Samstag, 30. November 2013

Susi macht wieder Quatsch

Lisl - aufwachen! Wir wollen weiter! Sie wischt sich eine Ölträne vom Öldruckschalter und blinzelt mich an. Was? Der Schalter wurde doch in Panama für teures Geld ausgetauscht?! Danach war die Lisl trocken. Bis jetzt! Na, das war aber eine nachhaltige Reparatur!
Die Suche nach einem 36-er Ringschlüssel für das Lenkkopflager setze ich heute fort. Wo immer ich eine vielversprechende Werkstatt am Straßenrand sehe, kehre ich ein. Das Spiel ist immer das selbe und tötet mir irgendwann den Nerv. Obwohl ich sage "ich suche einen 36-er Ringschlüssel" will der Mechaniker zuerst mal wissen wofür. Besichtigung des Lenkkopflagers. Dann kramt er eine Nuß heraus. Obwohl ich abwinke, wird sie probiert. Sie paßt nicht, der Lenker ist im Weg. Dann kommt der Franzose dran - der öffnet immer nur bis 32. Tja, dann haben sie keinen Schlüssel. Ich kann aber jetzt nicht einfach dankend weiterfahren, nein, jetzt muß ich mir 10 min lang erklären lassen, wer wo bestimmt einen passenden Schlüssel hat! Danke. Adios. Wir machen uns wieder auf die Jagd. Die Jagd nach dem Kopf der Dieselschlange. Oder die Flucht vor der hinter mir Fauchenden.
Ich weiß nicht genau wo, aber irgendwann zweigt eine Nebenstraße ab. Sie führt über Bolivar und La Cruz nach Pasto - sagt Google. Mein Navi sagt nix. Auch die Karte kennt sich hier nicht aus. Aber Susi ist mal wieder übermütig und freut sich auf Nebenstraßen. Und es gibt die Straße! Bis Bolivar werden 56 km angekündigt und nach Santiago (das ich aber auf der Karte nicht finden kann) sind es 115 km. Wow! Das ist (fast) perfekt!!! Perfekt ist der nagelneue herrliche Asphaltbelag, perfekt sind die 35-er-Kurven (km/h), perfekt ist die Aneinanderreihung von rechts-links-rechts, perfekt ist der Sonnenschein und die klare Luft. Sogar riechen kann ich wieder - nach Erde und Planzen. Perfekt sind die verschlafenen Dörflein, perfekt ist die Abwesenheit von fahrenden Hindernissen! "Was wird die Strafe dafür sein?" frage ich mich schon. Was soll's, jetzt wird genossen und entspannt! Das denkt auch die Lisl - sie entspannt sich total. D.h. eigentlich den Kupplungszug. Zingggg! Der Zug ist nicht ganz ab, aber er hat sich soweit gelängt, daß die Kupplung nicht mehr ordentlich trennt. Bitte lieber Kupplungszug, halte bis heut abend aus! Diese herrliche Kurvenstrecke ist leider nicht gerade kupplungsschonend. "Fast" sind auch meine Sorgen um das Lenkkopflager und das nichtvorhandene Reifenprofil.
Trotzdem genieße ich. Phantastische Ausblicke - wunderschöne Berglandschaft! Ein paar Wölkchen am strahlendblauen Himmel. Knappe 30 Grad. Fast fange ich schon an zu singen. Da kommt mal wieder eine Baustelle - aber die sind bei dem wenigen Verkehr schnell durchfahren. "Vor der Brücke nach oben!!!" ruft mir der Tafelwärter im Vorbeifahren noch zu - ja, das steht ja auch "Umleitung". Ganz schön schwierig, diese Umleitung. Aber sie ist ja gleich vorbei. Ups, der geschotterte Bergweg führt immer mehr von der eigentlichen Straße weg, wird immer ausgewaschener, steiler und schwieriger! In welchen Hinterhalt haben die mich hier gelotst? Oh, da ist ein LKW vor mir, dann wird das wohl schon seine Richtigkeit haben. Tatsächlich erscheint nach etwa 5 km das Ende der Baustelle. Nicht, daß wir jetzt auf der "richtigen" Straße wären, ab hier darf man wieder 2-spurig fahren. Schwieriger Bergweg. Ortschaft in Sicht! Das muß Bolivar sein. Eine Krezung. Wohin? Die beste Straße fäührt nach links, aber vorsichtshalber frage ich mal. Nein, garantiert nicht links, da hört die Straße auf. Wo ich hinwill? Pasto? Der Mann schüttelr voller Unverständnis den Kopf. Da geht es hier nicht hin. Ich schlage noch 2 Orte vor, die ich auf der Karte finde, und von wo aus Straßen nach Pasto eingezeichnet sind. Ja, San Pablo und San Lorenzo. Da muß ich rechts in die Ortschaft hinunter und dann...den Rest verstehe ich nicht. Aber die Straße ist schlecht - so wie hier. Es sind knapp 50 km. Und ob dort tatsächlich eine vernüftige Straße weiterführt bleibt offen. So ganz einig  über den Straßenzustand sind wir uns nicht. Ob es gefährlich wäre, frage ich. Da schaut sich der Mann um, kommt ganz nah zu mir und flüstert "Gerilla". Er würde dort nicht freiwillig hinfahren. Das sind mir jetzt genug Argumente - ich drehe um! Der Mann ist sichtlich erleichtert, wir verabschieden uns mit einem herzlichen Händedruck und Gottes Segen.
Mir graut ein wenig vor dem schwierigen Rückweg. An der Baustelle warten 3 Mopeds, die lasse ich gerne vor. Die beiden Jungs sind mit ihren Fahzeugen schnell außer Sicht. Dann sind da noch 2 Mädels auf einem Roller, die fahren sehr umsichtig. Ich klemme mich einfach dahinter. Ich glaube, die kennen den Weg genau, sie fahren ihn sicher täglich. Bevor ich mir noch richtig Sorgen machen kann, haben wir es hinter uns - danke Mädels, ihr wart gute Führer! Das Abenteuer wird als "schöner Ausflug in Kolumbiens Bergwelt" verbucht.
Nach 3 Stunden hat uns die Dieselschlange wieder und die Jagd geht weiter. Auf weite Strecken ist die Straße zwar asphaltiert, aber holpriger als eine Waschbrettpiste. Arme Lisl. Bis Pasto werde ich das heute nicht mehr schaffen, es ist schon halb vier. Dummerweise kennen sowohl Karte als auch Navi vorher keine Ortschaft, in der man ein Hotel vermuten könnte. Eine groß angekündigte Raststelle (Tankstelle, Restaurant, Hotel) steht leer und ist abgezäunt. Ich möchte aber unbedingt vor Dunkelheit einen Schlafplatz haben! Gegen fünf Uhr ist wieder ein Hotel angekündigt - ist auch leicht zu finden. Für den Spottpreis von 18.000 Pesos bekomme ich ein großes leeres Zimmer. Doch, ein Bett steht drin. Der größte Luxus ist ein Lüfter. Kaltes Wasser (die Dusche ohne Brausekopf) und natürlich KEIN Internet. Husch, husch umziehen - ich muß noch den Kupplungszug wechseln, solange es hell ist! Hat geklappt und grade gereicht! In der Dämmerung packe ich das Werkzeug ein. Aber jetzt könnte ich ja nochmal einen Versuch "36er-Schlüssel" starten? Diesmal nehme ich einen kleinen Ringschlüssel als Beispiel mit. Man versteht, was ich will, aber erfolgreicher bin ich deshalb auch nicht.
Da mein Hotel kein Internet hat, geh ich mal schauen, ob es in diesem Ort sonst irgendwo ein Netz gibt. Etwas zu Trinken und am Straßenstand ein Würstchen mit Kartoffeln nehme ich unterwegs mit. Ich finde kein Internet, aber auf dem Rückweg einen Dorfplatz, an dem anscheinend etwas geboten wird. Ich setze mich auf die Tribüne und warte. Gegenüber ist ein Podest mit Baldachin und einer Luftballongirlande aufgebaut. Dort wohnt die Technik und die Organisation. Fast eine Stunde lang gibt es Mikroprobe, Ansage, dann wieder Mikroporobe, Musik aus den Lautsprechern, Pfeifen, ohrenbetäubende Musik...ich halte alles aus. Der Ansager ist bis zum Hals zu sehen, der Kopf versteckt sich hinter den Ballons. Dann wieder eine (kopflose) Ansage - irgendeine Schule hat 25-jähriges Bestehen und aus diesem Anlaß gibt es etwas ganz Besonderes erklärt (vermutlich) der Dirketor. Musik. Im Hintergrund üben ein paar Tänzer. 20 min später eine Ansage: Schulgeburtstag und ein ganz besonderes Programm. Musik. Die Ansage...usw. Aber jetzt! Jetzt geht es wirklich los! Ja, mit den übölichen Reden. Und dann mit der Nationalhymne. Und dann kommt die Schulhymne. Und dann müssen alle "happy birthday" singen. Und dann...eine Ankündigung: ein Junge, 9 oder 10 Jahre alt, fein kostümiert und mit breitem Sombrero tritt auf den Platz. Er soll die weitere Moderation übernehmen. Sein Mikro ist stumm. Er wird nocheinmal vom Schuldirektor angesagt - das Mikro bleibt stumm. Der kopflose Direktor übernimmt die weiteren Ansagen. Irgendwann geht der Junge einfach vom Platz. Es werden ein paar Revue-Nummern von den Schulkindern gezeigt. Anschließend tritt ein Pärchen mit einer akrobatischen  Tanzeinlage auf. Danach wird endlich ein heißer Salsa gezeigt. Die machen das toll! Ich freue mich, daß ich so lange ausgehalten habe, obwohl mir der Hintern schon ordentlich weh tut. Mitten im Schritt - Stromausfall!!! Die Musik schweigt. Auch der Ansager. Jetzt mag ich nicht mehr - wer weiß, wie lange so ein Stromausfall dauert....

Kommentare:

  1. z z z , susi den lenkopfschluessel hat doch jeder in seinem originalen bmw bordwerkzeug drin?hast du den etwa aus gruenden der gewichtsersparnis zu hause gelassen ???

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    1. Ich hab den nicht. Glaube auch, nie gehabt zu haben, kann mich zumindest nicht erinnern. Aber 25 Jahre - da kann schon mal was verloren gehen...

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