Freitag, 13. Dezember 2013

Geliebte Bergwelt

Ein kühler und bedeckter Morgen. Ich muß mal wieder nach Öl und Luftdruck bei der Lisl schauen - die Aufmerksamkeit gefällt ihr wohl, denn sie springt freudig an! Der Hotelbesitzer leistet mir die ganze Zeit Gesellschaft, fragt nach allem Möglichen und erzählt mir viel Interessantes (ich gehe mal davon aus, daß es interessant ist). Unter anderem will er wissen, wie man "München" richtig ausspricht, er ist Fußball-Fan.
Schon am Ortsausgang steigt mein Adrenalinspiegel auf das nötige Niveau: als ich auf Höhe des Führerhauses an einem parkenden LKW vorbeifahre, legt der auf einmal los und krezut die Straße! Mit einem Schlenker können wir gerade noch um die Stoßstange herumkurven - mein Schutzengel hat wieder mal super Arbeit geleistet!
Etwa eine Stunde fahren wir ziemlich entspannt auf Asphalt nach Huaraz - das ist wieder eine sehr belebte und daher anstrengende Stadt; wie immer ist es auch schwierig, den richtigen Ausgang zu finden. Dafür werden wir jetzt belohnt - eine gute Straße, fast kein Verkehr! Wir rollen genüßlich dahin. In einem kleinen Minenstädtchen gibt es ein paar hübsche Motive. Oh, was war das denn? Andre & Arun! Sie haben in Huaraz übernachtet (starten wohl morgens später) und wolle heute noch bis Lima, denn Arun braucht Ersatzteile für seine Kuh. Also dann, gute Fahrt, man sieht sich auf der Straße! Ich möchte nicht nach Lima, daher plane ich, kurz vorher zu übernachten und morgen auf der Autobahn möglichst schnell daran vorbeizukommen. Mein Tag sieht also heute wenig Kilometer vor.

Eine Polizeikontrolle. Die wollten in Peru bisher nie etwas von mir, aber hier soll ich anhalten. Guten Morgen - wie geht's? Ich werde freundlich mit Handschlag begrüßt - ich lache und begrüße den Polizisten wie einen alten Freund. Smalltalk über woher / wohin. Die beiden anderen Motorradfahrer? Ja, die kenne ich, aber wir fahren getrennt; ich bin ganz alleine - wirklich. Ich zücke den Foto für das herrliche Panorama. Davon gibt es hier noch viel, ich soll es genießen! Ja, das werde ich. Eine gute Weiterfahrt wünscht er mir und verabschiedet mich wieder mit Handschlag. Das war mal ein nettes Treffen!


Wow! Ist das eine Landschaft! Unmerklich hat sich die Straße bis auf 4000 m (!) hochgeschraubt! Hier oben herrscht die typisch karge Hochgebirgsvegetation. Irgendwo hier sammelt sich der Rio Santa, dem wir gestern schon den ganzen Tag gefolgt sind. Ich liebe diese Weiten, die wenigen Kühe und Schafe, die kleinen Bäche, die Felsen und dieschneebedeckten Berggipfel! Es ist saukalt, aber das gehört dazu. Den Regen, der sich jetzt breit machen will, ignoriere ich erfolgreich - es kommt ja schon wieder hell. Meine Welt!

Hier oben am höchsten Punkt gibt es eine kleine Ortschaft und einen See. In fast jedem Haus wird Käse und Honig verkauft. Schade - ich werde davon nichts mitnehmen oder brauchen. Und dann geht es abwärts! Serpentinen! Gute Straße. Herrliche Ausblicke! Nur wenige LKWs, die leicht zu überholen sind. Etwas tiefer kommen mir dann etliche Konvois entgegen. 2 Schwertransporter mit Reifen für große Radlader und eine Menge Benzinlaster. Recht zügig fährt der erste Schwertransporter in die enge Serpentine und holt ganz weit aus. Bis zum Bankett. und wo soll ich fahren??? Ich kann nur auf den äußersten Rand des Banketts flüchten und dabei den Motor abmurksen. Das war knapp - die fahren einfach weiter. 50 m weiter meint einer der Tanklaster, er müsse den  anderen Schwertransporter überholen - ich zähle überhaupt nicht. Schon wieder Flucht auf's Bankett. Wenigstens bedankt der sich... Auf der Talseite von steilen Bergen auf unsicheres Bankett ausweichen zu müssen, das mag ich überhaupt nicht! Umso vorsichtiger fahren wir weiter - zum Glück ab jetzt ohne weitere Abenteuer.

Die wilden Berge weichen zurück, Zuckerrohr- und Maisfelder machen sich breit. In den Ortschaften werden zwischen Straße und Häusern Mais und Paprika getrocknet. Ob die wohl in unsere europäische Nahrungskette gelangen??? Wer weiß, welche Viecher vorher da drüber gerutscht sind und was die hinterlassen haben. Erst ab der europäischen Grenze gilt vermutlich das "Reinheitsgebot".An einer Brücke neben der Straße mache ich eine kurze Mittagspause, lasse die Füße über den Fluß baumeln und kann 2 knallrote Sittiche beobachten. Ein paar Schulkinder auf dem Nachhauseweg grüßen seeehr höflich!
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Den Empfehlungen meines Hoteliers (und Masseurs) folgend steuere ich Paramonga an. Entweder bin ich hier völlig falsch, oder wir haben uns falsch verstanden. Der Ort besteht aus einer Fischfabrik und weit weg vom Meer einem kleinen Marktplatz. Ansonsten Sand- und Staubwüste zwischen den Lehmhütten. Ach ja, und um ein Gefängnis mußte ich herumkurven. Nein, da fahre ich lieber 10 km weiter in das größere (häßliche?) Barranca. Mein Navi kennt dort ein einziges Hotel, in dessen Richtung wir steuern. Auf dem Weg äugen wir nach anderen Hotels - und da leuchtet auch schon ein großes neues Schild "Costa de Oro". Sieht gut und sauber aus. Tarif sind 70 Sol - ich bekomme es für 50 Sol angeboten und auf der Frage nach einem billigeren Hotel werden wir bei 45 Sol handelseinig. Mein sehr großes 4-er-Zimmer liegt im zweiten Stock; ein Fenster zum Meer, das andere in den Hof zur Lisl.

Jetzt ist Internetzeit, d.h. Blog schreiben und Route für die nächsten Tage planen. Aber ich trödel rum, schreibe mit meiner Tochter und skype mit  meinem Mann. Wie die Zeit vergeht...

Eine ganze Zeit später mache ich mich also auf, den Strand zu erkunden. Mein Hotelier hat gesagt, dort gäbe es Restaurants. Eine lange Treppe führt hinunter zum Strand, an einem öffentlichen Schwimmbad vorbei. Um direkt zum Wasser zu gelangen muß ich über eine Mauer klettern, dann kann ich einen langen Sandstrand barfuß genießen. Es hat eine ordentliche Brandung und das Wasser ist pazifisch kalt. Obwohl hochgekrempelt, werden meine Hosen natürlich wieder naß... Es ist nicht viel los am Strand, ein paar Fischer, dann eine Handvoll Möchtegern-Surfer. Gerne schaue ich bei einem Fußballspiel zu; Männer zwischen 20 und 50 vergnüngen sich hier barfuß. Es gibt kein Spielfeld, die Grenzen sind die Uferpromenade und das Meer. Sie haben ihren Spaß!
Bis jetzt habe ich noch kein Restaurant gesichtet. Am Ende des Strandes sieht es so aus, als ob dort etwas zu finden sein könnte. Ich genieße den Spaziergang und messe mich mit den Strandläufern (Vögel) - die staksen vorsichtig in das nasse Wasser und wenn eine Welle kommt, reißen sie ganz schnell aus. Am Ende des Strandes stehen ein paar Mopeds - ob die wohl hier eine Strandfahrt machen wollen? Eine der Maschinen kommt mir doch bekannt vor...ja, und auf einer anderen erkenne ich das Zeltgestänge am Lenker! Es sind die Argentinier! Damit hat nun wirklich keiner gerechnet. Große Freude auf beiden Seiten! Sie sind bei einem einheimischen Motorradfan untergekommen, der mich gleich zu sich einladen will. Aber ich habe doch schon ein Hotel! Zum Essen? Am Abend? Eigentlich habe ich jetzt Hunger. Aber um die Lisl zu bewundern und fotografieren dürfen gerne alle in mein Hotel kommen. Um 8 sind wir verabredet.
Die Meute bringt mich noch in die Stadt, direkt zu einem empfehlenswerten Restaurant. Bis nachher! Zurück gehe ich bis zum Marktplatz, dann möchte ich doch einmal so ein Tuktuk ausprobieren. Ist ganz lustig. Gemeinsam navigieren wir für 1,5 Sol in meine Heimat.

Kurz nach 8 Uhr taucht Cesar (der Fan und Mopedmechaniker) mit den beiden Argentiniern auf. Er hat seine Frau, die Tochter und den kleinen Sohn dabei. Die Lisl wird bewundert, soweit das bei Nacht möglich ist. Wir reden eine Menge Benzin (einer der Argentinier kann gut englisch); selbst meine Küche wird bestaunt. Meinen Benzinkocher zeigt er der lieben Frau. Cesar ist sooo begeistert und bedauert, mich nicht früher kennengelernt zu haben - er schießt jede Menge Fotos und ich muß seine Facebookseite "liken". So bleiben wir in Kontakt. Ich trenne mich von einem Röhrchen Brausetabletten für die Kinder, einem Entfernungsmesser für Landkarten und meiner Luftpumpe. Der eine Argentinier hatte gestern zum zweiten Mal einen Platten, seine Fahrradpumpe hat beim 12. Hub den Geist aufgegeben - er hat mich vorher schon gefragt, wo man so eine Metallpumpe kaufen kann. Ich glaube, damit habe ich wirklich eine große Freude bereiten können. Nach zwei Stunden gibt es einen ganz herzlichen Abschied - gute Nacht und allzeit gute Fahrt!





http://www.gpsies.com/map.do?fileId=xajxlmbvyrkckhuk

Kommentare:

  1. Was ist Tuktuk ? gr. Claudi

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    1. Tuktuk heißen in Indien die Motorradrikschas. Anscheinend sagen sie hier auch so dazu.

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