Donnerstag, 30. Januar 2014

Brummmmmmmmmmmmmmm

Jetzt sind wir schon mal hier auf der (Halb-)Insel, dann wollen wir auch die Pinguine sehen! Auch wenn wir dafür 150 km Piste vor uns haben - eigentlich eine ganze Tagestour. Ich möchte gerne ganz früh losfahren, das Zelt stehen und das Gepäck darin lassen. Gegen Mittag zurückkommen, Zelt abbauen und weiterfahren. Pavel hat mich jedoch überredet, das Gepäck an der Rezeption abzugeben, damit wir nach der Rückkehr schnell weiterkönnen.
So verlieren wir am Morgen etwas Zeit, bis alles gepackt ist. Und natürlich - ist die Rezeption geschlossen. Also muß ich jetzt doch das ganze Gepäck mitschleppen - ich bin stinkig. Pavel wird im Waschraum die Toilettentasche gestohlen - auch er ist stinkig. Der Campingplatz war einfach schlecht und teuer. Kein guter Start für den Tag.

Die Piste ist breit und fest; oft Waschbrett; gut geschottert und manchmal sandig. 60-70 km/h sind angesagt. Ich fühle mich dabei ein wenig unsicher, aber der Lisl bekommt die Geschwindigkeit ganz gut. Ab und zu rutscht das Vorderrad etwas weg aber zum Glück fängt sich die Lisl immer wieder. Schon früh um halb zehn sind wir so die ersten Besucher an der Pinguinkolonie. Diesmal kann man sogar bis direkt dorthin fahren. Die Pinguine bevölkern den Strand und die ganze Klippe dahinter bis hinauf zu unserem Aussichtspunkt. Sie haben sich viele Höhlen und Kuhlen in den Sand gegraben, um sich vor dem Wind zu schützen. Am Strand und im Wasser tummeln sich ganz viele von ihnen- sie haben ihren Spaß! Ganz sportliche wandern im Eilschritt die Klippe hoch, um dann plötzlich stehen zu bleiben und in der Sonne zu erstarren. Ein Krawall herrscht hier, sie schreien etwa so wie Esel, etwas asthmatisch.
Nach einer halben Stunde haben wir genug gesehen, jetzt geht es noch 5 km weiter zu den See-Elefanten. Am Aussichtspunkt gibt es eine Rangerstation, ein Restaurant und noch ein paar Gebäude. Alles geschlossen und verriegelt. Auch hier sind wir die ersten. Ein Weg führt ein Stück die Klippe hinunter, weiter darf man nicht. Unter uns lümmeln nur wenige Tiere am Strand herum, ein einziger Elefant treibt sich im Meer herum. Er dümpelt hierhin und dorthin, dann spielt er etwas, winkt mit den Flossen, sonnt seinen Bauch. Viel können wir von hier aus allerdings nicht erkennen. Die anderen Tiere liegen wie Steine oder totes Holz am Strand. Kein Geschrei oder Getümmel. Es ist etwas enttäuschend im Vergleich zu den Seelöwen gestern.

Ok, das war's. Zurück und tanken - Pavels Java schafft nur kurze Strecken. Mittlerweile sind die anderen Touristen aufgewacht und kommen uns scharenweise entgegen. Wo möglich, nutzen wir die ganze Fahrbahn und fahren versetzt, damit der Hintermann nicht den ganzen Staub schlucken muß. Aber manche von diesen Touris sind echt blöd! Obwohl sie komfortable und leicht beherrschbare Autos fahren, kommen sie uns auf unserer Seite entgegen und zwingen uns in den tiefen Schotter. Auf ihrer Seite ist noch massenhaft Platz! Die Guanacos haben sich mittlerweile verzogen, dafür kreuzen 2 Pferdeherden unseren Weg.
Puerto Piramides ist ein Touristendorf mit vielen Unterkünften und Restaurants. Was Ordentliches einkaufen kann man hier nicht, ganz besonders keine neue Zahnbürste!

Die Ruta 3 ist soooo öde! Wie schon die letzten Tage gibt es NICHTS zu sehen! Keinerlei Abwechslung. LKW-tauchen. Der Wind ist heute stärker und kommt von vorne, was besonders unangenehm ist. Er rüttelt und schüttelt an allem was er greifen kann, ich werde ordentlich gebeutelt. Pavel läßt einmal absichtlich einen LKW überholen und klemmt sich dann in seinen Windschatten. Für mich ist das nichts. Es ist zum Einschlafen! In Sierra Grande steuern wir die nächste Tankstelle an. Literweise kippen wir Cola gegen austrocknen und einschlafen in uns hinein. Jacke, Helm, Handschuhe und Brille hängen wie üblich an der Lisl. Plötzlich wird es trüb, nichts ist mehr zu sehen. Die Ladentür springt auf und eine dichte Staubwolke drückt herein! Ein Sandsturm. Der ganze Raum ist staubgefüllt - wie wohl der Helm aussieht? (kann man sich ja denken)
Das Thermometer klettert über 41 Grad! Vor wenigen Tagen hatten wir noch Frost!

Wir beschließen, bis San Antonio zu fahren, dort gibt es sicher neue Toilettenartikel für Pavel. Außerdem ist dort ein Strand eingezeichnet, mal schauen, ob wir dort einen hübschen Platz zum zelten finden. Morgen werden sich unsere Wege trennen - Pavel wird an der Küste bleiben, ich möchte direkt nach Norden fahren, um erst weiter oben Richtung Osten abzubiegen. Die Straße verläuft kerzengerade, also wird mich weiterhin Langeweile erwarten. Aber vielleicht ist ja im Inland dafür nicht so viel Wind?

In Las Grutas, dem Strandort von San Antonio, schwanken wir zwischen "günstig zelten" und "staubfreiem Hostel". Zuerst wollen wir den Zeltplatz begutachten. Ich verstehe, daß wir für einen Platz (auch wenn wir 2 Zelte draufstellen" 55 Pesos bezahlen. Das klingt sehr gut. Pavel versteht, daß jeder von uns 55 Pesos zahlen muß, auch das ist für ihn in Ordnung. Dusche und WiFi inbegriffen. So bleiben wir einfach. Auf einer winzigen staubigen Parzelle quetschen wir unsere Zelte zwischen ein schon vorhandenesFamilienzelt und ein Wohnmobil. Die Mopeds müssen mit dem Einparken warten, bis sich das Wohnmobil wegbequemt. Als wir zum zahlen wieder an die Rezeption kommen, lautet der Preis: 55 Pesos pro Zelt und zusätzlich 55 Pesos pro Person!! Nein mein Freund, so haben wir nicht gewettet! Irgendwann wird es dem Kerl zu dumm, mit Händen und Füßen mit uns rumzustreiten, jeder zahlt 55 und wir beschließen, daß das reicht. So eingeklemmt zelten - das hasse ich! Genau vor dieser Enge bin ich doch jetzt fast 6 Monate davongelaufen! Die Nachbarn sitzen praktisch mit im Zelt und musikberieseln uns von allen Seiten. Als Sichtschutz muß ich jetzt trotz Hitze das Überzelt aufziehen.

Einkaufen? Ja, aber keine Zahnbürste. Die gibt es nur in der "Farmacia". 4 Mädels versuchen, herauszubekommen, was Pavel mit Zeichensprache erklärt. Es kommt richtig Stimmung auf! Wir lachen alle bis er alles zusammenhat. Die Drogerie ist in der "Einkaufsmeile" - das sind etwa 100 m Fußgängerzone, wo das Kaff  "große Welt" spielt. Direkt dahinter ist der Strand. Aber das ist ja schlimmer als die Seelöwenkolonie! Total übervölkert ist das hier! Genau wie auf dem Campingplatz. Als ob es hier nicht genügend Platz gäbe!!!

Jetzt kommt doch tatsächlich noch ein Kontrolleur, der an jedem Zelt ein Märkchen sehen will! Bezahlt haben wir ja, aber keinerlei Quittung oder Nummer bekommen. Bin mal gespannt, was noch alles passiert hier!

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ulpyfqngbcbxyflj

Mittwoch, 29. Januar 2014

Es wird nicht besser...

Aufstehen kurz nach 7 Uhr - Pavel etwas später. Er frühstückt nicht, so ist er schneller fertig. Wie wir hier raus kommen? Keine Ahnung, ich lasse Pavel den Vortritt. An 3 Stellen versucht er es, immer gräbt sich seine leichte 350er ein. Dann in eine andere Himmelsrichtung - nix. Den Weg zurück, den wir gekommen sind - aber in einer großen Schleife. Ja, das geht, aber er schlenkert ordentlich. Und er schnauft schwer! Ohne Gepäck versuche ich es. Erst oben auf der Kante gräbt sich die Lisl an einer Mulde ein. Nix geht weiter - Pavel hilft ziehen und jetzt kommt die Lisl langsam frei. Geschafft! Gepäck hochtragen, aufpacken, fertig! Muß man auch wieder so einen Blödsinn anstellen?

Auf nach Trelew - dort möchte ich ein Sauriermuseum besichtigen. Elli und Benedikt haben gesagt, das wäre seehr schön und vielleicht das Größte auf der Welt. Pavel hat sich entschlossen, doch nicht vorauszufahren, sondern mir weiterhin Gesellschaft zu leisten. Mein Navi findet das Museum leicht, allerdings verliere ich Pavel mal kurz - er hat Probleme mit der Batterie. Das Museum ist hübsch gemacht und zeigt viele Skelette. Allerdings sind sie nicht echt, sondern aus Kunststoff. Auch ist es nicht groß, nach einer Stunde haben wir schon alles intensiv gesehen. Wir setzen uns noch ein wenig in die Cafeteria. Aber heute bitte nicht so lange! Schwungvoll stehe ich auf. Doing!!! Autsch, was war das? Ein Fernseher hängt direkt über mir - seine Ecke hat ein blutendes Loch in meinem Kopf hinterlassen. Wenn man einmal keinen Helm aufhat! Ich muß mich kurz auf den Boden legen, bis der Kreislauf wieder funktioniert, Pavel besorgt einen nassen Lappen zum kühlen. Ok, geht wieder.

Nächste Station - tanken. Der Tankwart mag Pavels Ölflasche nicht mit Sprit füllen, aus Sicherheitsgründen darf er das nicht. Pavel regt sich schrecklich auf - ich schnappe mir die Flasche kurzerhand und fülle sie an der Lisl. Danach tanken wir halt die Lisl auf. Durchlauf-Kuh!

Nächstes Ziel ist die Halbinsel Valdes. Nationalpark mit Seelöwen, See-Elefanten und Pinguinen. Ab Trelew ist die Straße vierspurig, eine Autobahn. Allerdings in desolatem Zustand. Und auch nur ein kurzes Stück. Dann ist Stau. Viel bewaffnete Polizei steht herum - was ist da los? Wir müssen lange warten, da hilft es auch nicht, wenn Pavel mit dem Polizisten streitet. Dann werden alle mittlerweile aufgelaufenen PKW von der Polizei eskortiert und an einer ewig langen LKW-Schlange vorbeigeleitet. Was war das? Vermutlich irgendeine Demonstration, die LKWs haben die einzige Straße hier blockiert. Allerdings bleibt die Botschaft unsichtbar. Zur Insel hinaus sind es nochmal 80 km, die wir später wieder zurückfahren müssen. Eintritt 130 Pesos. Und dann sehen wir  - nichts! So wie die letzten Tage. Gras, Büsche, Zaun, Straße - nichts!
Puerto Piramides ist die einzige Ortschaft und auch nur hier darf man campen auf dem städtischen Campingplatz. Aber was sie uns hier anbieten ist echt eine Frechheit: 80 Pesos und dann ein tiefsandiger riesiger Platz in der prallen Sonne! Duschen sind im Preis inbegriffen aber nur von 7-9 Uhr offen. Bis wir einen genehmen Platz gefunden haben, hat sich meine Lisl 3 mal eingegraben und ein paar mal fast auf die Nase gelegt.

Um zu den Tieren zu gelangen muß man die Halbinsel abfahren - mindestens 150 bis 220 km auf Piste. Und vermutlich sandig. Mir graut! Aber wenn ich schon mal hier bin, dann gehört das dazu! Nach einem frühen Abendessen (Tomaten- und Gurkensalat) fahre ich noch 5 km zum nächsten Platz, an dem man Seelöwen beobachten kann. Die machen vielleicht ein Gebrüll! Die Machos bellen einmal kräftig, dann ist Ruhe im Karton! Die Kleinen, die in diesen Wochen gerade zur Welt kommen, blöken wie Lämmchen. Und der Rest brüllt irgendwas dazwischen. Ich verweile ein Stündchen dort, dann ist Duschzeit. An der Tankstelle versuchen wir anschließend noch vergeblich, Internet zu bekommen, der Router ist kaputt. Tja...

Ach ja, die seltsamen Schweine-Hasen-Känguhruh-Tiere heißen Mara. Und es gibt sie nur hier in Patagonien.

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=nicvdlfrepigqner

Dienstag, 28. Januar 2014

Wann sind wir endlich da?

Um halb sieben rumort es drüben im anderen Zelt. Eigentlich habe ich auch ausgeschlafen, also stehe ich auf. Pavel hat schon wieder fast alles eingepackt, aber ich darf trotzdem gemütlich machen und auch noch frühstücken. Um 8 Uhr sind wir schon unterwegs. Der Wind läßt heute nicht lange auf sich warten und auch verkehrstechnisch ist einiges los. Lange Zeit fährt ein Bus ganz dicht hinter mir her, bis er endlich überholt; Pavel überholt er dann bei Gegenverkehr. Blöder Bus!
Kurz darauf ist Polizeikontrolle. Wir verlassen einen Bundesstaat. Allerdings wurden wir als Touristen noch nie in Argentinien nach Papieren gefragt. Vielleicht sieht Pavel so gefährlich aus? Auf jeden Fall werden wir beide herausgewunken und müssen samt Papieren in die Station gehen. Erst nach 2 Minuten erscheint dort ein junger Mann. Peinlichst genau schaut er die Pässe und Fahrzeugpapiere an, dann klopft er schrecklich viele Daten in seinen Computer. Lust hat er gar keine! Sonst wollen sie nichts von uns. Das war's.

Es ist noch viel langweiliger als gestern! Was war in Nordamerika auf den langen einsamen Straßen, z.B. der "einsamsten Straße der Welt" anders als hier? Es ist nicht die Landschaft, nicht die Vegetation, nicht das Wetter, nicht die An- oder Abwesenheit von Zäunen. Ich glaube, es war einfach die Zeit bzw. meine Einstellung. Am Anfang der Reise war ich noch auf der Flucht. Ich hatte das Gefühl von Freiheit auf diesen einsamen Straßen. Keine Zwänge, kein Alltagsstreß. Jetzt hab ich genug davon. Wenn wir nicht ab und zu Tankstops einlegen müßten oder dürften...Pavel muß alle 150 +/- 20 km tanken. Oft genug passiert das mitten in der Pampa am Straßenrand (er hat Flaschen mit Benzin und Öl dabei). Jede Tankstelle wird angefahren. Mitten am Vormittag erwischen wir eine große Tankstelle. Kurze Pause. Ich teste mal das WiFi - gut. Also machen wir eine Pause. Pavel lädt etwas Größeres herunter, also wird die Pause lang. Da bekomme ich Hunger auf das Mittagsmenü, das mittlerweile gereicht wird. So  wird die Pause eben gaaaaanz lang! Jetzt werde ich auch noch müde! Mittagsschlaf?

Auf Pavel, in den Kampf! Laß uns ein paar Guanacos scheuchen und Busfahrer ärgern.Erst mitten am Nachmittag steigen wir unlustig wieder auf die Bikes. Wir fechten mit dem Wind, der uns beim Bergauffahren von vorne erwischt und manchmal einen ordentlichen Seitenhieb verpaßt. Aber wir bleiben trotzdem Sieger! Er fegt uns nicht von der Straße; und das LKW-tauchen kann sogar richtig lustig sein.
Guanacos scheuchen gelingt uns leider nicht - es gibt nämlich keine! Selbst denen scheint es hier zu langweilig zu sein, sie haben sich anscheinend einen anderen Spielplatz gesucht. Dann müssen halt ein paar Nandu-Familien herhalten und auf der Fl.ucht vor uns Federn lassen. Wie die sich aufplustern und mit den Flügeln schlagen! Lustig.
Aber Busfährer ärgern, das klappt. Allerdings erst, als endlich einer aufgelaufen ist und ewig nicht überholen kann, weil er nur unwesentlich schneller ist als wir.

Im linken Straßengraben grasen 3 Tiere, sehen aus wie halbwüchsige Wildschweine. Wirklich? Das muß ich genauer sehen - Umkehr. Als wir näher kommen, heben sie die Köpfe, stellen die Ohren auf und mustern uns neugierig. Jetzt sehen sie aus wie große Hasen! Wir halten an, ich zücke den Foto - das ist das Zeichen für Flucht! Die hüpfen ja davon wie Känguruhs?! Wir müssen laut lachen. Ich weiß nicht, wie diese Schweine-Hasen-Känguruh-Viecher heißen, aber ich werde es schon noch herausbekommen.

Es gibt noch mehr neue Tiere (abgesehen von den vielen unindentifizierbaren Kadavern). Zuerst nur eines, dann immer mehr - eine Art Hühner. Sehen ein bischen wie Fasanen aus, sind aber grau und haben ein Federkrönchen auf dem Kopf. Und dumme Hühner sind es - laufen einfach ganz gemütlich über die Straße. Zu spät kann ich reagieren, ich versuche noch, zwischen den beiden letzten durchzufahren, aber anscheinend habe ich eines erwischt. Tod in der Abendstunde!

Zelten wollen wir. Es gab schon zwei Tankstellen, die einen schönen großen Platz direkt nebenan hatten. Bei der nächsten wollen wir übernachten. Natürlich kommt jetzt keine mehr! Nächste Tankstelle ist in Trelew, noch ca. 70 km - sagt mein Navi. Und neben der Straße gibt es ja bekanntlicherweise nichts! Keine Estanzia in Sicht. Keine Nebenstraße zweigt ab. Zu guter letzt landen wir direkt neben der befahrenen Hauptstraße in einer kleinen Sandgrube. Von der Straße nicht einsehbar. Runter komme ich ja (mit Mühe) - aber ob und wie wir morgen wieder rauskommen, davon habe ich keine Ahnung! Pavel, der Enduro-Rennfahrer, hat uns hier reingelotst, er muß uns morgen auch wieder befreien. Unter der dünnen Geröllschicht lauert nämlich bodenlos tiefer mehliger Feinsand! Kaum haben wir abgepackt hat uns der Wind schon wieder entdeckt! Mist, war unser Versteck doch nicht so gut?

Die Route will heut mal wieder nicht geladen werden.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=mupdxuxcagmaszxb

Montag, 27. Januar 2014

Asphaltsurfing

Wir haben uns gestern abend verabschiedet, weil Pavel früh weg und ich ausschlafen wollte. Wie immer, kommt es anders... Als ich um halb neun Uhr aufstehe, ist bei Pavel noch alles still. Auf dem Campingplatz sind sogar die Toiletten noch verschlossen! Gemütlich beginne ich, meine Sachen zu packen und genieße ein Frühstück - der letzte Honig geht dabei drauf. Pavel hat verschlafen! Aber macht nix. Wir sind fast zusammen fertig mit packen und Pavel will sich wieder verabschieden, weil er meint, sein Tempo sei mir zu langsam - ist es aber nicht. So fahren wir halt noch einen Tag zusammen.

Auf dem Campingplatz hört man zwar Wind, aber zwischen den Bäumen spürt man ihn kaum. Draußen auf der Straße bemerken wir ihn vorerst auch wenig, denn erstens ist er nicht so schrecklich stark und zweitens kommt er meist von schräg hinten. Im Verlauf des Tages nimmt er allerdings kräftig zu - was wäre Patagonien ohne Wind?! Meist bläst er konstant von Westen oder Südwesten, wenn die Straße eine Biegung macht und wir Seitenwind bekommen, können wir unsere Schräglage immerhin ganz gut darauf einstellen. Am späten Nachmittag allerdings wird es etwas hügeliger und da dreht der Wind ständig und wird böig. Das ist ganz schön ansgtrengend. Wie gesagt, meist können wir ganz gut mit Rückenwind segeln. Entgegenkommende Lastwagen allerdings müssen wir angehen, wie eintgegenkommende Wellen beim surfen - durchtauchen! Wenn ich den Kopf senke und den Windschild nach unten nehme, dann tun uns die Luftwirbel nicht viel. Auch die Lisl spielt mit, sie geht die LKWs etwas schräg an und behält ihre Spur ganz gut dabei. Pavel macht es ähnlich - es sieht lustig aus, wenn der "taucht".

Um uns herum ist es mindestens so spannend wie gestern! Gelbes Gras, schwarze Büsche, grauer Sand, Kieselsteine, Zaun, jede Menge totes Getier und Geflügel... So legen wir heute immerhin 450 km zurück! Außer zwei Tankstellenstops bei denen wir aus lauter Langeweile Sandwiches oder Eis essen, gibt es doch 2, nein 3 Hihghlights zu erzählen. Das erste war sicher auch das schönste - ein Gürteltier irrt auf der Straße umher. Ich halte an, um es endlich mal genauer anschauen zu können, auch Pavel dreht um. Es scheint noch jung zu sein, ich glaube zumindest, daß diese Tiere ausgewachsen ein ganzes Stück größer sind. Es sieht ein wenig aus und benimmt sich wie ein Igel, rennt von hier nach da, schnüffelt und schnuppert herum und läßt sich nur schwer fotografieren. Meist zeigt es mir nur sein Hinterteil. Ein bischen dumm ist es auch, weil es immer wieder auf die Straße rennt, umdreht und wieder zurückkommt. Irgendwann verzieht es sich in den Graben.
Das zweite Erlebnis ist eines der vielen Guanacos. Vor einem entgegenkommenden LKW flüchtet es in Richtung Steppe, dreht aber dann um und als es Pavel sieht, nimmt es Fahrt auf und rennt direkt vor ihm über die Straße. Dummes Viech. Wie kritisch es genau ist, kann ich nicht sehen, weil ich genau in diesem Moment durch den LKW tauchen muß.
Die dritte Abwechslung erfahre ich, als wir einen kurzen Stop am Straßenrand beenden. Ich warte noch kurz um einen Bus vorbeizulassen. Der erzeugt aber dermaßen starke Wirbel, daß ich fast die Lisl umschmeiße - meine Beine sind so kurz und ich kann nicht fest genug auf dem Boden stehen. Der Wind ist auch ohne Störungen schon schlimm genug!

Etwas sonderbar finde ich, daß es täglich wärmer wird, je weiter wir nach Norden kommen. Ja, ist klar, wir sind auf der Südhalbkugel, aber trotzdem irgendwie fremd. Jeden Tag entfällt eine Schicht Kleidung - heute der dicke Pullover und die lange Unterhose.
Mittlerweile habe ich auch herausbekommen, was die gelben Sterne auf der Straße bedeuten. Ab und zu sieht man einen, oder mehrere davon, die auf die Straße aufgemalt sind. Das sind Verkehrstote! Tragisch. An einer Stelle habe ich mal 5 Sterne gesehen. Dabei ist die Straße eigentlich ziemlich kerzengerade! Aber es herrscht doch recht reger Verkehr.

Die Gedanken haben weiter nichts zu tun. Also fällt ihnen ein, was ich zu Hause alles für Projekte starten könnte. Ich glaube, ich bin gerade mal wieder dabei, mir viel zu viel vorzunehmen. Drechseln, radeln, Möbel zimmern. Und vor allem natürlich die Lisl pflegen. Was mir da alles einfällt! Dinge, die getan werden müssen, wie Licht, Schwingenlager, IMO-Fernbedienung und Lenkkopflager reparieren. Andere, die nicht zwingend nötig sind, die ich aber gerne tun würde wie z.B. die komplette Verkabelung selbst neu herstellen. Und Sachen, die "nice to have" wären, wie: alle gelben Teile pulverbeschichten oder die Sitzbank mit Echtleder selber aufpolstern (und dafür vorher einen Tag bei Franz in die Sattlerlehre gehen). Lauter dummes Zeug fällt mir ein!

Pavel und ich sind uns einig, daß wir einfach weiterfahren - wir können ja nichts anderes tun. Es gibt keine Stadt, keine schönen Plätze, nur Wind und Steppe. Können wir fahren, bis der Wind abflaut? Oder bis ein schönes Plätzchen kommt? Oder bis wir todmüde von den Mopeds fallen? Gegen sieben Uhr abends ist es dann soweit, in der Ferne ist das Meer zu sehen und es biegt auch eine Schotterstraße ab. Natürlich haben wir beide den gleichen Gedanken! Das Ergebnis ist zwar nicht das allerbeste, aber wir nehmen es. Zwischen Strand und Böschung führt die Schotterstraße noch ca. 100 m entlang. Sie ist zugeparkt mit Autos, Zelten und Grills. Wir reihen uns ein und warten, bis die Sonntagsausflügler verschwinden. Am schlimmsten ist aber der Wind, der die Küste entlangpfeift und furchtbar viel Staub und feinen Sand mitbringt. Es knirscht schon zwischen den Zähnen, bevor wir richtig abgestiegen sind. Zelt aufstellen geht jetzt noch nicht, windstärke "kein Zelt"! Nach einer Stunde ist es mir allerdings zu dumm und ich mach das trotzdem, schließlich will ich mich vor Luft und Staub darin verstecken! Zwischen Pavels Moped, einem Mülleimer und 2 großen Traktorreifen quetsche ich mein Zelt rein - paßt grade so. Drin ist es angenehm!

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=lcfudmenldemkcua

Sonntag, 26. Januar 2014

Der Weg ist das Ziel

Ausschlafen! In einem gemütlichen, warmen und sauberen Bett. Dann heiß duschen! Frühstück. Carlos ist genauso eifrig wie gestern. Was uns wohl schmecken könnte? Vor lauter Eifer vergißt er die Brötchen auf dem Herd, sie brennen an - aber das kann ich ja schließlich auch. Jeder sortiert noch Bilder und wir tauschen einige aus. Dann macht Carlos noch eine Menge neuer Bilder - mit und ohne Mopeds, beim Teetrinken usw. Ich bin gespannt, ob wir welche davon bekommen. Es kommt Besuch - eine Karamik-Künstlerin. Weiterhin geht es gesellig zu, bis wir dann doch langsam aufbrechen wollen. Das Abholen der Mopeds dauert ebenfalls seine Zeit, die netten "Garageneltern" wollen auch noch mit uns reden und ein paar Bilder schießen. Aber es eilt ja nicht. Gegen Mittag sind wir dann auf der Straße.

Hier können wir nichts anderes tun als fahren. Es gibt nichts, aber auch gar nichts zum anhalten oder anschauen. Mit viel gutem Willen und Phantasie kann man der Landschaft etwas Abwechslung abgewinnen. Es ist ziemlich flach, aber ab und zu gibt es dann doch eine kleine Anhöhe oder Niederung. Dort kann es sogar passieren, daß die Straße eine Biegung macht. An manchen Steigungen gibt es eine SChleichspur - auch mal was anderes. Meist ist das Land mit ockergelben steppengrasbüscheln bewachsen, dann wechselt es zu krautigem, dunkelgrauem Buschwerk. Den Straßenrand säumt ein helles gelbgrünes Band von Blumen. Wenige Pfützen zeugen vom letzten Regen. Ein kleiner Tümpel bildet beim verdunsten eine helle Salzkruste. Aber mehr Farbenspiel ist heute wirklich nicht drin. Aber ich habe ja ganz mein Motto vergessen "Der Weg ist das Ziel" (nicht Ushuaia) - so gesehen bin ich ja auf der Zielgeraden!
Tiere? Ja, auf der heutigen Liste stehen außer den unumgänglichen Guanacos ein Fuchs und ein Gürteltier, die die Straße kreuzen, ein paar Schwarzhals-Schwäne, Flamingos und Seelöwen in der Ferne.

Nach ca. 200 km kommen wir am Monte Leon-Nationalpark vorbei. Dorthin wollte ich unbedingt einen Abstecher machen. Durch ein Gatter kann man einfach hineinfahren, auch wenn ein Schild darum bittet, sich 6 km weiter zu registrieren (was wir nicht tun). Ein Schotterweg führt die etwa 30 km nach Osten zur Küste. Es gibt eine Pinguinkolonie, aber dorthin muß man noch 2 Stunden bei mittlerem Schwierigkeitsgrad laufen - darauf hat keiner von uns mit Motorradstiefeln Lust. Wir hoffen darauf, noch eine andere Chance auf Pinguine zu bekommen. An 2 weiteren Stellen kommen wir bis an die Küste. Ja, es gibt schöne Ausblicke, aber so schrecklich umwerfend sind die auch nicht. Am Ende des Weges gibt es einen kleinen Strand und einen Campingplatz. Eigentlich ganz einladend - nach 4 Uhr nachmittags ist es auch schon. Aber Pavel rümpft die Nase. Er hat ein Problem mit Benzin, seinen Ersatzkanister hat er nicht gefüllt, der Gegenwind kostet viel Sprit und die Tankstellen sind wehr weit auseinander. Er hat jetzt kein Benzin mehr und wird vermutlich nicht bis zur nächsten Tankstelle kommen. Daher ist er unruhig. Na gut, fahren wir erst bis zur Tankstelle und sehen dann weiter. Die ist noch ca. 50 km entfernt. Bereits als wir wieder zur Hauptstraße kommen ist es soweit - Pavel packt die 2-l-Colaflasche aus und wir melken die Lisl ein wenig. Das muß jetzt reichen. Tut es auch. Im nächsten Ort erwartet uns ein breiter Fluß und kurz danach die Tankstelle. Auf der Brücke habe ich eine Abzweigung und ein Schild mit irgendwas touristischem gesehen, auf jeden Fall hat der Fluß schöne grüne Ufer. Mal schauen, ob wir dort ein Plätzchen finden. Pavel ist einverstanden, nachdem wir getankt und eingekauft haben.

Der Weg führt auf eine große Insel mitten im Fluß. Sie beherbergt einen Campingplatz und einen Bootsclub. Wir beschließen, hier zu bleiben, obwohl wir in freier Wildbahn für weniger Geld mehr Ruhe haben! Die Alternative ist heute vermutlich nur, direkt neben der Hauptstraße vor dem Zaun das Zelt aufzuschlagen. Und das ist ja auch nicht gerade romantisch. Es ist nur schade, daß Campingplätze immer als Disco und Müllhalde mißbraucht werden.

Pavel hat die Reste vom gestrigen Huhn mitgenommen. So kochen wir heute abend Suppe mit Nudeln und Huhn. Dazu werden die Tomaten und Gurke als Salat angemacht - frisches Brot von der Tanke haben wir auch. Boah - sind wir jetzt vollgestopft! Vermutlich fährt Pavel morgen früher los als ich, er will schnell nach Buenos Aires und dort noch Bekannte besuchen. Ich möchte so lange wie möglich von der Stadt fernbleiben und werde also ein wenig trödeln.

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=juhqyvekuhbftoev

Samstag, 25. Januar 2014

Kein Abenteuer?

Als ich um halb neun Uhr wach werde, hüpft Pavel dick angezogen auf der Wiese herum. Er hat schon alles gepackt und ist startbereit. Es ist saukalt (5 Grad), die ganze Nacht hat ein kalter Wind durch's Zelt geblasen. Deshalb habe ich auch gefroren und bin erst gegen 6 Uhr morgens eingeschlafen. Dann muß ich micht ja jetzt auch beeilen? Ohne Waschen oder frühstücken mal wieder. Aber in Cerro Sombrero nach 5 km wollte Pavel ja einen Kaffee trinken.

Wieder mal denkste - Pavel fährt einfach vorbei. Auf meine Nachfrage später erinnert er sich gar nicht daran, das gewollt zu haben.
Heute überqueren wir die Magellanstraße mit der Fähre und verlassen damit die Insel "Tierra del Fuego". Feuerland, auf dem man kein Feuer machen darf. In der nächsten Ortschaft haut Pavel seine restlichen chilenischen Kröten auf den Kopf, wir kaufen in einem kleinen Laden Brot, Tomaten und etwas Süßes ein. Ich habe noch ziemlich viel chilenische Pesos, die werde ich in Argentinien irgendwie umtauschen müssen. Der Grenzübertritt ist diesmal etwas chaotisch, eine ewig lange Schlange steht an und man winkt uns an einen anderen Schalter. Den hätten wir aber erst später besuchen sollen, Schlater 1 fehlt uns jetzt. Machen wir halt später. Dann ist beim Zoll der Computer ausgefallen - erst nach einiger Zeit beschließen sie, auf Handbetrieb umzustellen. Es scheint schwierig, die richtigen Formulare zu finden und sie auch richtig auszustellen, die Frau Zöllner kann das gar nicht, der Kollege braucht dafür eine Vorlage. Pnigelig genau legt er ein Kohlepapier auf den Durchslag, dann verschreibt er sich und muß einen neuen Formularsatz aufsetzen. Na ja, auch das geht vorüber und wir haben jetzt die letzte Grenze passiert.

Es gibt nichts zu sehen, langweilige Gras-Pampa mit ein paar Schafen. Pavel eiert ein wenig auf der Straße, meine Lisl juckt der Seitenwind kaum. Er ist heute nicht allzu heftig, wir können ihn ganz gut verdauen. 2 langbeinige Füchse queren unseren Weg. Kein Abenteuer weit und breit!

In Rio Galleghos tanken wir und nutzen das dort verfügbare WiFi ausführlich. Ich bekomme eine ganze Menge Anfragen von den "Stahlratte-Kumpels", wie denn die Straßenverhältnisse wären. Sie haben anscheinend alle die Nase voll von Pisten. Wer hätte das gedacht? Wir waren am Anfang alle so heiß auf dirtroads und haben uns über die Abwege gefreut. Aber die Schaden an den Mopeds nehmen zu, jeder hat so seine Erfahrungen gemacht mittlerweile.
Pavel bucht nun seinen Rückflug - zusammen mit mir; gleicher Tag, gleiche Maschine. Er bekommt eine Einladung hier in der Stadt und klärt, ob er mich auch mitbringen darf. Ja, bei Carlos sind wir alle beide eingeladen - im Haus schlafen ist doch besser als im Zelt! Auf geht's!
Aber beim losfahren verhält sich die Lisl sehr sonderbar. Irgendwie blockiert etwas. Kein Bordstein? Nein. Zurückschieben - geht ein Stück, dann blockiert wieder etwas. Pavel gibt unverständliche Zeichen, ich steige ab und schaue nach. Ein dicker Stein liegt vor dem Hinterreifen. Der soll die Lisl am losfahren gehindert haben? Na gut. ABer nach 20 m schon wieder, seltsame Geräusche und wiederkehrender Widerstand lassen mich anhalten. Pavel meint, es wäre vielleicht eine Feder der hinteren Bremse gebrochen - ich sollte doch langsam bis zu Carlos (6 km) weiterfahren. Nein, das mache ich nicht. Ich will erst wissen, was los ist. Auf dem Bürgersteig baue ich das Hinterrad aus, da kommt mir ein Stück Metall entgegen. Es ist ein Speichennippel. Eine Speiche ist gebrochen! Anscheinend hat sich der große Stein zwischen Kardantunnel und Rad verklemmt und eine Speiche zerstört. Aber wie der Stein während unserer Pause dahingekommen ist, ist mir ein Rätsel! Böse Menschen? Zauberhand? Also doch ein Abenteuer!
Ohne Hindernisse in der Bremstrommel fahren wir nun bis zu Carlos. Er hat eine hübsche kleine Wohnung und ist furchtbar eifrig bemüht, uns zu bewirten. Alles gleichzeitig - Bier, Essen bestellen, fotografieren, Garage organisieren. Dabei geht dann gar nichts voran. So verdrücke ich mich wieder nach draußen, baue das Hinterrad erneut aus und ersetze die Speiche. Dazu muß ich die Luft rauslassen, Carlos fährt mich mit dem Auto zur Tankstelle, um das Rad wieder aufzupumpen. Einbau - fertig! Lisl sollte jetzt wieder fit sein. Sie darf zusammen mit Pavels Java 5 Häuser weiter im Garten vom Herrn Doktor sicher ruhen!

Carlos erzählt aus seinem Leben und scheint sich zu freuen, daß er Gesellschaft hat. Er besorgt ein großes Essen für uns - wow! Ich bekomme das Bett im Gästezimmer, Pavel eine Matratze im Wohnzimmer. Geht es mir heute wieder gut!

Route? Is heut mal wieder net...
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=gmjffdnbcjgjinta

Freitag, 24. Januar 2014

Siegerwetter...

...haben wir heute! Die Sonne scheint, interessante Wolkengebilde ziehen über den Himmel, der dirket über uns dunkelblau ist und am Horizont ganz blaß wird. Auf der Erde zeichnen siespannende  Licht- und Schattenspiele. Der Wind läßt uns weitgehend in Ruhe.
Unterwegs lasse ich Pavel den Vortritt, schließlich ist ja auch er der erste und Gesamt-Sieger gewesen. Ich bin nur Siegerin im "Ladies Cup". Pavel ist ein sehr zuvorkommender Mensch, immer schaut er, ob er helfen kann. Er möchte ungern vorne fahren, weil er meint, dann hätte ich ständig seinen Zweitaktergestank in der Nase. Ja, ich rieche zwar das verbrannte Öl (er fährt mit dem billigsten Motoröl, das zu bekommen ist - in diesem Fall Traktoröl), aber heute finde ich das sogar angenehm. Hauptsache ich rieche überhaupt mal wieder was. In dieser Einöde und Kälte gibt es nicht viel zu riechen.

Außer natürlich heute morgen in der Bäckerei! Da habe ich ausführlich Frühstück gemacht, das gestrige nachgeholt und den Blog auf die Reise geschickt. Pavel war zwar vor mir auf, hat mich dann aber vergeblich gesucht, so hat er in der Garage an seinem Moped gebastelt. Ich habe gestern nochmal nach Geldwechsel gefragt - heute morgen um 9 Uhr sollte es möglich sein. Aber auf einmal geht nichts mehr. Nur zum offiziellen Kurs. Seltsam. Außerdem hat Pavel festgestellt, daß er jetzt 3 mal das selbe Sandwich gegessen hat und jedesmal war es teurer als beim vorigen Mal.

Die Lisl startet vernünftig, nur Zylinder 2 braucht ein paar Sekunden länger zum wach werden. Ich habe auch immer noch nicht ausgeschlafen, so klemmen wir uns hinter Pavel und seine Java und dösen vor uns hin. Ich weiß ja, daß es landschaftlich langweilig ist. Außerdem sind wir die Strecke schon mal gefahren, allerdings im strömenden Regen. Bei Sonne sieht sie schon sehr viel schöner aus. Auch der Atlantik ist heute zu sehen, er liegt spiegelglatt da.

Bis zur Grenze rollen wir ohne Pause auf Asphalt dahin. In Rio Grande fahren wir in der Nähe des Hafens vorbei, dort dringt kurzzeitig zur Abwechslung ein intensiver Fischgeruch in meine Nase. Ab der Grenze ist wieder Schotter. Auf argentinischer Seite wird schnell noch preiswert getankt - und natürlich werden wir wieder bestaunt. Heute ist viel los an der Grenze. Ausreise aus Argentinien geht wie immer problemlos, aber bei der Einreise nach Chile ist die Warteschlange endlos! Lange stehen wir in der zugigen Kälte draußen, bevor wir in's Zollhäuschen vorgerückt sind. Die Abfertigung selbst geht schnell. Dann noch die Erklärung ausgefüllt, daß ich keine landwirtschaftlichen Waren dabei habe - Wurst, Käse und Gurke habe ich vor 2 Tagen in Chile gekauft, die möchte ich nicht abgeben müssen! Ich hoffe, daß bei soviel Verkehr nicht kontrolliert wird. Aber während wir uns anziehen, taucht der Zöllner auf. Er deutet auf Pavels Tankrucksack und auf eine Seitentasche meines Tankrucksacks. Ok, kein Problem. Pavel muß noch einen Koffer öffnen, ich den Tankrucksack. Als er das Durcheinander darin sieht, lacht der gute Mann. Meine Küchenkiste bleibt verschont - Glück gehabt! So, das war die vorletzte Grenze - nur einmal müssen wir noch nach Argentinien einreisen, das wird ein Klacks werden.

Gleich hinter der Grenze beginnt der Schotter, den kenne ich ja schon. Kurz danach biegt ebenfalls geschottert die Straße nach Norden ab. Pavel fährt aber geradeaus. Schnell mal aufholen und nachfragen. Er ist die Straße schon in der Gegenrichtung gefahren und sagt, diese erste Abzweigung wäre Schotterpiste auf der ganzen Länge. Etwa 50 km weiter führt eine Straße nach Norden, die schon teilweise aspaltiert ist. Die Straßenbezeichnungen haben sich auch geändert, anscheinend hat man jetzt eine andere Route zur Hauptstraße erklärt. Eigentlich ist es sowieso egal, welche Strecke wir nehmen. Auf unserer Strecke ist heftig viel  Verkehr, auch viele LKW und Busse. In beiden Richtungen. Die Straße ist passabel aber sehr staubig. Entgegenkommende Fahrzeuge hüllen uns in undurchdringliche Staubwolken, überholen wird zum Glücksspiel.
Es ist gut, daß ich hier nicht alleine unterwegs bin. Es ist nicht gefährlich oder so, aber wenn ich mit der Lisl alleine wäre, würde ich vermutlich viel langsamer fahren und das ist eigentlich schwieriger. Die Jungs - vorgestern die Italiener, heute Pavel - zwingen mich praktisch dazu, schneller zu fahren. Ich fühle mich zwar etwas unsicher, wenn wir so über die Piste fliegen, auf der anderen Seite macht es mich auch wieder mutiger. Die Lektion ist gut.

Wir haben keinen Plan gemacht, wie weit wir heute fahren oder wie und wo wir übernachten wollen. Gegen 5 Uhr schlage ich vor, einen Zeltplatz zu suchen. Ja ok, aber erst, wenn der Asphalt anfängt - in ca. 20 km. Das ist eine gute Idee, Pavel. Direkt am Beginn der Asphaltstraße geht ein Seitenweg zu einer Estanzia (Farm) ab. Da biegen wir doch gleich mal ein. Schon nach wenigen Metern finden wir hinter einem Hügel einen wunderschönen weichen Platz. Da bleiben wir doch! Auch wenn jetzt ein kräfitger kalter Wind weht. Es gibt noch ein paar Benzingespräche, ich koche uns eine warme Suppe und mache noch einen kurzen Ausflug auf den Berg. Dabei fange ich mir jede Menge Dornen und Kletten ein! Als ich vom Berg absteige, winkt mich eine Autofahrerin heran, die von der Estanzia kommt. Ich verstehe kaum etwas von ihrem Geplapper, außer daß das mit dem campen wohl nicht so gern gesehen wird. Aber wenn wir nur übernachten ist es keine Problem. Dann verziehen wir uns zum Tagebuch schreiben in unsere Zelte - Kälte und Wind sollen mal schön draußen bleiben. Kurz darauf kommt das nächste Auto - ein junger Mann ruft uns heraus. Wir sollen bitte kein Feuer machen, ansonsten ist es kein Problem wenn wir hier zelten. Ob wir Wasser bräuchten? Aber damit sind wir ja versorgt. Auch um 9 Uhr abends steht die Sonne noch hoch am Himmel, Sonnenuntergang ist erst kurz vor 10 Uhr.
Ja, heute gibt es keine Abenteuer. Nur langweilige Fahrerei. Dafür konnte ich mich von meinen Starallüren erholen.

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Donnerstag, 23. Januar 2014

Stars am Ende der Welt

Um halb sieben wache ich auf. Ein wenig überlege ich, dann stehe ich auf, die Lisl richten. Die Italiener wollen früh losfahren - zu früh für mich. Roberto schnarcht noch selig als ich in die Garage gehe. Zündspule, Blackbox und Regeler tausche ich. Läuft alles ziemlich reibungslos, kein Ärger, kein Gefluche. Nebenher ein paar Worte mit einem irischen Mopedfahrer, der gerade aufbricht. Zündkerzen? Sehen gut aus, sind nur naß. Also kurz trocknen und wieder einschrauben. Die Batterie ist ja total leer, also versuche ich einmal den Kickstarter. Das gibts ja gar nicht!!! Die Lisl zuckelt! Noch einmal mit dem E-Starter versucht und sie läuft! Juhuuu! Ich will sie nicht mehr ausmachen. Sie soll warmlaufen und die Batterie laden. Matteo kruschtelt an seiner Maschine herum und wirft einen bewundernden Blick auf die fröhliche Lisl. Ich packe das Werkzeug ein, Roberto taucht auf. Eben noch im Schlafsack, jetzt schon startbereit mit Zigarette im Mundwinkel. Frühstück! Ja, ich komm gleich nach, wenn ich soweit bin. Eben als ich den letzten Gurt am Gepäck festziehe tauchen sie fertig gefrühstückt auf. Ich bin noch nicht gewaschen und habe nichts gegessen. Aber weil die Lisl so schnell wieder gelaufen ist, kann ich noch ein wenig mit den Italienern zusammen fahren - wenn ich mich beeile. Ja, sie nehmen mich nochmal mit!

Es sind nur knapp 100 km bis Ushuaia, kein Regen mehr! Aber dort hat es gestern geschneit - die Bäume in den Bergen sind weiß. Im Morgenlicht sieht das so herrlich aus! Bei Temperaturen um 4 Grad habe ich in den Kurven etwas Angst wegen Eis, aber es geht alles gut. Wir machen nur wenige Fotostops, Roberto will schnell nach Hause zu seiner Familie. Morgens kurz vor 10 haben wir das berühmte Stadttor erreicht!!! Alle Mopeds bekommen ein Bussi! Nach den ersten Fotoshootings gratuliert mir Matteo. Dann auch Roberto. Wozu? Daß ich es geschafft habe! Aber das ist doch nichts Besonderes? Doch! "Du bist eine Heldin" behaupten sie. Na ja, ich weiß nicht....

Wir fahren noch zusammen zur Tankstelle und trinken etwas. Dann müssen wir Abschied nehmen. Er ist sehr herzlich und schmerzt mal wieder. Ich muß eine Träne verdrücken. Ciao - see you soon in good old Germany! Matteo möchte in Aschbuch gerne ein kühles Bier, ein Steak und Kartoffeln.
Was mache ich jetzt? Ok, zuerst nach Pavel schauen, er ist vielleicht noch hier auf dem Zeltplatz? Ja - zumindest sein Zelt steht noch da. Er ist mit dem Moped unterwegs. Ich hinterlasse ihm eine Nachricht und dann fahre ich nach Lapataia. Das ist nun wirklich das Ende der Welt. Der südlichste Punkt, den man anfahren kann, hier beginnt die Ruta 3 mit km 0! Was es da zu sehen gibt? Ich weiß nicht, vermutlich gar nichts....ich fahr trotzdem hin.

Die Straße ist nicht asphaltiert, 20 km weit. Das Gebiet ist Nationalpark und kostet 110 Pesos Eintritt. Zugegeben, die Landschaft ist mal wieder phantastisch! Allein das ist es schon wert, hierhergekommen zu sein. 2 von den schönen abenteuerlichen Brücken dürfen wir noch überqueren vor wir an einer Wendeplatte vor dem endgültigen Aus stehen. Ein Holzsteg führt noch ein Stück in die Bucht hinein - natürlich muß ich mir das anschauen. Mit vielen anderen Toruisten teile ich mir die Einsamkeit. Einem älteren Ehepaar biete ich an, sie zu fotografieren, im Umkehrschluß tun sie das auch mit mir. Wir kommen in's Gespräch und sie erfahren von der Lisl und mir. Die Gesichter werden immer länger und der Mund bleibt offen. Ganz bewundernd erzählen sie die Geschichte ihren Reisegefährten, ich muß weitererzählen und Fragen beantworten. Dann gehe ich zum nächsten Ausblick. Als ich den Rundgang beendet habe und wieder zu meiner Lisl komme, stehen bestimmt 20 Menschen ehrfurchtsvoll und im gebührenden Abstand vor ihr. Applaus empfängt mich! Mich? Wirklich? Ja, ich bin gemeint. Warum? Weil ich eine Heldin bin! So ist zumindest die Antwort. Ich verstehe das gar nicht. Ich bin doch nur gefahren, so wie sonst auch. Von Norden nach Süden. Ich hatte Angst, war verzweifelt und gar nicht mutig - wie soll ich da eine Heldin sein? Aber die Leute bestehen darauf. Und sie wollen die Lisl fotografieren. Und mich - vor dem Schild "Ende der Straße". Oder doch besser uns beide - vor dem SChild. Also parke ich die Lisl um. Die Reiseleiterin fragt, ob wohl alle fotografieren dürften? Aber sicher! Und dann wird geknipst! Aus allen Ecken, von weit und von fern. Wir sind bestimmt auf 1500 Bildern verewigt! Mutige trauen sich näher - bis jemand fragt, ob er mit auf's Bild dürfte? Aber natürlich! Und dann stehen sie Schlange, jeder will mit der Lisl und mir fotografiert werden. Es ist ein sehr sonderbares Gefühl. Und es berührt mich ganz tief! So müssen sich Stars fühlen. Als wir auf dem Rückweg sind, muß ich das erstmal verdauen! Das ganze Wasser, das ich gestern im Regen getankt habe, verdrückt sich jetzt als Tränen aus den Augenwinkeln. Ich möchte gerne an einem schönen Platz wieder zur Ruhe kommen. Erst jetzt wird mir bewußt, daß wir anscheinend etwas ganz Besonderes geschafft haben! Zumindst in den Augen anderer Menschen. Vom Gipfel (Top of the world Highway) bis zum Ende der Welt (Fin del mundo) sind wir gereist! Ich biege in eine Seitenstraße ab, die zu einem Fluß führt - hoffentlich ein schöner Platz. Der Blick, der sich plötzlich auftut ist wirklich phantastisch - im Sonnenschein! Ideal um die Seele baumeln zu lassen.

Aber dafür ist keine Zeit, denn mitten im Bild steht...Pavel! Ha ha, nicht gesucht und doch gefunden!
Wir beratschlagen, was als Nächstes anliegt. Da es hier schon seit Tagen schlechtes Wetter ist, heute die Sonne scheint und morgen wieder Regen angesagt ist, möchte ich eigentlich nicht hierbleiben und den (kleinen) Garibaldi-Pass heute noch hinter mich bringen - also zurück nach Tolhuin. Pavel hat den Campingplatz für heute schon bezahlt, läßt sich aber überreden, mit zurückzukommen. Er bekommt sogar sein Geld wieder zurück. Zwei Fototermine und tanken sind noch angesagt, dann geht's zurück in die Berge. Seit 2 Stunden hat es zugezogen, in Ushuaia regnet es und die Berge liegen im dichten Nebel. Pavel möchte lieber warten, vielleicht verziehen sich die Wolken ja? Es ist schon halb 5 und ich bin ziemlich unruhig. Ich möchte baldmöglichst das Wetter hinter mir lassen können, also fahren wir halt. Auf in den Kampf gegen den Regen! Wow, haben wir ein Glück - hinter der nächsten Kurve strahlt blauer Himmel durch ein Wolkenloch! Aujf der ganzen Rückfahrt sind ein paar Stellen naß, ein paar Tropfen bekommen wir ab, aber eigentlich haben wir trocken. Und Sonnenschein. Ein paar schöne Bilder sind schon noch drin - dann "schneebedeckte Berge ade!".

Die Bäckerei hat uns wieder - heute unter besseren Umständen. Rechtzeitig, bei Sonnenschein und mit heilem fahrbarem Untersatz.
Als ich jetzt den Blog schreiben will, sind alle Bilder von gestern und heute nicht mehr auffindbar!!! Im Foto sind sie zu sehen, aber ich kann sie nicht auf den Computer laden, der findet sie nicht! Mann!!! Ich brauch die! Ausgerechnet die Bilder vom Sieg! Es dauert 3 Stunden, dann habe ich es geschafft - habe alle Bilder kopieren können! Was für ein Glück! Ich bin todmüde.

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ozpmgauhtkurfsfo

Mittwoch, 22. Januar 2014

Die Antarktis läßt grüßen

Vor 4 Uhr nachts bin ich nicht eingeschlafen. Um 6:30 klingelt schon wieder der Wecker. Schnell fertig machen, die Lisl abholen - sie parkt ein ganzes Stück entfernt und ich muß erst den Schlüssel holen. Dann gibt es ein fürstliches Frühstück. Auch die Lisl bekommt noch ihren Kaffee und dann ab zur Fähre. Um 8 Uhr soll ich da sein, es wird 8:15 Uhr. Die Italiener fehlen noch. Eine lange Schlange steht an der Kasse an, ich muß mich trotz Reservierung einreihen. An der Logistik können die hier noch etwas arbeiten, gestern waren wir ganz alleine, durften aber noch nicht bezahlen. Nach 10 min tauchen Matteo und Roberto auf - Roberto hat verschlafen. Nach weiteren 10 min werden plötzlich alle Passagiere mit Fahrzeug und Reservierung an einen zweiten Schalter gerufen - die Fähre kann nicht beladen werden, wenn wir noch in der Schlange stehen.

Ein schmaler Bereich an einer Seite der Fähre ist geschlossen und mit Sitzen ausgestattet - alles voll belegt. Irgendwie bekommen wir aber doch noch 3 Plätze - Roberto legt sich gleich wieder schlafen. Draußen ist es kalt und windig, daher bleiben Matteo und ich auch unter Deck. Knapp 3 Stunden dauert die Überfahrt, zu sehen gibt es nichts Besonderes.Meer und flaches weites Land, wie meist.

10 vor 12 sind wir auf der Piste - Provenir besteht aus ein paar Wellblechcontainern, deren Fenster verloren gegangen sind. Ab hier haben wir 150 km Piste. Ist ganz gut, daß ich Begleitung habe. Aber wir müssen uns ranhalten, die sind eigentlich ein bischen schneller als wir und ich möchte ungern Bremser sein. Die Piste ist breit und ganz ordentlich. Ab und zu Waschbrett. Später tauchen ein paar große Löcher auf, es wird etwas hügelig und der Weg schängelt sich dazwischen hindurch. Das sieht richtig nett aus! Aber dafür wird es auch steinig oder sandig, also etwas schwieriger zu fahren. Gestern hat es geregnet, es sind teilweise Seen auf der Fahrbahn, wir müssen also "Wasserdurchfahrten" absolvieren. Nicht ganz harmlos, denn die Löcher können tief oder steinig sein, das Wasser ist trüb und undurchsichtig. Die beiden machen ziemlch viele Fotos, auch von der Lisl und mir, ich habe kaum Zeit zum Anhalten und Fotografieren. Vielleicht kann ich ja ein paar Fotos bekommen?
Als die Beiden ein Stück voraus sind, möchte ich die Gelegenheit für eine Pinkelpause nutzen und fahre an den Straßenrand -Mist, er Kies ist hier extrem tief, wir rutschen ein ganzes Stück weg. Grade nochmal halten können, dann kämpft sich die Lisl mühsam aus dem Kiesbett. Wieder auf festem Untergrund stelle ich fest, daß der hintere linke Blinker abgebrochen ist. Er baumelt noch am Kabel. Mein Schäufelchen ist auch weg. Vermutlich ist sie herausgehüpft und hat den Blinker abgeschlagen. Mist. Aber kein Weltuntergang.
Nach 2 1/2 Stunden kommen wir an der Grenze an und damit am Ende der Schotterpiste. Der Wind hat uns zum Glück in Frieden gelassen. Wir waren schnell! Die Grenze geht auch ziemlich zügig. Italien will heute noch bis nach Ushuaia - das sind nochmal 300 km! Aber guter Asphalt und gerade Straße - müßte gut zu machen sein.

Wieder mal "denkste"! Es wird grau und fängt an zu nieseln. Matteo hält zum Glück frühzeitig an, um die Regenklamotten anzuziehen. Vorsichtshalber mache ich alles dicht, vor uns ist es sehr schwarz. Es wird kälter. Und nässer. Der Atlantik liegt direkt neben der Straße, aber wir können ihn kaum sehen. Nebel und Regen. Ich dachte, nur der Pazifik wäre so kalt?

Der Regen schmerzt im Gesicht! Beim Tankstopp montiere ich daher meinen selbstgebauten Nasenschutz - macht die Sache etwas besser. Trotzdem dringt der Regen durch die Motorradbrille, sie beschlägt von innen. Es wird noch kälter. Nur noch 1 Grad haben wir!!! Brrrr. Ich halte mal kurz an, um den Nasenschutz zurechtzurücken, Roberto hält ebenfalls. Und auf einmal legt sich die Lisl schlafen - sie geht aus. Und springt nicht mehr an. Wirklich nicht mehr! Orgel orgel - nichts! Das kenn ich ja schon - Mexiko, Panama... Und jetzt? Wütend haue ich mit der Faust auf die Sitzbank - der Bezug ist so kalt und spröde, daß er reißt. Shon wieder Mist. Wenigstens ist moralische Unterstützung durch Roberto vor Ort. Er raucht erstmal Eine im strömenden Regen. Dann rätselt er alle Möglichkeiten durch, die wir schon kennen. Na gut, ihm zuliebe schaue ich, ob Sprit in den Vergasern ist - natürlich! Und kein Wasser oder Dreck. Da sich wirklich gar nichts tut, vermute ich die Zündspule. Aus Erfahrung warte ich eine Zeitlang - sie müßte dann trocknen. Tatsächlich, als Matteo zurückkommt um uns zu suchen, springt die Lisl grade an! Nicht mehr ausgehen lassen! Und immer schön auf Drehzahl halten - lieber im kleineren Gang fahren. Auch wenn's mehr Sprit kostet. Ab und zu hustet sie unterwegs - ich werde nicht mehr anhalten! Es hat knapp über Frost und gießt! Es ist ekelhaft - aber es ist Sommer!

Mittlerweile habe ich beschlossen (und die beiden Jungs schließen sich an), daß ich heute nicht mehr bis Ushuaia fahren, sondern in Tolhuin - etwa 100 km vorher - übernachten werde. Wir kommen um halb 8 Uhr dort an. Es gießt weiterhin. Immerhin sind die Temperaturen auf fast 3 Grad gestiegen. Eine Mail von Pavel aus Ushuaia klärt uns über heftigen Schneefall dort auf. Wir bleiben hier! Ebenfalls von Pavel weiß ich von der Möglichkeit, in einer Bäckerei zu übernachten. Moped- und Fahrradfahrer gratis!!! Es ist eine riesige Bäckerei mit großem Angebot, hier irgendwo im Nirgendwo! Mit WiFi. Es dauert eine Zeitlang, der Chef ist beschäftigt. Aber wir können wirklich umsonst hier bleiben. Es scheint einen Schlafsaal zu geben und einen trockenen Platz für die Mopeds. Bis es soweit ist, daß wir unsere Plätze aufsuchen können, sitzen wir im warmen Cafe und testen alle Backwaren durch. Matteo macht nebenher einen Geldwechsel klar - für einen Superkurs von 12:1!

Erst um halb zehn erfahren wir, wo alles ist. Organisieren sollen wir uns selber, das ist ja kein Thema. Ich muß die Lisl den Berg hochschieben (Matteo hilft!), dann kann ich sie ein Stückchen rollen lassen. In der Garage müssen wir erst einige Mopeds und Fahrräder umstellen, um Platz zu bekommen. Schlafen können wir im Fitnessraum zwischen den ganzen Foltergeräten. Es liegen sogar 2 Matrazen herum. Insgesamt schlafen hier heute 5 Leute. Eine Toilette mit Dusche gibt es im anderen Gebäude, dort ist der eigentliche Schlafraum mit 2 Stockwerkbetten - aber die sind schon alle belegt. Lustig. Ich bereite noch die Reparaturen für morgen vor - die Ersatzzündspule wird dick mit Dichtungsmasse eingeschmiert - und dann falle ich todmüde auf die Matratze.

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=yydqkozhskptbvlh