Freitag, 17. Januar 2014

Wieder mal ist alles anders

Um 6 Uhr bin ich fit! Es war eine ruhige und relativ warme Nacht. Gerade als ich mal rausschaue, bricht nebenan auf dem Gelände ein großer Campingbus auf. Ich möchte früh in El Chalten sein, um alles zu sehen und zu genießen, was es dort gibt. Also verschiebe ich auch das Frühstück auf später - es sind ja nur ca. 2 h Fahrt. Punkt sieben Uhr bin ich unterwegs.

Im Morgenlicht ist die Landschaft noch viel phantastischer als gestern! Die Sonne wirft ihre ersten goldenen Strahlen über die Bergkante und die Wolken spielen auf der Erde Schattenspiele. Es it kalt aber wunderschön! Ich muß unentwegt anhalten und fotografieren. Auch Lamas (eigentlich heißen die hier Guanacos) gibt es wieder jede Menge. Manchmal stehen sie auf einem Kamm oder einer Kante und geben gegen den blauen Himmel ein herrliches Bild ab! Leider viel zu weit weg zum fotografieren. Die Schattenseite ist, daß die Tiere auf der Flucht oft im Zaun hängen bleiben und dort verenden. Sehr viele Skelette zeugen davon. Auf halbem Weg liegt ein kleiner See, eigentlich ist es nur eine Pfütze. Er ist jetzt am Morgen voll mit Flamingos. Die schneebedeckten Berge, auf die wir zufahren leuchten im Morgenlicht, natürlich verstecken sich auch ein paar in den Wolken. Zwei Gletscherzungen sind in der Ferne erkennbar.

Die Tanke öffnet um 9 Uhr (hab ich mir gestern gemerkt), wir sind kurz darauf da. Die Schlange ist noch nicht so schrecklich lange, 3 Autos vor mir steht ein Motorrad. Nach einiger Zeit kommt der Fahrer zu mir, er ist Brasilianer. Die Unterhaltung ist schwierig. Kuzrz darauf treffen seine zwei Gefährten ein, einer davon spricht sehr gut englisch. Die beiden wollen nicht tanken, sie habne eine "mobile Tankstelle" - nämlich der Typ, der vor mir in der Schlange wartet. Sein Moped ist ausgestattet mit Benzinkanistern.

So, zum Infozentrum. Es gibt zwei davon - das erste erzählt etwas über den Nationalpark und vermittelt Verhaltensregeln. Keine Broschüre oder Sonstiges. Das zweite verkauft Ausflüge. Auch nichts für mich. Ich bekomme so langsam heraus, daß man hier eigentlich nur wandern und dabei die Landschaft genießen kann. Der Ort ist voll von Wanderern und Radfahrern. Also eigentlich nichts für mich, anders als erwartet - ich lasse die Atmosphäre dennoch auf mich wirken. In einem Cafe gibt's jetzt Frühstück und Internet.
Eine Mail von Pavel, einem "Stahlratte"-Gefährten. Er ist in der nächsten Ortschaft, die ich ansteuere und will heute zum Perito Moreno-Gletscher. Da will ich auch hin. In diesem Moment entscheide ich, daß ich also El Chalten kurz fassen und mich nach El Calfate und dem Gletscher aufmachen werde. Es sind über 300 km, aber beste Asphaltstraße. Und die Lisl rennt! Aber nur, wenn sie anspringt. Ein neues Problem taucht auf - die Batterie ist leer. Anscheinend wird sie nicht ordentlich geladen und das häufige anhalten und starten hat sie leergesuckelt. Mist! Was kann ich noch tun, damit sie wieder geladen wird? Mir fällt nichts ein. Also hoffe ich mal, daß wir in diesem Zustand die Reise noch überleben können.

Die Fahrt nach El Calfate ist flott und entspannt. Ich kann die herrliche Landschaft in vollen Zügen genießen. Bei den häufigen Fotostops mache ich den Motor jetzt einfach nicht mehr aus. Außer der üblichen Geröllwüste mit etwas Gestrüpp gibt es hier jede Menge Seen und Flüsse. Sümpfe, ein paar Sanddünen und grüne Weiten. Und natürlich immer wieder Berge in der Ferne. Entweder flache von den Flüssen abgegrabene Felsen oder spitze schneebedecke Gipfel. Ich kann mich mal wieder nicht sattsehen. El Calfate selbst ist wieder mal ein Touristendorf. Teuer. Aber es hat was, ich spüre einen gewissen Flair. Es sieht sauber und adrett aus und hat sogar ein Straßencafe an der Hauptstraße. Nebendran ist der Supermarkt, in dem ich für das Abendessen Kartoffeln und Frischkäse kaufe. Ich nehme mal 2 Kartoffeln mehr mit, vielleicht treffe ich ja Pavel?

Und dann ab zum Park - es sind immer noch 70 km! Um 7 Uhr werde ich dort sein. Direkt am Gletscher sollen die Campingplätze sein. Mein Timing ist gut, am Parkeingang wedelt der Ranger schon mit den Eintrittskarten. Als er erfährt, woher ich komme, ruft er den englischsprechenden Kollegen zu Hilfe. 130 Pesos kostet der Eintritt (ich weiß). Und dafür darf ich im Park auf dem Campingplatz übernachten? Nein, der Campingplatz ist geschlossen. Wegen Vermüllung. Eine Welt bricht zusammen, schon zu Hause habe ich mich auf diesen Platz gefreut! Außerdem haben mir heute morgen 2 deutsche Motorradfahrer erzählt, daß man dort eine Nacht bleiben darf. Keine Chance! Aber "nur 30 km" von hier gibt es 2 sehr schöne Campingplätze, einer ist frei, der andere kostet etwas, hat aber dafür "full service". Sie sind 3 km auseinander.

Was bleibt mir anderes übrig? Ja, ich könnte nach 5 km an der Brücke direkt am Fluß wild zelten, aber was ist mit Pavel? Ich werde auf jeden Fall zu den Campingplätzen fahren. Piste! 30 km! Das dauert ja eine ganze Stunde?! Voller Zweifel was ich hier wieder für einen Quatsch mache, fahre ich zu. Die Piste ist ordentlich und ich kann sogar gelegentlich über 50 km/h fahren - ohne Rücksicht auf Verluste. Aber es zieht sich doch hin. Immer noch 6 km... Ups, da bin ich am Schild "freier Camping" vorbeigefahren. Zurück und reinfahren. Ein baum- und grasbewachsener leichter Hang erstreckt sich zum See hin. Ein paar Wohnmobile verstecken sich hier und da. Ich möchte einmal rumfahren, um dann den anderen Platz zu besichtigen. Als sich der Weg gabelt und ich kurz innehalte um zu überlegen, naht von hinten ein Motorrad. Pavel!!! Tatsächlich! Und er ist auch soeben erst eingetroffen!!! Das ist timing! Er muß direkt hinter mir gefahren sein! Er ist unschlüssig und möchte eigentlich einen vollen Service mit Laden und allem drum und dran. Ich habe alles was ich brauche. Ok, dann bleiben wir hier! Es gibt einen Tisch und Bank, dort setze ich gleich mal die Kartoffeln auf. Bis die Zelte stehen und alles ausgepackt ist, können sie garen. Wir haben viel zu reden (auch mit vollem Mund). Es schmeckt - die Mahlzeit wird mit Thunfisch und Wurst ergänzt, der Frischkäse mit Brühwürfel und Zwiebeln aufgepeppt. Zum Nachtisch gibt es Studentenfutter aus dem Laden mit der hübschesten Verkäuferin (sagt Pavel)! Pavel findet mit viel Müh und Not ein wenig Holz, aber das Feuer gibt nicht wirklich warm - wir sind im Gletscher-Nationalpark! Brrr.

Pavel will den "einfachen" Weg an der Ostküste nach Ushuaia nehmen, ich möchte gerne noch die "Torres del Paine" besichtigen, aber da muß ich wieder 50 km Piste hin und zurück fahren. Ob ich das wirklich mache, weiß ich noch nicht. Also werden sich unsere Wege morgen wieder trennen, vielleicht bis in Ushuaia?

Ich habe mir sagen lassen, 1 oder 2 Stunden für den Gletscher wären viel zu kurz - also stelle ich mich darauf ein, den ganzen Tag dort zu verbringen. Ich bekomme von einem Schwaben hier auf dem Platz eine Eintrittskarte geschenkt, die man angeblich noch einmal benutzen kann. Mal sehen...schließlich waren wir ja heute mit 420 km sehr fleißig!

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=reknyujnemigvxfk

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