Dienstag, 17. September 2013

Lonely Rider



Der Sandsturm hat bis tief in die Nacht am Zelt gerüttelt - erst als die Berge hinter mir blank und das Zelt randvoll Sand waren, hat er aufgehört. Der Schlaf wird dennoch von den regelmäßigen Aufblaspausen für die Isomatte unterbrochen.

Am Morgen ist es bereits bei Sonnenaufgang gut warm, ja ich bin wirklich mitten in der Wüste. Ehrlich gesagt bin ich geistig darauf überhaupt nicht eingestellt. Ich suche diesen Fly Geysir! An 2 Stellen, auf die die die Beschreibung passen könnte, versuche ich vergeblich mein Glück. Schließlich frage ich einen passierenden Truck nochmal - jetzt habe ich mehr Erfolg. Nach Ingnorieren der heftigsten "keep out"-Anweisungen, Stacheldraht und Überwachungsandrohungen geht es in sengender Hitze ca. 15 min durch die Wüste - ich wollte kein Cowboy gewesen sein - aber dann werde ich herrlich belohnt!!
Der Fly-Geysir schillert in orange und grün und spritzt kontinuierlich etwa 38 Grad warmes Wasser in die Luft. Unterhalb des Düsenkegels haben sich unterschiedlich große Becken gebildet in denen glasklares, geschmackfreies Wasser glitztert! Dafür bin ich hergefahren! Einige Meter weiter steht noch ein Kegel - der alte Geysir. Er tröpfelt nur noch, das Wasser ist kalt. Und auf dem Rückweg entdecke ich noch einen kleinen, ganz neuen Kegel - hier entsteht gerade ein neuer Geysir. Das Wasser bluubert siedend heiß heraus und richt nach Schwefel. Sehr interessante Gegend!
Zurück in Gerlach treffe ich an der Tankstelle den Herrn wieder, der mir verraten hat, wie ich zum Geysir komme. Ich bedanke mich nochmal und verrate ihm, daß mich keiner erwischt hat.

Fallon zeigt sich großspurig mit vielen riesigen Reklameschildern, jeder Menge Casinos, Schnellimbissen und Motels. Eine Bücherei suche ich allerdings vergeblich. Hier beginnt der Hwy 50, die "einsamste Straße Amerikas". Verständlich - mein Navi zeigt 3 h 44 min bis zur nächsten Abzweigung an. So lange möchte ich auch nicht alleine sein! Bin ich ja auch nicht, ich hab meine Lisl und die hat mich. Die Arme muss sich heute ziemlich plagen, sie kocht bis auf 160 Grad! Und dann erfahren wir auch noch an einer historischen Pony-Express-Station, daß die Reiter vor 150 Jahren am Tag 200 Meilen zurückgelegt haben - gerade mal soviel schaffen wir heute mit dem Kuh-Express. Die Reiter damals hatten keine Zukunft, weil die Telegrafenleitung gelegt wurde, sozusagen das damalige Internet. Ist ja heut auch nicht viel anders - das Internet macht viele physische Dinge (Geschäfte, Reisen) überflüssig. Die nächste Pionierleistung wäre dann wieder das Beamen! Übrigens ist das (Beemer) der Spitzname für BMWs hier in Amerika. Kommt wohl von Be-eM-er (das W ist zu umständlich).

Viel zu sehen? Ja schon, aber es sieht alles gleich aus. Schrecklich viel Landschaft aus Sand, Steinen und niedrigsten Dornenbüschen. Und Straße - einsame Straße - Hwy 50! Außer einer kleinen Infohütte zum Pony-Express gibt es nur noch 1-2 m tiefe Erdbebengräben zu sehen, die aber schlecht ausgeschildert und leicht zu übersehen sind.

Übrigens - auf unserem Programm standen bislang schon folgende Staaten: Alaska, Yukon, British Columbia, Washington, Oregon, Kalifornien und jetzt Nevada. Jedesmal wenn ich erzähle, daß ich "mal schnell zum Grand Canon und dann wieder nach San Francisco" will, lacht mich aus. Na ja, ist ja nichts Neues, daß ich verrückt bin.
Heute habe ich Scott erreicht, den ich in Kanada kennengelernt habe. Er wohnt in LA und hilft mir mit Ersatzteilen, Werkstatt und was man sonst noch brauchen kann. Er und seine Frau Patsy freuen sich auf meinen Besuch.

Am Hang oberhalb der wüsten Ebene erlebe ich einen schönen Sonnenuntergang während sich die Lisl leise in den Schlaf weint.
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=zjlxtcrlfdczgaem

Kommentare:

  1. Hallo Susanne,
    danke für deine sehr interessanten Beiträge. Im Gedanken sind wir dabei. Wir sind uns beim Pielmeier und auch öfters bei Audi begegnet. Pass auf dich auf.
    Gruß Manfred und Christa Adldinger

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  2. Hi Susi, wir sind wieder daheim und ich habe gerade Deine Berichte nachgelesen. Wau, die Geysire sind ja der Hammer !Da kann ich mit meinen Vulkankratern von Lanzarote nicht mithalten ....Weiter gute Fahrt ! Claudi

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