen! Wir wollen weiter! Sie wischt sich eine Ölträne vom Öldruckschalter und blinzelt mich an. Was? Der Schalter wurde doch in Panama für teures Geld ausgetauscht?! Danach war die Lisl trocken. Bis jetzt! Na, das war aber eine nachhaltige Reparatur!
Die Suche nach einem 36-er Ringschlüssel für das Lenkkopflager setze ich heute fort. Wo immer ich eine vielversprechende Werkstatt am Straßenrand sehe, kehre ich ein. Das Spiel ist immer das selbe und tötet mir irgendwann den Nerv. Obwohl ich sage "ich suche einen 36-er Ringschlüssel" will der Mechaniker zuerst mal wissen wofür. Besichtigung des Lenkkopflagers. Dann kramt er eine Nuß heraus. Obwohl ich abwinke, wird sie probiert. Sie paßt nicht, der Lenker ist im Weg. Dann kommt der Franzose dran - der öffnet immer nur bis 32. Tja, dann haben sie keinen Schlüssel. Ich kann aber jetzt nicht einfach dankend weiterfahren, nein, jetzt muß ich mir 10 min lang erklären lassen, wer wo bestimmt einen passenden Schlüssel hat! Danke. Adios. Wir machen uns wieder auf die Jagd. Die Jagd nach dem Kopf der Dieselschlange. Oder die Flucht vor der hinter mir Fauchenden.
Ich weiß nicht genau wo, aber irgendwann zweigt eine Nebenstraße ab. Sie führt über Bolivar und La Cruz nach Pasto - sagt Google. Mein Navi sagt nix. Auch die Karte kennt sich hier nicht aus. Aber Susi ist mal wieder übermütig und freut sich auf Nebenstraßen. Und es gibt die Straße! Bis Bolivar werden 56 km angekündigt und nach Santiago (das ich aber auf der Karte nicht finden kann) sind es 115 km. Wow! Das ist (fast) perfekt!!! Perfekt ist der nagelneue herrliche Asphaltbelag, perfekt sind die 35-er-Kurven (km/h), perfekt ist die Aneinanderreihung von rechts-links-rechts, perfekt ist der Sonnenschein und die klare Luft. Sogar riechen kann ich wieder - nach Erde und Planzen. Perfekt sind die verschlafenen Dörflein, perfekt ist die Abwesenheit von fahrenden Hindernissen! "Was wird die Strafe dafür sein?" frage ich mich schon. Was soll's, jetzt wird genossen und entspannt! Das denkt auch die Lisl - sie entspannt sich total. D.h. eigentlich den Kupplungszug. Zingggg! Der Zug ist nicht ganz ab, aber er hat sich soweit gelängt, daß die Kupplung nicht mehr ordentlich trennt. Bitte lieber Kupplungszug, halte bis heut abend aus! Diese herrliche Kurvenstrecke ist leider nicht gerade kupplungsschonend. "Fast" sind auch meine Sorgen um das Lenkkopflager und das nichtvorhandene Reifenprofil.
Trotzdem genieße ich. Phantastische Ausblicke - wunderschöne Berglandschaft! Ein paar Wölkchen am strahlendblauen Himmel. Knappe 30 Grad. Fast fange ich schon an zu singen. Da kommt mal wieder eine Baustelle - aber die sind bei dem wenigen Verkehr schnell durchfahren. "Vor der Brücke nach oben!!!" ruft mir der Tafelwärter im Vorbeifahren noch zu - ja, das steht ja auch "Umleitung". Ganz schön schwierig, diese Umleitung. Aber sie ist ja gleich vorbei. Ups, der geschotterte Bergweg führt immer mehr von der eigentlichen Straße weg, wird immer ausgewaschener, steiler und schwieriger! In welchen Hinterhalt haben die mich hier gelotst? Oh, da ist ein LKW vor mir, dann wird das wohl schon seine Richtigkeit haben. Tatsächlich erscheint nach etwa 5 km das Ende der Baustelle. Nicht, daß wir jetzt auf der "richtigen" Straße wären, ab hier darf man wieder 2-spurig fahren. Schwieriger Bergweg. Ortschaft in Sicht! Das muß Bolivar sein. Eine Krezung. Wohin? Die beste Straße fäührt nach links, aber vorsichtshalber frage ich mal. Nein, garantiert nicht links, da hört die Straße auf. Wo ich hinwill? Pasto? Der Mann schüttelr voller Unverständnis den Kopf. Da geht es hier nicht hin. Ich schlage noch 2 Orte vor, die ich auf der Karte finde, und von wo aus Straßen nach Pasto eingezeichnet sind. Ja, San Pablo und San Lorenzo. Da muß ich rechts in die Ortschaft hinunter und dann...den Rest verstehe ich nicht. Aber die Straße ist schlecht - so wie hier. Es sind knapp 50 km. Und ob dort tatsächlich eine vernüftige Straße weiterführt bleibt offen. So ganz einig  über den Straßenzustand sind wir uns nicht. Ob es gefährlich wäre, frage ich. Da schaut sich der Mann um, kommt ganz nah zu mir und flüstert "Gerilla". Er würde dort nicht freiwillig hinfahren. Das sind mir jetzt genug Argumente - ich drehe um! Der Mann ist sichtlich erleichtert, wir verabschieden uns mit einem herzlichen Händedruck und Gottes Segen.
Mir graut ein wenig vor dem schwierigen Rückweg. An der Baustelle warten 3 Mopeds, die lasse ich gerne vor. Die beiden Jungs sind mit ihren Fahzeugen schnell außer Sicht. Dann sind da noch 2 Mädels auf einem Roller, die fahren sehr umsichtig. Ich klemme mich einfach dahinter. Ich glaube, die kennen den Weg genau, sie fahren ihn sicher täglich. Bevor ich mir noch richtig Sorgen machen kann, haben wir es hinter uns - danke Mädels, ihr wart gute Führer! Das Abenteuer wird als "schöner Ausflug in Kolumbiens Bergwelt" verbucht.
Nach 3 Stunden hat uns die Dieselschlange wieder und die Jagd geht weiter. Auf weite Strecken ist die Straße zwar asphaltiert, aber holpriger als eine Waschbrettpiste. Arme Lisl. Bis Pasto werde ich das heute nicht mehr schaffen, es ist schon halb vier. Dummerweise kennen sowohl Karte als auch Navi vorher keine Ortschaft, in der man ein Hotel vermuten könnte. Eine groß angekündigte Raststelle (Tankstelle, Restaurant, Hotel) steht leer und ist abgezäunt. Ich möchte aber unbedingt vor Dunkelheit einen Schlafplatz haben! Gegen fünf Uhr ist wieder ein Hotel angekündigt - ist auch leicht zu finden. Für den Spottpreis von 18.000 Pesos bekomme ich ein großes leeres Zimmer. Doch, ein Bett steht drin. Der größte Luxus ist ein Lüfter. Kaltes Wasser (die Dusche ohne Brausekopf) und natürlich KEIN Internet. Husch, husch umziehen - ich muß noch den Kupplungszug wechseln, solange es hell ist! Hat geklappt und grade gereicht! In der Dämmerung packe ich das Werkzeug ein. Aber jetzt könnte ich ja nochmal einen Versuch "36er-Schlüssel" starten? Diesmal nehme ich einen kleinen Ringschlüssel als Beispiel mit. Man versteht, was ich will, aber erfolgreicher bin ich deshalb auch nicht.
Da mein Hotel kein Internet hat, geh ich mal schauen, ob es in diesem Ort sonst irgendwo ein Netz gibt. Etwas zu Trinken und am Straßenstand ein Würstchen mit Kartoffeln nehme ich unterwegs mit. Ich finde kein Internet, aber auf dem Rückweg einen Dorfplatz, an dem anscheinend etwas geboten wird. Ich setze mich auf die Tribüne und warte. Gegenüber ist ein Podest mit Baldachin und einer Luftballongirlande aufgebaut. Dort wohnt die Technik und die Organisation. Fast eine Stunde lang gibt es Mikroprobe, Ansage, dann wieder Mikroporobe, Musik aus den Lautsprechern, Pfeifen, ohrenbetäubende Musik...ich halte alles aus. Der Ansager ist bis zum Hals zu sehen, der Kopf versteckt sich hinter den Ballons. Dann wieder eine (kopflose) Ansage - irgendeine Schule hat 25-jähriges Bestehen und aus diesem Anlaß gibt es etwas ganz Besonderes erklärt (vermutlich) der Dirketor. Musik. Im Hintergrund üben ein paar Tänzer. 20 min später eine Ansage: Schulgeburtstag und ein ganz besonderes Programm. Musik. Die Ansage...usw. Aber jetzt! Jetzt geht es wirklich los! Ja, mit den übölichen Reden. Und dann mit der Nationalhymne. Und dann kommt die Schulhymne. Und dann müssen alle "happy birthday" singen. Und dann...eine Ankündigung: ein Junge, 9 oder 10 Jahre alt, fein kostümiert und mit breitem Sombrero tritt auf den Platz. Er soll die weitere Moderation übernehmen. Sein Mikro ist stumm. Er wird nocheinmal vom Schuldirektor angesagt - das Mikro bleibt stumm. Der kopflose Direktor übernimmt die weiteren Ansagen. Irgendwann geht der Junge einfach vom Platz. Es werden ein paar Revue-Nummern von den Schulkindern gezeigt. Anschließend tritt ein Pärchen mit einer akrobatischen  Tanzeinlage auf. Danach wird endlich ein heißer Salsa gezeigt. Die machen das toll! Ich freue mich, daß ich so lange ausgehalten habe, obwohl mir der Hintern schon ordentlich weh tut. Mitten im Schritt - Stromausfall!!! Die Musik schweigt. Auch der Ansager. Jetzt mag ich nicht mehr - wer weiß, wie lange so ein Stromausfall dauert....

Freitag, 29. November 2013

Popayan

Im Gegensatz zu meinem Arbeitgeber habe ich eine Dieselstrategie. Oder besser gesagt, eine Dieselruß-Vermeidungs-Strategie. Der Plan ist, früh aufzustehen und vor dem Berufsverkehr aus der Stadt heraus zu sein.
Der Wecker steht auf 6 Uhr. Auf meine innere Uhr kann ich mich nicht verlassen, ich habe derzeit keinen ordentlichen Rythmus und mein Zimmer hat keinerlei Tageslicht. Der Generator hat gestern bis 11 Uhr Strom geliefert und heute morgen um 6 Uhr brummt er auch. Ich kann die Lisl aus ihrem Laden-Zimmer holen und packen. Als ich den zweiten Teil meiner Sachen zusammensuchen möchte, ist der Generator abgeschaltet - es ist ja schon lange hell! Aber doch nicht in meinem Zimmer! Weiß der das nicht? In der Dunkelheit muß ich meine Taschenlampe und dann meine restlichen sieben Sachen zusammensuchen.
Die Taktik funktioniert ziemlich gut. Es ist kaum Verkehr, aber die wenigen Taxis schaffen es trotzdem, Straßen zu verstopfen. Man hält am Besten dort an, wo rechts und links bereits zugeparkt ist. Und dann verhandelt man mit möglichen Fahrgästen - minutenlang! Am Ortsausgang liegen die Containerplätze - da muß ich mich mit ein paar LKWs herumschlagen, aber als ich dann draßen bin, habe ich ziemlich freie Fahrt. Nur vereinzelte Hindernisse, die die Lisl auch ganz schnell hinter sich läßt. Schwarz werde ich trotzdem, denn die entgegenkommenden Schwerlast-Schlangen rußen und stauben auch. Es hängen fest fixierte Dreckwolken über der Straße, Du entkommst ihnen nicht!

Buenaventura. War mit Sicherheit der dunkelste Punkt meiner Reise! Angefangen bei der dunkelgrauen "Luft" und den Wolken auf der Hinfahrt. Dann die total schwarze Hautfarbe der Menschen - meine einbezogen (habe mich möglichst gut angepaßt und getarnt). Dann eine Stadt, deren Häuser vor schwarzem Dreck strotzen. Ein Zimmer ohne Fenster oder Tageslicht - ein schwarzes Loch. Und natürlich der totale Stromausfall, der die ganze Stadt in Dunkelheit taucht. Zu guter Letzt: falls ein Stückchen Strand sichtbar ist, besteht es aus schwarzem Sand!

Ich möchte unbedingt noch ein Foto machen von den Motorraddraisinen! Es ist früher Morgen, aber der Bahnhof ist genauso voller Menschen wie gestern. Ich werde allerdings in Ruhe gelassen - vielleicht strahle ich auch eine gewisse Unnahbarkeit aus? Leider steht keines der Motorräder auf den Schienen - die "Technik" kann ich aber auch so sehr gut betrachten. Ist schon lustig. die haben praktisch eine Holzplattform auf Mini-Stahlrädchen genagelt, obendrauf Holzbänke montiert und das Vorderrad des Motorrads verschraubt. Hinterrad läuft neben der Schiene auf dem Schotter - ist sicher auch nicht schlechter als manche Straße.
Das Perverse bei der Sache ist, daß sie wegen der Luftverschmutzung keine anderen Fahrzeuge in den Park lassen wollen. Aber 200 m daneben verläuft die Hauptstraße, und da hängen die Abgaswolken immer drüber.

Zum Glück muß ich nicht ganz zurück nach Buga, es biegt schon bald eine Straße nach Süden ab. Sie ist kaum befahren und in gutem Zustand. Das ist schön. Zwischen den Bergketten rollen wir dahin. Jetzt, wo ich weiß, wie Kaffee "in echt" aussieht, entdecke ich auch die ganzen Kaffee-Plantagen.

Mein Ziel ist heute Popayan. Ich habe gelesen, das soll eine hübsche alte Kolonialstadt sein. Entfernung gut 250 km, das entspricht meinem Tagesdurchschnitt, ist aber mehr als die ursprünglich geplante Entfernung. Es ist erst kurz nach Mittag als ich dort ankomme. Trotzdem beschließe ich, heute hier zu bleiben - bis zur nächsten Stadt sind es nochmal ca. 300 km, eine ganze Tagesetappe. Außerdem möchte ich mal in Ruhe im Internet surfen und über die vor mir liegende Route nachdenken. Und ich bin müde. Fest geplant ist da ja noch nichts. Ich finde auf Anhieb ein passables Hotel, mache mich dann nochmal auf den Weg in die Altstadt und auf die Suche nach einer Werkstatt. Die Werkstattsuche hat leider nicht das gewünschte Ergebnis gebracht - einen passenden Schlüssel zur Korrektur des Lenkkopflagers gibt es nicht. Beim Altstadtbesuch war ich erfolgreicher. Mit reduziertem Gepäck und der richtigen Einstellung kann man sogar diesen Verkehr aushalten. Wir stürzen uns in's Gewühl der Taxis, Busse, Mopeds, pfeifenden Polizisten, Straßenbauarbeiter und versuchen, möglichst wenig Huppel und Löcher zu erwischen. Ab und zu halte ich zum Fotografieren an - jetzt bin halt ich mal die Blockade... Es gibt einige alte Kirchen, die sehen auch ganz ordentlich aus von außen (innen reinschauen tu ich nicht, da Parkschwierigkeiten und Kirche oft geschlossen). Die Gassen sind gesäumt von niedrigen, weiß getünchten alten Häusern. Moderne und Historie bilden oft einen seltsamen Anblick: neonfarbene Turnschuhe in altem Gemäuer? Oder Kabelwirrwar vor antiken Fassaden?

Hätte ich nur den Wetterbericht nicht gelesen - der kündigt für morgen Regen und Gewitter an. Schöne Vorfreude! Und dann werde ich gebeten, die Lisl hereinzustellen - sie brauchen den Platz vor dem Haus. Ist ja ganz gut, aber die erste Tür ist 70 cm breit, die zweite nur 60 - und meine Lisl mißt ohne Gepäck bereits 80 cm. Erst als ich fast in der Tür feststecke glaubt mir der junge Mann. Die Alternative ist ein Tor zm Schlafsaal. Na Lisl, dann schlaf mal gut!
 

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Donnerstag, 28. November 2013

Kaffee

Noch vor wenigen Tagen habe ich behauptet, ich wäre froh, wenn ich Kolumbien hinter mir hätte. Von diesem Land habe ich außer Regen nur Gefahren und falsche Polizisten erwartet. Jetzt entdecke ich, daß es hier schrecklich viel zu sehen gibt. Das Land ist wunderschön und die Leute sind sehr freundlich, nett und hilfsbereit. Auch nicht aufdringlich. Kolumbien ist kein Abenteuerland mit schrecklich schlechten Pisten, Hinterhalten und Notstand. Die touristischen Attraktionen sind erschlossen und gut erreichbar. Ich glaube, hier könnte ich noch Einiges entdecken.

Endlich gibt es mal wieder ein Frühstück. Das ist selten in den Hotels. Und irgendwo etwas essen mag ich nicht am Morgen, so habe ich mir angewöhnt, morgens einfach ohne etwas auf die Reise zu gehen. Frisch gestärkt freue ich mich also heute auf den "Kaffee-Nationalpark". Bin gespannt, was ich dort lerne. Durch Bananenplantagen geht es zum Kaffeepark! Mir wurde gestern gesagt, der Park öffnet um 8 Uhr, also will ich die Morgenfrische ausnutzen. Ich bin um 9 Uhr dort. Dutzende Kinder in Schuluniform stehen vor dem Eingang Schlange - aha, Schulausflug!? Schön, daß die Kinder etwas über Ihr Land lernen wollen. Ich muß von der Straße runter, links ist ein großes Tor zum Parkplatz. Davor steht Sicherheitspersonal. Sie wollen mich nicht reinlassen, der Park öffnet erst um 10 Uhr! Wieso das denn jetzt? Jetzt bin ich schon angenervt. Eine Eintrittskarte habe ich schon im Hotel kaufen können, der Parkplatz soll extra kosten. Ich suche eine Kasse, um die Gebühr zu bezahlen, aber das Personal will mich nicht vom Motorrad weglassen. Es ist schwül geworden, ich stelle die Lisl erstmal auf den Ständer, ziehe mich aus und verstaue den Regenkombi - sprich, ich mache es mir vor dem verschlossenen Tor für die nächste Stunde gemütlich. Aber das ist auch nicht recht, Angestellte wollen hereinfahen. Plötzlich erlaubt man mir, neben der Kasse hinter einer Hecke zu parken. Nun kann ich auch alles herrichten und die Straßenstände besichtigen. Straßenhändler wollen mir Hüte verkaufen, ein älterer Herr mit Familie spricht mich in perfektem Englisch an und gibt mir ein paar Tips. Endlich ist Einlaß - die nächste Enttäuschung: das ist ja ein Vergnügnungspark a la Disneyland! Darum die vielen freudigen Kinder! Eigentlich will ich gleich wieder umdrehen, aber wo ich halt jetzt schon mal drin bin... Es gibt tatsächlich einen Abschnitt des Parks, der die Kaffeeplanzen, deren Aufzucht und Ernte zeigt. Ich habe mir vorher nicht angesehen, wie Kaffeplanzen aussehen, aber ich hatte eine ganz andere Vorstellung davon! Auch die Verarbeitung der Kaffeebohnen kann man an verschiedenen Stationen kennenlernen. Dann kommt die Station "Kaffeeshow" - neugierig gehe ich hinein und sehe Baletttänzer üben. Schon ist ein freundlicher Sicherheitsbeamter da, der mir erklärt, daß die Show erst um 13:30 Uhr stattfindet und ich hier nicht bleiben darf. Es ist heiß geworden und der Lehrpfad geht durch ein Tal, das man am Ende mit vielen Stufen wieder verlassen muss. Die Sesselbahn ist noch nicht in Betrieb. Kurz vor dem Ausgang gibt es noch ein kleines Museum, in dem weitere Dinge zu lernen sind, das nehme ich noch mit. Dann will ich weiter. Es ist schon fast Mittag und ich bin heute noch nicht weit gekommen. Die Holländer wollen heute bis Buga fahren, vielleicht können wir uns da ja treffen?

Die wunderschöne Nebenstraße von gestern setzt sich heute hier fort; die nächtlichen Gewitter haben die Luft gereinigt. Es erinnert mich an zu Hause, wenn ich manchmal ein kleines Sträßchen durch den Wald finde und denke "das ist ja wie im Urwald!". Hier ist es im Urwald! Hmmmmmmmmmmm!
Auch eine Nebenstraße mündet mal in einer Hauptstraße. Diese soll mich nach Bugla und später Richtung Buenavista führen. Sie ist breit, später sogar oft 3- bis 4-spurig ausgebaut und der Schwerlastverkehr hält sich vorerst noch in Grenzen. Und dann passiert ein schlimmes Unglück! Ich sehe weit vor mir einen Mann über die Straße rennen, er fällt der Länge nach hin und anscheinend verteilt sich was er getragen hat über der Straße. Ich bremse und rolle langsam hin, der Mann rührt sich nicht. Was ich für seine Habseligkeiten gehalten habe, war ein Motorrad mit Beifahrerin, die mich vor höchstens zwei Minuten überholt haben. Sie waren kaum schneller als ich, 70-80 km/h. Die Motorradfahrer sitzen am Straßenrand aber der Mann liegt regungslos auf der Straße. Eine Menge Menschen sind schon zu Stelle und so fahre ich in großem Bogen um die Unglücksstelle herum. Ich verstehe sowieso nichts und möchte, ehrlich gesagt, nicht in Kolumbien in irgendeine Sache verwickelt werden.
Die schrecklichen Bilder gehen mir nicht aus dem Kopf - viele Fragen "warum?" qälen mich. Mein eigener Unfall taucht wieder auf. Geschockt und wie in Trance fahre ich weiter, allerdings ein ganzes Stück langsamer. Ich merke kaum, wenn mich jemand überholt, alles funktioniert nur irgendwie automatisch. Nichts um mich herum kann ich aufnehmen.

Als ich in Buga ankomme, ist es noch zu früh um aufzuhören. Kaum eine Abwägung, einfach nur ein Moment des Zögerns, dann folge ich dem Navi Richtung Buenaventura. So langsam komme ich wieder zu mir und plane den restlichen Tag. San Cipriano habe ich mir vorgenommen - dort soll es Motorraddraisinen geben, die einen zu schönen Wassertümpeln im Dschungel fahren. Der Ort dürfte auf halbem Weg nach Buenaventura (am Pazifik) liegen. Mein altbekannter Fehler schleicht sich wieder ein - ich nehme mir zuviel vor. Ich denke, ich könnte kurz dorthin fahren und dann vor 17 Uhr wieder zurück in Buga sein. Weit gefehlt!!! Ab jetzt wird der Tag einfach nur immer schlimmer...
Schlechte schmale Straße, LKW-Schlangen mit 14 km/h in beide Richtungen, Baustellen über Baustellen, sandige und staubige Abschnitte, Nieselregen, schlammige Gischt. Schlaglöcher ignorieren wir schon lange, die Lisl schluckt sie einfach. Aber jetzt taucht unter dem LKW direkt vor uns ein mehr als 2-faust-großer Stein auf. Zu spät zum ausweichen; Lisl's Vorderrad hüpft ordentlich zur Seite, aber sie fängt sich zum Glück wieder. Die Brille ist blind - kurze Pause, Toilettengang und Brille etwas säubern. Der Restaurantbesitzer dort kennt San Cipriano - ja, ist noch 30 km; sehr schön dort. Nur noch 5 km auf der Hauptstraße, dann biegt eine Nebenstraße ab.
Aus den 5 km werden weiß-nicht-wieviel inklusive weiterer 3 Baustellen. Irgendwann entdecke ich zwischen den LKWs ein Hinweisschild - die Abzweigung sieht aus, als ob sie nur zu ein paar Häusern führen würde. Es sind schäbige schmutzige Hütten. Die meisten Menschen hier sind dunkelhäutig - bisher haben fast alle Kolumbinaner weiße oder helle Haut gehabt. Neben mir taucht ein Moped mit 2 schwarzen Jungs auf - sie belabern mich ohne Ende und lotsen mich die Nebenstraße hinunter. Hier stehen tatsächlich die Draisinen. Mittlerweile stehen 5 Kerle um mich rum, einer schreit lauter als der andere, sie rufen noch weitere Menschen hinzu. Ich halte mir die Ohren zu! Es dauert lange, bis ich verstehe, was Sache ist. San Cipriano ist ein Naturreservat, zu dem man nur mit diesen Draisinen kommt. Es sind ca. 20 min Fahrt und sie lassen es sich ordentlich bezahlen. Meine Lisl kann nicht mitkommen, sie muß hierbleiben. Alle möglichen teuren "Garagen" werden mir angeboten, vom Ziegenstall bis zum Wohnzimmer. Ich müßte mein Gepäck mitnehmen. Ob es dort oben dann wirklich Hotels gibt und ob die mich haben wollen und ob sie mir gefallen, steht alles in den Sternen. Mir ist sehr unwohl! Die Menschen hier finde ich sehr aufdringlich. Liegt die Mentalität an der Hautfarbe? Oder bin ich heute einfach nur schlecht drauf? Nein, sagt mein Bauch, das mach ich nicht. Ich bedanke mich und fahre zurück auf die Hauptstraße. Es ist jetzt schon nach 16 Uhr; keine Zeit zum Zurückfahren nach Buga. Bleibt nur noch Buenaventura. Das ist eine große Hafenstadt am Pazifik - da muß es ja haufenweise nette Hotels geben.
Und schon begrüßt mich ein verblaßtes Schild in Buenaventura. Bis zum Meer sind es aber noch 20 km! Ach Du liebe Zeit - schon wieder hektische Stadt! Nach dem ersten Nadelöhr läuft es zum Glück ganz passabel. Bis ich im Zentrum auf einer Halbinsel ankomme. Es ist der Horror! Schreckliche Häuserfassaden, schwarz auf dem ehemals weißen Putz, überall Leitungen kreuz und quer, eingefallene Gebäude, an jeder Straßenecke riesige Löcher oder Baustellen. Ich gerate anscheinend auf eine reine Omnibusstraße, ich werde angeschimpft. Bis zu Uferpromenade möchte ich mich durchkämpfen - aber die gibt es nicht. Der Blick auf das Meer ist verbaut durch Kasernen, Frachtplätze oder andere heruntergekommene Gebäude. Heiß. Dreckig. Wahnsinnig laut. Eng. Ich bin total genervt. Da prangt ein großes Hotelschild an einem ordentlichen Gebäude. Die Tür ist verschlossen. Ein Autofahrer will helfen, er kennt ein günstiges Hotel in der Nähe. Sie haben nicht mal einen Lüfter im Zimmer, kein Internet und vor allem keinen Platz für die Lisl. Dierkt nebenan dröhnt etwas so schrecklich laut, daß man kaum sein eigenes Wort versteht. Jetzt platzt mir der Kragen! Das wird nichts. In der Nähe sehe ich noch 2 oder 3 Hotelschilder - der Mann verabschiedet sich und ich gehe auf Fragetour. Ich habe etwas Angst, weil ich oft in den ersten oder zweiten Stock zur Rezeption muß und meine Wertsachen alle auf der Lisl bleiben. Machen wir es kurz: alles ist gleich schlecht. In der ganzen Stadt herrscht Stromausfall - Zimmer werden mit der Taschenlampe besucht. Ich entscheide mich für das Hotel über dem schrecklich lauten Stromaggregat (das dazu gedient hat, per elektrischer Beschallung die Menschen in der Kirche im Erdgeschoß in Esktase zu versetzen). Das Aggregat wird gerade abgeschaltet - eine himmlische Ruhe kehrt ein! Angeblich haben sie hier von 18 bis 23 Uhr Strom! Die Lisl? Es wird lange gezeigt und geschrien. Schließlich geht eine Helferin voraus in die nächste Querstraße und schließt ein klappriges Rolltor auf. Die Lisl darf in einen gefließten Raum. Ich werde morgen erfahren, was mich das kostet. Es ist mir momentan egal.

Der Schweiß rinnt an mir herunter und hinterläßt auf meinem verrußten Gesicht helle Spuren. Die Senora an der Rezeption lacht sogar - ich muß schrecklich aussehen. Aber seht selbst....
Mein Zimmer ist eine fensterlose Zelle. Die Waschbeckenkontrolle hat "Wasser ja" ergeben, aber der Nachhaltigkeitstest in der Dusche ist enttäuschend. Jeder Tropfen, der die Duschleitung ohne Brausekopf verläßt, wird von mir gierig aufgefangen! Selbst nach 3-maligem einseifen hinterläßt mein Gesicht auf dem Handtuch noch graue Spuren. Die Duschabkühlung hilft nur kurz, im Zimmer ist es schwül. Ich entdecke eine Klimaanlage, aber ich kann sie nicht zum Leben erwecken. Das Notstromaggregat liefert nicht genug Power. Ich will weg hier!



PS: Ich habe am 14.11. noch einen Eintrag vergessen, wer möchte kann dort nochmal nachschauen...

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=jcyxuvasumwmrztz

Mittwoch, 27. November 2013

Regen im Regenwald

Gleich am Morgen muß ich tanken, bin schon auf Reserve. Direkt angrenzend sichte ich eine Werkstatt. Es dauert eine Zeitlang, bis passendes Werkzeug für Lisls Lenkkopflager gefunden ist. Ich weiß, daß man das Lager mit viel Gefühl einstellen muß! Mein Schraubenschlüssel für die Kontermutter ist etwa 1/2 Meter lang, die Nutmutter für das Spiel muß ich mit Hammer und einem zu dicken Meißel einstellen. Wie soll da Gefühl aufkommen??? Eine Kontrolle gibt es im Stand bei eingebautem Lenker und unebenem Untergrund auch nicht wirklich. Das ist einfach nur raten... Schon wenig später am nächsten 3200 m Paß zeigt sich, daß das "Gefühl" etwas zu stramm geworden ist - die Lisl ruckelt jetzt um die Ecken. Die Reifen sind auch nicht mehr die Besten, besonders der vordere.

Der Paß ist herrlich! Er wäre noch viel herrlicher, wenn ich die Fahrt genießen könnte und mich nicht mit "carga larga"-Schwertransportern rumschlagen müßte. Die schönsten Bilder kann ich nur für Sekundenbruchteile in mir aufnehmen - fotografieren ist unmöglich, wenn Du grade mitten in einem Überholvorgang von 30 LKWs bist, die mit 25 km/h die Luft verpesten. Und dann stehen sie ganz still! Wann immer möglich, kämpfe ich mich am Stau vorbei bis ich vorn an der Baustelle ankomme .Das kann dauern. Die Tafel-Wärterin funkt gerade. Und dann ergießt sich ein Wortschwall über mich. Ich verstehe nur aus einer kleinen Handbewegung, daß ich fahren soll und ein Wort: "rapido". Also Lisl - gib Gummi!!! Yeah! Wir sind durch. Die LKW-Schlange muß warten. Vor mir herrscht freie Fahrt! Ich glaube, die Dame hat mein Gebet erhört. Ist das herrlich, ohne Verfolger im Nacken und ohne Hindernisse vor uns den Paß hinaufzujuckeln! Kurz vor dem höchsten Punkt ist Polizeikontrolle. Eine freundliche Frage woher/wohin...ich lege gleich los in radebrecherischem spanisch, daß ich nach Solento wolle. Ansonsten verstehe ich nichts. Der Herr Polizist grinst freundlich, klopft mir auf die Schulter und wünscht mir eine gute Fahrt!

Im Cocoratal hinter Solento soll es die seltenen Wachspalmen geben, die höchsten Palmen überhaupt. Eine sehr schmale asphaltierte Straße führt in engen Kurven dorthin. Als ich am Eingang zum Nationalpark ankomme, werde ich auf einen Parkplatz gewiesen. Eintritt scheint der Park nicht zu kosten. Der Parkplatz gehört zu einem Restaurant; der freundliche Einweiser gibt mir allerlei Informationen auf "spenglisch". Auf diese Weise komme ich ganz schnell an ein Pferd, was ich eigentlich wollte. Der Einweiser und der Pferdemensch freuen sich - für eine Stunde kostet es 28.000 Pesos (ca.13 €) inklusive Führer. Man bietet mir noch einen Regenponcho an, den nehme ich aber nur zur Sicherheit mit. Der Führer ist zu Fuß, ich zu Pferd. Er geht unsichtbar hinterher und lenkt heimlich das Pferd. Es tut genau, was er sagt. Mich braucht es gar nicht. Nach einem kurzen Anlauf auf einem befahrbaren Erdweg, wird es steinig und holprig. Wir kreuzen an einem Wehr den Fluß um kurz danach steil über Felsbrocken nach oben abzubiegen und etwas weiter oben erneut durch den Fluß zu reiten. Hier ist er tief und reißend, aber das Pferd tut, als ob nichts wäre. Überhaupt ist es sehr trittsicher und kraxelt über Felsen und Bäume, wo ich zu Fuß Schwierigkeiten gehabt hätte. Unsere eigenen Pferde hätten hier bestimmt keinen einzigen Fuß hingesetzt! Als wir losgeritten sind hat es gedonnert. Kaum sind wir im Wald, fängt es an zu regnen. Am Umkehrpunkt vor einem extrem steilen glatten Felsen baden wir in einem Wolkenbruch. Den Kunststoffponcho habe ich schon lange an - er hat keine Ärmel, eine ganz enge Kapuze und reicht weit über die Beine. Es regnet herein! Das Wasser läuft mir den Hals hinunter und an den Waden entlang. Armer Kameltreiber! Muß die ganze Strecke in Gummistiefeln rennen. Meine Fotos sind leider alle verwackelt - das Pferd war einfach zu schnell (oder der Regen zu heftig)! Anhalten konnte ich nicht, das Pferd hat ja nur auf den unsichtbaren Kameltreiber gehört. Und ich dummes Huhn hatte zwar meine Helmkamera dabei, aber vergessen sie zu benutzen! So werden die Bilder und Eindrücke wohl mein Geheimnis bleiben...

Als wir zurück sind, verziehe ich mich in's Restaurant um mich und die trotz Poncho nassen Klamotten zu trocknen. Aber es ist saukalt, da trocknet nichts. Der Besitzer, ein junger englisch sprechender Mann, gibt mir eine Decke zum Wärmen und bietet mir an, so lange ich will hier zu bleiben. Natürlich auch über Nacht. Ich dürfte auch hier zelten - aber bei dem Wetter??? Er könnte ja ein Zelt aufstellen, in das ich dann mein Zelt stelle - haha! Der Mann hat lustige Ideen! Seine Freundin gesellt sich zu uns und wir sprechen über Motorräder, die Panamericana und meine Reise. Er würde auch gerne diese Reise machen; mit seiner Freundin. Vielleicht kommt er ja mal nach Deutschland und besucht mich? Eigentlich möchte ich warten, bis es aufhört zu regnen, aber es fängt schon wieder an zu donnern. Momentan hat der Regen nachgelassen und so eile ich zur Lisl, um meine Regenklamotten anzuziehen. Restaurantbesitzer und seine gesammelte Mannschaft an Einweiser, Kameltreiber, Bedienung begleiten mich und staunen, was Senor Chef alles über mich und die Lisl erzählt! Adios! Nur 2 mal hupen, nicht winken, denn das Gelände ist schwierig.
Die Rückfahrt auf der mittlerweile überschwemmten und mit Laub und Ästen gespickten Straße ist wieder mal ein Blindflug mit beschlagener Brille, also etwa Schritttempo. Nach 9 km in Solento trockne ich den Beschlag mal kurz, jetzt wird auch das Wetter etwas trockener. Bald sind wir wieder auf der Autobahn - ringsum Wolken und Gewitter, aber hier ist es trocken. Nächstes Ziel ist der Kaffeepark - bin mal gespannt, was ich dort lerne. Aber der hat erst morgen früh wieder offen. Ich werde heute zumindest bis in die Nähe fahren, das paßt auch zeitlich ganz gut.

Montenegro. Erreiche ich über eine kleine betonierte Nebenstraße, die auf einem Kamm entlang führt. Zwischen Bananenplantagen liegen in paar kleine Ortschaften am Weg, eigentlich sind es nur ein paar Häuser. Aber die sind sehr adrett und haben meist einen hübschen Garten. In Montenegro holt mich wieder die städtische Realität ein - Staub, Ruß, Krawall, Chaos. Ich kann mich daran einfach nicht gewöhnen. Hotelsuche. Ich frage mal an der Tankstelle und folge der Empfehlung. Eigentlich gibt es hier nur Betten in dunklen Zellen. Ein anderes Hotel liegt nicht weit weg - ein 3-stöckiger Bunker. Gefällt mir auch nicht. Außerdem hat die Lisl keinen Platz. Ja, es gibt noch ein "besseres" Hotel und da werde ich per Fahrradführer hingelotst. Ist hübsch, sauber, inklusive Frühstück - super. Ok, hat seinen Preis. die Lisl findet gegenüber in einem abgesperrten Hof einen überdachten Platz. Das Hotel arbeiet nicht mit dem Schlepper zusammen, darauf legen sie Wert; so geht er leider leer aus. Während der Aufnahmeformalitäten wird mir eine Tasse ganz leckerer Kräutertee serviert, weil ich ja keinen Kaffee trinke (hier im Herzen des kolumbianischen Kaffeeanbaus!). Es ist nicht weit bis zum Marktplatz. Ein kurzer Spaziergang zum Geldautomaten und Supermarkt? Als ich fast dort bin fällt mir ein, daß ich ja den Foto hätte mitnehmen können! Dann lasse ich halt einfach alles mal so auf mich wirken. Die Straßenhändler im Park, die sich mit Einheimischen unterhalten, die Musik aus den Bars und Restaurants, die bunten Lichter (es wird grad dunkel) und die Auslagen. Die Jungs von der Stahlratte hätten an den Atombusen der Schaufensterpuppen hier ihre helle Freude gehabt! Im Supermarkt kaufe ich nur Getränke; ich habe nicht einmal Lust, etwas zum Naschen zu kaufen, obwohl es sogar Weihnachtsgebäck gibt! Bin ich krank?
Die große Kirche am Platz ist geöffnet und Musik dringt heraus. Ich geh einfach mal reinschauen. Es ist gerade Gottesdienst und einige Leute besuchen ihn. Ich verstehe nichts, aber ich genieße ein paar Momente der Einkehr und des Schwach-sein-dürfens.

Zurück im Hotel gibt es wirklich eine warme Dusche (nur warm nicht heiß). Man hat mir noch eine kuschelige flauschig-weiche Decke hingelegt. Erfrischt setze ich mich auf's Bett um den Blog zu schreiben. Draußen blitzt und donnert es - endlich mal wieder ein Gewitter! Es ist wohl direkt über uns, kracht fürchterlich, ab und zu fällt der Strom aus und natürlich gießt es! Ich bin ja gespannt, wann ich wieder mal guten Gewissens zelten kann...

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=wpeeqvbkujqjwccw