Mittwoch, 18. September 2013

Endlich bei mir


Auf Amerikas einsamstem Hwy ist zwar nicht die Hölle los, aber "einsam" habe ich im Norden anders erlebt. Hier begegnen mir fast minütlich Fahrzeuge - dort war's ein pro Viertelstunde. Dennoch ist es ein entspanntes Dahinrollen. Zu sehen gibt es so gut wie nichts - die Landschaft ändert sich nur ganz allmählich. Die Great Plains - ja, das sind sie. Riesige Ebenen, von Bergketten umrandet, auf 1300 bis 2000 m Höhe. Von einer Ebene in die Nächste überquert die Straße manchmal einen kleinen Kamm, da dürfen wir dann auch mal leicht kurven. Der ständige Wind, der uns ab nachmittags begleitet pfeift uns in den Bergen manchmal ganz gehörig um die Ohren. Hier ist der rieseige Windpark sicher optimal aufgehoben.
Zwischen dem Kraut lugen öfters kleine Sandfelder hervor. Aber was ist das? Der Sand sieht aber komisch aus - ja, es ist eine sandfarbene Schlammpfütze! Davon gibt es auf einmal einige. Wie man sich nur so über eine dreckige Pfütze freuen kann! Nicht daß ich Wasser gebraucht hätte, aber es ist jedenfalls mal eine Abwechslung.
So wie ich mir die Great Plains in der Schulzeit immer vorgestellt habe sind sie allerdings nicht. Keine wogenden Getreide- oder Maisfdelder, keine Bisons; höchstens gelegentlich mal ein paar magere Kühe. Langsam wird es grüner, es gibt sogar ab und zu mal eine Farm, kleine Büsche siedeln sich an und sogar ein paar niedrige Bäume tauchen auf. Diese werden natürlich sofort geschützt und als "National Forest" bezeichnet.
Wie aus dem Nichts begleiten auf einmal Eisenbahnschienen die Straße - anscheinend wird oder wurde hier Bergbau betrieben. Davon zeugen auch große Abraumhalden.
Meine Gedanken sind bei mir, im Hier und Jetzt. Nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft, nicht an einem anderen Ort - endlich!!! Der Kopf gibt Ruhe! Ich bin wunschlos glücklich!
Den Abend möchte ich auf einem Campingplatz im Nationalpark verbringen und mich nochmal etwas um die Lisl kümmern. Am Besucherzentrum informiere ich mich über die lokalen Sehenswürdigkeiten - und da kommt Joyce aus Massachusets dahergestiefelt. Ich habe sie gestern an der Pony-Express-Station kennengelernt. Sie ist schätzungweise um die 60 und fährt alleine in ihrem kleinen Wohnmobil spazieren. Sie war in San Fancisco bei den Segelmeisterschaften, da sie selbst aktiv segelt, hat ein Fahrrad dabei, aber den Fuß im Gehgips. Lustige Frau.

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