Dienstag, 3. September 2013

Barkerville

Uups - plötzlich ist mein Zahnweh weg!!
Es muss doch auch mal Tage geben, an denen es nichts zu erzählen gibt?! Sicher, aber nicht heute - obwohl es am Vormittag so aussieht.
Das Abenteuer "gravel road" geht gut zu Ende - ich finde den Bobtail-Weg und er läßt sich auch ganz ordentlich fahren. Ziemlich am Ende allerdings habe ich mich vermutlich vertan, als ich auf die Asphaltstraße abgebogen bin, denn die hat mich dann doch noch vor Prince George auf die Hauptstraße geführt. Aber macht nix, dann kann ich dort wenigstens mein Internet erledigen. Und sooo groß ist die Stadt dann auch nicht.
Ab Prince George ist die Hauptverbindung in den Süden doch recht gut befahren; die Landschaft bietet für europäische Augen nichts Umwerfendes. Lediglich die immense Weite und dementsprechende Größe der Wiesen und Weiden fällt auf.
Da kann ich mal meinen Gedanken freien Lauf lassen und wieder mal über Sinn oder Unsinn des Lebens philosophieren. Auf jeden Fall wäre das Leben sicher vertan, wenn man keine Freude daran gehabt hätte. Was ist es, das mir persönlich Freude macht? Motorradreisen?! Und wie schaffe ich es, das zu tun und dabei für meinen Lebensunterhalt aufzukommen? Und woran kann man sich noch freuen, wenn das nicht mehr geht? Ob sich alle Menschen früher oder später einmal solche Gedanken machen weiß ich nicht, aber ich bin ziemlich sicher, daß jeder meiner Gedanken schon einmal gedachtwurde. Viele davon wurden sicher auch ausgesprochen, manche niedergeschrieben und einige sogar zitiert.
Barkerville (auf deutsch "Kläfferdorf"?) lockt auf einen mindestens 2-stündigen Abstecher. Ich bin aber schon ziemlich spät dran und gönne mir unterwegs sogar noch, das historische Cotton House anzuschauen, ein Roadhouse (also eine historische Autobahnraststätte) aus dem letzten Jahrtausend. Dort steht ein hübscher alter Mähdrescher mit Pferdeantrieb - vielleicht etwas für die Aschbucher Bauern, wenn der Sprit zu teuer wird? Ich halte schon Ausschau nach hübschen Campingplätzchen, aber es ist kaum was auszumachen, an den Rastplätzen ist Campingverbot und die offiziellen Plätze kosten hier über 20 $! Am eingang von Barkerville steht auch etwas von 13 $ Eintritt. Das nette Mädchen an der Kasse meint aber, da jetzt schon alle Aktivitäten beendet sind, dürfe ich umsonst rein - da lacht das Schwabenherz! . Die Häuser kann man trotzdem besichtigen. Außerdem glaubt sie, daß ich Glück haben könnte, wenn ich trotz Campingverbot etwas versteckt zelte.
Barkerville - hat Flair wie Fort St.James oder Dawson City. Sicher, wenn dort Menschen in Tracht das Leben von damals vorleben, wäre es sicher noch lustiger. In einem Juwelierladen arbeitet noch ein altes Ehepaar. Es ist ihr eigener Laden, der Mann ist Goldschmied. Da ich mir das Leben hier - zumindest eine Zeit lang - sehr spannend vorstelle, erkundige ich mich nach einem Job. Ja, es werden immer Leute gesucht, die den Sommer über hier (tagsüber) leben und arbeiten wollen. Die Löhne sind nicht horrend von 10 $ aufwärts. Es gibt hier sehr kleine Blockhäuschen, in denen steht nur ein Bett, ein Tisch mit Stuhl und ein Ofen. Darin haben Trapper oder Goldsucher bis in die 60er Jahre gelebt! Und hier ist sie wieder die Frage: hatten die Freude am Leben? Was tut man an den Abenden
Wenige km zurück nutze ich dann doch so einen kleinen Parkplatz. Es gibt einen kleinen Wiesenweg zum Seeufer, dorthin verziehe ich mich. An einem Baum steht eine Warnung vor Bärenaktivitäten. "Meist geht der Bär dem Menschen aus dem Weg" steht auf Seite 15 im Einmaleins für Bärenbegegnungen. Das hört sich ja gut an. Dann folgen jede Menge Hinweise und auf Seite 22 steht dann "...der Bär will Sie fressen. Geben Sie nicht auf! Sie kämpfen um Ihr Leben!" Zum Glück sind meine Bärenbegegnungen bislang selten über Schritt eins hinausgegangen und ich hoffe, das bleibt auch heute so.

Montag, 2. September 2013

Fort-Leben

Ist das ein herrlicher Platz am See!!! Der Platzwächter hat mir freundlicherweise Kleinholz gebracht, damit ich ein Feuer machen kann. Ich sitze lange dort und schaue in die Flammen. Gegen 10 Uhr wird es ruhig, die Kinder verschwinden in den Campern. Als kurz danach auch endlich Nachbars Generator ausgeht, ist die Ruhe perfekt. Der See liegt ganz still da, ab und zu kann man Fische springen hören. Da der Mond noch nicht aufgegangen ist, zeigt sich ein prächtiger Sternenhimmel. Den genieße ich auch noch, nachdem ich mich ins Zelt verzogen habe - es ist so herrlich, daß ich das Zelt einfach offen lasse.
Am Morgen weckt mch die Sonne, die über den See zu mir hereinscheint. Langsam erwacht das Leben wieder - als erste paddeln die Kinder auf den See. Schade, daß ich nur diese eine Nacht bleibe...
In Vanderhoof überlege ich, ob ich den Abstecher nach Fort St.James machen soll - sind doch immerhin einfach ca. 60 km. Ich entscheide mich dafür und bin darüber sehr froh. Das Fort ist überwiegend im Originalszustand und man bekommt alles erklärt. Es ist herrlich am Seeufer gelegen, enthält große Wiesen, einen schönen Nutzgarten und einen kleinen Hühnerhof. Jeden Morgen müssen die Hühner ein Wettrennen absolvieren.
Während der Mittagspause sind die einzelnen Häuser geschlossen, aber daür zeigt eine Indianerin, wie traditionell Leder hergestellt wird. Das ist total interessant! Z.B. wird die Haut lange geschabt, um Weichheit und die samtige Oberfläche zu erhalten; dabei wird sie öfters mit Mehl eingepudert. Ganz zum Schluss muss sie noch geräuchert werden, damit sie den braunen Farbton erhält. Und natürlich gibt es noch hunderte von weiteren Arbeitsgängen zwischendrin - vor allem mit viel wässern, trocknen, ölen, strecken...
Im Lagerhaus könnte ich in Shoppingrausch geraten! Was da alles liegt: Fallen, kistenweise Munition, Seile, Mehlsäcke, Pelze von allen Tieren in allen Farben, Öl, Tee...einfach alles und so schön verpackt! Das Tier, das ich bei Faro gesehen habe, könnte ein Vielfraß gewesen sein, wenn ich die hier hängenden Felle so anschaue. Sei jedoch selten, daß man die zu Geischt bekommt und darüber könne man froh sein, erklärt mir die Angestellte. Denn Vielfraße sind sehr aggresiv und können sogar Bären töten.
Das war aber nur das Lagerhaus. Es gibt auch einen Laden - der ist genauso herrlich. Gusseiserne Töpfe und Teekannen, jede Menge Whiskey, Lederstiefel mit genz weicher Ledersohle und genagelte Stiefel - einfach Klasse. Im Wohnhaus wurde bereits für mich gedeckt - es gibt gleich Tee mit Keksen, die aus der Küche duften. Och - ist doch nur für eine angemeldete Gesellschaft. Dafür lerne ich noch etwas über die verschiedenen Blockhausbauweisen - "Red River" oder "Duff lock". Beim Bau des Forts waren sie auch schon so schlau, daßgleich hölzerne Gehsteige von einem Gebäude zum nächsten angelegt wurden. So konnte man trocken und sauber spazieren gehen.
Bis Anfang der 50er Jahre war das Fort noch in Betrieb; das zeigt sich an vielen Gebrauchsgegenständen. Nostalgie! Ich könnte hier bleiben und nehme im büffelfellgefütterten Sessel Platz. Eigentlich ist es phänomenal, was sich in noch nicht mal einem Menschenleben so verändert! Ob das alles zum Guten war?
Zum Schluss gibt es jetzt doch noch ein kleines Abenteuer. Nach dem einsamen Leben im Fort habe ich so gar keine Lust auf Stadt und möchte Prince George gerne vermeiden. Auf meiner Karte finden sich sogar 2 Straßen, die das ermöglichen - die erste habe ich schon mal nicht gefunden. Es geht eine Schotterstraße Richtung SO durch ein Indianerreservat (das heißt richtig "land of the first nations"!). Was denen da als Gebiet zugesprochen wurde ist ja wirklich winzig im Vergleich zu dem riesigen Land - auch wenn es ein schönes Fleckchen ist. Die Straße, die laut Karte hier am Stony Creek nach Süden abzweigt, führt mich bestimmt 20 km um den See herum, um dann kurz vor dem Ende als Sackgasse zu enden. Also zurück - vielleicht war's doch erst die nächste Abzweigung? Ja, die sieht gut aus, führt in die richtige Richtung, ist in sehr gutem Zustand, ab und zu berfahren - die muss richtig sein. Irgendwann ist am Finger Lake sogar ein Campingplatz eingezeichnet - den steure ich an. Der Besitzer empfiehlt mir, die Karte wegzuwerfen, da stünde nur Schrott drauf. Nein die Straße führt nicht nach Quensel oder zum Highway - ich muss den ganzen Weg zurück nach Vanderhoof und auf dem Highway durch Prince George. Außer, ich würde den "Bobtail" nehmen, der führt zwar auch wieder nach Norden, mündet aber kurz südlich von Prince George im Hwy. Es gibt auf diesem Weg viele Abzweigungen, man könnte sich verfahren und der Zustand ist nicht ganz so gut wie auf der Straße die ich gekommen bin, aber ich sollte es ruhig versuchen.
Obwohl der Campingplatz sehr schön liegt und Dusche und WiFi im Preis enthalten sind, sind mir 25 $ dann doch zuviel. Ich bekomme noch ein paar Tips für kostenlose Zeltplätze und den nächstgelegenen davon nutze ich - bin ganz schön müde!

http://connect.garmin.com/activity/369593117

Sonntag, 1. September 2013

Houston! Wir haben kein Problem!


Die Haut an den Fingern brennt wie mit Nadeln gestochen, das rechte Daumengelenk ziept und ein Knie tut höllisch weh - keine Ahnung von was das alles kommen könnte. Aber warum soll's mir besser gehen als der Lisl - altes Eisen eben!
Am Campingplatzbüro steht ein Schild "come back later to pay" - aber das steht immer da wenn ich vorbeischaue. Hab auch nichts dagegen, wenn dieser Luxusplatz (mit fließend Wasser, WC und vor allem heißer Dusche!) oberhalb des Lachsflusses gratis ist.
Mittlerweile hat sich der Rythmus gefunden, alle Dinge haben ihren Stammplatz - zumindest meistens - und jeder Handgriff sitzt. Trotzdem ist es selten vor 11 Uhr, bis  ich aufbreche und alles gepackt habe. Ich genieße ja die Trödelei! Die Lisl und ich fallen     fast überall auf, egal ob auf dem Campingplatz, bei McDonalds (Internet) oder an irgendeiner fotogenen Haltestelle. Wir werden von Einheimischen und Deutschen angesprochen - woher, wohin, was der Transport gekostet hat, man würde selbst gerne so eine Tour machen, man(n) hat selbst ein Motorrad zu Hause, "eine Frau alleine..." und vieles mehr.
Kurz vor Schmithers gibt es eine Abzeigung zu den "Twin Falls", die ich mir gerne anschauen möchte. Ich beiße die Zähne zusammen und nehmen den Fußweg in Angriff - ist ja nur ca. 1 km. Vielleicht tut das dem Knie ja gut?
Smithers - ist auf der Landkarte genauso eingezeichnet wie alle vorherigen Ortschaften. Die bestehen üblicherweise aus 1bis 5 "Häusern", das sind irgendwelche Gebäude, vom Blockhaus bis zur Garage. Meist kann ich gar nicht unterscheiden, ob das jetzt eine Werkstatt mit 20 Fahrzeugen, einen Müllhalde oder ein Privatgrundstück sein soll. Nach etwa 5 Grundstücken frage ich mich also, ob das jetzt Smithers gewesen ist. Doch da taucht plötzlich eine Ampel auf - was hept eine? Unzählige! D.h. etwa 6 davon. Und es gibt tatsächlich so  etwas wie einen Stadtkern mit allen möglichen Geschäften, Restaurants, Hotels und sonstigen Einrichtungen. Es werden die diversesten Sportmöglichkeiten angeboten von Golf über Fischen bis hin zum Surfen oder Skilaufen. Scheint hier "St.Moritz BC" zu sein.
Die Straße führt nun durch ein weites Tal, einige Wiesen werden schon bewirtschaftet und gelegentlich weiden Pferde oder Rinder. Es gibt immer noch viel Wald und einige Berge, aber die Landschaft ist nicht mehr so spektakulär. Die riesigen rollenden Häuser sind seltener geworden, dafür sieht man deutlich mehr PKWs und natürlich Harleys! Bei 25 Grad und weiß-blauem Himmel ist es herrlich zu fahren.
Am Nachmittag genieße ich die Sonne auf einer Böschung. Unter mir liegt erst die Eisenbahn, dann ein kleiner See, dessen Oberfläche ganz grün ist und dahinter riesig breit der blaue klare Fraser River. Hier gibt es seltsame Schmetterlinge, die ihren Namen verdient haben- wenn sie fliegen schmettert das so ähnlich, wie wenn man an den Fahrradspeichen Bierdeckel knattern läßt. Den Abend genieße ich auf einem Campingplatz direkt am Fraser Lake. Hier herrscht buntes Treiben beim Grillen und Bootfahren - mit und ohne Motor. Ab und zu höre ich auf der anderen Seeseite ein dumpfes Grollen, das sind Züge. Ich habe über 110 Waggons gezählt!

Samstag, 31. August 2013

...und wer baut mir heute mein Zelt auf?

      

Das frage ich mich den ganzen Tag, weil ich heute soooo müde bin. Nachts hat es mal wieder geregnet und alles ist naß oder feucht. Der ganze Morgen ist ebenso muffig wie meine Wäsche, Zelt, Schlafsack usw. Ich habe gehört, die Landschaft wäre hier nicht so aufregend - überprüfen kann ich es allerdings nicht, denn die Wolken hängen so tief, daß ich grade die Baumspitzen sehen kann. Ein feuchter Morgen. Gegen Mittag wird es wärmer, aber da es immer wieder regnet oder zumindest danach aussieht, kann ich die Regenklamotten nicht ausziehen - so wird's mir ziemlich warm.
Kein Abenteuer. Einfach ein ganz normaler Reisetag. Hier ein paar Worte, dort ein Schwätzchen, da wieder ein paar bekannte Gesichter.
Ich komme der Zivilisation wieder näher, der Verkehr nimmt zu aber das Fahren ist trotzdem noch tiefenentspannt. Dafür wird das mit dem Zeltplatz jetzt zum Problem. Es gibt keine schönen Plätzchen mehr, wenn etwas nach bezeltbar aussieht, steht schon ein Haus drauf. Ich beschließe, den nächstmöglichen Campingplatz anzulaufen. Der lockt in Moricetown mit großen Tafeln.
Man muss über den Fluß fahren - und was soll ich sagen: ein toller Anblick. Ein Canon mit wildem Wasser und noch wilderen Lachsen. Flußaufwärts ist eine Stromschnelle bzw. ein Wasserfall, dort kann ich sogar gelegntlich welche springen sehen - allerdings zum Fotografieren reicht es nicht aus. Hier ist Indianergebiet - auch der Campingplatz gehört den Indianern. Fischen dürfen auch nur die, und das nur zum Eigenverzehr. Sie dürfen aber ihren Vorrat für den Winter anlegen.
Von den Indianern habe ich heute schon etwas mehr zu sehen bekommen. Es gab ein Freiluftmuseum mit Totempfählen, das aber schon geschlossen hatte. War allerdings nicht schlimm, denn mittags habe ich etwas abseits der Hauptstraße auch schon ein altes "Indianerdorf" gesehen. Eigentlich war das nur eine Wiese mit etwa 20 Totempfählen. Die Einheimischen können zwar die dargestellten Götter erläutern, aber jeder Pfahl erzählt die Geschichte einer Familie - und die kennt nur das jeweilige Familienoberhaupt. Erklärt bekommen wir das von Indianern, die gerade einen neuen Pfahl herstellen. Es wird nur mit Messern und Schabern gearbeitet, nicht mir Schleifpapier, da hiervon die Fasern reißen. Beim Schälen verschließen sich die Poren eher und das Holz hält länger. Es wird mir erklärt, daß die Herstellung so eines Pfahls (ca. 10 m lang) etwa 5 Monate dauert, wenn ein Mensch alleine daran arbeitet. Das ist schon eine sehr langwierige Arbeit - nix für mich.

Freitag, 30. August 2013

Stewart - Hyder

Heute ist ein Tag der Gerüche: Pilze, Harz, Sumpf, frischer Asphalt, frische Rinde, verbranntes Getriebeöl, Waldbrand, Dieselabgase, glühende Bremsen, etwas Unbekanntes wie süßer Honig, Gletscher, Meer, geräucherter Lachs, frische Pommes! Die beiden letzteren lasse ich mir mittags in Hyder, das wieder in Alaska liegt und das man nur über das kanadische Stewart erreicht, schmecken. Das "Restaurant" ist ein stillgelegter Bus, schön angemalt, mit Vordach und die Sitzbänke im Freiluftbereich aufgebaut, die Küche ist drinnen. Die Köchin hat einen laaangen Zopf unter ihrer Baseballmütze, genau wie ihr Mann - das Essen schmeckt köstlich und ist ganz frisch. 
Etwas oberhalb von Hyder liegt der Fish Creek, in dem ich noch massenhaft Lachse sehen kann - viele kämpfen noch um ihr Leben oder sind schon tot. Zurück in Stewart gönne ich mir noch ein Eis, um dort das Internet nutzen zu können. 
Außerdem bekomme hier ich eigentlich alles, was ich momentan brauche um die Lisl am Leben zu halten: Feilen, Schraubensicherungsmasse, Getriebeöl und transparentes Klebeband. Am Morgen habe ich festgestellt, daß der Scheinwerfer gerissen ist; außerdem tropft Öl an der Schaltwelle aus dem Getriebe. Am Abend auf dem Campingplatz wird die Lisl dann ein wenig gepflegt - an Öl ist weder an der Hinterachse noch im Getriebe Mangel, ein bischen nachfüllen genügt. Der Scheinwerfer hat aber einen ordentlichen Schuß abbekommen. Er hat mehrere Sprünge, ist aber von außen noch heil - innen klimpern allerdings ein paar Scherben herum. So bekommt Lisls Auge jetzt Kontaktlinsen - ich überziehe den Scheinwerfer mit klarem Klebeband - fällt gar nicht auf. Schau mer mol, ob's was taugt.
Weitere Hilfe wartet in Vancouver - von Peter werde ich zu Klaus geschickt, der hat einen Schalthebel rumliegen und kann auch Simmerringe wechseln. Außerdem gibt mir Peter (Geheim-)Tips für eine schöne Anfahrt nach Vancouver, eine Einladung zu seinen Freunden Rita und Werner und natürlich auch eine zu ihm. Wir werden durchgereicht...
Auf dem Rückweg von Stewart treffe ich Scott und Patsy auf einer BMW. Wir führen ein lustiges Gespräch - Scott lobt mein Englisch (hi hi, was müssen die sonst für Leute kennen?!) - und ich bekomme Adresse und Einladung nach L.A.
Und ich habe eine neue Maßeinheit gelernt: "klicks" ist kein Maß für die Geschwindigkeit eines Computers oder Hackers, sondern die Kurzform von "kilometers".

Donnerstag, 29. August 2013

Ein Luxustag!

     
 

Die Sonne scheint! Trotzdem ist die Wäsche vom nächtlichen Regen noch naß.
Zum Einschlafen hat mich gestern das Plätschern des Wassers am Ufer begleitet. Ähnlich wie am Hooper Creek, hört es sich so vielfältig an: es plätschert, rauscht, platscht laut, gurgelt, schwallt, laut und leise, hell und dunkel. Manchmal hört es sich an, als würden sich Menschen unterhalten oder Glocken läuten. Ja, es singt und klingt sogar!
Nicht daß es in Europa keine schönen Landschaften gäbe, aber hier kannst Du faaaahren, den gaaanzen Tag! Nichts und Niemand stört Dich. Keine Ortschaft, keine Kreuzung, keine Autos, kein weiß-nicht-was-noch. Und die Landschaft bleibt! Sie geht nicht fort. Sie verändert sich, sie wird "anders schön". Ich kann genißen - den ganzen Tag. Selbst das Wetter ist Klasse - Sonne - Wolken - ein paar Tropfen.
Diese Reise beginnt anders als erwartet - entspannter. Ich wälze keine schwerwiegenden Gedanken wie sonst. Ich muss mir nichts merken, ich verpasse nichts. Ich sitze am Wasser, höre es plätschern und genieße die Sonne im Gesicht. Freudentränen.
Auch ernährungsmäßig schwelge ich heute im Luxus: zum Mittag gibt es einen leckeren Apfel und Bananenmilch. Und zum Abendessen freue ich mich auf Butter zum Brot und Leberwurst. Bisher gab's nur den Camenbert oder die Rentierlandjäger aus Seward. Als I-Tüpfelchen gibt's dann noch eine Zimtschnecke zum Nachtisch - hmmm!
Innerhalb ganz weniger Kilometer habe ich 4 rabenschwarze kleine Bären gesehen - mit goldenem Maul, abwechslend links und rechts der Straße. Die hatten heute in der Bärenschule wahrscheinlich Verkehrsunterricht und alle haben ihre Lektion gut gelernt: wenn Fahrzeuge kommen, am Straßenrand stehen bleiben. Wenn die Fahrzeuge langsam tun oder stehen bleiben - reiß aus! Etwa 1/2 h später habe ich zwei getroffen, die haben gar nicht gut aufgepaßt - die sind mitten auf der Straße stehen geblieben und haben sich umgeschaut. Allerdings habe ich da auch festgestellt, daß die "Kleinen" eigentlich ausgewachsene Schwarzbären waren, denn dies hier waren Mama und Kind; und das Kind war sehr viel kleiner!

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Mittwoch, 28. August 2013

British Columbia!

Ihr wollt sehen, wie's mir geht? Na prima natürlich!
Ja, es ist wirklich so, wie man es aus den vielen Hochglanz-Bildbänden kennt! Und man braucht die tollen Aus- und Ansichten gar nicht zu suchen. Die Lisl und ich erfahren sie uns - sie laufen uns quasi einfach über den Weg. Und nicht nur der tollen Landschaft mit Bergen, kurvig(er)en Straßen, Seen, Sümpfen, Bächen jeder Größenordnung und natürlich jeder Menge Wald, nein auch den Tieren kann man kaum entkommen. Abgesehen von den vielen Eichhörnchen und Mäusen haben sich heut am Wegesrand 3 Schwarzbären getummelt. Und ein frecher Fuchs saß einfach so mitten auf der Straße und erst als ich gewendet und angehalten hab, hat er sich langsam getrollt. So gemütlich die Tiere uns auch nehmen, bis der Foto startklar ist halten sie nicht aus.
Aber von vorn - da gibt es noch mehr zu erzählen:
Alles klar - dachte ich heute morgen noch. Aber das lag wohl eher daran, daß ich meiner Motorradbrille eine neue Scheibe gegönnt habe. Immerhin konnte ich im Freien frühstücken und das Zelt fast trocken einpacken.
Leider bin ich nicht weit gekommen - an einer Brückenbaustelle bin ich gestrandet. Es ließ sich einfach kein Gang mehr einlegen. Absteigen und nach dem Rechten schauen - der Schalthebel scheint verbogen zu sein. Aber die Lisl ist ja noch gar nicht umgefallen, also kann er auch nicht verbogen sein? Kaum fasse ich ihn an, schon habe ich ihn in der Hand - abgebrochen! Total! Was jetzt? Brückenbauer haben doch sicher ein Schweißgerät? Ja, sie wollen es versuchen. Also ausbauen und wieder hin zu den Jungs - der Schweißer behauptet aber, sein Schweißgerät wäre viel zu stark und würde alles nur verbrennen. Nach einigem Hin und Her hat der Vorbarbeiter einem Kollegen aufgetragen, das Teil zu schweißen. 1 h hat's gedauert - dann war aus zwei wieder eins. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Überflüssige Schweißpunkte entfernen. Und dann paßt der Bolzen nicht mehr in die Lagerbuchse - hat sich beim Schweißen wohl verzogen... 1 h bin ich mit Schleifpapier zu Gange - dann dreht sich's wieder. Zusammenbauen. Geht! Wenn das so weitergeht...mit den Pannen?! Ich bin doch erst am Anfang! Bei meinen bisherigen Touren wäre jetzt Halbzeit, da könnte man mit Blessuren ja noch bis nach Hause kommen.
Übrigens, beide defekten Teile sind von der Biene. Ob das nach der Transplantation eine Abstoßungsreaktion der Lisl ist???
2,5 h hat mich der Spaß aufgehalten. Zum Glück war's immer sonnig. Daher hab ich auch die Regenklamotten ausgezogen - das war nicht schlau, denn schon nach 10 min Fahrt fängt es wieder an. Aber jetzt wird alles regendicht gemacht!
Jade City ist EIN Andenkenladen! Dort findet man anscheinend jede Menge Jade, denn vor dem Haus wird der Stein gesägt und drinnen findet man tausenderlei Sachen aus Jade - teilweise auch aus anderen Steinen. Die Station hat wirklich Herz! Ich bekommen sofort alles mögliche angeboten - vom Waschraum bis zum gratis Kaffee. Weil ich keinen Kaffee mag, gibt es auch einen herrlichen Instant-Apfeltee. Und Internet! Auch das darf ich stundenlang gratis nutzen. Ständig kommen Reisende herein, die genauso nett begrüßt werden. Man hält jede Menge Schwätzchen - unter anderem sind 3 Holländer mit Bikes auf der Durchreise nach Norden. Und einige Radfahrer. Und ein deutsches Pärchen mit Camper, die ich gestern in Watson Lake belauscht hab, als sie nach einer Werkstatt gefragt haben. Wenn keine Gäste da sind, wird gearbeitet und geräumt. Als die Angestellte putzen will, fragt sie mich sogar um Erlaubnis, ob es mich nicht stört - Wahnsinn. Aber nicht nur die Menschen, auch der Laden selbst ist herrlich - Blockhaus mit verputzen Elementen, ein 70 Jahre altes Radio, jede Menge Figuren und Skulpturen, eine (echte) Katze zwischendrin...einfach heimelig.
Nach einem kräftigen Regenschauer, der das Internet weggewaschen hat, haben wir und dann noch etwas Britsch Columbia erfahren, bis wir einen schönen Platz am See gefunden haben. Nebenan steht ein großer Camper - die Männer sind zum Fischen da und es stört sie nicht, wenn ich mich dazustelle.
Ach ja, heute ist es windig und vielleicht schüttet es nicht die ganze Nacht, da ist die richtige Zeit zum Wäsche waschen.

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Dienstag, 27. August 2013

Ein langer Tag

...war das - so lang, daß fast ein bischen "übermorgen" geworden ist. Ab mittags kam nämlich die Sonne raus! 367 km hab ich zurückgelegt bis Watson Lake. Dazwischen war rein gar nichts außer Straße. Und die war geschottert. In 5 h sind mir nur 11 Autos und 6 Trucks begegnet. 3 "Baustellen" habe ich passiert. Ach - und einen Bären habe ich gesehen, bzw. die Ohren im Gebüsch am Straßenrand. Als ich näherkam ist er im Wald verschwunden und ich konnte nur noch die Zweige zittern sehen.
Überhaupt habe ich eigentlich nicht viel gesehen und auch die Sonne kaum genossen, denn es gab 2 Hinderungsgründe.
Die Straße, die ich gestern noch gemütlich mit 70 km/h befahren konnte, war heute gespickt mit Schlaglöchern - eigentlich hat es sich gar nicht gelohnt, auszuweichen. Dazwischen waren größere Steine versteckt, manchmal war die Plage und tiefem Sand und Split versteckt und vielerorts gabs Waschbrett vom Feinsten. Gelegentlich war der Untergrund so schwierig, daß sich die Lisl gar nicht mehr vernünftig dirigieren ließ. Also - Augen auf die Straße!
Das Einzige, woran ich sonst noch denken konnte, waren Lisl Wehwehchen - sie hat es mir nachgemacht und Zahnschmerzen bekommen. Am Hinterradantrieb hat sie ganz ordentlich Öl verloren. Ob wohl noch genügend drin ist zum Weiterfahren? Wo kann ich wohl den Simmerring wechseln? Wie aufwändig wird die Geschichte sein? In Watson Lake hat mich der Sdhilderwald mit weit über 75.000 Schildern daher nur kurz interessiert, danach habe ich eine Werkstatt gesucht. Hinterrad raus. Ach, momentan trielt die Lisl ja gar nicht...? Ja, der Simmerring ist undicht aber es scheint nicht so viel Öl auszulaufen, daß die Bremstrommel verölt ist - schon mal gut. Ölstand? Ja, ist gesunken, aber noch genügend drin. An 3 Tankstellen bzw. Werkstätten bekomme ich hier nirgends Getriebeöl! Da muss es wohl bis Vancouver auch so funktionieren.
Die ganze Lisl ist dick verkrustet mit Schlamm und die Entlüftung des Endantriebs ebenso. Vielleicht drückt das Öl ja nicht mehr an der falschen Stelle raus, wenn die Entlüftung wieder frei ist?
Jetzt ist nochmal Zeit für das Touristenzentrum und ein paar Infos bzw. Internet. Ja, das gibt es - 1/2 h frei - im Sportzentrum. Leider funktioniert die Anmeldung dort nicht.
Das Wetter? Morgen soll es hier und nach Süden wieder regnen, im Norden, wo ich herkomme, scheint jetzt und die ganze Woche die Sonne! Regenmacherin.
Internet gibt es nur noch auf einem Campingplatz 20 km außerhalb - aber dort bekommt man nur 1 h und darf keine Bilder oder sonstiges hochladen und auch nicht skypen - also nix. Außerdem ist der Platz potthäßlich und direkt an der Straße - dann eben zurück nach Watson Lake und dort auf den öffentlichen Campingplatz. Der hat zwar nichts außer einem Tischchen, aber er ist wenigstens sehr schön im Wald gelegen.
Heiße Quellen - die soll es hier geben. Sie liegen östlich, mein Weg führt nach Süden. Allerdings bin ich immer für so etwas zu haben. Nur 260 km einfacher Weg - das fällt leider nicht mehr in's Budget.

Montag, 26. August 2013

Bill Gates am Hooper Creek

 

"Willkommen" heißt mich mein Laptop. Empfang gibt es hier draußen natürlich nicht - aber Windows.
Ich wollte die Gegend um Faro doch noch etwas erkunden, zumal das Zelt vom morgendlichen Regen noch naß war. So habe ich was für die Kondition getan und bin zum Van Gorder Wasserfall aufgebrochen - ein Stündchen war ich unterwegs. Danach hab ich den Zeltplatz aufgeräumt, das Internet bedient, Wasser aufgefüllt und mich noch etwas herumgetrieben. Bin ins Gespräch gekommen mit 2 abenteuerlichen Österreichern mit vogelwilden Bärten (gegen die Mücken), die hier den Sommer über nach Gold schürfen. 10 $ kostet ein Claim pro Jahr und dafür muss man für 200 $ Arbeit investieren, das entspricht 5 Kubik Erde bewegen. Sie machen das von Hand und genießen die Freiheit in einem Wohnwagen. Man braucht nicht viel zum Leben - und 5 Unzen Gold haben sie schon gefunden - das genügt. Und: der allgemeine Wetterbericht gilt auch hier - übermorgen scheint die Sonne.
Mit der bepackten Lisl mache ich noch einen Abstecher zum Blind Creek, dort haben bis vor Kurzem die Lachse gelaicht und vielleicht treibt sich ja noch ein Bär herum. Bären sehe ich zwar keine, aber ich treffe einen lustigen Opa mit seinen Enkelinnen in einem kleinen Lieferwagen - der Hund sitzt auf der Pritsche. Er gibt mir Tips für die weitere Route und erklärt mir, warum die Häuser in Faro so schäbig sind - vor ca. 30 Jahren ist die ganze Stadt abgebrannt und da mussten die Häuser ganz schnell wieder aufgebaut werden.
Bis ich auf der Hauptstraße zurück bin ist es schon 15:30 Uhr - wenn das so weitergeht....
Nach ca. 60 km gibt es eine Tankstelle, allerdings muss man nach Ross River auch 10 km von der Straße abzweigen. Allerdings kommt dann keine Versorgungsmöglichkeit mehr bis Watson Lake, was noch über 300 km sind. Ross River besteht aus einem Flughafen, einem riesigen Tank mit dazugehörigem "General store". Als ich fertig getankt habe stelle ich die Lisl etwas abseits, so daß der nächste an die Zapfsäule kann. - das ist ein Truck. Die Fahrerin steigt kurz aus, um zu sehen, ob sie die Lisl platt gemacht hat - so groß ist die Zugmaschine. Ich komme mir vor wie eine Ameise.
Etwa 100 km fahre ich noch, bis kurz nach sechs. Die Schotterstraße fährt sich gut, mit 70 km/h geht es ganz gemütlich. Ab und zu komme ich um ein paar Schlaglöcher nicht drum herum und die Lisl bekommt wieder einen Schlammschwall ab. Allerdings ist es heute wenigstens von oben (fast) trocken.
Kurz vor einer Brücke über den Hooper Creek hätte ich fast eine Einfahrt übersehen. Zuerst findet sich dahinter eine kleine Wendeplatte, evt. ein Übernachtungsplatz für Trucks. Weiter unten führt der Weg bis fast ans Wasser - hier fließt der Hooper Creek in den Pelly River. Ein phantastisches Plätzchen mit Flusszugang und Feuerstelle.

Sonntag, 25. August 2013

Kanada - mein Jugendtraum!


Wie die Umstände einen doch beeinflussen! Tagsüber spechte ich nach Bären und bin enttäuscht, wenn ich keinen erwische, nachts liege ich wach, lausche und bin sehr froh, wenn mich keiner erwischt. Als Bär würde ich sicher auch lieber nachts durch den Wald streunen statt tags auf der Autobahn zu spazieren.
Ich habe mich gestern wohl richtig entschieden, das Zelt ist über Nacht in der Hütte getrocknet. Ich konnte noch ein Feuer im Ofen entfachen und habe dann meine Schlaflager dahinter verlegt - es war kuschelig warm und das Knistern des brennenden Holzes war herrlich. Immerhin ist die Temperatur inb der Nacht auf 6 Grad gesunken. Was heißt gesunken - tags hat es auch nicht viel mehr; na ja immerhin 10-13 Grad.
Das Wetter kommt von Nordwesten und zieht mit der gleichen Geschwindigkeit wie ich, d.h. die Wolken bleiben mir treu.
Bei Pelly Crossing gibt es eine Versorgungsstation für alles - die Lisl bekommt "Totem Oil", ich ein paar Nudeln, Chips und einen gratis Kakao. Ich hab zwar nicht ganz verstanden warum, aber er hat besonders gut geschmeckt. Da kommt doch glatt ein Tandem angeradelt - ein Pärchen in meiner Altersklasse, Engländer, die von Whitehorse her kommen. Sie wollen noch über den Top of the World Hwy. Am Tag schaffen sie so etwa 60 km. Es sieht zu lustig aus, wie die Mutti hinten drauf thront und mitradeln muß. Wir wechseln ein paar nette Worte und dann stürze ich mich wieder in die Fluten. Etwas weiter lohnt ein kurzer Stop für ein Foto auf den Yukon. Und schon wieder werde ich angesprochen...Erich (70) aus Vaihingen/Enz begrüßt mich. Mir schwätzet a bisle schwäbisch ond genieße des. Er hat eine Schreinerei bei Vancouver aber den Dialekt kein bischen verloren. Er freut sich so sehr über das Treffen, daß er unbedingt ein Foto mit mir und der Lisl haben möchte - sein Kumpel, der ihn gerade aus der Heimat besucht, natürlich auch!
In Carmacks oder Carcrossing (was von Caribou crossing kommt) muss ich mich entscheiden, ob ich über Whitehorse fahren will oder die Nebenstraße nach Watson Lake einschlage. Ich hab - wie meist - Lust auf Nebenstraße. Bis Faro soll sie asphaltiert sein, dann nicht mehr.
Genau so weit fahre ich heute auch - bis Faro, dem "bestgehüteten Geheimnis des Yukon". Die Ortschaft liegt 10 km abseits der Straße, aber aus Langeweile fahr ich einfach mal hin. Vor dem Ort ist ein öffentlicher Campingplatz (Einheitspreis 12 $ mit Plumpsklo, Bänkchen pro Zeltplatz und Feuerholz). Er liegt sehr schön direkt am See und theoretisch könnte ich mein Zelt sogar am Strand aufschlagen, obwohl dort nur "day use" zulässig ist. Aber die Ranger sind da und kündigen umfangreiche Holzfällarbeiten an, d.h. viel Lärm. Also weiter bis zum Ort, zurückkommen kann ich ja immer noch.
Das Touristenbüro erreiche ich grade mal wieder 10 min vor Schließung. Die Dame erklärt mir, was es hier zu sehen gibt und daß der Campingplatz direkt gegenüber nur 8 $ kostet. Und das inklusive heißer Dusche - das ist die ja schon alleine wert! Hier hat es seit Mittag nicht mehr geregnet und für morgen ist 40% Regenwahrscheinlichkeit angesagt, was auch immer das heißen mag. Zahlen kann ich auch erst morgen früh, wenn ich möchte; dann bekomme ich auch noch einen Kaffee, Tee oder Kakao. Sie hat einen leichten Akzent - auf meine Frage, woher sie stamme antwortet sie "aus Deutschland - Bayrischer Wald". Und drum herum gibt's plötzlich noch eine ganze Menge Deutsche. Einige wohnen ganz hier, andere nur im Sommer. Eine kurze Rundfahrt durch das Dorf zeigt mir bewohnbare und nicht mehr bewohnbare Häuser. Alle sind Bretterbauten mit einfachen Fenstern und wirken ziemlich zugig. Außerdem sind die Häuser relativ dicht aneinander gebaut - ganz anders als ich das von Alaska her kenne. Richtig attraktiv sieht das hier nicht aus.
Eine heiße Dusche und danach Nudeln mit Tomatensoße und Käse!!! Geht's mir so gut! Wer braucht schon Internet oder Handy...
Die Landschaft hier ist sicherlich herrlich - wenn man sie sehen könnte. Ein paar Schnappschüsse konnte ich dennoch landen. Es gibt tolle Ausblicke auf Flüsse und Seen und langsam beginnen auch ein paar Berge. Aber direkt neben der Straße ist einfach nur Urwald. Eigentlich schon so, wie ich mir das als Kind erträumt habe. Da ich mich aber im Laufe meines Lebens nicht zum "Gehmenschen" entwickelt habe, ist das Trapperleben hier wohl doch nichts (mehr) für mich.

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Samstag, 24. August 2013

Dawson


 
Am Morgen, so gegen 5 Uhr hat es wieder angefangen zu regnen. Die Plätze für Zelte sind meist unter Bäumen, wo zwar der Boden schön weich ist, aber auch nach Ende des Regens weiterhin Wasser von den Bäumen tropft. So weiß man nie genau, wann es Zeit ist aufzubrechen. Nachdem es aber Bindfäden regnet und draußen alles grau in grau ist, beschließe ich, heute einfach so lange im Zelt zu bleiben, bis der Regen aufhört. In der Zwischenzeit studiere ich intensiv die Hinweise zum Verhalten in der Wildnis, besonders bei Begegnungen mit Bären. Hoffentlich muss ich die nie anwenden! Gegen Mittag halte ich es nicht mehr aus und packe trotz strömendem Regen zusammen. Das Überzelt kommt in einen Eimer, damit das Wasser nicht überall herumläuft - hilft allerdings wenig. Um 13 Uhr gehts dann tatsächlich los - ob sich das überhaupt lohnt?
Zuerst fahre ich nochmal zurück nach Dawson City. Eigentlich wollte ich dort einiges anschauen. Die Straßen sind ein einziger Schlamm und meine Regenklamotten sind steif und warm. So schlittere ich einfach alle Straßen im Schritttempo ab und schaue mir die Häuser an. Kaum etwas wurde renoviert oder modernisiert. Läden und Hotels sind fast noch im Originalzustand - das hat Flair. Ich glaube, hier könnte man schon ein paar Tage aushalten.
Ich suche Internet. Auf dem Campingplatz hätte es angeblich welches geben sollen. Aber den billigeren Campingplatz habe ich gestern verschmäht, weil das Internet nur für die Wohnmobile verfügbar gewesen wäre. Beim teureren Platz, auf dem ich genächtigt habe, war gestern abend das Büro schon geschlossen, so konnte ich nix bezahlen und auch kein Internet anmelden. An der Tankstelle empfhiehlt man mir das Down Town Hotel. In der Bar frage ich nach, aber die schicken mich zum College. Die Bar ist ja heiß - duster, düstere Gesalten mit Bärten bis zur Brust, ein Billardtisch... Mit dem Bart dauert es bei mir sicher noch ein paar Jahre, aber bei der wilden Frisur kann ich schon mithalten.
Das College hat geschlossen. Ich finde aber ein Netz des Midnight Hotels. Auf Nachfrage verkaufen sie mir für 7 $ ein Tagesticket. Die Bar ist mir zu düster und so setze ich mich in der Lobby auf ein ausgeleiertes Sofa. Endlich kann ich wieder einen Blog hochladen! Die Dame am Tresen erklärt mir, daß sie zwar Glasfaserinternet haben (also schnell und wettersicher), aber nur einen Anbieter und der zockt die Leute halt ab. Trotzdem funktionieren meine Mails nur rein, nicht raus.
Als ich endlich zurück on the road bin, ist es schon 16 Uhr. Na ja, ein paar Kilometer kann ich schon noch schruppen (Gruß an den Hasenfußmopedfahrer). Halt, stopp - die Dredge #4 muß ich mir schon noch anschauen. Das ist Nordamerikas größte schwimmende (ehemals) Goldwaschmaschine. Das ganze Gebilde ist - ohne Schwimmer - mindestens 8 Stockwerke hoch!
Kurz hinter Dawson ist Baustelle - eigentlich muss man sagen, daß es einfach keine Asphaltstraße mehr gibt. Nur haufenweise frisch aufgeschütteten groben Split uaf dunklem sandigem Boden. Dazu die nötige Menge Wasser - das ist ein Spaß! Die Lisl sieht aus wie eine Wildsau nach dem Suhlen.
Den Tombstone-Nationalpark schenke ich mir, die Straße dorthin ist defrinitiv eine dirt road und die Wolken hängen so niedrig, daß man von der schönen Landschaft nichts sehen kann - schade. Nach etwa 100 km gibt es einen "Rastplatz" - eine geräumige Ausweichstelle mit Klohäuschen. Die nächsten sind in 87 km angekündigt. Dazwischen gibt es nichts! Übrigens ist es auch trotz meines großen Benzinfasses angesagt, jede Tankmöglichkeit zu nutzen. Auf der Strecke zwischen Tok am Ende von Alaska und Dawson am Beginn von Kanada gab es keinerlei Versorgungsmöglichkeit; das dürften gut 300 km gewesen sein.
Am Moose Creek schaue ich mir den staatlichen Campingplatz an und bleibe dort. Er ist riesig und außer mir campt nur am anderen Ende noch 1 Auto. Ich finde eine große offene Hütte, die als Aufenthaltsplatz für Gruppen gedacht ist. Natürlich darf man nicht darinnen zelten...aber es ist ja keiner da und das Zelt ist so patschnass, daß ich wenigstens versuche, es darin zu trocknen. Ich selbst werde auf dem Fußboden schlafen - brrr.

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Freitag, 23. August 2013

Natur und Technik

  

Heute mittag habe ich noch geglaubt, es gäbe nichts zu erzählen und habe mir ein paar allgemeine Dinge zurechtgelegt. Am späten Nachmittag hatte ich so viele Gedanken im Kopf, daß ich sie sofort hätte diktieren müssen - und jetzt, nachdem das Zelt steht und das Abendessen vorbei ist, habe ich schon wieder alles vergessen....
Zuerst zur Technik:
Abenteuerurlaub und Elektrik, das passt nicht ganz zusammen. Ständig wollen irgendwelche Geräte geladen werden, Kamera, Foto, Handy, Laptop...nachts soll das Zelt beleuchtet sein und für alles wird die Lisl gemolken. Kriseln tuts aber an den Ladekabeln - es sind zwar lauter verschiedene Kabel und Anschlüsse, aber bei allen scheint der Stecker für die 12 V-Steckdose das kritische Teil zu sein. Kein Kabel, das keinen Wackler hat!
Meiner mechanischen Technik, der Lisl selbst, scheint der Wildnissprit sehr gut zu schmecken, sie säuft etwa 1 l mehr als sonst. Na gut, sie muss ja auch fast 400 kg schleppen und ich gönne ihr nur den billigen 87-Oktan-Fusel.
Auf dem Taylor Hwy geht es Richtung NO nach Kanada - Ziel ist heute Dawson City. Die Straße wird jetzt interessanter, sie hat manchmal sogar schöne Kürvlein. Ich darf trotzdem nicht übermütig werden, denn jederzeit kann hier unangekündigt Rollsplit auf der Straße liegen oder ein ganzer Schotterabschnitt beginnen. Und dann treffe ich Rentiere - aber die sind hier ja schwarz! Oder muss man politisch korrekt sagen "maximal pigmentiert"?
In Chicken halte ich an einem Goldgräbercamp still und bestaune die stillgelegte Fördermaschine. Auf modern funktioniert Goldsuche anders: man läßt Touristen für Geld Gold waschen, bewirtet sie fürstlich und verkauft ihnen für teures Geld goldige Andenken. Ich bestelle mir eine Goldgäber-Tagessuppe. Sie wird serviert auf einem (nachgemachten) Zeitungsblatt von 1903 - von Hawai! 15 min freiese Internet sind inklusive. Das sollte reichen, den gestrigen Blog hochzuladen. Fehlanzeige. Das Internet läuft hier über Mobilfunknetz und das ist wetterabhängig. Auch für 2 $ Verlängerung kann daran leider nichts ändern. Ein Blick nach draußen erklärt die Sache: Wind und Regen haben das Internet gelöscht. Nochb regenet es nicht, aber von Westen eilen rabenschwarze Wolken heran. Komm Lisl, wir geben Fersengeld! Insbesondere als die Wirtin uns mit auf den Weg gibt, die Straße nach Dawson könne bei Regen ganz schön glitschig werden. Wie wahr - ab hier fahren wir nur "dirt road". Die Lisl lässt trotzdem die Reifen wirbeln; wir lassen uns kaum Zeit zum genießen oder fotografieren. Bislang haben uns die Wolken noch nicht eingeholt, aber sie sitzen uns knapp im Nacken.
Die Grenze nach Kanada liegt auf etwa 1300 m - ab jetzt sind wir on "top of the world"...zumindest nennt sich der Highway bis Dawson so. Im Grenzhäuschen wartet eine einsamer attraktiver bärtiger Zöllner auf Kundschaft. Außer den üblichen Fragen nach Alkohol, Drogen oder Waffen will er nur wissen, ob ich in Kanada etwas verkaufen wollte. Nein, ich brauche alles. Er ist sich sicher, daß wir bei flotter Fahrweise trocken bleiben. Keine weiteren Papiere oder Untersuchungen und schon geht's weiter. Auf ca. 1200 m verläuft die Straße (weiterhin ordentlich geschottert) über die Berge - wirklich top. Macht richtig Laune. Und die Regenwolken scheinen an der Grenze hängengeblieben zu sein - vermutlich waren sie alkoholgetränkt.
Um nach Dawson zu kommen, muss man mit einer staatlichen Fähre (gratis) den Yukon überqueren. Ein stattlicher Fluß! Im Besucherzentrum stelle ich fest, daß ich kurz vor Torschluß noch hereingekommen bin. Um 8 Uhr abends ist Schluss - und wir haben jetzt 1 h Zeitverschiebung nach hinten. Die Häuser sind meist noch im Originalzustand - ein tolles Flair. Nur gelegentlich sind neue Schilder angebracht, z.B. an der Bank, an der ich jetzt kanadische Dollar erstehen kann. Schließlich kosten ja die Campingplätze Geld. Zwei gibt es angeblich, die WiFi haben. Der erste verlangt dafür aber extra Geld, wenn man nicht mit dem Wohnmobil kommt und beim zweiten ist das Büro leider schon geschlossen. Ich fahre trotzdem drauf und suche mir ein Plätzchen direkt am Bonanza Creek.
Und jetzt sitze ich im Zelt, ohne Internet oder Handyempfang - es regnet.....

Donnerstag, 22. August 2013

Romantik

 
Romantisch war mein Schlafplätzchen hinter Knottys Mülltonnen ja nicht, aber so herrlich trocken mit Sand unter und Wellblech über mir. Als Luxuszugabe hatte ich sogar noch Tisch und Bank unter meinem Dach. Ich hab gut geschlafen und sogar der Hund hat irgendwann Ruhe gegeben, das Zelt ist trocken und Jacke, Helm und Handschuhe werden beim Fahren vollends trocknen - es scheint nämlich die Sonne! So macht das Fahren Spaß! So hab ich mir auch Alaska immer vorgestellt: lange kerzengerade Straßen, rechts und links fast immer Bäume, machmal etwas Sumpflandschaft. Gelegentlich ein Bach oder ein breiter sandiger flacher Fluß. Fahren! Lange, ungehindert, gemütlich aber zügig - Freude pur. An einer schönen Stelle über dem weitläufigen Tanana River schieße ich ein paar Fotos. Als ich wieder zusammenpacke, hält eine kleine Honda neben mir. Die Beifahrerin springt ab und begrüßt mich gleich aufs herzlichste. Melissa heißt sie, wohnt in England, ist aber Malaysierin wie ihr Fahrer. Wir wechseln ein paar Worte und ich bekomme eine Adresse in der Nähe von Vancouver - Peter ist Deutscher und soll rund ums Motorrad alles organisieren können; gut zu wissen. Trotz Sonne ist es ziemlich frisch, ich habe die Temperaturen wohl überschätzt. An "Rikas old roadhose" kann man sich anschauen, wie eine Truckerstation (inklusive uraltem kaputtem Truck) vor etwa 80 Jahren ausgesehen hat. Und ein schönes Plätzchen am Fluss hatte sich die Rika damals ausgesucht! Es steht dort ein großes Holzhaus und mehrere kleine Blockhütten für alles Mögliche: Vieh, Kühlhaus, Zollstation, Fährmannshütte... Aber ganz ehrlich, ich denke, das war sehr viel Arbeit, alles so toll hinzubekommen, da haben wir das bei uns zu Hause doch gemütlicher. So ein wildes Trapperleben hört sich romatisch an, aber in echt geht es sicher ordentlich an die Substanz. Ich gönne mir ein Sandwich, genieße die Romantik und tanke noch etwas Wärme in der Sonne. Stunden später fahre ich fast an Dot Lake vorbei, bemerke aber gerade noch, daß es an diesem Parkplatz was zu sehen geben muss. Keine Menschenseele weit und breit, kein Auto oder Wohnmobil. Eine kleine Kirche steht hier am See. Sie ist offen und ich gönne mir einen Blick in das zweckmäßig aber wenig schmuckvoll eingerichtete Kirchlein. Nebenan liegt der kleine Dot lake, ein herrlicher mittelgroßer See - bestimmt phantastisch zum Schwimmen, wenn es nicht so kalt wäre. Ich packe jetzt doch den dicken Pullover aus und schaue mich noch etwas um. Jemand hat wohl vor langer Zeit einen Metallstuhl einsam am Ufer stehen lassen, da steht er heute noch und wartet auf Gäste. Die begegnen mir auch - Schwoben (!). Sie sind schätzungsweise Ende Sechzig - vermutlich Ehepaar mit Schwägerin - und mit dem Wohnmobil auf einer geführten Tour unterwegs. Was es nicht alles gibt. Tok ist die nächste größere Ortschaft. Aber außer einer (oder 2?) Tankstellen, einem Besucherzentrum und 2-3 Andenkenläden findet man hier nichts. Oder doch: luxuriöse Campingplätze für die Wohnmobile; da will ich aber nicht hin. Etwas außerhalb findet sich das "Naherholungsgebiet". Dort darf man für 15 $ im Wald am Flussufer zelten. Das kann ich auch billiger haben, bin ich der Meinung - und was soll ich sagen? Kurz darauf finde ich einen neu angelgten Parkplatz mit Toilettenhäuschen neben dem Highway - direkt am Fluß. Eigentlich ist das hier ein Platz zum Boote einsetzen, aber die Wiese oberhalb des Steinufers ruft danach, bezeltet zu werden! Ein herrliches Plätzchen! Es ist kaum Verkehr und so habe ich meine Ruhe. So lange, bis jemand harsch an meinem Zelt rüttelt. Ich erschrecke ordentlich, ich habe ja niemand kommen hören. Aber mein Rufen hat den Schüttler wohl auch erschreckt und die Krähe fliegt gleich weiter - so ein Viech.... http://connect.garmin.com/activity/363835919

Mittwoch, 21. August 2013

Highlights bei Hochwasser


Die Nacht war abwechslungsreich. Nein, Besuch habe ich nicht bekommen, aber der Trommelwirbel auf dem Zeltdach wechselte ständig zwischen fortissimo und piano. An einen Zeltabbau ist vorerst nicht zu denken. Als ich jedoch erst einmal gemütlich frühstücken möchte, stelle ich fest, daß das Wasser für den Kakao ja noch draußen ist - und da möchte ich lieber nicht rausgehen.
Nach 2 h habe ich endlich alles zusammengeräumt und patschnaß eingepackt. Die Reiseplanung sieht noch die "hot springs" vor, aber nur, um das Eismuseum zu besichtigen. Von hier aus muss ich wieder zurück nach Fairbanks - einen weiteren Abstecher nach Norden, um den Polarkreis zu erbeuten werde ich mir schenken. Erstens habe ich diese Marke in Skandinavien schon mehrfach erreicht und zweitens lädt das Wetter nicht wirklich dazu ein. Obwohl: wenn ich "on the road" bin, ist eigentlich alles in Ordnung. Schuhe und Anzug sind schön dicht - zumindest bislang. Nur etwas kalt wird mir nach einiger Zeit, beim zusammenpacken kommt man ganz schön in's Schwitzen und die Verdunstung zeigt nun ihre Wirkung. Bestimmt hat Marcus von "Spätzünder" das Wetter als Test für mich bestellt!
Der Dichtheitstest hat sich im Lauf des Tages zum Dauertest entwickeklt - es geht weiter wie in der Nacht. Eigentlich ist der Anzug dicht - zumindest hatte ich noch nie einen so dichten Regenkombi; trotzdem fühlen sich die Klamotten irgendwie klamm und feucht an.
Das Eismuseum ist phantastisch!!! In dem halbrunden Hangar herrschen dauerhaft minus 6,6 Grad, die Beuscher bekommen Parkas und ich kann meine nasse Jacke draußen lassen (sonst wäre ich bestimmt steif gefroren). Außer phantastischen, riesigen und wunderschönen Figuren aus kristallklarem Eis gibt es hier eine Eisbar mit Barhockern aus Eis (mit Rentierfell belegt). Außerdem eine kleine Hochzeitskapelle - die Führerin erklärt, daß der Pfarrer hier ohne lange Umschweife auf den Punkt kommt. In einem kleinen Iglu steht ein Xylophon aus blankem Eis - einer der Besucher bringt es herrlich zum Klingen! Nicht zu vergessen die Schlafzimmer (2 von 4 sind bereits fertig), in denen man für 600 $ pro Nacht zum Beispiel auf einem Eisbärenbauch liegen kann.
Nächste Station ist North Pole - eine kleine Stadt wenig südlich von Fairbanks. Alles ist dort auch Weihnachten getrimmt - an den Laternenmasten hängen Weihnachtsglückwünsche und "Zuckerstangen"; die Straßennamen heißen z.B. Schneemannweg, Nikolausstraße usw. Natürlich besuche ich dem Nikolaus sein Haus! Das ist ein mittelgroßer Laden, in dem immer Weihnachten ist und der Weihnachtsschmuck, Spielzeug und natürlich alaskanische Andenken verkauft. Selbst ein echter Weihnachtsmann tut dort seinen Dienst und fragt Groß und Klein nach woher, wohin und seinen Wünschen. Schon verrückt...
"Knottys shop" hat man mir empfohlen. Schon wieder ein Laden - natürlich mit Souvenirs. Aber die Empfehlung lohnt sich trotzdem. "Knotty" steht für Knoten; das bedeutet, hier werden Holzkunstwerke und -skulpturen ausgestellt und verkauft, die aus knotigem Holz hergestellt sind. Woher diese Knoten im Holz allerdings kommen weiß der Himmel - oder der Förster. In dem Laden kann man wirklich schwelgen. Außerdem gibt es Kaffee oder in meinem Fall Kakao und Internet. Und als es draußen wieder fürchterlich anfängt zu schütten, frage ich, ob ich nebenan unterm Wellblechdach mein Zelt aufbauen darf. Wird mir gestattet! Da bin ich aber erleichtert - hoffentlich kann jetzt einiges etwas trockener werden.

Dienstag, 20. August 2013

Wildnis

Es gab mal wieder Verzögerung am Morgen - 2 h - weil es natürlich grade angefangen hat zu regnen, als ich das Zelt abbauen wollte. Die freundliche Stopschildhalterin an einer Baustelle freute sich jedoch über den Regen "der ganze Sommer war so sonnig, wir brauchen den Regen". Da war ich also wieder willkommen, die Regenmacherin. Der Wetterbericht ist hier übrigens einfach und sehr leicht zu merken, denn er ist jeden Tag identisch: heute und morgen Regen, übermorgen Sonne...und täglich grüßt das Murmeltier...
Ich fuhr ein Stück zurück in den Denali-Park. Eine Straße führt etwa 20 km in den Park hinein. Weiter darf man nur mit dem Bus. Der fährt allerdings jeweils 3 h hin und zurück und kostet Minimum 33 $. Da es schon Mittag war und außerdem die tiefhängenden Wolken kaum einen Blick freigaben, genügte mir die Fahrt mit der Lisl-Biene.
Mein erster Bär! In freier Wildbahn. Allerdings so weit weg, daß man ihn nur mit dem Fernglas vernünftig beim Beeren fressen erkennen konnte. Eigentlich bin ich gar nicht so unglücklich über die große Entfernung, er war doch ziemlich groß.
Der Ausflug hat noch mehr Ausbeute ergeben, zwei Elchbullen lagen etwa 100 m neben der Straße im Heidekraut und machten ein Nickerchen. Man konnte zwar nur die Schaufeln erkennen, aber die waren ziemlich groß. Als ich 1/2 h später wieder zurückfuhr lagen sie immer noch da - ich glaube, die Ranger haben die beiden engagiert. Etwas weiter gab es noch ein kleines Versteckspiel mit einer Elchkuh, die immer wieder ein Stückchen von sich zeigte um sich dann elegant hinter einen Busch oder Baum zu verziehen.
Auf dem Weg nach Fairbanks gibt es nicht viel Interessantes zu sehen. Großenteils stehen von den Wäldern nur noch Skelette da, vermutlich haben hier Brände gewütet. Die Tannen sind schwarz, die Birken oft auf etwa 4 m Höhe abgebrochen. Aber von unten treibt schon wieder neue Vegetation nach.
So kann ich es gemütlich laufen lassen und vor mich hindösen. Gute kerzengerade Straße und kein Verkehr, nur die Lisl und ich; eigentlich könnte das ewig so weitergehen. Es ist wie atmen - es geht automatisch und eigentlich tut man dabei gar nichts. Aber wehe, man läßt es ausfallen...! Bei meinen sonstigen Reisen wäre das die Zeit zum singen und ausgelassen sein. Aber diesmal bin ich erstaunlich gleichgültig.
Eine interessante Beobachtung: man fährt hier gleichmäßig, nicht agressiv und hält ausreichenden Abstand. Dennoch kann ich gelegentlich einen kleineren Van oder Geländewagen beobachten, der extrem nah auf das vorausfahrende Wohnmobil auffährt, ohne es zu überholen. Das Rätsel löst sich später, man nimmt seinen "normalen" Wagen in Schlepptau! Think big...
Ach, eine Einladung habe ich heute bekommen: der reiselustige John, der mein Motorrad bewundert, bietet mir freie Übernachtung an, falls ich morgen noch in Fairbanks sein sollte. Er ist gerade mit seiner Familie im VW-Bus auf Tour, ein bischen Boot- und Radfahren. Aber morgen wird er wieder zu Hause sein. Er dürfte Ende 50 sein und sieht so aus, wie man sich einen echten Trapper vorstellt - wilde graue Haare und einen langen Vollbart!
In Fairbanks genieße ich einen kleinen Künstlermarkt mit Livemusik und gönne mir dann einen Abstecher Richtung Chena-River im Osten. Da es mittlerweile schon 8 Uhr abends ist, suche ich mir unterwegs einen Zeltplatz. Ist gar nicht so einfach, ein passendes gebührenfreies Plätzchen zu finden. Der Highway bietet keine Ausweich- oder Anhaltemöglichkeit, alle Straßenabzweige sind privat und führen zu Wohnhäusern. Zum ersten Mal zelte ich jetzt trotzdem alleine in der Wildnis - an einer Stelle am Fluss, wo Boote eingesetzt werden können. Ein bischen mulmnig ist mir nach dem heutigen Bärentreffen aber schon.
Übrigens an alle Kommentatoren und Facebooker: ich freue mich über Eure Beteiligung und lese alles! Bitte verzeiht mir, Petra&Thomas, Heinz, Stefan, Kirsten&Dieter, Jürgen, B&R&S, Theo, Eggord..., wenn ich Euch nicht einzeln  antworte.

Montag, 19. August 2013

Bäume ausreißen?

So naß und dreckig habe ich mein Zelt noch nie eigepackt. In der Nacht haben sich Pfützen rings ums und unter dem Zelt gebildet. Die schweren Regentropfen haben dann das Wasser mitsamt Schlamm gegen das Zelt hochspritzen lassen. Trotz stundenlangen Wartens hat der Regen auch morgens nicht nachgelassen, so daß ich alles naß einpacken musste. Reinigen war da nicht drin, der Sand haftet am Zelt wie festgeklebt.
Der Magen grimmt, die Beine schmerzen, der Kopf ist unendlich müde und der ganze Körper schlaff. So läßt es sich keine Bäume ausreißen!
Eigentlich wollte ich von Palmer über den Hatchers Paß fahren, das ist eine eingezeichntete Alternativroute zum Highway. Ein Motorradfahrer aus Texas, den ich getroffen habe, hat mir auch den Weg beschrieben, das Tor an der Brücke, das man öffnen muss und die ca. 50 Meilen guten Schotterweg. Ich hab die Straße nicht gefunden. Aber ganzh ehrlich? Heut hab ich das überhaupt nicht bedauert, bei DEN weichen Knien.
Am Nachmittag kommt sogar die Sonne raus und ich fahre einen Abstecher nach Talkeetna, das sehenswert sein soll. Es ist eine Ansammlung an Andenkenläden und Cafes oder Bistros, die von allen Touristen besucht wird. Die wissen schon, wie man die Leute in Kauflaune versetzt - zum Glück bin ich ja länger als 4 Wochen unterwegs, so daß ich leider nichts mitnehmen kann. Allerdings genieße ich die Geschäfte. Manche Häuser scheinen noch ganz original zu sein, der Anstrich ist marode und die Fenster oft ebenso. Andere Häuser wurden vermutlich später für die Touristen gebaut, im Blockhausstil. Auf jeden Fall kann ich am Ufer der Flusses ein kleines Nickerchen in der Sonne machen.
Heute abend möchte ich nördlich vom Denalipark übernachten, das sind noch knapp 200 km. Es ist schon 5 Uhr nachmittags, da muss ich es jetzt laufen lassen. Eigentlich ist das auf den kerzengeraden Highways, die nur selten eine Biegung aufweisen, ganz gut möglich. Keine Langsamfahrer oder dichter Verkehr, jeoch sind über viele Kilometer hinweg Straßenarbeiten. Das bedeutet anhalten und warten, bis der follow-me die Schlange anführt. Die Wartezeiten können durchaus bis zu 20 min dauern.
Der Mt McKinley soll ja meist von Wolken verdeckt sein. Ausgerechnet heute, wo es die meiste Zeit regnet, kann ich ihn jdoch sehen! Eine besondere Ehre für mich (seit Georgien) anerkannte Regenmacherin! Ich genieße die wechselhafte Landschaft und die immer näher rückenden Berge bis mir kurz nach dem Park das Benzin ausgeht. Genau dort ist eine Tankstelle mit Campingplatz (10$). Ok - mal sehen, ob ich morgen nochmal ein Stück zurückfahre, um den Park anzuschauen.

Sonntag, 18. August 2013

Think big

Es hat die ganze Nacht durch Bindfäden geregnet. Jetzt läßt es etwas nach - anscheinend sind die Wolken nun ganz zu Boden gesunken und ich befinde mich mitten im Nebel.
Punkt 6 Uhr morgens fahren die ersten Autos vom Campingplatz. Man hört sie kaum, so leise startet der Motor. Ein herrlich sonores Blubbern geben besonders die Pickups von sich mit ihren riesiegen Motoren. Die Trucks sind so groß, daß ich kaum über die Ladekante schauen kann. Wenn sie auf dem Highway neben mir auftauchen und langsam vorbeiziehen, sieht das Klasse aus und hört sich phantastisch an. Sie ziehen so "gemütlich" dahin - man ist sich praktisch nie im Weg; es ist viel Platz auf den Straßen man hält großen Abstand und Staus habe ich bislang noch nicht gesehen. Übrigens: wenn ein Langsamfahrer (die es allerdings nicht gibt) 5 Fahrzeuge auflaufen lassen hat, muss er in eine Überholbucht ausweichen um alle vorbeizulassen - eine gute Idee!
Auch die Entfernungen sind groß, nicht nur weil die Angaben in Meilen sind, was ich zu Anfang nicht wirklich registriert hatte. Von Anchorage nach Seward sind es gut 200 km und dazwischen gibt es so gut wie nichts - eine Abzweigung und gelegentlich ein paar versteckte Häuser. Auf der Karte ist dazu übrigens ein großmächtiger Ortsname zu sehen.
Groß sind auch die Kosten - der Campingplatz hält sich zwar mit 10 $ im Rahmen, aber auf Dauer will ich mir das nicht leisten. Es gibt dort immerhin 2 Dixiklos und ziemlich weit weg einen Duschraum. Im Ort möchte ich noch etwas einkaufen und finde zuerst eine Bäckerei neben dem Internetcafe. Brot gibt es allerdings nur zufällig und auf Nachfrage. Der Kakao, eine Nußecke und eine große Semmel kosten mich immerhin stolze 7,75 $. In einem Lebensmittelgeschäft suche ich nach Wurst und Käse. Alles ist riesig! Es gibt nur 20er-Packs Würstchen und kiloweise Käse - das bekomme ich ja auf meiner Lisl gar nicht unter! Aber es bleibt mir nichts anderes übrig - für ca. 20 $ nehme ich die beiden Packungen mit.
In Anchorage wage ich mich downtown. Man lernt schnell die Systematik der Straßenbezeichnungen, da allkerdings die Hälfte Einbahnstraßen und die andere Hälfte gerade gesperrt ist, ist die Navigation dennoch schwierig. Ich gondle einmal durch die Hauptstraßen und genieße den Anblick der Andenkenläden. In der 3rd Av ist jedes Wochenende Markt - den schaue ich mir allerdings nur von außen an. Es gibt dort viel Andenken, Schmuck, Socken und frisches Gemüse - eben wie bei uns auf dem Krämermarkt. Ich muss mich schon beherrschen, bei den Andenken nicht zuzulangen. Aber erstens kann ich ja nicht alles was mir gefällt kaufen und zweitens ist das mit dem Transport so eine Sache...
Am späten Nachmittag breche ich Richtung Norden auf; bis Palmer werde ich heute kommen. Unterwegs gibt es noch einen kleinen Halt mit 2x20 min Wanderung - dummerweise habe ich die Regenhose nicht ausgezogen und so komme ich ordentlich ins Schwitzen. Am Ende des Wegs erhebt sich eine Aussichtsplattformn über die Thunderbid-Falls. Leider habe ich in Norwegen schon so phantastische Wasserfälle gesehen, daß mich dieser etwas enttäuscht.
Kurz vor Palmer gibt es die "Knik River public area", ein sehr weitläufiges Ufergebiet am breiten Knik-River. Viele Wohnmobile, meist mit einem Anhänger voller Quads stehen hier und auch ich suche mir ein schönes Plätzchen zwischen 2 Bäumen. Rings um mich rum toben die Quads mit großen und kleinen Fahrern, im Wald hinter mir findet ein fröhliches Schießen statt. Männerspiele!

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